Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 12.12.2017 Auktion 67: Alte Meister - Moderne

© Galerie Auktionshaus Hassfurther

Anzeige

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von  Stuck

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt eine Auswahl der „London-Pictures“ von Gilbert & George

Schockierende Schlagzeilen



Mit 292 Einzelarbeiten stellt der 2011 abgeschlossene Zyklus der „London-Pictures“ die bislang umfangreichste Gruppe von Bildern des britischen Künstlerduos Gilbert & George dar. 68 davon sind derzeit in der Duisburger Küppersmühle zu sehen. Bei den Arbeiten handelt es sich um meist großformatige, in bis zu 65 einzelne schwarz gerahmte und hochrechteckige Tafeln zusammengestellte Wandbilder, deren Hintergründe übergreifend, Beschriftungen aber vordergründig auf das Modul bezogen sind. In bluttriefend oder sexhaltig anmutenden roten Buchstaben springen reißerische Schlagworte ins Auge: Zu Tode geschlagen, Gewitzte Kinder, Messermörder, Erschossen, Erstochen, Verbrannt, Lover, Arrest, Vergewaltigung, Drogen, Gay, Frauen, Jobs, Hund, Terror und Krieg.


Normalerweise treffen London-Besucher diese isolierten Aufmacher auf Zeitungsplakaten, so genannten Zeitungs- oder Händlerschürzen an, die an Kiosken angebracht sind und mit Topzeilen für den Kauf der Blätter werben. Gilbert & George haben genau 3712 dieser Plakate an den Kiosken entwendet. Während einer der beiden den Verkäufer mit dem Kauf von Kaugummis ablenkte, bemächtigte sich der andere eines Plakates. Alphabetisch nach Schlagworten sortiert, fotografierten Gilbert & George die Schlagzeilen und stellten sie zu Collagen zusammen. Worte aus dicken, tief schwarzen Buchstaben vervollständigen die roten Schlagwörter zu originalen Headlines.

Eine zweite Ebene bespielt das künstlerische Doppelpack höchstpersönlich. Während ihre tadellosen Anzüge sich motivisch im ausschließlich schwarzweißen Hintergrund verlieren, tun sich geisterhaft ihre braungelb gefassten Gesichter hervor, blass, verzerrt, starr, konzentriert, stereotyp aus dem Hintergrund alles still beobachtend, so wie man die beiden „Living Sculptures“ von ihren Auftritten kennt. Straßen, Steine, Mauern, Spiegelungen von Autoscheiben oder Gardinen aus Spitzen bilden die hinterste Schicht. Das Modul in der untersten rechten Ecke zeigt sich in der Art eines amtlichen Siegels mit dem Portrait der Königin.

Nüchtern und direkt rückt das Künstlerduo das Gesicht Londons und unserer Gesellschaft allgemein in den Fokus, bilanziert das alltägliche Geschehen, wie es sich nicht nur in der britischen Metropole, sondern in allen Großstädten weltweit abspielt. Die Werke von Gilbert & George kreieren nichts anderes als ein Tagebuch eines ruhelosen Sturmes, roh, absurd, brutal oder auch zuweilen verträumt. Londons spezielles Nervensystem wird herausgestellt, seine Triebe, Wallungen, Instinkte, Reflexe als Stadt der Morde, des Sex’, der Katastrophen oder brennenden Gebäude. Die visualisierten, das Publikum ansprechenden Erfahrungen des Lebens sind weniger als Kritik an den Medien als an uns alle zu verstehen, die wir die unendliche Lust an Exzessen und Sensationen durch neugierige Beachtung fördern. Es ist die Reflexion dessen, was uns umgibt, ein Spiegel der Medien- und Seelenlandschaft.

Mittels der Dokumentation wollen die Künstler die Verantwortung bei all diesen Vorgängen in Erinnerung zu rufen. Dabei setzen sie die Sprache der Medien in einen neuen Kontext in stets gleicher Aufmachung, die zugegebener Weise zunächst einmal die Sehlust wenig reizen mag. Kunst und Medien sind ohnehin ja seit über 200 Jahren eng miteinander verbunden. Presse schafft Öffentlichkeit, und die Kunst braucht Öffentlichkeit. Dabei hängen sowohl Künstler als auch Journalisten am Zeitgeist. Journalisten sind überwiegend Experten für das Allgemeine, Künstler eher prädestiniert für sensible Hinterfragungen und Interpretationen. Gilbert & George sind sensibel und tief in das Herz ihrer Heimatstadt eingedrungen. Sie lassen das Leben der Stadt für sich sprechen in all seinen schönen, unerklärlichen, erschreckenden und elenden Facetten.

Hier in London war es auch, wo sich die beiden als Studenten im Jahr 1967 an der St. Martin’s School of Art kennen und lieben lernten. Gilbert Prousch, der kleinere der beiden, wurde am 17. September 1943 St. Martin in Thurn in den Südtiroler Dolomiten geboren und studierte zunächst an der dortigen Kunsthochschule Wolkenstein, der Kunsthochschule Hallein in Österreich sowie an der Münchener Akademie der Bildenden Künste. George Passmore, der größere und bebrillte, wurde am 8. Januar 1942 im britischen Plymouth geboren und studierte zunächst am Dartington Hall College of Arts und der Oxford Art School. Seitdem inszenieren sie sich als unzertrennliche lebende Skulptur in der Öffentlichkeit. Markenzeichen bilden ihre stets korrekten, aber etwas altertümlich-muffig anmutenden Anzüge.

Die Ausstellung „Gilbert & George – London Pictures“ ist noch bis zum 30. Juni 2013 zu besichtigen. Das Museum Küppersmühle hat mittwochs von 14 bis 18 Uhr, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro für die Sonderausstellung bzw. 9 Euro für das gesamte Haus, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 27 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Küppersmühle

Philosophenweg 55

DE-47051 Duisburg

Telefax:+49 (0203) 30 19 48 21

Telefon:+49 (0203) 30 19 48 11

E-Mail: office@museum-kueppersmuehle.de



11.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


20.03.2013, Gilbert & George - London Pictures

Bei:


Museum Küppersmühle

Bericht:


Die mahnenden Augen von London

Bericht:


Bei Gilbert & George um die Ecke

Künstler:


Gilbert & George










Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce