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Meret Oppenheim mit einer Retrospektive im Wiener Kunstforum Bank Austria

Haarige Geschichten



„Die roten Füchslein, alle leben einsam, sie zehren am längsten, sie essen ihren Pelz.“ In ihrem Gedicht „Sansibar“ aus dem Jahr 1933 scheint Meret Oppenheim bereits jenes Objekt anzusprechen, mit dem sie drei Jahre später große Berühmtheit erlangen sollte. 1936 schuf die in Berlin geborene und zu jener Zeit in Paris lebende Künstlerin „Le déjeuner en fourrure“, das „Frühstück im Pelz“. Die Künstlerin selbst hat dem Objekt, bestehend aus einer großen französischen Kaffeetasse, einem tiefen Teller und einem Kaffeelöffel, allesamt bezogen mit dem beigebraunen Fell einer chinesischen Gazelle, keine besondere Bezeichnung gegeben. Der heute geläufige Titel stammte von ihrem Freund André Breton. Das kleine Werk der nur 23jährigen gilt als Ikone des Surrealismus und ist eines der meist zitierten Anschauungsobjekte dieser Zeit.


Meret Oppenheim würde am 6. Oktober 2013 hundert Jahre alt. Aus diesem Anlass versuchen zwei große Ausstellungen, einen neuen Blick auf das Œuvre der Künstlerin zu werfen. Die unterschiedlich konzipierten Präsentationen verbindet der Ansatz, Oppenheims einseitige Rezeption als „Muse“ der Surrealisten sowie als Schöpferin der legendären Pelztasse zu überwinden. Während das Sprengel Museum in Hannover mit circa 60 Papierarbeiten aus dem Zeitraum von 1936 bis 1984 das zeichnerische Werk von Meret Oppenheim in den Mittelpunkt stellt, präsentiert das Bank Austria Kunstforum in Wien eine retrospektiv angelegte Schau. Die Ausstellung, die anschließend im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein wird, bietet mit mehr als 200 Exponaten Gelegenheit, das gesamte künstlerische Spektrum einer Künstlerin kennen zu lernen, die in den 1970er Jahren aufgrund ihrer nonkonformistischen und freiheitlichen Haltung zum Leitbild für die jüngere Generation avancierte.

Meret Oppenheims im Umfang überschaubares Gesamtwerk umfasst neben Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Objektkunst auch Möbel-, Schmuck- und Modeentwürfe sowie Gedichte und einige theoretische Texte über Kunst. Ihre künstlerischen Anfänge liegen in Paris, wo sie von 1932 bis 1937 im Kreis der Surrealisten rund um André Breton verkehrte. Hier lernte sie Alberto Giacometti kennen, ebenso Hans Arp, Dora Maar und Pablo Picasso. Mit Max Ernst verband sie eine einjährige Liebesaffäre.

Die Wiener Schau dokumentiert diese für Meret Oppenheims künstlerische Entwicklung ebenso anregende wie produktive Zeit mit Zeichnungen und Objekten aus den vielfältigsten Materialien sowie Gemälden, Assemblagen, Collagen und exzentrischen Entwürfen für Gebrauchsgegenstände, die durch ihre Verbindung von anthropomorphen und animalischen Elementen verblüffen, wie etwa ein Paar Fellhandschuhe von 1936, durch deren offene Fingerspitzen rot lackierte Fingernägel zu sehen sind. Dass ausgerechnet das bekannteste Stück, die Pelztasse, in Wien nicht zu sehen ist, ist ein bedauerliches Manko. Auch wenn die Kuratorin der Ausstellung Heike Eipeldauer damit argumentiert, dass gerade dieses Werk dafür verantwortlich ist, dass der Blick auf das Œuvre der Künstlerin lang Zeit verstellt wurde, können Oppenheims spätere Paraphrasierungen nicht jene Suggestionskraft vermitteln, die der Pelztasse eigen ist, die sich in der Kollektion des Museum of Modern Art in New York befindet.

Der Schlüssel zum Verständnis dieses singulären, antimonumentalen Objektes ist die Vorstellung einer Belebung des Leblosen. Aus dem vertrauten Alltagsgegenstand sprießt wie in einem Alptraum Fell. Die paradoxe Vorstellung eines lebendigen und doch blutleeren, kalten und toten Wesens fesselt Gesehenes und Gedanken aneinander. Das Faszinosum der Pelztasse liegt in der Disproportion zwischen einem sehr gelungenen, originellen Einfall und dem Feuerwerk an möglichen Sinnschichten: Die Tasse wird zu einem fremden, unheimlichen Objekt mit bizarren, erotischen und poetischen Konnotationen. Das hingegen in der Ausstellung gezeigte Objekt „Eichhörnchen“ von 1969, ein mutierter Bierkrug mit Tierschwanz, wirkt im Vergleich mit seinem zuvor entstandene Pendant wie der etwas bemühte Versuch, der weiblich besetzten Hohlform der Tasse ein männliches Pendant an die Seite zu stellen. Der Verzicht auf die Pelztasse in der Ausstellung ist umso mehr bedauerlicher, als sich der so scheinbar mühelos gewonnene Ruhm für Oppenheims Identität als Künstlerin zudem als schwere Hypothek erwies: Sie wollte sich nicht auf einen wieder erkennbaren Stil reduzieren lassen.

Die Wiener Ausstellung folgt Oppenheims Spuren von Paris in die Schweiz, wohin sie angesichts der politischen Verhältnisse und des drohendes Krieges zurückgekehrt war. Nach einer bis etwa 1954 andauernde Schaffenskrise bezog sie in Bern ein eigenes Atelier. Hier entstand der Hauptteil ihres Werkes, in dem die Künstlerin neue Formen und Symbole für Lebensprozesse und Naturphänomen entwickelte. Inhalte wie Erotik und Androgynität, das Verhältnis zur Natur und zum Unbewussten blieben hingegen bestimmend auch für diese späten Arbeiten. Konsequent verweigerte sich Meret Oppenheim einem homogenen Stil und bewahrte sich eine Experimentierfreudigkeit, mit der sie sich über die Grenzen einer linearen Entwicklung hinwegsetzte. Veristisch-surreale Darstellungen stehen neben geometrischen Abstraktionen, intuitiv hingeworfene Zeichnungen existieren gleichberechtigt neben konzeptuellen, fotografischen Arbeiten und humorvollen Materialcollagen.

Nachvollziehbar dokumentiert die Ausstellung zudem, dass das öffentliche Bild von Meret Oppenheim nicht allein durch ihre eigenen Werke geprägt wurde. Ihre beeindruckende charismatische Persönlichkeit, die zuweilen die Beschäftigung mit ihrem Werk dominierte, wird in der Ausstellung durch eine Reihe von Künstlerfotografien von Man Ray bis zu den Portraits von Nanda Lanfranco vor Augen geführt.

Oppenheims kompromisslos gelebte gesellschaftskritische und emanzipatorische Haltung machten sie zu einer zentralen feministischen Identifikationsfigur und zum Vorbild für Generationen nachfolgender Künstlerinnen und Künstler. Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen, lautete ihr Credo. Sie selbst nahm sich die Freiheit, ihren eigenen Mythos zu parodieren. 1970 entstand ihr „Souvenir du déjeuner en fourrure“ als Auflagenobjekt: eine bewusst kitschige Version der Pelztasse, ironisiert zu einem zweidimensionalen Gedeck aus Pelzimitat unter einem ovalen, gewölbten Glas. Jene zehren am längsten, die ihren Pelz essen. Konsum sollte aber nicht mit Genuss verwechselt werden.

Die Ausstellung „Meret Oppenheim“ ist bis zum 14. Juli zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum hat täglich von 10 bis 19 Uhr und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, 6 Euro bzw. 4 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet 29 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



25.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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