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Die Diaspora als Lebensform: Die Hamburger Kunsthalle zeigt eine große Retrospektive zum Werk des amerikanischen Künstlers R.B. Kitaj

Ein Leben zwischen allen Stühlen



„The Sailor“ ist eines der Gemälde gleich im Auftaktraum der großen, alle Schaffensperioden umfassenden Retrospektive zum Werk des amerikanischen Künstlers R.B. Kitaj in der Hamburger Kunsthalle betitelt. Es zeigt einen gut aussehenden, farbigen jungen Matrosen im dunkelgrünen, ärmellosen Hemd mit hellblauer Ballonmütze und rotem Halstuch, der selbstbewusst und mit offenem Blick auf die See hinausschaut und bis zur Hüfte im Wasser steht. Wenn auch kein unmittelbares Selbstporträt, so kann dieses 1979 entstandene Bild dennoch programmatisch für das Leben und die künstlerische Entwicklung seines Urhebers angesehen werden. Häufige Ortswechsel, die Erforschung der eigenen Identität, aber auch die vergebliche Suche nach dem, was die moderne, fragmentierte Welt in ihrem Innersten zusammenhalten könnte, gehörten zu den Antriebskräften dieses erst allmählich vom Ausstellungsbetrieb wiederentdeckten Malers.


Die umfangreiche Hamburger Ausstellung bietet jetzt von den frühen collageartigen Gemälden wie dem rätselhaften Subkultur-Tableau „The Ohio Gang“ von 1964 bis hin zum 2004 entstandenen Selbstporträt als bärtiger, alter Mann mit Baseballmütze einen sehenswerten Überblick über das Gesamtwerk des 2007 verstorbenen Malers. R.B. Kitaj wird 1932 als Sohn eines Amerikaners und einer russisch-jüdischen Mutter in der Nähe von Cleveland geboren. Sein leiblicher Vater verlässt die Familie kurz nach seiner Geburt. Die Mutter heiratet wenige Jahre später den aus Wien in die USA geflohenen Juden Walter Kitaj, dessen Familiennamen der Junge annimmt.

Mit 17 heuert R.B. Kitaj zum ersten Mal als Seemann auf einem Handelsdampfer an. Ein Jahr später beginnt er ein Kunststudium in New York, das er später in Wien, Oxford und London fortsetzen wird. Doch zwischendurch fährt er immer wieder zur See, bereist Südamerika und die Karibik. An Bord lesend, entdeckt er in den Schriften Sigmund Freuds, Franz Kafkas oder Walter Benjamins eine andere, ihn zeitlebens inspirierende intellektuelle Welt. Mehr als dreißig Jahre seines Lebens verbringt Kitaj in London, wo er gemeinsam mit Künstlerkollegen wie David Hockney, Lucian Freud und Francis Bacon der alles dominierenden Nachkriegsabstraktion einen neuen figürlichen Malstil entgegensetzt, der unter dem Label „School of London“ Einzug in die Kunstgeschichte hält. Teile seines Werkes werden auch der britischen Variante der Pop Art zugeordnet.

Charakteristisch für Kitaj ist die intensive, für den flüchtigen Betrachter allerdings nicht sofort dechiffrierbare malerische Verarbeitung von Lektüreerfahrungen, historischen Ereignissen oder biografischen Details in anspielungsreichen Gemälden, Collagen, Pastell- und Kohlezeichnungen sowie Siebdruckserien. Bewegt durch den Eichmann-Prozess und die durch Hannah Arendt ausgelöste Debatte über die „Banalität des Bösen“, erforscht Kitaj ab Anfang der 1960er Jahre mit zunehmender Intensität seine jüdische Identität und die Möglichkeiten einer neuen, spezifisch jüdischen Kunst. Etliche Arbeiten, die sich mit jüdischen Persönlichkeiten wie dem Dichter Paul Celan, dem Philosophen Isaiah Berlin, der Sozialistin Rosa Luxemburg und insbesondere dem aus Hamburg stammenden Begründer des Mnemosyne-Bildatlas, Aby Warburg, beschäftigen, legen davon Zeugnis ab.

Seine Hin- und Hergerissensein zwischen Großbritannien und Amerika, der verlorenen Heimat seiner aus Europa geflüchteten Familienangehörigen und der selbst eroberten intellektuellen Heimat in der europäischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts beschrieb R.B. Kitaj, der sich, schwer von der Parkinson-Krankheit gezeichnet, am 21. Oktober 2007 das Leben nahm, einmal so: „Ganz und gar Amerikaner, im Herzen Jude, zur „School of London“ gehörig, verbringe ich meine Jahre weit entfernt von den Ländern, an denen mein Herz hängt. In der Diaspora habe ich erfahren, dass man frei ist, alles zu wagen; an vielen Orten kann man das nicht.“

Die Ausstellung „R.B. Kitaj – Die Retrospektive“ ist bis zum 27. Oktober zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 264seitige Katalog ist im Kerber Verlag erschienen und kostet im Museum 34 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



28.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


19.07.2013, Ronald B. Kitaj - Die Retrospektive

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Big Spender für die Hamburger Kunsthalle

Künstler:


R.B. Kitaj










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