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Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt nach 20 Jahren erstmals wieder eine Retrospektive des großen Baumeisters Louis Kahn

Eine Suche nach den Ursprüngen



„Ich liebe Anfänge. Ich staune über Anfänge. Anfänge versprechen Fortbestand….“ So verlieh der Architekt Louis Kahn 1955 in einem Essay seinem Glauben an eine Art mystischer Schöpferkraft Ausdruck, die für ihn immer Teil der Formgebung war. Er wollte Bauwerke schaffen, die zeitlos wirken, ein Gefühl von Ewigkeit vermitteln, die menschliche Erfahrung bereichern und das Miteinader fördern. Kahns bekannteste Gebäude beruhen auf einem ausdrucksstarken formalen Gepräge: Dreiecke, Quadrate, Kreise sind etwa aus Wandflächen herausgeschnitten, und Doppelwandigkeiten legen mehrdeutige Zwischenräume frei. Ein geheimnisvolles Spiel von Licht und Schatten auf Oberflächen und in Leerräumen regt den Betrachter dazu an, aus den wechselnden optischen Reizen ein sinnhaftes Ganzes zu konstruieren.


Der Ruhm des weniger geläufigen, sehr wohl aber zu den einflussreichsten Architekten des 20sten Jahrhunderts zählenden Kahn beruht auf recht wenigen ausgeführten Bauten. Erst mit über fünfzig wird er mit der Ausführung des Medical Research and Biology Building der University of Pennsylvania ab 1957 international bekannt. Lange Zeit konzentriert sich sein Schaffen auf die USA, speziell in und um seine Heimatstadt Philadelphia, wo er Museen, Schulen, Laboratorien und Sakralbauten gestaltet. Erst in seinen letzten Schaffensjahren ist er weltweit tätig. Das Indian Institute of Management im nordindischen Ahmedabad, ausgeführt zwischen 1962 und 1974, und das zwischen 1962 und 1983 entstandene Ensemble der Regierungsbauten in Dhaka, Bangladesch, sind seine wichtigsten und berühmtesten Projekte.

Louis Isadore Kahn kommt am 5. März 1901 als Leiser-itze Schmulowski im der damals zu Russland gehörenden, estnischen Stadt Pärnu zur Welt. Mit der Mutter und den Geschwistern folgt der Spross einer jüdischen Familie dem Vater in die USA, nimmt den neuen Namen an, erhält 1915 die amerikanische Staatsbürgerschaft und studiert nach dem High School-Abschluss 1920 in seiner neuen Heimatstadt Philadelphia an der University of Pennsylvania Architektur. An der landesweit als beste Ausbildungsstätte für Architekten geltenden Hochschule besteht er im Juni 1924 mit „herausragenden Leistungen“ den Bachelor. Nach diversen befristeten Beschäftigungen, einer einjährigen Europareise und Eheschließung besteht er erst im zweiten Anlauf die Zulassungsprüfung als Architekt und gründet ein Büro.

Von 1947 bis 1955 lehrt Kahn an der Yale University, wo er mit Philip Johnson, Vincent Scully, Richard Buckminster Fuller in einen künstlerischen Austausch tritt. Vor allem aber bringt er dem hier lehrenden Künstlerpaar Anni und Josef Albers Bewunderung entgegen. 1955 beginnt er seine Arbeit als Professor an der University of Pennsylvania, an der er bis an sein Lebensende tätig ist. Neben seiner Ehe geht er im Laufe der Jahre zwei weitere Beziehungen ein, aus denen je ein Kind hervorgeht, so dass er quasi drei Familien verbunden bleibt. Auf der Rückreise von Ahmedabad nach Philadelphia stirbt er in der Pennsylvania-Station in New York am 17. März 1974 an einem Herzinfarkt. Nach sechs Wochen schließt sein Büro, 6.303 eigenhändige Zeichnungen werden eingelagert, und seine Schulden belaufen sich auf 464.423,83 Dollar.

Derzeit stellt das Vitra Design Museum in Weil am Rhein das Schaffen Louis Kahns vor. Die auf engem Raum im Gehry-Haus des Vitra Campus’ dicht gefügte Anzahl von Exponaten umfasst rund 60 Architekturmodelle, 70 originale Zeichnungen, 20 Reiseskizzen, teils großformatige Fotografien sowie ein Dutzend historischer und neu produzierter Filme. Das gesamte Œuvre breitet sich, unterteilt in sechs Abschnitte, von den Anfängen mit frühen Stadtplanungen und Einfamilienhäusern bis hin zu den monumentalen Spätwerken und dem 1973 entworfenen, aber posthum ausgeführten und 2012 eingeweihten „Four Freedoms Memorial“ auf dem Roosevelt-Island vor New York aus.

Wie stark Kahns Werkschaffen vom Eindruck der weiten Schachbrettmuster amerikanischer Städte partizipiert, wird gleich zu Beginn deutlich. Orthogonale Raster sind Ausgangspunkt aller seiner Grundrissentwürfe. Louis Kahn vergleicht Hausgrundrisse mit einem Stadtplan: Wohn- und Esszimmer entsprechen dem gemeinschaftlich genutzten Stadtplätzen, Schlafzimmer den Wohnvierteln, die Speisekammern den Einkaufszentren und die Korridore den Straßen. „Der Stadtplan“, so Kahn, „muss ebenso gründlich geordnet und durchdacht sein wie der eines Hauses“.

Aber auch Josef Albers’ künstlerisches Werk, das mit geometrischen Formen und dem Wechselspiel zwischen Figur und Grund, Fläche und Raum die menschliche Wahrnehmung herausfordert, übt maßgeblichen Einfluss aus auf Kahns Kompositionen aus Licht, Schatten, Massen und Raum. Die zwischen 1951 bis 1953 errichtete Yale University Art Gallery gilt dazu in ihrer auf geometrischen Prinzipien basierenden, an Maximen des Bauhauses erinnernden Konzeption als herausregendes Beispiel. Bei dem Arrangement rechtwinkliger Säle samt zylindrischem Treppenturm verarbeitet Kahn Quadrat, Kreis und Dreieck, deren Verwendung sich durchaus mit Albers’ Gemäldereihe „Homage to the Square“ vergleichen lässt, in der ineinander verschachtelte Farbflächen das innerste Quadrat zurück- oder hervortreten lassen.

Der zweite Raum wird beherrscht vom vier Meter hohen, sich emporwindenden Holzmodell des City Tower in Philadelphia. Im dem nie ausgeführten, neben dem Rathaus geplanten, 180 Meter hohen Bürohaus findet Kahns strukturalistischer Ansatz seine radikalste Ausprägung. Das ab 1952 entwickelte Vorhaben besteht aus einem Raumtragwerk triagonaler Struktur, die an die Doppelhelix der DNA erinnert. Genau zum selben Zeitpunkt wurde der Bauplan des Erbguts von einem amerikanischen Biologen und einem britischen Physiker entdeckt. Der City Tower beweist, wie naturwissenschaftlich aktuell Kahns Findungen waren. Im Alter von fast 60 Jahren gelingt ihm dann mit dem Richards Medical Building an der Universität of Pennsylvania ab 1957 eine vollkommen neue Synthese aus Ingenieurskunst und Architektur, die internationale Reputation auslöst.

Louis Kahns Beschäftigung mit Raumtragwerken wird maßgeblich der Wertschätzung von Arbeiten Richard Buckminster Fullers zugeschrieben. Einwirkungen der Natur stehen ebenfalls bei der Beziehungssuche von Objekten mit ihrer Umgebung im Fokus. Dies belegt Kahns unermessliche Sucht, ständig zeichnen zu müssen. Egal ob in fahrenden Zügen oder auf schaukelnden Schiffen, stets hatte er Skizzenblock und Stift parat und experimentierte rastlos in wechselnden Techniken und Materialien: Bleistift und Aquarell, Tempera und Öl, Kreide und Tinte, Lithografie oder Holzschnitt.

Eine Überhöhung, ja Stilisierung findet Kahns Einbeziehung von Natur und Landschaft in einer raffinierten Choreografie des natürlichen Lichtes. Exemplarisch äußert sich dies ab 1966 im Kimbell Art Museum in Fort Worth, Texas. Silbriges Licht ist das Ergebnis durch schmale lange Lichtritzen geteilter Tonnengewölbe, in denen herabhängende Reflektoren die Helligkeit intelligent in den Säle verteilen. Wie perfekt er seine Architektur als Bühne für die Kreisläufe der Natur zu inszenieren wusste, demonstriert das Salk Institute for Biological Studies in Kalifornien. Die von offenen wie auch durchbrochenen Strukturen gekennzeichneten Fronten zollen Licht, Luft und Schatten ihren Tribut. In auffallender Korrespondenz zu maurischen Innenhöfen in Cordoba oder Sevilla gruppiert er die Laborbauten um eine exakt auf der Ost-West-Achse ausgerichtete Piazza, orientiert an der Frühjahrs- und Herbsttagundnachtgleiche und betont durch einen mittig durchlaufenden Kanal. Zudem kommen hier die gegensätzlichen Baustoffe Beton und Travertin perfekt zur Geltung und heben den monolithischen Charakter der Gebäude hervor. Nicht vergessen werden sollten auch die überwiegend in Holz ausgeführten Innenausstattungen Kahns, die solide, unspektakulär und von den schlichten Interieurs der Shaker sowie der amerikanischen Arts and Crafts-Bewegung beeinflusst sind.

Das Archetypische, die zeitlosen Grundformen des Bauens, die elementare Wucht antiker Bauten in Italien, Griechenland und Ägypten sind insbesondere am Schaffensende prägend für Kahn. Wie Idealbauten der französischen Revolutionsarchitekten Etienne-Louis Boullée und Claude-Nicolas Ledoux entfalten seine Werke eine Magie formal reduzierter geometrischer Körper. Sein wohl bedeutendster Bau artikuliert dies in besonderer Weise. Zwischen 1962 und 1983 entstehen das Parlament und der Regierungssitz von Bangladesch in Dhaka. Massige Formen lassen an eine uneinnehmbare Festung indischer Zentralbauten der Mongolenzeit denken. Hinter der vermeintlich schweren Einfachheit steckt eine komplexe, viele Bereiche miteinander in Beziehung setzende, sichtbare wie unsichtbare Welt. Als Erkunder räumlicher Strukturen fährt Louis Kahn hier zur Hochform auf. Quadrate, Kreise und Vielecke verbinden sich zu einer flirrenden kosmischen Welt im Kleinen. Dies macht deutlich, wie sehr Kahn eher philosophischen Fragen zugeneigt ist, die die Symbolkraft weit vor die ansonsten architektonisch relevanten Fragen nach Konstruktion, Funktion und Form stellen. Aber er liefert damit auch den Beweis, wie man als Künstler modern und traditionell zugleich sein kann, ohne dem Regionalismus zu verfallen.

Die Ausstellung „Louis Kahn – The Power of Architecture“ ist noch bis zum 11. August zu besichtigen. Das Vitra Design Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der Katalog kostet an der Museumskasse 79,90 Euro.

Kontakt:

Vitra Design Museum

Charles-Eames-Straße 1

DE-79576 Weil am Rhein

Telefax:+49 (07621) 702 35 90

Telefon:+49 (07621) 702 32 00

E-Mail: info@vitra.com



14.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Louis Kahn – The Power of Architecture“
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Louis Kahn, Parlamentsgebäude in Dhaka, Bangladesch, 1962-1983
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Künstler:

Louis Kahn







in der Ausstellung „Louis Kahn – The Power of Architecture“

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Louis Kahn, Parlamentsgebäude in Dhaka, Bangladesch, 1962-1983

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