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An den „halleschen Kunstkampf“ vor 100 Jahren erinnert eine Nolde-Ausstellung in der Moritzburg in Halle

Der Skandal und die Farbe



Vor 100 Jahren, Anfang 1913, gab es eine Aufsehen erregende Ausstellung in Halle an der Saale: Im Kunstverein stellte Max Sauerlandt, Direktor des Museums in der Moritzburg, Bilder von Emil Nolde aus. Der Zulauf war beträchtlich, die kunstinteressierten Bürgerkreise Halles debattierten in einer Weise über die Werke, die heute undenkbar scheint: Kunst war – zumindest in den bürgerlichen Kreisen der Gesellschaft – ein öffentliches, polarisierendes Thema. Als Sauerlandt nach der Ausstellung zwei Bilder für das Städtische Museum für Kunst und Kunstgewerbe kaufte, war der Skandal perfekt: So etwas wie Noldes „Abendmahl“ hatte man noch nicht gesehen.


Mit einer Ausstellung „Emil Nolde. Farben heiß und heilig“ erinnert die Stiftung Moritzburg an den Ankauf des umstrittenen Bildes, dem im Lauf der Zeit noch acht weitere Nolde-Gemälde folgen sollten. Die Schau widmet sich den entscheidenden Jahren ab 1906, in denen Nolde zu seiner individuellen künstlerischen Sprache fand und in denen sich die Farbe eine dominierende Rolle in seinen Werken eroberte.

Aus vier Motivkreisen sind die gezeigten Bilder ausgewählt: den religiösen Bildern, zu denen das skandalisierte „Abendmahl“ gehört, den sogenannten „Legendenbildern“ mit märchenhaften und orientalischen Motiven und den „exotischen“ Bildern etwa aus der Südsee und aus Sibirien. Den Beginn des Rundgangs markieren einige der Blumenbilder von 1908, die Noldes neuen Umgang mit der Farbe dokumentieren: Es sind Werke, deren flammende Leuchtkraft die Betrachter damals irritierten, schockierten, aber auch in ihren Bann zogen.

Die Ausstellung will aber auch die Geschichte der Sammlung der Moritzburg erkunden, wie Kuratorin Katja Schneider im informativen Katalog schreibt. Dabei spielt Max Sauerlandt, Direktor des Museums von 1908 bis 1919, eine gebührende Rolle. Ihm verdankt Emil Nolde seinen Durchbruch: Das „Abendmahl“ war das erste seiner Bilder, das von einer öffentlichen Sammlung in Deutschland angekauft wurde.

Hundert Jahre zurück: Die Empörung schlug ihre Wellen jenseits des „lehmfarbigen Halle“ – so Emil Noldes Freund Hans Fehr – erst ein Jahr nach dem Ankauf. Der Generaldirektor der Berliner Museen, Wilhelm von Bode, hatte einen Zeitungsartikel über eine Debatte in der Stadtverordnetenversammlung von Halle gelesen. Es ging um eine Gehaltserhöhung für Sauerlandt, doch zur Sprache kamen auch die Ankaufspolitik und die Entrüstung über die „Schmierereien“ der modernen Kunst.

Diesen Bericht nahm Bode zum Anlass, in der Zeitschrift „Kunstfreund“ Grundsätzliches zur „Sammelpolitik deutscher Städte“ zu publizieren. Bode griff darin nicht nur den „jungen Sammlungsdirektor“ Sauerlandt und seinen „Modernismus“ an, sondern wandte sich prinzipiell gegen den öffentlichen Ankauf moderner Kunst. Der Konflikt zwischen Hauptstadt und Provinz, zwischen junger und etablierter Kunst von „dauerndem“ Wert war eröffnet. Sauerlandt antwortete mit einem überzeugend argumentierenden offenen Brief; viele seiner Kollegen von anderen Museen solidarisierten sich mit ihm. Der „hallesche Kunstkampf“ wurde zur ungewollten Werbeaktion für die moderne Kunst in öffentlichen Sammlungen, den Bode schließlich verlor.

Der Ausstellung ist es gelungen, fünf der neun Nolde-Gemälde nach Halle zurückzuholen, die als „Werke deutscher Verfallskunst“ konfisziert und entfernt wurden. Die Moritzburg verlor 1937 durch zwei Beschlagnahmungsaktionen 162 Werke der Moderne. Sieben Arbeiten Noldes wurden für die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München aus Halle entfernt, darunter das „Abendmahl“, das Ernst Gosebruch, ehemaliger Direktor des Museums Folkwang in Essen, noch im Frühjahr 1937 vergeblich zu erwerben versucht hatte. Die sieben Nolde-Werke auf Papier, die im August 1937 beschlagnahmt wurden, sind bis auf eines verschollen: Dieses Aquarell, „Der Gelehrte“, befindet sich wieder in der Sammlung der Moritzburg.

Auch einer Reihe von privaten Leihgebern ist zu verdanken, dass in Halle nun 23 Gemälde Noldes in sinniger thematischer Gruppierung zu sehen sind, darunter jenes einst umstrittene „Abendmahl“, das heute im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen hängt. Exemplarisch zeigt dieses Bild, worum es Nolde in seinen religiösen Arbeiten ging: Das gelb leuchtende Antlitz Jesu – Gelb ist für Nolde die „reinste aller Farben“ – ist eng umringt von den Gesichtern der Apostel; seine Hand umschließt den Abendmahlskelch, das Symbol für das bevorstehende Leiden. Nolde folgte beim Malen, wie er selbst bekundet, „einem unwiderstehlichen Verlangen nach Darstellung von tiefer Geistigkeit, Religion und Innigkeit“. Die Farben bilden, abgekehrt von früheren Anklängen an den Impressionismus, klare Flächen, die aber in sich reich strukturiert sind.

Noldes individuelle, aus der Kindheit erhaltene, innerlich-subjektive Gläubigkeit spiegelt sich auch in dem ähnlich aufgebauten Bild „Pfingsten“, einer Leihgabe aus der Berliner Nationalgalerie. Gezeigt werden auch die Studien der „Apostelköpfe“: Auf den Blättern aus dem Bestand der Nolde Stiftung Seebüll hat der Maler nur wenige Konturen mit der Feder gezeichnet, die Gesichter mit geradezu explosivem Aquarellauftrag aus der Farbe heraus gestaltet.

Aus der ehemaligen Sammlung der Moritzburg begegnet uns ein „Blumengarten mit Figuren“ von 1908, eines der berühmten, impressionistisch flimmernden, farbsatten Bilder, die Emil Nolde zu einem beliebten, auch kommerziell erfolgreichen Künstler machten. Dieses Werk war neben Noldes „Frau zwischen Blumen“ noch 1935 in der neuen Präsentation des Museums ausgestellt, wie dem Aufsatz von Susanne Köller im Katalog zu entnehmen ist – als „Zeuge der expressionistischen Zwischenstufe unserer Kunstentwicklung“. Die anderen Werke der Moderne waren schon im Depot gelagert oder in einem speziellen, abgeschlossenen Raum ausgestellt. Wer diese „Schreckenskammer“ besuchen wollte, musste zusätzlich Eintritt entrichten und Name und Anschrift im Besucherbuch eintragen.

„Akte und Eunuch“ war eines der vier aus Halle stammenden Nolde-Bilder, die in der Hetzschau „Entartete Kunst“ in München ausgestellt waren. Heute hängt es im Indiana University Art Museum und ist für die Ausstellung nach Halle zurückgekehrt. An dem Bild von 1912 ist abzulesen, wie Nolde seinen Umgang mit Farbräumen perfektioniert hat, wie sich seine Figuren entmaterialisieren und beinahe schon zu abstrakt komponierten Farbflächen reduzieren – wären da nicht die ausdrucksstarken Gesichter. Der Eunuch scheint mit aufgerissenen Augen ins Leere zu starren, eine Mimik, die uns etwa in „Die Philister“ von 1916 wieder begegnet, einer wichtigen Leihgabe aus deutschem Privatbesitz.

Dass momentan auch andere Aussteller wie das Museum Frieder Burda in Baden-Baden und die Nolde Stiftung Seebüll selbst sich dem Thema der Farbe bei Nolde annehmen, tut der Präsentation in Halle keinen Abbruch. Das ist dem Konzept Katja Schneiders zu verdanken: Die thematisch motivierte Hängung schafft unmittelbare Zusammenhänge zwischen den Werken, der sammlungsgeschichtliche Aspekt gibt das Lokalkolorit, das dank des Streits um die moderne Kunst vor 100 Jahren weit über die Grenzen Halles hinaus bedeutend sein sollte. Im Vorwort des Katalogs lobt Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, die Moritzburg als nationalen kulturellen Leuchtturm. Geschrieben mit der Feder eines Politikers, die gerade dabei ist, eine erneute Kürzung des Kulturetats mit fatalen Folgen etwa für die Bühnen in Halle zu unterzeichnen, hat dieses Lob einen schalen Nachgeschmack.

Die Ausstellung „Emil Nolde. Farben heiß und heilig“ ist noch bis 28. Juli zu sehen Die Stiftung Moritzburg hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Sonderausstellung kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Wer zusätzlich die Dauerausstellung mit der Sammlung Gerlinger und dem Berliner Skulpturenfund besuchen will, zahlt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Besucher bis 18 Jahre sind frei.

Der Katalog, redigiert von Katja Schneider, enthält auf 224 Seiten zahlreiche Farb- und historische Schwarzweiß-Abbildungen sowie erhellende Aufsätze unter anderem zu Noldes frühen Sammlern, zu Nolde im Nationalsozialismus und zur örtlichen Sammlungsgeschichte. Herausgegeben vom Vorstand der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt im Auftrag der Stiftung Moritzburg kostet er in der Ausstellung 19,80 Euro.

Kontakt:

Stiftung Moritzburg - Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

Friedemann-Bach-Platz 5

DE-06108 Halle an der Saale

Telefon:+49 (0345) 21 25 90

Telefax:+49 (0345) 202 99 90



21.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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21.04.2013, Emil Nolde. Farben heiß und heilig

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