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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst sowie Design und Glas aus Murano bei Nagel in Stuttgart

Frontleuchtenportrait



Lovis Corinth, Lachendes Mädchen, 1883

Lovis Corinth, Lachendes Mädchen, 1883

Als eines der letzten Auktionshäuser, die sich vor der Sommerpause ins Geschäft mit moderner und zeitgenössischer Kunst stürzen, geht das Stuttgarter Auktionshaus Nagel in der kommenden Woche an den Start. Den Vormittag bestreitet man zunächst mit fast tausend Losnummern überwiegend im Niedrigpreissektor, bevor dann gegen 13 Uhr ein gutes halbes Hundert höherwertiger Werke unter die Leute gebracht werden sollen. Hier geht es mit den ältesten Stücken los, etwa Lovis Corinths Frühwerk „Lachendes Mädchen“ aus dem Jahr 1883, 1918 und 1923 in Dresden und Berlin öffentlich ausgestellt, für 25.000 Euro oder dem „Jean d’Aire“ aus Auguste Rodins berühmten „Bürgern von Calais“ in einem späteren Abguss von knapp einem halben Meter Höhe für 20.000 Euro. Für den Symbolismus steht Franz von Stucks schamhafter Frauenakt Susanna, nach der alttestamentlichen Geschichte mit den beiden alten Männern im Hintergrund, die sich unverfroren an die tugendhafte Dame heranmachen und sie anschließend auch noch der Untreue gegenüber ihrem Gatten bezichtigen. Von Wert ist bei diesem Bild nicht nur der ungewöhnlich hochformatige Karton, sondern auch der wohl vom Künstler selbst entworfene Rahmen. 26.000 Euro sollen hier umgesetzt werden.


Recht rasch ist am 26. Juni dann der Expressionismus erreicht, für den etwa der Österreicher Wilhelm Thöny mit der in bunten kräftigen Farben skizzierten Straßenszene „Spaziergänger im Park“ von 1922/23 für 50.000 Euro steht. In ähnliche Richtung mit starker Vergröberung, damit aber auch auf die Konzentration des Ausdrucks zielen Anton Mahringers koloristisch raffinierter „Waldbach“ von 1935 (Taxe 15.000 EUR) und Leo Putz’ 1931 in Brasilien gemalte, südländisch heitere „Studie aus Angra dos Reis“ für 12.000 Euro. Franz Radziwill schuf 1937 das dunkle „Stillleben mit der Bartnelke“ im Stil der Neuen Sachlichkeit, wobei dem unprätentiösen Motiv auch etwas Geheimnisvolles eignet, so dass man bei dem zeitweise leider in die NS-Kunstideologie verstrickten Künstler auch gern vom „Magischen Realismus“ spricht (Taxe 22.000 EUR). Für die sozialkritischen Tendenzen der Zwischenkriegszeit steht George Grosz’ mit spitzer Tuschfeder entwickeltes Blatt „Der Weg allen Fleisches“ mit alter Frau beim Schlachter von 1931 (Taxe 7.000 EUR).

Unter den Skulpturen ist neben Rodins Calais-Bürger auch Richard Scheibes majestätisch schreitender „Löwe“ zu nennen, 1947 in Bronze gegossen und offenbar nur in dieser und noch einer weiteren Ausführung bekannt. Trotzdem hat Nagel nur 3.500 Euro veranschlagt. Als kostbarste Abstraktion der Versteigerung versucht eine schwungvolle „Plasticità Dinamica“ des italienischen Futuristen Giacomo Balla aus der Mitte der 1920er Jahre ihr Glück. Innerhalb eines wirbelnden Liniengerüstes sind pastellhelle Farbflächen eingefügt, am unteren Bildrand prangt die noch immer programmatische Signatur „Futur Balla“ (Taxe 60.000 EUR). Allein sieben farbkräftige Arbeiten aus Pastell listet der Katalog von Adolf Hölzel. Ihr Abstraktionsgrad und ihre Verkapselungsdichte schwanken, manchmal lässt sich wie bei der „Steinigung des heiligen Stephanus“ noch Figürliches erkennen (Taxen bis 7.000 EUR). Als Lehrer an der Stuttgarter Akademie unterrichtete Hölzel etwa Ida Kerkovius, die sich vor allem von seinem Sinn für die Qualität der Farben inspirieren ließ, die Abstraktion meist aber nicht so weit vorantrieb. Schöne Beispiele ihres Schaffens sind etwa das „Liebespaar“ von 1938, das „Paar im Grünen“ von 1955 und das „Pendel mit Engel“ um 1959/60 (Taxe je 8.000 EUR).

Mehr oder weniger abstrakt geht es in der Nachkriegskunst weiter, etwa in Form von Willi Baumeisters „Figurenmauer“ von 1946 mit reliefartig erscheinenden Strichmännchen für preiswerte 20.000 Euro. Rund zwei Jahre zuvor hatte der Künstler noch einen expressiven Figurenstil gepflegt, wie die „Mädchen am Bodensee“ bezeugen (Taxe 29.000 EUR). Für etwas günstigere 7.000 Euro hängt HAP Grieshabers „Herbst“ bereit, 1951 als braun-gelber Farbholzschnitt auf einer fast einen Meter hohen Papierbahn gedruckt. In den 1960er Jahren waren strenger abgezirkelte, in Form und Farbe klarere Kompositionen en vogue, wie sie etwa drei Ölbilder Max Ackermanns für bis zu 15.000 Euro, Georg Karl Pfahlers aparte Gelb-Braun-Kombination „Orbit II“ von 1969/70 (Taxe 9.000 EUR) oder ein schwarz-weißes kinetisches Objekt repräsentieren, das der Schweizer Jean Tinguely 1960 anlässlich seiner ersten institutionellen Einzelausstellung 1960 im Haus Lange zu Krefeld angefertigt hat (Taxe 10.000 EUR).

Gleich drei „ZERO“-Stars bekommt man vielleicht schon für 9.500 Euro: 1963 taten sich Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker zusammen und lieferten auf einer mittelgroßen Tafel kleine Proben ihres Könnens ab. Auch dieses charakteristische Werk mit Macks Metallrelief, Pienes Feuergouache und Ueckers Nagelrelief entstand anlässlich einer Ausstellung im Haus Lange und weist mit der Sammlung Raimund Schröders, eines ehemaligen Mitarbeiters des Museums, dieselbe Provenienz auf wie der Tinguely. Im selben Jahr entstand Franz Erhard Walthers „Stirnstück“. Fünf dunkelrote Samtkissen hat der damals etwa 24jährige Karl Otto Götz-Schüler zusammengenäht und als Kunst ausgegeben – durchaus mutig seinerzeit. Die beigegebene Zeichnung beschreibt die Idee der Arbeit: „Stoff-Wechsel – Kunst erzwingt ständige Veränderung des Denkens“ (Taxe 10.000 EUR). Einer von Walthers Kommilitonen an der Düsseldorfer Kunstakademie war der zwei Jahre jüngere Sigmar Polke. Von diesem hat Nagel zweimal das gleiche Werk im Programm, die Schwarz-Weiß-Fotografie „Fernsehbild (Kicker) I“ von 1971, allerdings in zwei unterschiedlichen Nachbearbeitungen in roter Gouache und daher mit 20.000 Euro und 12.000 Euro auch unterschiedlich bewertet.

Die 1980er Jahre sahen in Deutschland vielfach wieder eine Rückkehr zur figuralen Malerei in der Tradition des Expressionismus. Walter Dahns verschwommenes „Selbstbildnis“ von 1982 für 10.000 Euro und Rainer Fettings dunkelblaue „N. Y. Night“ von 1993 für 14.000 Euro sind dafür anschauliche Beispiele. Eines der siebzig Exemplare von Andy Warhols Farbserigrafie „Details of Renaissance paintings“ von 1984 mit einem farblich verfremdeten Ausschnitt aus Sandro Botticellis berühmter „Geburt der Venus“ bildet mit 30.000 Euro die Spitze der Pop Art-Offerte. Der augenblicklich auf dem Markt nicht so hoch geschätzte Hyperrealismus ebenfalls amerikanischer Couleur wartet in Form von Don Eddys Abkonterfaktur zweier Frontleuchten eines Automobils „Bumper Section VI: Berkely“ von 1970 für 19.000 Euro auf Kundschaft.

Der aus Südkorea stammende, heute in den USA lebende Ik-Joong Kang vertrieb sich 1990 die Wartezeit an großstädtischen U-Bahn-Stationen mit der Kreation kleiner Täfelchen, auf denen er die unterschiedlichsten Eindrücke festhielt, einschließlich der Integration von allerlei offenbar gefundenem Material. 228 Einzelbilder sind es geworden, auf fast zwei Meter breiter Holzplatte zusammengestellt und „One by one“ betitelt (Taxe 16.000 EUR). Zu den jüngsten Arbeiten zählen Norbert Biskys Großformat „Lazarett“ mit blonden Jungs bei zweifelhaftem Treiben von 2004 (Taxe 18.000 EUR) und Rebecca Horns „L’amant“ mit beweglichen Schmetterlingsflügeln in einer Glasvitrine von 2007 für 12.000 Euro.

Knapp 150 Losnummern füllen, in einem eigenen Katalog summiert, die Designobjekte. Hier findet sich sogar das Hauptlos des Tages: Ein neusilbernes Mokkaservice des Bauhaus-Künstlers Christian Dell aus den frühen 1920er Jahren, bestehend aus Kanne, Sahnegießer und Zuckerschale mit Ebenholzgriffen in klaren runden Formen, soll stattliche 60.000 bis 120.000 Euro kosten. Mit großem preislichen Abstand folgen bei 9.000 bis 12.000 Euro ein teils Rot, Grün und Weiß lackierter, von beiden Seiten nutzbarer Halbschrank aus einer Küchenzeile von Le Corbusier und Charlotte Perriand aus der Zeit um 1950/55, bei 6.000 bis 10.000 Euro der rote runde Esstisch „Cible“, den Jean Prouvé und Jules Leleu um 1935 mit einem konzentrischen Streifenmuster verziert haben, sowie bei 8.000 bis 15.000 Euro der originelle Esstisch „Rosa die Venti“ aus Mario Cerolis Serie „Mobili nella valle“ von 1973 in einer späteren Ausführung.

Das naturbelassene, runde Holzmöbel mit einer eingelegten Windrose auf der Platte stand bisher bei Brigitte Brodbeck und Theo Löffler, die über 30 Jahre eine angesehne Designgalerie in Stuttgart betrieben und nach ihrer Geschäftsaufgabe im Jahr 2007 und den Umzug in die Toskana sich nun von Überflüssigem trennen. Dazu gehört etwa auch André Dubreuils barock geschwungener, aber nur aus Eisenrippen konstruierter „Spine Chair“ von 1986 (Taxe 1.500 bis 3.000 EUR), zwei klassisch-elegante Tabourets „Ra“ von Elisabeth Garouste und Mattia Bonetti aus dem Jahr 1987 (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR), aber auch günstige Sachen wie Carlo Alessis Kaffee- und Teeservice mit dem sprechenden Titel „Bombé“ aus den 1950er Jahren für 200 bis 400 Euro oder Ingo Maurers bekannte Tischleuchte „One from the Heart“ für 100 bis 200 Euro. Wer sich mit Fachliteratur eindecken will, kann zu drei Konvoluten der beiden Designliebhaber mit je 70 bis 80 Büchern für jeweils 400 bis 600 Euro greifen.

Für das Pop-Design stehen dann Eero Saarinens weißer Tulip-Tisch und sieben Tulip-Stühle sowie der passende runde Veloursteppich mit der selben knalligen Farbe Orange von 1971 (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Klassisch funktional und nüchtern gibt sich dagegen André Sornays 1960 entworfener Kleiderschrank aus weiß lackierten Faserplatten sowie Griffleisten und Rahmenkonstruktion aus Mahagoni (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Auf dem Etikett für Arne Jacobsens bekannten, schwarzen Sessel „Swan“ von 1957/58 stehen 2.500 bis 4.000 Euro. In dieser Preiskategorie hält der Katalog etwa noch Marcel Breuers kantigen Schreibtisch „New Canaan“ aus Palisander und Mahagoni von 1951 oder Rosanna del Pretes freundliches Schreibmöbel mit integriertem Hocker „Hommage à Mondrian“ von 2008 bereit. Groß ist die Auswahl an gläsernen Murano-Vasen der 1950er und 1960er Jahre aus einer italienischen Privatsammlung, wobei Pollio Perelda für fröhliche Buntheit steht, während Ermanno Toso gern sternartige Blüten auf monochromem Grund tanzen lässt. Ermanno Nasons meerblaue Vase „Scavo“ von 1964 in einer Ausführung um 1970 erinnert mit ihren einfachen Zeichnungen an die Höhlenmalerei grauer Vorzeiten. Überall sind nicht mehr als 9.000 Euro verzeichnet.

Die Auktion beginnt am 26. Juni um 13 Uhr mit der modernen und zeitgenössischen Kunst, um 15 Uhr mit dem Design. Die Vorbesichtigung läuft vom 21. bis zum 24. Juni täglich von 11 bis 18 Uhr.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



19.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

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