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Journal

Im Dreiländereck rund um Basel hat sich in den letzten Jahrzehnten ein engmaschiger Kunstkosmos etabliert. Museale „Hochkunst“ findet ihre Ergänzung in anspruchsvollen Programmen lokaler Veranstalter. Krönung all dessen wird die IBA 2020 sein. Aber schon jetzt ist der Landstrich ein lohnendes Ziel

Kunstzentrum von Weltformat



Wie gestapelte Häuser mutet das 2010 eröffnete „VitraHaus“ von Herzog & de Meuron als Tor zum Vitra-Firmengelände in Weil am Rhein an

Wie gestapelte Häuser mutet das 2010 eröffnete „VitraHaus“ von Herzog & de Meuron als Tor zum Vitra-Firmengelände in Weil am Rhein an

Wichtige Ereignisse werfen oft lange Schatten voraus. Im Jahr 2020 findet in und um Basel die internationale Bauausstellung statt. Unter dem Motto: „Zusammenwachen und zusammen Wachstum“ wurde unlängst in der 800.000 Einwohner starken „trinationalen Metropolregion Basel“ ein langjähriger Entwicklungsprozess für die „IBA 2020“ gestartet. Eigentlich nötig scheint dies nicht; denn schon seit Jahren nimmt die Gegend eine mit großen Metropolen vergleichbare Spitzenstellung auf den Feldern bildender Kunst und zeitgenössischer Architektur ein.


Im Brennpunkt verschiedener Kulturen stand der Großraum Basel schon immer. Heute unter den Vorzeichen der Globalisierung scheinen sich die Baseler fast schon blind im Trubel weltweiter Vernetzungen zu bewegen. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft perfekt erreichbar, verleiht die bezaubernde Landschaft eine zusätzliche Attraktion. Die Strahlkraft der Wirtschaft bewirkt ihr übriges: Eng verflochtenen spielt die Industrie ihre Rolle auch im Kulturengagement aus. Einst als Farbenfabriken begonnenen, produzieren in und um Basel rund 600 pharmazeutische Unternehmen. Novartis gilt weltweit als größtes und Hoffmann-La Roche als viertgrößtes Unternehmen dieser Branche. Viele ihre Anteilseigner treten als Mäzene hervor; hochrangige Werke in Museen sind Stiftungen vermögender Industriellenfamilien. Dazu dienen schon lange die Gebäude der Firmen als Aushängeschilder. Der Campus von Novartis avanciert mittlerweile zum Mekka zeitgenössischer Baukünste. Nach einem Gesamtplan des Italieners Vittorio Magnago Lampugnani entstanden hier Gebäude von Frank O. Gehry, Diener & Diener, SANAA und weiteren Stararchitekten.

Auch das 1996 eröffnete Museum Tinguely, entworfen von Mario Botta, die traumhaft gelegene Fondation Beyeler von Renzo Piano aus dem Folgejahr, das 2003 eröffnete Schaulager der Baseler Lokalmatadoren Herzog & de Meuron sowie weitere neue Institutionen bildender Künste sind Stiftungen Vermögender und Industrieller. Erstaunlich rasch erwarben sie sich allererste Reputation. Nukleus bildet alljährlich die Kunstmesse Art Basel, die seit diesen Frühsommer in einem neuen, aus gewebten weißen Bändern ummantelten Gebäude der Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron Quartier genommen hat. Heuer war mit 70.000 Besuchern ein neuer Rekord angesagt. So wird in jedem Monat Juni Basel zur Welthauptstadt der Kunst.

Fast fußläufig entfernt, im nahen Weil am Rhein, lockt der Möbelproduzent Vitra mit einem sich immer weiter entwickelnden Architekturensemble. Auf dem Firmengelände des 1934 von den Brüdern Fehlbaum als Ladengeschäft etablierten Unternehmens, das 1981 durch ein verheerendes Feuer zerstört wurde, sind die von 1981 bis 1986 errichteten Produktionshallen von Sir Nicholas Grimshaw, Álvaro Siza und das erst 2010 vollendete kreisrunde Gebäude von SANAA zu besichtigen, dessen Fassadenverkleidung einen weißen Vorhang nachbildet. Des weiteren bestechen ein Konferenzpavillon von Tadao Ando, die mittlerweile zum Wahrzeichen der Firma avancierte ehemalige Feuerwache von Zaha Hadid oder das renommierte Museum, das zusammen mit der Pforte samt angrenzender Halle von Frank O. Gehry zu einem einzigartigen Ensemble qualitätvoller Architektur emporgestiegen ist.

Hinzu kommen bei Vitra noch weitere, historische und restaurierte Kleinbauten berühmter Architekten, so etwa der 1975 erstellte „Dome“ von Richard Buckminster Fuller, eine Tankstelle aus dem Jahr 1953 von Jean Prouvé oder die 2006 kreierte Bushaltestelle von Jasper Morrison. Jüngstes Werk ist das 2010 vollendete, aus gestapelten Teilen kombinierte „VitraHaus“ von Herzog & de Meuron als markantes Tor zum Gelände. In dem Schauhaus können Teile der Möbelkollektion der Firma sowie aktuelle Produkte in Augenschein genommen werden. Der amerikanische Künstler Claes Oldenburg schuf 1989 die auffällige Stahlplastik „Balancing Tools“ zwischen dem Konferenzpavillon und dem Design-Museum.

Wie stark Weil am Rhein sich mit dem Design identifiziert und bewusst das Image als Stadt der Stühle nach außen kommuniziert, signalisieren dem Durchreisenden an zentralen Orten aufgestellte Stuhlmodelle. Die bis zu acht Mal vergrößerten Nachahmungen fußen auf Modellen der Vitra-Kollektion, die als eine der größten ihrer Art gilt. 1999 wurden die ersten neun Exemplare installiert, bis heute beläuft sich ihre Zahl auf 21. In dem Freilichtmuseum der „Maxiaturen“ begegnet man wegweisenden Stücken von Michael Thonet über Charles Rennie Mackintosh, Gerrit Rietveld, Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe bis hin zu Aldo Rossi.

Aber auch andere Objekte ziehen Besucher an. Dazu gehört der von Zaha Hadid im Zuge der Landesgartenschau „Grün 99“ südlich des Stadtzentrums platzierte Ausstellungspavillon. Damit kann sich Weil am Rhein rühmen, gleich zwei Bauten der renommierten Architektin zu beherbergen. Zu den weiteren spektakulären Bauwerken hier gehört die Dreiländerbrücke im Weiler Stadtteil Friedlingen. Sie verbindet die beiden Partnerstädte Weil am Rhein mit Huningue auf französischer Seite und quert den Rhein nur wenige Meter von dem in der Flussmitte liegenden geografischen Schnittpunkt der drei Länder. Die fast 248 Meter lange und 10 Millionen Euro teure, spektakuläre Bogenkonstruktion des österreichischen Architekten Dietmar Feichtinger mit dem Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä & Partner wird mit einer Stützweite von fast 230 Metern als längste Fußgänger- und Radfahrerbrücke weltweit gehandelt. Am 30. März 2007 wurde das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Bauwerk für den Verkehr freigegeben.

Wer einmal in die inspirierende Atmosphäre aktueller Kunstproduktion hineinschnuppert möchte, hat dazu im Friedlinger Kulturzentrum „Kesselhaus“ Gelegenheit. Wassertürme, Kaminschlote, von Sägezahndächern gekrönte Shedhallen dreier großer Textilfirmen prägten zwischen 1880 bis 1982 den Weiler Stadtteil. Die Überschwemmung des Marktes mit asiatischen Billigprodukten ließ den Unternehmen keine Überlebenschance. 1988 erwarb die Kommune deren hinterlassene Industriebrachen und reaktivierte das Gelände für kulturelle Nutzungen.

1994 wurde in der ehemaligen Werkstatt der Seidenstoffweberei Robert Schwarzenbach das Museum Weiler Textilgeschichte eingerichtet. In der alten Webhalle wurden 21 großzügige Ateliers integriert, bei deren Durchstreifen man vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen begegnen kann. Teils weltweit vernetzte Künstler haben hier den idealen Schaffensort gefunden. Darunter findet sich beispielsweise auch Stefan Winterle. Der bekannte Graffiti-Künstler präsentiert seine Arbeiten in Galerien in Melbourne, Washington DC, Teheran, Canberra oder Berlin. In weiteren Hallen arbeiten heute Dienstleistungsfirmen, ferner gibt es Probe- und Konzertsäle, Bildhauer- und Töpferstudios oder ein attraktives Restaurant.

Unmittelbar benachbart liegt die 50.000 Einwohner zählende Stadt Lörrach, die spürbar bemüht ist, im Reigen kultureller Betriebsamkeit mitzumischen. Nach der Sanierung bereichert ein ambitioniertes Skulpturenprogramm die Innenstadt. Rund 23 Brunnen, Denkmale oder Figuren, teils von internationalen Künstlern, laden zu einem Rundgang ein. Der Amerikaner Bruce Nauman schuf mit dem begehbaren „Truncated Pyramid“ im Jahr 1987 seine erste in Europa aufgestellte Arbeit. Zu den beachtenswertesten Werken gehören der „Granit Rosa Porriño“ von Ulrich Rückriem, die „Lörracher Sitzende“ des kürzlich verstorbenen Plastikers Franz Bernhard oder die auf einem vier Meter hohen, leuchtend roten Douglasienstamm stehende „Große Säulenfigur“ von Stephan Balkenhol sein.

Nicht vorbei gehen sollte man auch am Keramikrelief Max Laeugers an der katholischen Bonifatiuskirche. 1902 geschaffen, zeigt es den gekreuzigten Christus. Der 1864 in Lörrach geborene und hier 1952 verstorbene Künstler zählt zu den großen Universalisten des letzten Jahrhunderts. Er erwarb sich einen Ruf als Baumeister, Innenarchitekt, Maler, Zeichner, Pädagoge, Gartengestalter, vor allem aber als Keramiker. Das sehenswerte Lörracher Dreiländermuseum verwahrt den Nachlass seines Ehrenbürgers und wird ihm in 2014 eine große Retrospektive ausrichten.

Etwas außerhalb wartet für alle Freunde des Graffitis noch eine weitere Attraktion. Nach der 2010 erfolgten behördlichen Freigabe können Sprayer die 28 mächtigen, bis zu 20 Meter aufragenden Doppelpfeiler der das Stadtgebiet querenden Autobahnbrücke der A 98 für ihre Künste legal nutzen. Seitdem erwiesen sich die „Freewalls“ als Magnet sowohl für junge Nachwuchsmaler als auch für jene, die in diesem Metier zur internationalen Championsleague gehören. Auf einer Nutzfläche von 2.200 Quadratmetern lassen sich provozierende Motive der durch farbige Schriftzüge ausgewiesenen „Graffiti-Writer“, Sujets der mit Schablonen arbeitenden „Stencil-Künstler“ oder auch die figürlich-konkreten Motive der fotorealistisch abgebildeten, an Comiczeichnungen erinnernden „Graffiti-Characters“ aus nächster Nähe betrachten. Das Abschreiten der Pfeilerreihe gestaltet sich als ein Gang vorbei an fabelhaften Monsterwesen, Comicfiguren, Kritiken am Konsumverhalten oder der Obrigkeit bis hin zu lustigen Persiflierungen. Es ist ein Parcours durch die große Spannbreite der Spraykünste, deren Freiräume hier ausgiebig in Anspruch genommen werden mit der Folge, dass Verunstaltungen durch Sprayer in Lörrach deutlich zurückgegangen sind.

Als Drehpunkt der Künste macht seit einiger Zeit verstärkt das französische Mulhouse von sich reden, womit es an die kreative Tradition der auch hier einst maßgeblichen Textilindustrie anknüpft. Die protestantische Enklave im französischen Königreich unterlag nicht dem Verbot, Baumwollstoffe mit bunten Mustern zu bedrucken, und durfte die sogenannte „Indienne-Produktion“ ausführen. Vier junge Unternehmer gründeten 1746 eine Manufaktur, die das kleine Städtchen tiefgreifend veränderte. 1846 produzieren hier 45 Baumwollspinnereien. Erst in den 1970er Jahren verlor, bedingt durch zwei Ölkrisen und Produktionsverlagerung in asiatische Länder, die Stadt ihre Spitzenindustrie. Viele leer stehende Fabrikareale wurden umgenutzt.

Ein riesiges Ensemble stellen die Hallen der ehemaligen mechanischen Gießerei von SACM dar, in die nach umfassender Renovierung und Umwidmung die „Université de Haute-Alsace“, eine Bibliothek und das Zentrum für zeitgenössische Kunst eingezogen sind. Unter den parabolisch geschwungenen Sheddächern bespielen wechselnde Kuratoren die 700 Quadratmeter großen Ausstellungssäle mit jungen Positionen. Bis zum 25. August sind hier noch die schriftlichen und bildnerischen Erzählungen des 1975 in Berlin geborenen Künstlers Daniel Gustav Cramer unter dem Titel „Ten Works“ zu sehen. Ergänzend wird bei den Biennalen „Mulhouse 00“ zeitgenössische Kunst vorgestellt, an der junge Absolventen französischer, italienischer, deutscher und Schweizer Kunsthochschulen teilnehmen; die nächste ist für 2014 anberaumt.

Der öffentliche Raum steht gleichfalls im Fokus zeitgenössischer Künste. Unter den zahlreichen Plastiken sind insbesondere jene erwähnenswert, die seit 2006 im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Straßenbahn entstanden: Der Minimalist Daniel Buren hat eine Linie mit Bögen überspannt, die die Haltestellen anzeigen, Tobias Rehberger am Streckenverlauf einer zweiten Linie neun Arbeiten aufgestellt, die die Eigenschaften der Straßenbahn betonen.

Kontakt:

Vitra Design Museum

Charles-Eames-Straße 1

DE-79576 Weil am Rhein

Telefax:+49 (07621) 702 35 90

Telefon:+49 (07621) 702 32 00

E-Mail: info@vitra.com

www.kunsthallemulhouse.com



25.08.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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31.05.2013, Daniel Gustav Cramer - Ten Works

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Vitra Design Museum

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Fondation Beyeler

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Blick in das Atelier des Künstlers Niels Tofahrn
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Variabilder:

im Innern des neuen Wissens- und Kulturzentrum in Mulhouse
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Motiv aus der Bridge-Gallery in Lörrach

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Daniel Buren, Tram/Trame, 2003-2006

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Blick in das Atelier des Künstlers Niels Tofahrn

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Die heute als Atelierhaus genutzte ehemalige Webhalle des Friedlinger Kulturzentrum „Kesselhaus“

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Claes Oldenburg, Balancing Tools, 1989

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ehemalige mechanische Gießerei von SACM in Mulhouse

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Die ehemalige Feuerwache von Zaha Hadid auf dem Firmengelände von Vitra in Weil am Rhein

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Bruce Nauman, Truncated Pyramid, 1987

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Die Bridge-Gallery in Lörrach

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der 1975 erstellte „Dome“ von Richard Buckminster Fuller auf dem Firmengelände von Vitra in Weil am Rhein

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Dietmar Feichtinger und Leonhardt, Andrä & Partner, Dreiländerbrücke, 2007

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Blick in das Innere des Konferenzpavillons von Tadao Ando

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