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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Kunst seit 1950 traf bei Sotheby’s in London auf einen starken Käufermarkt

Lieblingsfarbe: Violett



Einen Tag nach Christie’s konnte auch Konkurrent Sotheby’s mit seiner Londoner Abendauktion zeitgenössischer Kunst ein solides Gesamtergebnis erzielen. Rund 75,8 Millionen Pfund klingelten nach der von Tobias Meyer geleiteten Sitzung in den Kassen des Hauses, bei einer Zuschlagsquote von 78 Prozent nach Losen und 85 Prozent nach Schätzpreisen. Einziger zweistelliger Millionenpreis waren die 10 Millionen Pfund für Francis Bacons „Three Studies of Isabel Rawsthorne“ aus dem Jahr 1966. Wenngleich damit nur die untere Grenze der Schätzung erreicht wurde, handelt es sich doch um eine hübsche Wertsteigerung für die deformierten Frauenportraits: Vor neun Jahren hatten sie bei Christie’s noch 2,1 Millionen Pfund gekostet. Überraschend großes Interesse weckte Bacons „Head III“, der dem Betrachter seit 1949 aus einer tristen grau-schwarzen Farbmasse entgegenschimmert. Statt der anvisierten 5 bis 7 Millionen Pfund kamen für diese mittelgroße Leinwand 9,25 Millionen Pfund heraus, die ein US-amerikanischer Privatsammler bewilligte.


Breiter als die Figuralen waren am 26. Juni die Abstrakten aufgestellt. So widmeten sich fünf Losnummern dem Werk des Italieners Lucio Fontana, darunter ein sechsfach vertikal geschlitztes, weißes „Concetto Spaziale, Attese“ von 1965 für 3,8 Millionen Pfund (Taxe 3,3 bis 4,5 Millionen GBP) und das mehrfach gelochte „Concetto Spaziale, Le Chiese di Venezia“ von 1961 in mystischem Gold-Braun für 3,9 Millionen Pfund (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Für den französischen Informellen Pierre Soulages kam sogar ein neuer Auktionsrekord zustande. Sein „Peinture, 21 novembre 1959“ mit blauschwarzen Farbbalkenkreuzungen auf fast zwei Meter hoher Leinwand kletterte souverän von 2 bis 3 Millionen Pfund auf 3,8 Millionen Pfund und wanderte in die USA. 1,1 Millionen Pfund für Robert Rymans minimalistisch weiße „Reference“ von 1985 (Taxe 450.000 bis 650.000 GBP), 1,35 Millionen Pfund für Bridget Rileys verwirrendes Fischgrätenmuster „Stretch“ auf sphärisch gebogener Leinwand von 1964 und 1,1 Millionen Pfund für die ornamentalen schwarzen Blattranken auf Christopher Wools „Untitled (P74)“ von 1988 bestätigten den derzeitigen Aufwärtstrend auch für niedrigere Preisklassen der Abstrakten (Taxe je 1 bis 1,5 Millionen GBP).

Mies lief es dagegen für die amerikanische Pop Art. Andy Warhols „Multicolored Retrospektive“ von 1979 mit einer Collage seiner wichtigsten Motive „Marilyn Monroe“, „Flower“, „Mona Lisa“ und „Campbell’s Soup Can“ fiel ebenso durch (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP) wie Tom Wesselmanns „Great American Nude #34“ von 1962 (Taxe 3 bis 4 Millionen GBP) – sichtliches Zeichen für die raschen Geschmackswechsel, die auf dem gegenwärtigen Markt Werke und Künstler ebenso schnell aufsteigen wie abstürzen lassen. Auch für zwei bis zu 3,5 Millionen Pfund gehandelte Collagen Jean-Michel Basquiats fand sich überraschender Weise kein Abnehmer, und auch seine beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1985 mussten sich mit schon mit jeweils 135.000 Pfund zufrieden geben. Hier waren mindestens 150.000 Pfund vorgesehen.

Mehr Erfolg hatte David Hockney. Schon sein kleinformatiger „Small Sunbather“ von 1967 räumte mit 960.000 Pfund unerwartet kräftig ab (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP), und gleich darauf spielte die riesenhafte Breitbandlandschaft „Double East Yorkshire“ von 1998 in knalligen Farben die obere Grenze von 2 bis 3 Millionen Pfund ein. Gute Ergebnisse in den niedrigeren Preiszonen waren ferner die 950.000 Pfund für John Currins altmeisterlich-manieriertes Bildnis einer jungen Frau mit wasserblauem Augen von 1998 (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP) und die rekordträchtigen 250.000 Pfund für eine stark abstrahierte und fragmentierte „Beach Scene“ des 1965 geborenen Briten Hurvin Anderson aus dem Jahr 2003 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP). Glenn Ligons Leuchtschrift „negro sunshine“, die seit 2005 auf die Rassendiskriminierung der Schwarzen anspielt, übertraf mit einem Zuschlag bei 160.000 Pfund den Schätzrahmen um 10.000 Pfund. Die jüngsten Künstler im Reigen waren Nate Lowman und Dan Colen, beide Jahrgang 1979. Letzterer erzielte mit dem mittelgroßen Kaugummibild „Clams Casino“ von 2010 taxgerechte 130.000 Pfund, Lowmans ein Jahr jüngeres Hochformat „This Marilyn“, das erste Werk des Künstlers, das auf einer der großen Abendversteigerungen in London angeboten wurde, steigerte sich von 150.000 bis 200.000 Pfund auf 230.000 Pfund.

Bei den deutschen Künstlern war diesmal eindeutig Andreas Gursky der Favorit. Von dem Düsseldorfer Fotografen gelangte eine Privatsammlung mit fünf seiner berühmten Börsenbilder zum Aufruf, die allesamt ihre Schätzung erreichen oder sogar übertreffen konnten. Am heißesten begehrt war sein annähernd drei Meter breites „Chicago Board of Trade III“ von 1999/2009. Von 600.000 bis 800.000 Pfund wurde das unübersichtliche Gequirl aufgeregter Menschen auf 1,85 Millionen Pfund gehoben. Eine weitere Version desselben Motivs von 1997 brachte es auf 1,3 Millionen Pfund (Taxe 700.000 bis 900.000 GBP). Die übrigen drei Fotografien landeten im mittleren sechsstelligen Bereich. Gurskys fotografierender Kollege Thomas Struth reüssierte mit einer gewaltigen Innenaufnahme des römischen Pantheons aus dem Jahr 1992 bei 680.000 Pfund. So viel wurde für Struth, der jüngst als Portraitist des englischen Königspaares für Aufsehen sorgte, auf einer Auktion noch nie gezahlt (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP).

Teurer als Gursky war nur Gerhard Richter. Sein „Abstraktes Bild“ 742-1 in dominierendem Rot von 1991 schloss allerdings mit 2 Millionen Pfund eine halbe Million unterhalb der Erwartungen ab, während die ein Jahr jüngere gelb-rote Farbverschiebung mit der Werknummer 762-4 mit 2,1 Millionen Pfund knapp die untere Schätzung übertraf. Von Martin Kippenberger wurde die Körperfragmentierung „Untitled (from the series of Hand Painted Pictures)“ aus dem Jahr 1992 für angemessene 1,35 Millionen Pfund übernommen, zwei weitere, kleinere Werke des Meisters blieben jedoch liegen. Bei Georg Baselitz 1986 über Kopf gemalter „Die Kirche“ in neoexpressiven Formen stoppten die Gebote schon bei 350.000 Pfund (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP).

Sigmar Polke konnte dann alle vier Werke der Abendauktion an den Sammler bringen: 1,3 Millionen Pfund gab es für seine „Nackte“, ein Rasterbild über bunten Stoffen aus dem Jahr 1988 (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP), von 500.000 bis 700.000 Pfund auf 900.000 Pfund steigerte sich sein wild-abstrakter Reflex auf die informelle Malerei der 1950er Jahre, der seit 1984 Polkes Vorliebe für die Farbe Violett offenbart, und auch seine bunt sowie mit ornamentaler Zier übergangene Schwarzweißfotografie Wasserpfeife rauchender Araber von 1978 platzierte sich mit 220.000 Pfund über den erwarteten 150.000 bis 200.000 Pfund. Als jüngster Deutscher trat Anselm Reyle an und gab seine verschlungene, durch eine spezielle Bemalung mit Metallfarbe unwirklich schimmernde Bronzeskulptur „Eternity“ von 2008 taxgerecht bei 150.000 Pfund ab.

Die Kunst aus Deutschland platzierte sich auch in der Tagesauktion am 27. Juni erfolgreich. Den ersten Platz nahm hier Gerhard Richter mit einem weiteren „Abstrakten Bild“ von 1986 ein, das auf mittelgroßem Format bunte Farbausblühungen bereithält. Es wanderte bei 1,4 Millionen Pfund in den asiatischen Raum (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP). Sein kleiner Kollege mit der Werknummer 474/2 von 1981, bei dem Richter kräftig den roten Farbpinsel einsetzte, übernahm britischer Handel schon bei 360.000 Pfund (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Unter den Top Ten findet sich zudem Georg Baselitz’ auf den Kopf gestelltes „Stillleben“ mit Flaschen von 1976 für gute 340.000 Pfund (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Zu ihm gesellte sich sein stilisierter „Abgarkopf“ mit Dornenkrone von 1984 bei 110.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Aus der klassischen Riege der deutschen Gegenwartskünstler gab es noch Anselm Kiefers materialreiches Buchobjekt „Es ist Einer der trägt Mein Haar“ von 2005 nach Paul Celans Gedicht „Chanson einer Dame im Schatten“ zur unteren Schätzung von 80.000 Pfund und vor allem Joseph Beuys. Herausragend positionierten sich zwei seiner vier Arbeiten auf Papier, an der Spitze eine zarte, ungegenständliche Aquarellarbeit von 1957 mit 130.000 Pfund (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP), dann die figurative Umsetzung von „Der Tod und das Mädchen“ aus dem Jahren 1955/58 bei 120.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).

Hohe Preise verbuchten zudem noch Peter Doigs Walddickicht „Boiler House“ von 1993 mit 520.000 Pfund (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), Steven Parrinos schwarzweißes Schriftdiptychon „Idol/Idiot“ von 1986 mit 470.000 Pfund (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP), Alexander Calders Symbolgemälde „Smoke Rings“ auf blau-gelb-rotem Grund von 1949 mit 300.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP) oder Josef Albers’ freundliche „Study for Homage to the Square: Orangery“ von 1961 mit 290.000 Pfund (Taxe 160.000 bis 250.000 GBP). Dieser Wert kam zudem für Sean Scullys schwarz-beigefarbene Streifenkomposition „Ulva“ von 1993 (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP) sowie Anish Kapoors verchromtes und daher spiegelndes Bronzeloch von 1995 zusammen (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Auf Platz 3 der ersten Zehn kam Tom Wesselmann, auch wenn seine späte, zackige „Sunset Nude (Squared Off)“ aus dem Jahr 2003 die unter Schätzung von 500.000 Pfund um 10.000 Pfund verfehlte.

Die Österreicher schickten Friedensreich Hundertwasser mit seinem frühen, bunten Aquarell „Architecture Vegetale“ von 1955 bei 180.000 Pfund (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP) und Franz West mit seiner formlosen, grobschlächtigen Pappmacheskulptur „Arbeitstisch in Aspik“ von 2008 bei 145.000 Pfund erfolgreich ins Rennen (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP), die Schweizer Max Bills konkrete, kreuzförmige „Durchdringung von Farbbündeln“ aus dem Jahr 1970 bei 95.000 Pfund (Taxe 50.000 bis 70.000 GBP) und Ugo Rondinone mit seiner überdimensionierten Hängeglühlampe „The Seventh Hour of the Poem“ von 2006 bei 160.000 Pfund sowie seinem vier Jahre älteren pastellfarbenen Regenbogenfarbkreis „Elftermaizweitausendundzwei No. 277“ für 130.000 Pfund jeweils 10.000 Pfund über der unteren Schätzgrenze. Junge Shooting Stars wie Oscar Murillo oder Tauba Auerbach kamen ebenfalls gut an, Auerbach mit ihrer kalligrafischen Tuschezeichnung, die den Buchstaben „J“ umspielt, von 2007 bei taxgerechten 50.000 Pfund und Murillo mit einer großformatigen, beschmutzten Leinwandcollage, über die er wieder einmal eine Horde Menschen geschickt hat. Sie schwang sich von 20.000 Pfund auf 95.000 Pfund auf.

Bei dem 1977 in Rumänien geborenen, heute in Berlin lebenden Adrian Ghenie darf man sich auf neue Auktionsrekorde einstellen. Hieß der Spitzenpreis im Februar dieses Jahres noch 100.000 Pfund für das Portrait des Auschwitz-Arztes „Dr. Mengele 2“, liegt er jetzt schon bei 170.000 Pfund für sein abstrakt-figuratives Konterfei des stummen Elvis Presley als „The King“ (Taxe 70.000 bis 90.000 GBP). Aus der jüngeren Kunstszene Deutschland machten zudem noch Friedrich Kunath mit seiner Gouache eines gebückt schreitenden Mannes samt Einkaufstaschen bei 26.000 Pfund (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP), Tal R mit seiner bewusst naiv gehaltene Malerei „Sisters of Kolbojnik“ von 2001 bei 38.000 Pfund, die Bezug auf dänische Feministenband aus den 1970er Jahren nimmt (Taxe 35.000 bis 45.000 GBP), oder André Butzer mit seiner wilden Farbschmiererei „Blaues Wiesenlicht“ von 2009 bei 14.000 Pfund auf sich aufmerksam (Taxe 12.000 bis 18.000 GBP). Auch bekannte Namen erfüllen nicht immer ganz die Erwatungen; dafür stehen Gert und Uwe Tobias’ mit Acrylfarbe übergangener stilllebenartiger Holzschnitt, aus dessen Farbflächen sich ein Totenkopf herausschält, bei 11.500 Pfund (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP) oder Neo Rauchs kleine Ölskizze „Bürger“ von 2011 bei 65.000 Pfund (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP). Bei Stephan Balkenhols über zwei Meter hoher Skulptur eines anonymen Mannes auf einem Holzschemel war mit 45.000 Pfund die Welt wieder in Ordnung (Taxe 30.000 bis 40.000 GBP).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



14.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

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