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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer in München

Wackelnde Bäume



Ernst Ludwig Kirchner, Zwei mit Katzen spielende Mädchen, 1907

Ernst Ludwig Kirchner, Zwei mit Katzen spielende Mädchen, 1907

Es kommt selten vor, dass ein einziges Gemälde den künstlerischen Wandel eines großen Meisters so eindrucksvoll dokumentiert wie die Leinwand, die am Samstag im Münchner Auktionshaus Ketterer auf der Losnummer 30 zum Aufruf gelangt. Da ist einmal der frühe Ernst Ludwig Kirchner zu sehen: Zwei kleine Mädchen sind dort abgebildet, wie sie sich zwanglos im Gras niedergelassen haben und ungestört mit zwei Katzen spielen. Die aus überwiegend kurzen, breiten, eher unruhigen Pinselstrichen gefügte Malerei entstand 1907 und belegt den großen Einfluss der französischen Meister um André Derain oder Maurice de Vlaminck auf den frühen Kirchner. Das andere Bild, auf der Rückseite der Leinwand, würde man gar nicht für ein Werk desselben Künstlers halten, wenn es sich nicht um Kirchner handelte. Denn hier hat sich der ehemalige „Brücke“-Vertreter von den Prinzipien seines frühen Schaffens schon längst verabschiedet. Aus breiten, stark kontrastierenden Farbflächen und kantig wie ein Holzschnitt sind um 1924/26 nun ein Frauen- und ein Männerkopf, einander teilweise überschneidend, gebannt. Eine Leinwand mit zwei derart exemplarischen Schöpfungen hat natürlich ihren Preis: 600.000 bis 800.000 Euro möchte Ketterer für das überdies marktfrische, von den Vorfahren der heutigen Besitzer noch aus dem Nachlass Kirchners erworbene Doppelbild sehen.


Moderne Kunst

Die beiden Abteilungen moderner und zeitgenössischer Kunst in Ketterers wichtigster Versteigerung dieses Frühjahres halten sich sowohl quantitativ als auch qualitativ einigermaßen die Waage. Bei den älteren Meistern stehen am 8. Juni die Expressionisten vorne, neben den Dresdnern auch diejenigen aus dem Münchner Kreis. Häufig fällt der Name Gabriele Münters. 140.000 bis 180.000 Euro beispielsweise soll ihre „Bergwiese“ kosten, ein kleinformatiges und doch großartig gedachtes und komponiertes Landschaftsbild aus dem Jahr 1910. Diesen Stil behielt sie später bei, wenngleich ihre etwa ebenbürtige „Birkenallee“ aus dem Jahr 1923 einen größeren Motivreichtum und damit eine kleinteiligere Flächengliederung aufweist. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet ihr Fernblick über die Bäume und Häuser hinweg auf die „Kirche im Dorf, Murnau“ aus den 1930er oder 1940er Jahren. Nur Teile der Fläche sind überhaupt ausgefüllt und die Farben alla prima auf den Karton aufgetragen (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR).

Neben Klassikern des Impressionismus wie Pastellen von Max Liebermann oder Lesser Ury für bis zu 60.000 Euro ist aus dieser Phase deutscher Kunstgeschichte ein Frühwerk Franz Marcs zu nennen, „Eichenstämme im Vorfrühling“ des ungefähr 22jährigen von 1902. Dabei scheint der junge Mann, der gerade an der Kunstakademie München bei Gabriel von Hackl und Wilhelm von Diez sein Studium absolviert hat, auch weit in die Malereigeschichte der Romantik und sogar der Alten Meister des frühen 16ten Jahrhunderts zu greifen, wie die durchaus bizarren Baumformationen nahelegen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Gewohnt überlegen und routiniert geht Max Slevogt 1912 in seinem sonnenbeschienenen „Gartenweg zum Sommerhaus (Godramstein)“ vor, wobei das unprätentiöse Motiv mit großer Anmut umgesetzt ist (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR).

Neben Kirchner ragen aus der Reihe der ehemaliger „Brücke“-Künstler Hermann Max Pechsteins pastos aufgetragene „Sonnenblumen“ von 1948 und Karl Schmidt-Rottluffs buntfarbiger „Anlegeplatz am Fluss (Maasholm an der Schlei)“ von 1956 für jeweils 140.000 bis 180.000 Euro hervor. Von Emil Nolde gibt es einige schöne Aquarelle, wobei seine suggestiv leuchtende „Untergehende Sonne“ über einer grünen Marschlandschaft aus den frühen 1920er Jahren wohl Favoritenstatus beanspruchen kann und mit 120.000 bis 160.000 Euro noch moderat angesetzt erscheint. Mit Alexej von Jawlensky wird es dann allmählich abstrakt. Seine „Variation: Jubilance (Seelenwandern)“ von circa 1916 lässt nur noch mit viel Fantasie an Landschaftliches denken (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Wassily Kandinsky ging diesen Weg bekanntlich als einer der Ersten. Sein zart aquarelliertes „Quadrat im Nebel“ auf relativ schmalem Hochformat entstand 1932 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). 1920 schuf Paul Klee das kleine Tuschfederaquarell „Kinder und Hund“. Es ist für die hübsche, unverkrampft naive Kunst des gebürtigen Schweizers und seinerzeitigen Bauhaus-Künstlers ein besonders anschauliches Beispiel und daher recht anspruchsvoll mit 220.000 bis 280.000 Euro bewertet.

An weniger bekannten Künstler finden sich diesmal nicht so viele, denen man große Preissprünge zuzutrauen wagt. Vielleicht wird ja Pierre Hodés kubistisch inspirierte Hafenlandschaft „Dans le port de Rouen“ von circa 1925/35, in der die Schlöte nur so rauchen und man die Hörner förmlich tuten hört, über die anvisierten 25.000 bis 35.000 Euro hinausspringen. Bei den Klassikern der internationalen Moderne stehen ansonsten Druckgrafiken im Mittelpunkt wie Pablo Picassos 1959 geschaffener Farblinolschnitt „Bacchanale au Taureau Noir“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), Henri Matisses bekannte Lithografie „Nu au coussin à côte d’une cheminée“ von 1925 für 65.000 bis 80.000 Euro oder Marc Chagalls zwölfteilige Lithografiemappe mit seinen Entwürfen für die Fenster der Synagoge der Universitätsklinik Hadassah in Jerusalem (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Eine Ausnahme bildet Maurice de Vlamincks duftige Flusslandschaft „La Seine a Chatou“, doch gehört das an Paul Cézanne gemahnende Ölbild bereits zum späteren, weniger geschätzten Schaffen um 1915/25 und soll nur 80.000 bis 120.000 Euro kosten.

Zeitgenössische Kunst

Die zeitgenössische Kunst beginnt, wie es bei Ketterer fast die Regel ist, abstrakt mit entsprechenden Meisterwerken insbesondere aus Deutschland wie Emil Schumachers pessimistisch schwarzem „Jarbas“ von 1959 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder Gerhard Hoehmes demgegenüber hoffnungsvoll weiß-bläulichem „Westlicht“ von 1955 für 50.000 bis 70.000 Euro. Auch ein verspieltes Standmobile des Amerikaners Alexander Calder aus dessen letztem Lebensjahr 1976 hat sich darunter gemischt (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Internationales steuern dann auch Georges Mathieu mit einer unbetitelten Strichlandschaft auf grau-blauem Grund von 1969, die wie ein Schultafel aussieht (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR), Jack Goldstein mit einem hochformatigen „Untitled“ in ausgesuchter Farbwirkung von 1988 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und vor allem der kürzlich verstorbene Zao Wou-Ki mit einer kosmisch anmutenden „Composition“ aus dem Jahr 1976 für 250.000 bis 350.000 Euro bei. Zum wiederholten Mal kommt eine unbetitelte Mischtechnik auf zwei teilweise beweglichen Holztafeln Emilio Vedovas aus den Jahren 1977/78 zum Aufruf. Sie gehört zur Serie der „Plurimi/Binari“-Bilder, mit denen sich der Italiener seit den 1960er Jahren beschäftigte (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Auch von Gerhard Richter gibt es drei ausschließlich abstrakte Arbeiten. 1984 tobte er sich auf der Schallplatte „Kangaroo?“ der texanischen Rockband „Red Krayola“ aus, 2008 musste ein Farboffsetdruck dran glauben und bekam noch nicht einmal einen Titel für seine schillernde Übermalung mit Lackfarbe, und nur für seine überwiegend schwarz-weißen Farbschlieren „Souvenir“ von 1994/95 kehrte er brav zum gewöhnlichen Bildträger Leinwand zurück (Taxen zwischen 60.000 und 100.000 EUR). Für die Gegenständlichkeit stehen Enzo Cucchis freilich stark vereinfachte Winterberglandschaft „Fucile“ aus dem Jahr 1980 (Taxe 75.000 bis 100.000 EUR) und insbesondere Andy Warhols zehn werbewirksame Farbserigrafien „Campbell’s Soup II“ von 1969 aus einer 250er Auflage für 180.000 bis 250.000 Euro. In einer schwarzen Tuschpinselzeichnung mit Weißhöhungen auf sandfarbenem Grund von Georg Baselitz wird man vielleicht eine menschliche Figur erkennen wollen. Das 1963 datierte und damit zum Frühwerk des Künstlers zählende Blatt ist allerdings unbetitelt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Auch die jüngere Generation beschäftigt sich wieder vermehrt mit der sichtbaren Wirklichkeit, etwa Eberhard Havekost in Form seines Ausschnitts einer Hausfassade mit knallrotem „Sonnenschutz 2“ von 2004 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und David Schnell mit seiner surreal verfremdeten „Kollision in der Baumschule“ aus dem Jahr 2003 für 50.000 bis 70.000 Euro. Bei Christoph Ruckhäberle ist es dann 2005 ein schlanker weiblicher Akt, der sich in einem Zimmer voller Langspielplatten und Zielscheiben über einen Spiegel beugt, sich darin aber nicht erkennt (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Thomas Ruffs weich gezeichnete „Nudes nu 07“ darf seit 2000 dem Betrachter ihr nacktes Hinterteil entgegenrecken (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Till Freiwald steuert seinen fotorealistischen, aber überdimensionierten Gesichtausschnitt „Lotta“, ein über zwei Meter hohes Aquarell von 2008, für 10.000 bis 15.000 Euro bei. In dieser Preisklasse gibt es bei Peter Nagel zwei kindliche „Ballonbläser“, die seit 1967 in einer unwirklichen blauen Gesteinslandschaft hinter den schwebenden Ballons verschwinden, und auch in den verwirrenden Farbmustern einer Leinwand aus dem Jahr 2000 von Markus Oehlen scheint sich eine Gestalt herauszuschälen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Zu den wichtigsten Plastiken gehört Andreu Alfaros stacheliges Aluminiumgebilde „Homenatge als Constructivistes“ aus den 1970er Jahren für 60.000 bis 80.000 Euro. Es misst allerdings fast vier Meter in der Höhe, man sollte abgesehen vom nötigen Kleingeld also auch den entsprechenden Raum zur Verfügung stellen können. Zimmerhöhe besitzt Nam June Paiks schrankartigen „Radio Man“ mit den obligatorischen Hörfunkgeräten und Bildschirmen, wie sie für den gebürtigen Koreaner und Videopionier charakteristisch sind (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Fürs Zimmer ist auch Pol Burys kinetische Holzskulptur „56 Cônes sur 14 Plans Inclinés“ von 1965 geeignet; muss man die Baumform doch an Strom anschließen, damit die kleinen Zapfen zu wackeln beginnen (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Mit ihrer 85 Zentimetern Höhe ist die bunt bemalte, etwa aus dem Leim gegangene Bronzeskulptur „Philosophin“ von Markus Lüpertz aus dem Jahr 2002 noch handlicher (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Den meisten Platz benötigt wohl die Chromnickelstahlskulptur „Kanzel“ des Künstlerehepaares Martin und Brigitte Matschinsky-Denninghoff aus den Jahren 2002/03. Das aus dünnen, in der Mitte sich wirr verknotenden Stäben bestehende Werk wird aus Baden-Württemberg eingeliefert, wo es bisher offenbar einen Brunnen zierte, und soll 90.000 bis 120.000 Euro einspielen.

Die Auktion beginnt am 8. Juni ab 14 Uhr mit der Modernen Kunst, gegen 16 Uhr folgen die jüngeren Arbeiten. Die Besichtigung ist noch bis zum 6. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 7. Juni von 10 bis 15 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.kettererkunst.de.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



06.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

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Franz Marc, Eichenstämme im Vorfrühling, 1902

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Max Slevogt, Gartenweg zum Sommerhaus (Godramstein), 1912

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Taxe: 90.000 - 120.000 EURO

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