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Eine seltene Würdigung eines großen Meisters: Nach 33 Jahren rückt die Kunsthalle zu Erfurt erstmals wieder Peter Behrens ins Rampenlicht

Klare Linien von charaktervoller Kraft



Peter Behrens, Gläser, 1901

Peter Behrens, Gläser, 1901

Alle paar Tage bildet sie den Hintergrund von Reportagen, die Westfront des Berliner Reichstagsgebäudes mit der Inschrift „Dem Deutschen Volke“ über dem Portal. Mitten im Ersten Weltkrieg, im Dezember 1916, wurden die aus „Geschützbronze“ gegossenen Buchstaben angeschraubt. Ihre markante Typografie schuf Peter Behrens. Sicherlich werden zahlreiche Leser auch den klaren Schriftzug der Marke AEG beim Nachsehen an ihren Haushaltsgeräten finden. Auch dieser wurde von Behrens kreiert; arbeitete er doch von 1907 bis 1914 als künstlerischer Beirat für den seinerzeit führenden Elektrokonzern AEG. Als einer der ersten verantwortete er das gesamte Erscheinungsbild einer Firma, entwarf das Corporate Design vom Logo über Briefbogengestaltungen, Werbeprospekte und Produkte bis hin zu den Fabrikgebäuden. Von der Malerei her kommend, avancierte Peter Behrens zu einem der überragenden Vertreter moderner angewandter Kunst in Deutschland sowie zum Synonym für innovative Industriekultur.


Zwar fehlen heute Behrens’ Erzeugnisse in keiner der großen Designsammlungen; doch trotz der alltäglichen Präsenz seines Werkschaffens wurde es von Museen und Kuratoren eher vernachlässigt. Zum Van-de-Velde-Jahr, mit dem Thüringen und Sachsen den großen Jugendstil-Entwerfer feiern, breitet derzeit die Kunsthalle Erfurt das Schaffen seines Kollegen Peter Behrens fast lückenlos aus. Kennern zufolge trug Hamburger Wirtschaftsprüfer und Sammler Udo Schröder in den letzten 30 Jahren mehr Stücke des Meisters zusammen als alle Museen weltweit. Sein Anteil an Leihgaben in der Erfurter Schau ist demzufolge enorm. Rund 520 Exponate ordnen sich nach zeitlichen Kriterien sowie Objektgruppen, die fast alle Bereiche der angewandten und freien Kunst umfassen: Buchgestaltung und Typografie, Malerei und Druckgrafik, keramische Arbeiten wie Fliesen, Kannen und Vasen, Möbel aller Art, Porzellanservice, Schmuck, Silber- und Zinnwaren wie Bestecke, Tapeten, Textilarbeiten wie Kleider, Teppiche, Tischdecken, Servietten, Wandbehänge und Taschentücher, Trinkgläser, Karaffen und Vasen aus Glas, Werbegrafik und Plakate.

Zuletzt gab es 1980 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg einen fundierten Überblick. Auf Auktionen bei Heuser & Grethe im Juni 1983 in Hamburg und bei Lempertz im Mai 2008 in Köln wurde die grandiose Behrens-Sammlung des Kunsthistorikers Tilmann Buddensieg zumeist ins Ausland zerstreut. Zuletzt machte Behrens von sich reden, als kürzlich die Darmstädter Mathildenhöhe Behrens’ „Wertheim-Speisezimmer“ von 1902 erwarb. Im Rahmen der zahlreichen Thüringer Ausstellungen anlässlich des 150sten Geburtstages des zeitgleich wirkenden Kollegen Henry van de Velde bot sich nun die spannende vergleichende Auseinandersetzung an.

Peter Behrens erblickte am 14. April 1868 als uneheliches Kind des schon 62jährigen gleichnamigen Privatiers und seiner Haushälterin in Hamburg das Licht der Welt. Schon sechs Jahre später verstarb der Vater, 1882 seine Mutter. Mit dem „Einjährigen“ verließ Behrens die Schule, der lediglich im Zeichnen stets gute Noten bekam. Ab 1886 studierte er Malerei in Karlsruhe und Düsseldorf, bevor er nach München übersiedelte. Zunächst widmete sich Behrens der Malerei und nahm mit impressionistischen Landschaften sowie symbolistischen Menschendarstellungen an Ausstellungen teil. Bald folgten aufwendig gefertigte Farbholzschnitte, die in Linie und Fläche fernöstliche Einflüsse zeigen.

1898 gelang ihm der Durchbruch: Im Septemberheft des PAN erschien sein sechsfarbiger Holzschnitt „Kuß“, der zu einer der Inkunabeln des Jugendstils in Deutschland wurde. Hier drängte Peter Behrens anschaulich die Gegenständlichkeit zurück, betonte den flächigen Farbauftrag ohne eine perspektivische Tiefenwirkung. Androgyn erscheint der Gesichtausdruck beider Personen; die hellen Haare der einen Gestalt verschlingen sich mit den dunkleren der anderen und stehen für das Verwobensein in der Liebe. Noch 1981 arrivierte das Motiv zum CD-Cover einer von Leonard Bernstein dirigierten Aufnahme von Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“.

Neben Holzschnitten und Gemälden stellte Peter Behrens 1899 einen gedeckten Tisch auf Ausstellungen vor, so auch auf einer Präsentation in Darmstadt. Dies veranlasste den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, ihn an die Künstlerkolonie Mathildenhöhe zu berufen. Ab dem 1. November 1899 wohnte Behrens in Darmstadt. Malerei und Grafik spielten nun keine dominante Rolle mehr. Er entwarf sein Haus samt kompletter Einrichtung in der Künstlerkolonie, das im Mai 1901 rechtzeitig zur Eröffnung der legendären Ausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst“ vollendet war. Es gilt als eines der bedeutendsten Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Grün glasierte Ziegel rahmen Kanten, Risalite, Fenster und Türen des Gebäudes und suggerieren etwas Solides und Unverwechselbares. Kritiken hoben positiv das Verschmähen jedweder naturalistischer Anspielungen und das rhythmische Ganze hervor. Bei einem Besuch der Ausstellung erkannte Harry Graf Kessler sofort das Behrensche Kunstprinzip, das ihn vom Konkurrenten Henry van de Velde unterschied: Keine Gestaltung ohne planimetrische oder stereometrische Eindeutigkeit.

Meisterkurse etwa am bayerischen Gewerbemuseum Nürnberg sowie private oder öffentliche Aufträge etwa wie für die Turiner Gewerbeausstellung 1902 festigten Behrens’ Reputation. 1903 wurde er Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, 1907 begann er in Berlin seine Tätigkeit als Hausdesigner für die AEG und begründete den Deutschen Werkbund mit. Zugleich richtete er im Bestreben nach künstlerischer Unabhängigkeit in Neubabelsberg bei Potsdam ein Architekturbüro ein. Es wurde zur Kaderschmiede einer Architektengeneration, denn hier lernten und arbeiteten spätere Koryphäen wie Walter Gropius, Adolf Meyer, Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier.

Architektonische Werke und Produkte nebst Werbegrafiken für die AEG bestimmen den ersten Brennpunkt der Ausstellung. Die 1908/09 in Berlin-Moabit errichtete AEG-Turbinenhalle zählt zu den innovativsten Bauten der damaligen Zeit. Betonte Sachlichkeit, eine Synthese aus exzellenten Proportionen mit modernen Materialien samt umgedeuteten klassizistisch-antiken Stilelementen zeichnen auch alle weiteren Fabrikbauten für die AEG aus. Fast zeitgleich entsteht nach Behrens’ Plänen in Hagen ein Krematorium als erster derartiger Bau in Preußen. Die Botschaft des Deutschen Kaiserreiches in St. Petersburg kann er zwischen 1911 und 1913 verwirklichen; hier nimmt er deutlich Tendenzen der Zwischenkriegszeit vorweg. Dann steht man vor der gewaltigen, von Behrens kreierten Produktpalette der AEG. Unter der großen Sparbogenlampe von 1907 breiten sich Ventilatoren, Tee- und Wasserkessel, Heizstrahler, Uhren und vieles mehr aus, gefolgt von Anzeigen und Broschüren. Hier wird deutlich, warum Emil Rathenau Behrens für die AEG gewann. Es war dessen persönlicher Stil aus einfachen, geometrischen Elementen, aus Geraden, rechten Winkeln, Kreislinien, der nicht nur leicht, prägnant, unverwechselbar war, sondern auch technischen Prozessen der Massenfabrikation entgegen kam.

In der Erfurter Ausstellung schließen sich Gebrauchsgegenstände der gehobenen Tischkultur aus den Jahren von 1899 bis 1908 an, darunter die bei Sammlern begehrten Gläsersätze mit dickem rotem Stängel von 1901, Porzellan und Metallarbeiten, denen Produkte der Wiener Werkstätte gegenüber gestellt sind. Aufschlussreich gibt sich die nachfolgende Auswahl von Möbeln. Der Schreibtisch mit Armlehnsessel aus dem Jahr 1902 offenbart deutlich das Mehr an klobiger Geschlossenheit und schwerfälliger Wucht bei Behrens im Vergleich zum eher knöchrigen filigranen Werkschaffen Henry van de Veldes. Innenraumausstattungen, Textilien, Buchkünste und zum Abschluss frühe Gemälde setzen weitere Schwerpunkte in der Präsentation.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges endet Behrens’ Tätigkeit für die ARG. Beim 1924 vollendeten Verwaltungsbau der IG-Farben in Höchst verfällt er dem Backsteinexpressionismus. Anschließend halten Prinzipien des Neuen Bauens Einzug in die Architektursprache mehrerer Villen, so in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Durchgängig besticht in der Ausstellung Behrens’ nachhaltige Eleganz, die – wenn auch zuweilen etwas ungelenk formuliert – wohl seinem norddeutschen Naturell geschuldet sein dürfte. Als Nachfolger Otto Wagners leitet Behrens ab 1922 die Wiener Meisterschule für Architektur. 1936 übernimmt er das Meisteratelier für Baukunst an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin als Nachfolger von Hans Poelzig. Am 27. Februar 1940 stirbt der knapp 72jährige in einem Berliner Hotelzimmer.

Die Ausstellung „Peter Behrens. Vom Jugendstil zum Industriedesign“ ist noch bis zum 16. Juni zu sehen. Die Kunsthalle Erfurt hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Kasse 30 Euro kostet.

Kontakt:

Kunsthalle Erfurt

Fischmarkt 7

DE-99084 Erfurt

Telefon:+49 (0361) 655 56 60

Telefax:+49 (0361) 655 56 69



23.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Henry van de Velde, Friedrich Nietzsche „Also sprach Zarathustra“, 1908

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Josef Hoffmann, Liegefauteuil „Sitzmaschine“, um 1905

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