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Die Ausstellung „sehr gut | very good“ im Hamburger Bahnhof in Berlin widmet sich dem vielseitigen Werk von Martin Kippenberger, der heuer seinen 60. Geburtstag gefeiert hätte

Die seltenen Wahrheiten des Martin K.



„Martin, ab in die Ecke und schäm dich“, lautet der Titel einer selbstironischen Arbeit von Martin Kippenberger aus dem Jahr 1989. Die Arbeit besteht aus einer männlichen Figur, die, wie der Titel es andeutet, betreten mit dem Rücken zum Raum in einer Ecke steht und in Anspielung auf eine frühe Soundarbeit von Joseph Beuys in monotonem Tonfall „Ja, Ja, Ja, Ja, Ja – Nee, Nee, Nee, Nee, Nee“ vor sich hin brabbelt. Ein verkanntes Genie? Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie in Berlin, stellt den 1997 früh verstorbenen Martin Kippenberger denn auch in eine Reihe mit Jahrhundertkünstlern wie Pablo Picasso und Beuys. Unter dem Titel „sehr gut | very good” werden aktuell im Hamburger Bahnhof auf 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche über 300 Werke gezeigt.


„Wir sprechen bewusst nicht von einer Retrospektive“, erläutert Udo Kittelmann. „Das hat immer etwas sehr Formalistisches.“ Kuratorin Britta Schmitz hat vielmehr Themenräume zusammengestellt, in denen man den Geist Kippenbergers erlebt: seine Ironie und Selbstironie, seinen Sprachwitz, seinen analytisch-kritischen Blick auf die Gesellschaft, seine Auseinandersetzung mit den Irrungen und Wirrungen bundesrepublikanischer Mainstreamkultur, seine Begeisterung für bestimmte Musikströmungen der 1980er Jahre, seine Neigung zu Ausschweifung und Exzess, sein Hadern mit dem Verfall des eigenen Körpers. „Es sind immer die seltenen Wahrheiten, die er uns versucht hat zu vermitteln“, so Kittelmann. „Das ganze Werk ist von einem liberalen Geist geprägt.“

Ein liberaler, aber auch widersprüchlicher Geist, der schwer zu fassen, schwerlich auf nur einen Nenner zu bringen ist, da er sich hinter Zynismen, nihilistischen Anflügen, einem offen zur Schau getragenen Chauvinismus und politisch oftmals nicht unbedingt korrekten Kalauern und Provokationen verbirgt. Martin Kippenberger, 1953 in Dortmund als Sohn eines Bergwerksingenieurs geboren, war ein Gesamtkünstler, ein Lebemann, ein Enfant terrible, Schauspieler, Tänzer, Charmeur und Null-Bock-Apologet. Als kurzzeitiger Mitbetreiber des Kreuzberger Punk- und Undergroundclubs SO36 bleibt er ebenso in Erinnerung wie als Gründer und Betreiber von „Kippenbergers Büro“. Damit war er Vorreiter einer konzeptuell unterfütterten künstlerischen Praxis des Organisierens, Delegierens und der geteilten Autorenschaft, die heute gang und gäbe ist.

Von hier aus vernetzte er sich mit anderen Künstlern, organisierte Ausstellungen, malte mit Hilfe seiner Assistenten stapelweise Bilder, heuerte einen Filmplakatmaler für die Umsetzung seiner berühmten Serie „Lieber Maler, male mir…“ an, produzierte Plakate und andere Drucksachen. Albert Oehlen, Werner Büttner, Rosemarie Trockel sowie die spätere Galeristin Gisela Capitain als „Sekretärin“ gehörten bereits damals zum engeren Umfeld des umtriebigen Kunst-Entrepreneurs. Die Berliner Ausstellung versammelt nicht nur seine Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen, viele davon auf dem Briefpapier exklusiver Hotels, sondern auch zahlreiche Ephemera wie Plakate, Einladungskarten, Korrespondenz und Skizzen. Alles war bei Kippenberger gleichberechtigt. „Was man hier vorfindet, ist eine große Entwicklung mit einem großem Prolog, einem starken Epilog und einem musikalischen Refrain“, so Udo Kittelmann. Eines ist an dieser Ausstellung klar ablesbar: Werk und Person durchdringen sich bei Kippenberger bis in die feinsten Verästelungen.

Der Hauptteil der Ausstellung befindet sich in den Rieckhallen. Hier kann der Besucher sich auf einem Kilometer Wandlänge mit den zentralen Werken Kippenbergers auseinandersetzen: vom skandalträchtigen Frosch am Kreuz, der gleich in vier Varianten zu sehen ist, bis zu seinen Selbstporträts aus den letzten Jahren vor seinem Tod, die den aufgedunsenen Maler in Altherrenunterhose in unglücklichen Posen zeigen und den körperlichen Verfall Kippenbergers schonungslos und selbstironisch thematisieren. Alkohol und ein exzessives Leben hatten der Gesundheit des Anfangvierzigjährigen in seinen letzten Lebensjahren arg zugesetzt.

Im ersten Stock des Hamburger Bahnhofs wird die geschlossene Werkgruppe der „Weißen Bilder“ gezeigt. Dies sind weiße, in die Wand eingespachtelte Leinwände mit heller Schrift. Martin Kippenberger bat einen befreundeten, neunjährigen Jungen aus Graz, seine Kataloge beim Durchblättern mit spontanen Kommentaren zu versehen. Diese kindlichen Texte brachte er dann auf die Leinwand mit allen Rechtschreibfehlern. Kippenberger fügte selbstbewusst die Schulnote „very good“ hinzu. Der Titel der Berliner Ausstellung „sehr gut | very good“, spielt auf diese Begebenheit ebenso an wie auf den Titel einer Zeitschrift, die Kippenberger 1979 mit Weggefährten herausgab.

Martin Kippenberger wurde nur 44 Jahre alt. Trotz vieler kleinerer Ausstellungen und trotz seiner damaligen Omnipräsenz in Kunstszenelokalen wie dem Ratinger Hof in Düsseldorf, dem Vienna in Hamburg oder der Paris Bar in Berlin – die ganz große Anerkennung für sein Werk kam erst posthum. Mittlerweile werden seine Arbeiten für Millionensummen auf Auktionen gehandelt. Der Ruhm zu Lebzeiten in seiner zeitweiligen Wahlheimat Berlin, deren Subkultur er von 1978 bis 1981 bereicherte, aber war ausgeblieben. Insofern kommt die große Ausstellung im Hamburger Bahnhof zum jetzigen Zeitpunkt goldrichtig. Am 25. Februar 2013 wäre „Kippy“, wie ihn seine Freunde liebevoll nannten, 60 Jahre alt geworden.

Die Ausstellung „Martin Kippenberger: sehr gut | very good“ ist bis zum 18. August zu sehen. Der Hamburger Bahnhof hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende erst ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kontakt:

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin

Invalidenstraße 50-51

DE-10557 Berlin

Telefon:+49 (030) 39 78 34 12

Telefax:+49 (030) 39 78 34 13



14.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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