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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Nürnberger DB Museum schlägt in einer Schau zu Projekten des bayerischen Königs Ludwig II. Brücken zwischen Ästhetik und Technologie

Zweisamkeit von Kunst und Technik



Der bayerische Hofzug König Ludwigs II.

Der bayerische Hofzug König Ludwigs II.

Über und über mit goldenem Zierrat auf strahlend blauem Grund besetzt, fällt der extravagante Hofzug Ludwigs II. in der großen Wagenhalle des Nürnberger DB Museums aus dem Rahmen. Das „Schloss Versailles auf Rädern“ gelangte nach dem Ende der Monarchie 1918 ins Haus und avancierte rasch zum Highlight der Dauerausstellung. Von den ursprünglich acht Waggons sind die zwei prachtvollsten erhalten. 1865 bestellte der bayrische König den neuen Terrassenwagen. Den von seinem Vater übernommenen Salonwagen ließ er nach Entwürfen von Franz von Seitz im Stil des französischen Königs Ludwig XIV. neu ausstatten und von einer Krone auf dem Dach vervollkommnen. Neben dem Adjutantenzimmer und dem Schlafkabinett ist der Hauptsalon der aufwändigste, an Prunk überquellende Raum des Salonwagens. Wände und Mobiliar sind reich vergoldet und mit Atlas-Seide bespannt. Allegorien auf dem Deckengemälde Rudolf von Seitz’ symbolisieren die Jahreszeiten, die Himmelsrichtungen beziehungsweise Erdkreise. Gleich einer Sonne ist mittig die Lampe angebracht. Bei all dem Pomp drängt sich dem Besucher rasch der Eindruck einer imposanten Theaterkulisse auf.


Der barocken Ornamentik einer vergangenen Epoche an einem 1870 vollendeten, modernen Industrieprodukt haftet etwas Fremdartiges und Widersprüchliches an. Doch wie kaum ein anderes Exponat der Schau „Götterdämmerung. König Ludwig II.“, die das Haus der Bayerischen Geschichte 2011 als Landesausstellung erarbeitet hat und nun im Nürnberger DB Museum präsentiert, unterstreicht dieses Artefakt den Wunsch nach alten Zeiten, ohne auf die Annehmlichkeiten der Gegenwart zu verzichten. Es steht symptomatisch für eine unter Ludwigs Regierungszeit von 1864 bis 1886 prosperierende Epoche technischer Innovationen und industriellen Wachstums, Tendenzen, welche er einerseits für sich geschickt zu nutzen wusste, die aber auch andererseits das schleichende Ende vieler Traditionen einleiteten. „Götterdämmerung“ deutet sich an, schon die nachfolgende Generation ist die letzte auf dem Königsthron, das Ende der Wittelsbacher Herrschaft zeichnet sich am Horizont ab. Die Spannung zwischen zukunftsweisendem Fortschritt und bewahrenden Kräften zerreißt.

Im Rahmen des 200sten Geburtstags von Richard Wagner, der oft in Nürnberg und Umgebung zu Gast war, stellt die einem klassischen Drama ähnlich aufgebaute Schau in fünf Akten wesentliche Lebensabschnitte Ludwigs vor. Ausbildung und Erziehung zum künftigen Herrscher, die überraschende Thronbesteigung nach dem plötzlichen Tod seines Vaters mit den schicksalhaften Jahren zwischen 1864 und 1871 werden in den ersten Abschnitten behandelt. 1866 verlor Bayern den Krieg an der Seite Österreichs gegen Preußen, 1871 siegte Bayern an der Seite Preußens gegen Frankreich. Bayern verlor seine Selbständigkeit und Ludwig aufgrund eingeschränkter Gestaltungsmöglichkeiten jedwede Begeisterung am Regieren. Die Folge war sein weitgehender Rückzug von der Regierungstätigkeit und die Beschäftigung mit den Künsten, insbesondere seinen Bauprojekten. Diese stehen im großen Ausstellungssaal auch im Mittelpunkt. Dank Ludwigs Förderung konnte Richard Wagner seine Musikdramen vollenden und in einer Art theatralischem Gesamtkunstwerk mit neuesten technischen Illusionen aufführen.

Modernste Baumethoden und neue technische Erkenntnisse fanden bei seinen Bauprojekten Anwendung, die den Besuchern anschaulich in filmischen Animationen dargeboten werden. Auf faszinierende Weise kann man nachvollziehen, in welchen Etappen sich der Bau von Schloss Neuschwanstein abspielte, welchen Zustand er beim Tod Ludwigs erreicht hatte und wie die unausgeführten Räume, etwa das Ritterbad oder der Maurische Saal, ausgesehen hätten. Hier wie auch bei der projektierten Burg Falkenstein sind die Beziehungen zu Wagners Musik offensichtlich. Immer wieder knüpfen Ludwigs Projekte an den Inbegriff absoluter Herrschermacht an, wie sie sein Vorbild Ludwig XIV. verkörperte. Mit Schloss Herrenchiemsee wurde ihm ein grandioses Denkmal gesetzt. Zudem stellt die Schau einen geplanten byzantinischen oder einen chinesischen Palast vor.

Immer wieder überrascht die Einbindung neuester technischer Errungenschaften. So kann der Besucher eine filmische Rekonstruktion des Wintergartens auf den Dächern der Münchener Residenz erleben, die von einer modernen, bis zu neun Meter hohen Stahlglaskonstruktion überspannt wurde. Verschiedenfarbige Lichter, Wellenmaschinen, perfekte Illusionen in der mit 24 Generatoren bestückten Venusgrotte von Schloss Linderhof lassen sie zu einem zwischen Bühnenbild und moderner Kunstinstallation oszillierenden Werk werden. Auch eine Art Seilbahn mit einer einem Pfauenthron ähnelnden Gondel wollte Ludwig über den Alpsee spannen lassen.

Das vorletzte Kapitel behandelt die zwar etwas verspätete, dann aber mit aller Macht einsetzende Industrialisierung Bayerns, das sich auf den Gebieten der Chemie und Elektrotechnik rasch an die Spitze des industriellen Fortschritts setzte. Ludwig begeisterte sich für moderne Techniken. Er selbst hatte zu Jugendzeiten ein Chemiestudium anvisiert. Nachdrücklich unterstützte er das wirtschaftliche Wachstum und gab Impulse zur Lösung damit auftretender sozialer Fragen. Das unglückliche Ende und dazu kursierende Theorien beherrschen den letzten Ausstellungsabschnitt. Der Schuldenberg bei Ludwigs Tod konnte rasch durch Eintrittsgelder seiner nun der Öffentlichkeit zugänglichen Schlösser abgebaut werden. Heute sind seine Bauten nicht nur kulturelle Aushängeschilder Bayerns in aller Welt, sondern tragen maßgeblich zum wirtschaftlichen Gewinn und Unterhalt aller bayerischen Schlösser bei.

Die Ausstellung „Götterdämmerung. König Ludwig II.“ ist noch bis zum 7. Juli zu besichtigen. Das DB Museum hat täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren 2,50 Euro.

Kontakt:

DB Museum Nürnberg

Lessingstraße 6

DE-90443 Nürnberg

Telefon:+49 (0180) 444 22 33



18.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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15.05.2013, Götterdämmerung. König Ludwig II.

Bei:


DB Museum Nürnberg

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Alles nur ein Traum?

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Geplante Ballonseilbahn über den Alpsee
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Schreckensruf des Königs von Bayern beim Anblick der leeren
 Kabinets-Kassa
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Joseph Albert, Die Königsfamilie beim
 Spaziergang im Park von Hohenschwangau, 1861
Joseph Albert, Die Königsfamilie beim Spaziergang im Park von Hohenschwangau, 1861

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Ferdinand Piloty d.J., König Ludwig II. in bayerischer Generalsuniform mit dem
 Krönungsmantel, 1865
Ferdinand Piloty d.J., König Ludwig II. in bayerischer Generalsuniform mit dem Krönungsmantel, 1865

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Ludwig Schradler, Die Großbaustelle Neuschwanstein, 1880
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Der bayerische Hofzug König Ludwigs II.
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Geplante Ballonseilbahn über den Alpsee

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Schreckensruf des Königs von Bayern beim Anblick der leeren Kabinets-Kassa

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Joseph Albert, Die Königsfamilie beim Spaziergang im Park von Hohenschwangau, 1861

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Ferdinand Piloty d.J., König Ludwig II. in bayerischer Generalsuniform mit dem Krönungsmantel, 1865

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Ludwig Schradler, Die Großbaustelle Neuschwanstein, 1880

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Franz von Seitz und Rudolf von Seitz, Der bayerische Hofzug König Ludwigs II.

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Franz von Seitz und Rudolf von Seitz, Der bayerische Hofzug König Ludwigs II.

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geplanter Chinesischer Palast König Ludwigs II., 1880er Jahre

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geplanter Byzantinischer Palast König Ludwigs II., 1880er Jahre

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Die Marienbrücke über die Pöllatschlucht bei Neuschwanstein, 1866

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