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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München

Weiß vor Grün?



Joseph Beuys war schon zu Lebzeiten kein Künstler, den man einfach in eine Schublade stecken konnte, und auch keiner, den man wie jeden x-beliebigen anderen Künstler behandeln konnte. Das mussten leidvoll auch all die amerikanischen Galeristen, Kunsthändler und Kunstinteressierten erfahren, die jahrelang versuchten, den störrischen Rheinländer über den großen Teich zu schaffen. Als er sich Anfang 1974 endlich dazu bereiterklärte, wollte er keine Ausstellungen haben, sondern eine Vortragsreise, die ihm der New Yorker Galerist Ronald Feldman organisierte und die ihn außer an die Ostküste unter anderem auch nach Chicago und Minneapolis führte. Für einen Vortrag in letzterer Stadt fertigte er sechs Platten an, von denen 1977 die Grafikfolge „Minneapolis Fragmente“ gedruckt wurden. Durch ein großes „X“ wurden die Platten zwar hinterher für ungültig erklärt, so dass keine weitere Abzüge entstehen konnten, doch bearbeitete sie der Künstler als selbständige Kunstwerke weiter. Ein solches Stück, mit einem Hut und dem Stempel „Free International University“ versehen sowie mit Hasenblut übergangen, ist eines der Hauptlose der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst bei Karl & Faber in München. 150.000 bis 200.000 Euro möchte die gemeinnützige Korff-Stiftung als bisherige Eigentümerin für die eisengerahmte Aluminiumplatte haben.


Mit rund 150 Werken sowie einigen Toplosen im sechsstelligen Bereich ist die Auktion von Karl & Faber am 7. Juni wieder bestens bestückt. Schon bei den Expressionisten hängen bedeutende Arbeiten bereit wie August Mackes zartes Tuschfederaquarell „Composition 1 (Susanna im Bade)“ von 1913, Ernst Ludwig Kirchners in gleicher Technik, aber weitaus zackiger gestaltetes Paar „Sitzender und liegender Akt am Strand (Fehmarn)“ aus etwa der gleichen Zeit und Alexander Kanoldts kleines Ölbild „Eisacklandschaft (Klausen)“ aus verfestigten grünen Farbflächen von 1911. Auch Gabriele Münters spätes Stillleben „Päonien, Feuerlilien und Rittersporn“ von 1942 vor düster-schwarzem Hintergrund und Max Liebermanns 1928 rasch hingewischtes Pastell „Der Rosengarten in Wannsee“, eine Vorstudie zu einem größeren Ölbild, wären hier zu nennen.

Alle diese Arbeiten, die zwischen 40.000 und 60.000 Euro liegen, werden wertmäßig wohl deutlich übertroffen von Emil Noldes „Großen Mohnblumen“, die der ehemalige „Brücke“-Künstler vielleicht um 1945, vielleicht aber auch schon erheblich früher farbgesättigt in Aquarell auf Japanpapier festhielt. Hier stehen 190.000 bis 220.000 Euro auf dem Etikett. Arbeiten im fünfstelligen Bereich treten dann mit Lyonel Feiningers blauem Dampfer auf dunkler „Ostsee“ von 1931 (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR), Erich Heckels flott aquarellierter „Nordseeküste (Das Meer bei Kampen)“ von 1927 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und mit Christian Rohlfs’ Temperamalerei „Dunkle Landschaft“ samt Kloster Andechs von 1920 für 24.000 bis 28.000 Euro hinzu.

Bei 130.000 bis 150.000 Euro rangiert Otto Dix’ „Porträt Marfried Hettner“ in schwarzer Kreide und Bleistift mit Weißhöhungen aus dem Jahr 1931. Das fast einen Meter hohe Blatt, das als Vorstudie für ein heute in Sindelfingen befindliches Ölbild diente, belegt die große Meisterschaft des Künstlers in der tiefen Einfühlung in Seele und Geist seiner Modelle, hier der in Trauer gekleideten Ehefrau seines Meisterschülers Rolando Hettner. Doch auch Rudolf Schlichters 1936 datiertes Bildnis „Speedy mit Hut“, das seine unter diesem Kosenamen bekannte Ehefrau Elfriede Elisabeth Kohler zeigt (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR), und Oskar Kokoschkas Kreidezeichnung „Freund Norbert Wien“ von 1920 für 30.000 bis 40.000 Euro können sich als beeindruckende Zeugnisse expressionistischer oder neusachlicher Bildniskunst sehen lassen. Ganz zu schweigen von Pablo Picasso, der 1946 nur wenige Bleistift- und Tintenstriche brauchte, um das Antlitz der seinerzeit recht berühmten Schauspielerin Paulette Goddard festzuhalten (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR). Mit ihrem Künstlersein beschäftigten sich József Rippl-Rónai in einem verschatteten „Selbstbildnis mit Pfeife“ von 1917 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und Arnold Clementschitsch in dem kosmischen „Selbstporträt vor Sternenhimmel“ um 1915 (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Zu den frühesten abstrakten Werken zählt Jean-Joseph Crottis „La femme au chat“ aus dem Jahr 1915. Gerade noch ist das Gesicht der Frau zu erkennen, auch die schwarze Katze scheint als monochrome Farbfläche auf, doch beide verschwinden in einem Schwung aus graublauen Bahnen (Taxe 17.000 bis 20.000 EUR). Ihm folgen Paule Vézelay, die als Marjorie Watson-Williams 1893 bei Bristol geborenen wurde und sich nach ihrem Umzug nach Paris 1926 diesen Künstlernamen zulegte, mit schwebenden, amorphen und fast monochrom gelbgrünen Formen à la Hans Arp um 1933 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) sowie Josef Scharl mit seinen ornamental aufgefassten, bunten „Fallenden Sternen“ von 1952 (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). In die frühe Nachkriegszeit, ins Jahr 1948 datiert zudem Natalja Gontscharowa „Composition géometrique“, die die gebürtige Russin lediglich aus zarten Grautönen entwickelte (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Als eine Gegenbewegung trat in den 1920er Jahren die „Neue Sachlichkeit“ auf. Georg Schrimpf ist einer ihrer bekanntesten Repräsentanten; von ihm kommt die schlichte nüchterne Landschaft „Chiemsee“ aus dem Jahr 1931 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Zu nicht so hoher Bekanntheit hat es Alo Altripp gebracht, der eigentlich Friedrich Schlüssel hieß, sich nach seinem Geburtsort südlich von Ludwigshafen nannte und später immerhin in Wiesbaden einen größeren Kreis von Bewunderern erschloss. „Die neue Firnisflasche“, die er offenbar gerade erst erhalten hatte, war ihm 1928 so wichtig, dass er sie samt Transportkasten und unter gelbem Licht gleich auf die Leinwand bannte (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Große haptische Präsenz zeichnet die Büste des berühmten Berliner „Sturm“-Galeristen Herwarth Walden, geschaffen 1917 von William Wauer mit sichtlicher Anlehnung an das Formenvokabular des Kubismus. Eine der nur sieben römisch nummerierten Güsse steht jetzt für 50.000 bis 60.000 Euro zur Verfügung. Freunde farbiger Druckgrafik werden sich vielleicht über die Offerte von Hendrik Nicolaas Werkmans jeweils zehnteiligen Mappen „Chassidische Legenden“ I und II freuen. 1941 erhielt der Niederländer von einem befreundeten Theologen Martin Bubers Buch „Die Legende des Baalschem“, woraufhin er in den folgenden zwei Jahren die Illustrationen schuf (Taxen je 30.000 bis 40.000 EUR). Mit einem alten religiösen Stoff beschäftigte sich 1946 auch Ernst Wilhelm Nay: „Salomé“ die tanzende Tetrarchentochter, verbildlichte er in weitgehend abstrakter, kubistischer Flächigkeit. Die knapp einen Meter hohe Leinwand zählt zur umfangreicheren Werkreihe der „Hekate“-Bilder, benannt nach einem Gemälde aus dem Jahr 1945 (Taxe 110.000 bis 130.000 EUR).

Mit Nay ist nach Auktionssystematik gewöhnlich das Terrain der zeitgenössischen Kunst beschritten, und großteils ist sie in dieser Zeit in deutschen Landen abstrakt, wie etwa auch Adolf Fleischmanns schwarz-weiße „Metamorphose“ von 1963 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) oder Heino Naujoks’ ungestüm gestischer „Aufstand – zwei Figuren“ von 1962 belegen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Auch Joseph Beuys’ „Wegweiser für den Khan“ von 1962 lässt trotz der typisch Beuysschen Beimischungen wie Filz erkennen, dass der Avantgardist nicht völlig losgelöst von zeitgenössischen Strömungen agierte (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Horst Antes’ ureigenste Erfindung der Kopffüßler war 1962 Teil einer grünen Landschaft in weitgehend abstrakten Formen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Italien beteiligte sich mit informellen Malereien wie einer unbetitelten wilden Holztafel Emilio Vedovas aus dem Jahr 1968 an dieser Bewegung (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR), und aus Amerika kommt eine unbetitelte Gouache des Abstrakten Expressionisten Al Held von 1959 mit ineinander verschränkten roten und schwarzen Formen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Als druckgrafische Summe eines großen Künstlerlebens ragt Joan Mirós fünfzehnteilige Farblithografiefolge „Allegro Vivace“ aus dem Jahr 1981 hervor (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Pop Art-Künstler Alex Katz wandte sich – im Gegensatz zu seinen Kollegen Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Tom Wesselmann – schon früh dem traditionellen Bildthema der Landschaft zu. Auf Riesenformat von mehr als drei Metern Höhe hielt er 1987 einen in der Sonne sich spiegelnden Fluss fest, wobei den Großteil der Bildfläche seine Lieblingsfarbe Grün einnimmt (Taxe 240.000 bis 260.000 EUR). Gut würde sich vor diesem fast monochromen Gemälde die über zwei Meter hohe „Raumplastik weiß (Tempel)“ machen, die Norbert Kricke 1952 respektive 1975 zu einem zackigen Stahlgebilde formte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Gunter Damisch gehört zu den „Jungen Wilden“ der österreichischen Kunst, die dem theorielastigen Diskurs der 1970er Jahre eine ungestüme, sinnliche Malerei entgegen stellten. In seinem charakteristischen farbenreichen Ölgemälde „Flimmerweltwegfeld – Betrachter“ von 1999 scheint man in eine Welt der Mikroorganismen einzudringen, in der vegetabile Formen mit Einzellern abwechseln (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Eine dezidiert gesellschaftspolitische Kunst pflegte Uwe Lausen in den 1960er Jahren. Auch in seiner Tuschezeichnung „Happy Sadism – Make Love and War“ von 1967 spürt man die Aggression und Dämonie, vor allem in der uniformierten Figur des Sicherheitspolizisten (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Einen etwas anderen Geschmack, der sich an Farben und Formen erfreut, bedient dagegen Candida Höfers „Bibliotheca Seminario Patriarcale Venezia II“ auf fast quadratischem Fotopapier für 35.000 bis 38.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 7. Juni um 16 Uhr. Die Besichtigung ist noch bis zum 5. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 6. Juni von 10 bis 14 Uhr möglich.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



04.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

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Georg Schrimpf, Chiemsee, 1931

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Taxe: 40.000 - 45.000 EURO

Zuschlag: 44.000,- EURO

Losnummer: 642

August Macke, Composition 1 (Susanna im Bade), 1913

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

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Taxe: 24.000 - 28.000 EURO

Losnummer: 623

Ernst Ludwig Kirchner, Sitzender und liegender Akt am Strand (Fehmarn), um 1913

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Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 30.000,- EURO

Losnummer: 613




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