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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Alte Meister bei Christie’s in London

Wie gewonnen, so zerronnen



Jan Havicksz Steen, Wie gewonnen, so zerronnen. Der Künstler beim Austernessen, 1660

Jan Havicksz Steen, Wie gewonnen, so zerronnen. Der Künstler beim Austernessen, 1660

Richtig gut gehen lässt es sich der Maler, schlemmt Austern in einem vornehmen Ambiente, schlürft guten Wein, lässt sich dabei von gleich drei Personen bewirten und lacht fröhlich die weibliche Bedienung an, die ihm soeben ein gefülltes Glas reicht. Die aber sieht eher ernst, nachdenklich, fast ein wenig vorwurfsvoll vor sich hin. Vielleicht ahnt sie, dass das Glück des Herrn nur von kurzer Dauer sein wird. Der Maler, der niemanden anders als sich selbst da an den reich gedeckten Tisch gesetzt hat, weiß das freilich selbst: „Wie gewonnen, so zerronnen“ hat Jan Havicksz Steen sein 1660 datiertes Gemälde denn auch betitelt, das die ungeheure Größe des Leidener Meisters auf dem Gebiet der Genrekunst im „Goldenen Zeitalter“ der niederländischen Malerei wieder einmal auf vortreffliche Weise offenbart. Bei Christie’s in London ist es in der kommenden Woche Höhepunkt der Altmeisterauktion, wobei nicht nur die Qualität des Gemäldes, sondern auch dessen Provenienz bestechen: Vor genau 250 Jahren war es das letzte Mal auf dem Kunstmarkt zu haben, wechselte also 1763 für seinerzeit 1.800 Pfund in den Besitz von Sir James Lowther und gelangt jetzt von den Nachfahren des Earl of Lonsdale für rekordverdächtige 7 bis 10 Millionen Pfund zur Versteigerung.


Gut bestückt ist diese aus gut fünfzig Losnummern bestehende Sitzung am 2. Juli mit noch einem halben Dutzend weiterer potentieller Millionenwerte. Als teuerster Italiener wird eine prachtvolle Venedig-Vedute von Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, mit Blick vom Wasser aus auf Campanile, Libreria, Piazzetta, Dogenpalast und San Marco bei 4 bis 6 Millionen Pfund gehandelt, die sich seit dem 18ten Jahrhundert ebenfalls in englischem Privatbesitz belegen lässt und erst 1975 auf einer Auktion ebenfalls bei Christie’s in London einen neuen Inhaber fand. Noch länger lässt sich die Provenienz von Nicolas Poussins ungewöhnlicher Verbildlichung des antiken Feldherrn Hannibal bei der Überquerung der Alpen auf einem mächtigen Elefanten nachweisen, der die ganze Bildfläche durchmisst. Bereits kurz nach der Entstehung anfangs der 1620er Jahre, als der französische Maler sich gerade in Rom niedergelassen hatte, ging das Gemälde in den Besitz des Cavaliere Cassiano dal Pozzo über, eines seiner ersten Förderer. Später erwarb es Rubin Lipchitz, der Bruder des Bildhauers Jacques Lipchitz, jetzt wartet es für 3 bis 5 Millionen Pfund auf einen neuen Inhaber.

Die ältesten Arbeiten der Auktion stellen wieder die Italiener auf der Schwelle zwischen Gotik und Frührenaissance, etwa Bitino da Faenza mit seiner klassischen Kreuzigung samt Maria und Johannes, gemalt zu Beginn des 15ten Jahrhunderts noch auf Goldgrund (Taxe 70.000 bis 100.000 GBP). Die Errungenschaften der Perspektive wendet der rund 50 Jahre jüngere Bernardino Orsi bei Jason an, der soeben das Goldene Vlies raubt und zu diesem Zweck den allerdings nicht gerade besonders eindrucksvollen Drachen attackiert. Das dezidiert mythologische Thema übersetzte Orsi in die eigene Zeit (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP). Auch aus Spanien ist diesmal eine frühe Tafel mit dabei. Der um 1380 in Valencia geborene Gonçal Peris Sarrià hat hier auf ornamentiertem Goldgrund eine anrührende Pietà mit den Marterwerkzeugen niedergelegt (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP). Den flämischen Romanismus vertritt Barent van Orley mit den kraftvoll, teils etwas übertrieben gezeichneten Personen auf einer Kreuzigungsszene. Jedoch fehlt das zentrale Kreuz mit Jesus, so dass die Tafel nur ein Teil einer früheren größeren Komposition gewesen sein muss (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP).

Deutschland kann ebenfalls mit einem Altargemälde aus der Frührenaissance aufwarten. Der Jüngere Meister der Heiligen Sippe, der um 1500 in Köln tätig war, hat die Verkündigung Mariens in einer zeitgenössischen Wohnstube angesiedelt und der Jungfrau und dem Engel Gabriel noch die Apostel Bartholomäus und Petrus beigesellt. Der Modeschöpfer Wolfgang Joop, der die beiden Tafeln 2001 im Nachverkauf bei Sotheby’s in New York erwarb, will sie nun für 300.000 bis 500.000 Pfund wieder loswerden. Rund 100.000 Pfund mehr verlangen die beiden ebenfalls kölnischen Gemälde mit der Anbetung der Hirten und dem Erzengel Michael sowie der heiligen Ursula von Bartholomäus Bruyn d.Ä., die eben erst an die Erben des jüdischen Industriellen und Kunstsammlers Ottmar Edwin Strauss restituiert wurden. Lucas Cranach d.Ä. hängt zweimal bereit. Zum einen kommt für 1,5 bis 2 Millionen Pfund eine seiner zahlreichen Versionen des Kardinals Albrecht von Brandenburg als heiliger Hieronymus zum Aufruf, diesmal als fleißiger Bibelexeget in wilder Landschaft vor einem Kruzifix mit grimmigem Löwen und kleiner Wachtelfamilie. Zum anderen geht es um einen Gekreuzigten vor weiter Landschaft mit einer Burgruine im Hintergrund. Die Holztafel wird in die frühen 1530er Jahre datiert und soll 500.000 bis 800.000 Pfund kosten.

Für die Stilllebenmalerei zeichnen vornehmlich die Niederländer verantwortlich, etwa Ambrosius Bosschaert d.Ä. mit einer gewohnt kleinen Kupfertafel, auf der Tulpen, Rosen, Narzissen und andere Blumen in einer Glasvase stecken (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP), Willem Claesz Heda mit einem Arrangement aus allerlei Silber- und Zinngeschirr, Gläsern und Speisen aus dem Jahr 1655 (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP) oder Jan Davidsz de Heem mit einem prächtigen Blumenstrauß, neben dem Austernschalen und Rauchutensilien herumliegen, für 500.000 bis 800.000 Pfund. Die Anmut der Schlichtheit ist einem Stillleben von Jan Jansz van de Velde eigen, auf dem lediglich zwei Quitten und ein Zweig mit Mispeln zu sehen sind (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Zu nennen ist ferner das Werk eines deutschen Künstlers, der sich eigentlich eher selten auf die großen internationalen Auktionen verirrt, mit dem jetzt vorliegenden Werk jedoch schon zweimal in London und New York anzutreffen war: Zuletzt wurde das eher spartanische Stillleben mit Narzissen, Veilchen und Immergrün in einer Steingutkanne des Münsteraners Ludger tom Ring d.J. im April 2007 bei Christie’s für 800.000 Dollar versteigert. Mit 500.000 bis 800.000 Pfund soll es jetzt allerdings nicht an Wert gestiegen sein.

Früher zum umfangreichen Besitz der Familie Schönborn gehörte Sir Peter Paul Rubens’ Profilbildnis eines bärtigen Mannes, der nachdenklich die kleine Bronzefigur eines jungen Männeraktes in seiner Hand betrachtet. Die Holztafel hing bis ins 20ste Jahrhundert in der Galerie von Schloss Weißenstein bei Bamberg, einst eine der großartigsten Kunstsammlungen Europas (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen GBP). Ein Meisterwerk der Portraitmalerei ist Tizians Dreiviertelbildnis eines Klerikers mit glasigen Augen, nach Ansicht der meisten Forscher ein Spätwerk des Meisters aus den 1550er Jahren (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Aus der italienischen Barock- und Rokokomalerei folgen bei jeweils 400.000 bis 600.000 Pfund Guido Renis einfühlsame Verbildlichung der jungen Familie um Maria und Josef, die die Experten bei Sotheby’s als „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ deuten, und ein Gemäldepaar mit charakteristischen Ruinencapricci von Giovanni Paolo Panini.

Mit Antonio Jolis Sicht in den Garten der römischen Palazzo Barberini samt einer Menschenmenge, die dem Ballspiel „Palla a Bracciale“ zuschaut (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP), und mit Francesco Guardis Blick auf die Klosterinsel San Giorgio Maggiore in Venedig zieht schon das neue Kunstverständnis der Aufklärung heran (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Am Übergang der Epochen steht zudem Bernardo Bellottos Architekturcapriccio mit einem deutsch empfundenen Barockpalast samt Figurenstaffage mit nicht nur vornehmen Leuten, das er wohl bei seinem zweiten Aufenthalt in Dresden in den 1760er Jahren konzipiert haben muss (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP). Das französische Rokoko vertritt die heitere und erotisch angehauchte Gartenszene „La Cueillette des Cerises“ von François Boucher (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP), den Klassizismus Louis-Léopold Boillys Grisaille einer Frau, die beim Lesen eines Briefes eben ihre Ohnmacht nimmt (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Auf Vulkanausbrüche war Pierre-Jacques Volaire abonniert, wie er sie 1771 etwa beim Vesuv effektvoll orangerot glühend vor nächtlich dunklem Himmel inszeniert hat (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Eine Handvoll Losnummern widmet sich der englischen Malerei des 18ten und frühen 19ten Jahrhunderts unter anderem mit einem eher ungewöhnlichen Landschaftspaar, in dem Joseph Wright of Derby zwar Flussschluchten als Motiv hernahm, aber einmal eine englische aus der Grafschaft Derbyshire und dann eine italienische mit dem Kloster San Cosimato in Vicovaro bei Rom (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP). Sir Thomas Lawrence’ Bildnis Emily Lady Berkely mit roten Wangen von etwa 1790 steht mit der lockeren Pinselführung für die neuen Errungenschaften der Malerei der Aufklärung (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP), während sich George Romney rund 15 Jahre zuvor bei seinem Portrait der eleganten Elizabeth Ramus noch stärken an klassischen Schönheitsidealen orientiert hat (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP). Nicht allzu häufig trifft man auf die Themenwahl von Benjamin West und Jacques-Laurent Agasse: West hat die Melkerinnen im Londoner St. James’s Park bei ihrer Arbeit verewigt und ihnen eine vornehme Gesellschaft hinzugesellt (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), der gebürtige Schweizer eine Ansammlung von sechzehn Hunden in einem Zwinger mit teils sehr menschlichen Zügen portraitiert (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP).

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



28.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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