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Die Bedeutung der Nürnberger Kaiserburg harrte bislang einer prägnanten geschichtlichen wie kunsthistorischen Darbietung. Nun stellt erstmals eine instruktive Schau ihren Rang vor

Das Aushängeschild des Reiches



Die Kaiserburg in Nürnberg

Die Kaiserburg in Nürnberg

Noch immer thront sie imposant auf dem Felsrücken hoch über Nürnberg, als wäre seit 1.000 Jahren nichts passiert. Bedingt durch die beherrschende Lage, prägt die Kaiserburg wie kein zweites Objekt die Silhouette der geschichtsträchtigen alten freien Reichsstadt, deren nach wie vor vom turmbewehrtem Stadtmauerring eingefasstes Inneres trotz massiver Zerstörungen seine Kleinteiligkeit bewahrt hat. Rote Satteldächer, Kirchtürme, schmucke Gassen und Plätze lassen Burg und Stadt schon rein optisch zu einem Ganzen verschmelzen. Die überragende Bedeutung der ausgedehnten staufischen Burganlage als imperiales Absteigequartier der von Pfalz zu Pfalz ziehenden Kaiser sowie Versammlungsort von Reichstagen war lange nicht griffig erfahrbar. Von Kemenate und Palas ließ der letzte Krieg in Teilen nur verkohlte Mauerstümpfe übrig, und der Wiederaufbau gestaltete sich zwar rasch, aber vereinfacht. Nun ist neues Leben auf die Nürnberger Kaiserburg eingekehrt.


Einher gehend mit einer grundlegenden Generalsanierung hielt die Schau „Kaiser Reich Stadt“ als dauerhafte Installation Einzug. Rund einhundert Exponate stellen aussagekräftig die Bezüge zwischen der Burg und dem Herrscher, dem Staat und dem Gemeinwesen vor. Doch auch nach deren regulären Ende im November bleibt alles wie gehabt; Leihgaben werden durch Gleichwertiges oder Kopien ersetzt, die Ausstellung wird von Dauer sein. 16 Millionen Euro war dies dem bayerischen Finanzminister wert. Nürnberg wird eine Reise wert bleiben.

Nukleus aller baulichen und künstlerischen Entwicklungen bildet das Jahr 1356. Am 10. Januar 1356 wurde auf einem Hoftag in Nürnberg die „Goldene Bulle“ verkündet. Als eine Art „Reichsgrundgesetz“ gab es dem eher amorphen Gebilde des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ eine ordnende Basis. Am 18. Juni 2013 nahm die UNESCO das Schriftstück in das Register „Memory of World“ auf und erklärte es somit zum „Weltdokumentenerbe“. Gleich zwei der sieben erhaltenen Ausfertigungen sind nun in der Kaiserburg im Original zu bewundern: Die Abschrift für die Reichsstadt Nürnberg ohne Goldsiegel sowie jene für den Pfalzgrafen bei Rhein. Benannt nach dem kostbaren Siegel aus Goldblech, besteht diese Ausgabe aus 24 Pergamentblättern mit Goldbulle an einer grünen Seidenschnur.

In diesem Dokument sind die Privilegien der sieben Kurfürsten festgelegt. Vor allem hatten sie den Kaiser zu küren, also mit Mehrheit zu wählen. Zudem werden der Frankfurter Dom als Wahlort, der Aachener Dom als Krönungsstätte und Nürnberg als Austragungsort des ersten Hof- und Reichstages festgelegt. Dieser Kern gibt den roten Faden für die Ausstellung vor. Wie funktionierte Herrschaft und Politik in der Wahlmonarchie des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das erst mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz II. am 6. August 1806 seine Existenz beendete, von 1356 an über 450 Jahre hinweg? Was fand auf der Nürnberger Kaiserburg statt, wer residierte hier und welche Bedeutung wohnten Stadt und Burg inne?

Der neu konzipierte Rundgang beginnt nun im unteren Rittersaal des Palas, wo eine Installation den öffentlichen, nach festen Regeln pompös inszenierten Einzug des von Pfalz zu Pfalz ziehenden Kaisers in die Stadt vorstellt. Danach gelangt man in die Doppelkapelle. Sie gilt als außergewöhnliches Werk romanischer Baukunst staufischer Herrscher. Die 1216 erstmals erwähnte Kapelle spiegelt die Hierarchie am Hof. Akustisch durch eine Gewölbeöffnung verbunden war die untere Ebene für Gefolgsleute vorgesehen, die darüber liegende dem Hofstaat vorbehalten. Der Kaiser und seine Familie verfolgten das Geschehen von der Empore. Hoher Rang wird der subtil ausgearbeiteten Bauplastik sowie dem Veit Stoß zugeschriebenen Altarkreuz zugesprochen.

Im oberen Saal des Palas, einst als Festsaal genutzt und heute als Kaisersaal bezeichnet, verdeutlichen Exponate die Herrschaftsstrukturen. Einer Monumentalskulptur Karls IV. von der Prager Karlsbrücke, angefertigt um 1385 von Peter Parler, stehen an der hofseitigen Wand Sandsteinreliefs der sieben Kurfürsten als „Säulen des Reiches“ gegenüber. Dabei handelt es sich um 1330 entstandene Zinnenreliefs eines mittelalterlichen Kaufhauses in Mainz. Themeninseln im Raum zeigen wertvolle Artefakte, etwa das Evangeliar Ottos III., Urkunden über hier tagende Hoftage, die ab 1495 als „Reichstage“ gewissermaßen Vorläufer der heutigen Parlamente sind, oder den um 1350 gefertigten Türzieher des Lübecker Rathauses mit der Darstellung der sieben Kurfürsten. In den angrenzenden Gemächern, einer beheizbaren Stube und Schlafkammer, residierten einst Herrscher, wenn sie in Nürnberg waren. Erhalten sind die im letzten Krieg ausgelagerten Holzverkleidungen und Adlerdecken.

Im Ecksaal schließlich werden die Beziehung des Kaisers und der Reichsinsignien zu Nürnberg thematisiert. Die normalerweise im Nürnberger Rathaus präsentierte Nachbildung der Reichskrone, dessen Original in der Schatzkammer der Wiener Hofburg verwahrt wird, schwebt über einem Holzmodell der Stadt Nürnberg. Datiert ins Jahr 1540 gilt es als ältestes topografisches Modell einer deutschen Stadt. Die Reichskleinodien, also der Kronschatz des Reiches, wurden ab 1424 gleichfalls in Nürnberg verwahrt. Das ehemals in der Nürnberger Heiliggeistkirche behütete Ensemble aus Krone, Reichsapfel, weiteren Insignien, Ornate sowie auf himmlischen Beistand anspielende Reliquien ist heute in Wien beheimatet.

Ebenfalls neu arrangiert wurde die Einbeziehung der Kemenate in einen ohne Führung selbständig zu bewältigenden Rundgang. In Fortsetzung des thematisch angelegten Präsentationskonzeptes bespielt diesen Teil das Germanische Nationalmuseum mit seiner erstklassigen Waffensammlung. Von Schwertern über Stangenwaffen oder Topfhelmen bis hin zum Kettenhemd reicht die Auswahl, die zugleich auf die Rolle Nürnbergs als bedeutendes Zentrum der Waffen- und Harnischproduktion im 14ten und 15ten Jahrhundert abhebt. Astronomische Geräte sowie Exponate zur Bau- und Burggeschichte ergänzen die Auswahl. 1806 fiel die Burg an das Königreich Bayern. Eigentlich war nun das düstere Gemäuer funktionslos; Stube und Kammer wurden als Aufenthaltsquartier für den bayerischen König eingerichtet und neugotisch-romantisch überformt. 1945 teils bis auf die Grundmauern zerstört, überstand nur die Doppelkapelle den Krieg unversehrt. Als erstes Schloss in Bayern startete hier 1947 der Wiederaufbau.

Nicht versäumen sollte der Besucher einen Rundgang durch den Kunstbunker unter der Burg. Tief im Fels, wo ein einst das als Bierkeller angelegte, gewaltige Gangsystem zu besichtigen ist, überstanden bedeutende Nürnberger Kunstschätze unbeschadet den Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges. In einem separaten Raum 24 Meter unter der Burg lagerten die Reichskleinodien. In Unkenntnis der historischen Fakten gaben die Amerikaner den Kronschatz der Deutschen nach Kriegsende an Wien zurück. Aber auch andere Schätze wie der 1942 von den Deutschen aus der Krakauer Marienkirche geraubte Marienaltar von Veit Stoß lagerten hier.

Die Nürnberger Kaiserburg gehört als einer der Leuchttürme zu der von Mannheim bis Prag führenden Burgenstraße. Besonders dieses Jahr bietet sich die Route über so bedeutende Anlagen wie Burg Guttenberg, die Pfalz Wimpfen, Heidelberg und Schwetzingen nach Mannheim an, wo die Reiss-Engelhorn-Museen ab dem 6. September eine Schau zu den Wittelsbachern in der Pfalz ausrichten. Hier wird das Kölner Exemplar der Goldenen Bulle zu sehen sein, womit sich der Kreis schließt.

Die Ausstellung „Kaiser Reich Stadt. Die Kaiserburg Nürnberg“ ist noch bis zum 10. November zu besichtigen und geht danach in eine Dauerschau über. Die Nürnberger Kaiserburg hat täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Gesamtkarte für das Burgensemble mit Ausstellung, Brunnen und Bergfried beträgt 7 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Museumsshop 19,95 Euro.

Kontakt:

Kaiserburg Nürnberg

Auf der Burg 13

DE-90403 Nürnberg

Telefon:+49 (0911) 24 46 590

Telefax:+49 (0911) 24 46 59 300

E-Mail: burgnuernberg@bsv.bayern.de



28.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Über Nürnbergs Dächern thront die Kaiserburg
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 Kaiserburg
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Türzieher vom Lübecker Rathaus, um 1350
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Blick in den oberen Rittersaal, auch Festsaal oder Kaisersaal genannt
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Peter Parler, Skulptur Karls IV. von der Prager Karlsbrücke, um 1385
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Außenansicht der Doppelkapelle der Nürnberger Kaiserburg
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Die Kaiserburg in
 Nürnberg
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Über Nürnbergs Dächern thront die Kaiserburg

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Türzieher vom Lübecker Rathaus, um 1350

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Aufbewahrungsstollen der Reichskleinodien im Kunstbunker

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Blick in die staufische Doppelkapelle der Kaiserburg

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Blick in den oberen Rittersaal, auch Festsaal oder Kaisersaal genannt

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Peter Parler, Skulptur Karls IV. von der Prager Karlsbrücke, um 1385

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Außenansicht der Doppelkapelle der Nürnberger Kaiserburg

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Ausgabe der „Goldenen Bulle“ für den Pfalzgrafen bei Rhein

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Kopie der Reichskrone

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Turnierlanzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in der Kemenate der Kaiserburg

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Modell der Stadt Nürnberg aus Lindenholz, um 1540

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