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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

China an erster Stelle: Zeitgenössische Kunst bei Lempertz in Köln

Streng nach Vorschrift



Es kommt nicht häufig vor, dass das Werk eines zeitgenössischen chinesischen Künstlers auf dem deutschsprachigen Auktionsmarkt im Mittelpunkt einer Versteigerung steht. Am 24. Mai aber ist dies der Fall: Für 1 bis 1,2 Millionen Euro bietet Lempertz in Köln im Rahmen seiner Versteigerung von Gegenwartskunst eine knapp zwei Meter hohe, schmale Leinwand mit dem lebensgroßen Ganzfigurenbildnis eines gut gekleideten Herrn samt brennender Zigarre in der rechten Hand an. Das Ölbild, das den Mann an einer Reling vor stahlblauem Hintergrund zeigt, entstand 2000 und gehört in die „Mask Series“ des 1964 geborenen Zeng Fanzhi. Hinter einer weißen Maske verborgen, lässt der – ebenso wie die Hände – für den kleinen Körper eigentlich überdimensionierte Kopf keine Rückschlüsse auf das Denken und Fühlen der dargestellten Person zu. Das Gemälde ist eine unverhohlene Kritik am gegenwärtigen China, das derzeit enorme wirtschaftliche Umbrüche erlebt. Der einzelne Mensch spielt dabei aber keine Rolle: Er bleibt anonyme Verfügungsmasse eines nach wie vor erstarrten politischen Systems.


Dieses Ausnahmewerk eines international arrivierten Chinesen hebt sich deutlich ab von dem übrigen Auktionsprogramm, das hauptsächlich Werke bekannter Meister aus dem europäischen und hier wiederum überwiegend aus dem deutschen Raum listet. Dazu zählen Karin Kneffels fotorealistisch abkonterfeite und überdimensionierte „Trauben“ in unterschiedlichen Farben von 2005 (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR), eine unbetitelte, an die gestische Malerei erinnernde Komposition Sigmar Polkes von 1985 für 30.000 Euro und Anselm Kiefers mit Stroh collagierte und in Gouache übermalte Fotografie „Dein goldenes Haar, Margarethe“ von 1981 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Deutsche Mythen greift auch Markus Lüpertz 1993 in seinem christusartigen Kopf „Männer ohne Frauen – Parsifal“ auf (Taxe 20.000 EUR). Georg Baselitz ist mit einem ausgesprochenen Frühwerk vertreten: Seine nächtliche Straßenszene mit einer Klause aus dem Jahr 1957 zeugt von dem Bestreben, an die expressionistische Malerei der Zwischenkriegszeit wieder anzuknüpfen. Diese Haltung wurde ihm von seinen Lehrern an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vermittelt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Bruno Gollers 1964 entstandene „Schwarze Wolke“ greift mit ihrem fast schönlinigen Schwung auf Ideen der älteren Malerei etwa der des Jugendstil um 1900 zurück (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Aus derselben Generation wie Goller stammt Richard Oelze, und auch er knüpfte an Bewegungen der klassischen Moderne an. Sein graues Ölbild „In eigenem Garten“ von 1968 mit Gesichtsausschnitten und Hirnwindungen erinnert an den Surrealismus um Max Ernst, André Breton oder Salvador Dalí, die er während der 1930er Jahre persönlich in Paris kennengelernt hatte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). In begleitet Wifredo Lam mit Tuschezeichnung einer multiplen Frauengestalt von 1945 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Marwan Kassab-Bachi, der sich als Künstler nur nach seinem Vornamen nennt, wurde 1934 in Damaskus geboren und lebt seit 1957 in Berlin. In den 1960er Jahren war er Teil der deutschen Avantgarde um Baselitz und Eugen Schönebeck. Sein Stil ist wild und aufbrausend, als Motive wählte er sich gern symbolisch zu deutende Gegenstände wie 1979/81 eine „Marionette“ (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Schönebeck selbst steuert ein Tuschblatt von 1963 bei, auf das er beidseitig männliche, teils chimärenhafte heldische Wesen gezeichnet hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Auch die derzeit so beliebte „ZERO“-Kunst ist zu haben, insbesondere Nagelungen von Günther Uecker wie seine unregelmäßige „Spirale 86“ für 100.000 bis 150.000 Euro und sein wogendes „Feld 83/84“ für 200.000 bis 250.000 Euro, aber auch günstigere Arbeiten, etwa Otto Pienes ziemlich weitgehend durch Feuereinwirkung gestörtes Bild „Black Shell“ von 1986 für 10.000 bis 12.000 Euro. Walter Leblanc geht mit seinen „Torsions T.027“ einer teils aufgeschnittenen und verdrehten Leinwand einen ähnlichen Weg wie die „ZERO“-Künstler, gehörte aber nicht unmittelbar zu dieser Gruppe (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Stets als einer der interessantesten Anbieter fungiert Lempertz im Falle des rheinischen Aktionskünstlers Joseph Beuys. Die Offerte reicht diesmal von der zeichnerischen Mischtechnik „Hirsch“ aus dem Jahr 1962 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) über ein „Union Pack ‚für Feuerstätte‘“, herausgegeben 1978/79 von der Heidelberger Galerie Edition Staeck (Taxe 20.000 EUR), bis hin zu einem der zweihundert Exemplare seiner berühmten „Capri-Batterie“, einer gelben Glühbirne mit Zitrone, aus dem vorletzten Lebensjahr 1985 für 15.000 bis 20.000 Euro.

Für die klassische abstrakte Malerei stehen zwei mittelgroße, mehr oder weniger streng quadratische Holztafeln Victor Vasarelys, die bei punktsymmetrischer Rasterkomposition ein reiches Lichtspiel der von Rot dominierten Farben und eine optische Augentäuschung erzeugen. Beide Bilder wurden 1971 vollendet und liegen bei jeweils 20.000 bis 30.000 Euro. Etwas weniger regelgerecht geht es bei den Informellen zu, etwa Mattia Morenis „Una tavola di campagna“ von 1960 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) oder Emil Schumachers im selben Jahr entstandener Mischtechnik „Belua“, aus deren Farbengewühl sich vielleicht eine Kopfform herauskristallisiert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Zdenek Sýkoras ungezwungene „Linie Nr. 160“, die auf einer Computerberechnung basiert, vermittelt auf bemerkenswert uneindeutige Weise zwischen informeller und konkreter Malerei (Taxe 40.000 EUR). Ganz im Sinne des Minimalismus hat Richard Serra sein weit über drei Meter hohes schmales „High Vertical“ 1977 ausschließlich schwarz bemalt (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).

Zu den jüngsten Künstlern gehört Matthias Weischer, von dem die eineinhalb mal zwei Meter große Leinwand „Wurm“ von 2000 mit einer surreal anmutenden Waldrandlandschaft samt Blockhaus für 50.000 bis 70.000 Euro zum Aufruf gelangt. Bei Norbert Bisky sind es wieder gut gebaute junge blonde Männer, die sich 2004 einer zünftigen Freizeitbeschäftigung, in diesem Fall einem „Barbecue“, hingeben (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Tal R macht sich mit der großen quadratischen, abstrakt übergangenen Zirkusmanege „Electric Light Orchestra“ aus dem Jahr 2000 bei 40.000 bis 50.000 Euro bekannt. Die Gegenständlichkeit in unterschiedlichen Ausprägungen bestimmt weiterhin die Malerei der jüngeren Generation, sei es bei Thomas Huber ein auf wenige Farben und Formen reduziertes rotes Gebäude unter dem Titel „Charité“ von 1998 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), sei es bei Bernhard Martin die Konzentration auf einen weißen, nicht mehr als solchen kenntlichen Kondomautomat von 1993 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder bei Marcin Maciejowski die ebenfalls stilisierte Kussszene „Kochalismy sie na trawie“ von 2002 (Taxe 9.000 bis 11.000 EUR).

Internationals Flair verbreiten zudem Armen Eloyans neoexpressives Gemälde eines rauchenden Mannes unter dem Titel „17th to 21st century informal exotic # 107“ (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), Yoshitomo Naras von der Manga-Kunst inspirierte Zeichnung zweier Mädchen „Doo Doo Brain“ von 2004 (Taxe 30.000 EUR) oder Marcel van Eedens zehnteilige Zeichnungsserie „Schutz“, die den Begriff jeweils auf einen schwarzen Balken wiederholt und meist mit ornamentaler Zier umspielt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auf ein Schriftbild hat sich zudem Georg Herold eingelassen, wenn er 1993 mit Ziegelsteinen auf schwarzem Samt das Wort „Void“ buchstabiert (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Am Ende der Auktion wird es noch einmal Ungegenständlich, wenn Beat Zoderer mit seiner karierten, aus ockerfarbenem Klebeband konstruierten, quadratischen Leinwand „Tapes (No 3/96) von 1996 bei 6.000 bis 7.000 Euro und Peter Zimmermann mit seinen lasierenden, schachbrettartigen Farbflächen in Grün und Ocker von 2002 bei 8.000 bis 10.000 Euro auftreten.

Bedeutendster Fotograf ist diesmal Gerhard Richter mit seiner betont unscharfen Schwarz-Weiß-Aufnahme „Pyramide“, die 1966 in zehn Exemplaren auf seinerzeit noch relativ großem Format von 90 mal 100 Zentimetern verbreitet wurde. Die Bezüge zu seiner fotorealistischen Malerei sind überdeutlich (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Thomas Ruff widmete sich gegen 1980, als das damals relativ unmodisch war, der Portraitfotografie. Freunde und Bekannte nötigte er in ihren Alltagsklamotten vor die Linse und gab ihnen auf, so „neutral“ wie möglich zu schauen. B. Jünger hat sich 1985 alle Mühe gegeben, den Vorgaben des Dompteurs Folge zu leisten (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Menschenbilder stehen auch im Mittelpunkt weiterer jünger Fotokünstler: Bei Philip-Lorca diCorcia ein Paar, 1998 herausgegriffen aus der anonymen Menschenmasse auf den Straßen von „Tokyo“ (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), bei Rineke Dijkstra solistisch ein heranwachsendes Mädchen, aufgenommen in sommerlicher Kleidung in „Odessa, Ukraine, August 10, 1993“ (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), bei David LaChapelle im popig aufreizenden Verschnitt 1998 Sophie Dahl als „Fountain of Desire“ (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Elger Esser hat sich auf anämische, farbreduzierte und stille Landschaften konzentriert, so 2005 auf die in fahlem Goldocker schimmernde Küste von „St.-Valery, France“ (Taxe 14.000 EUR), Thomas Struth auf oft menschenleere Stadtlandschaften mit markanten Gebäuden, die er etwa 1987 in „Gotanda, Tokyo“ oder zwei Jahre später in der „Avenue du Devin du Village, Genf“ fand (Taxe je 5.000 bis 6.000 EUR). Boris Beckers „Achterbahn“ beim Aufbau auf einem Rummel von 1993 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) und die abstrakte Lichtarbeit „Surrli“ von Peter Fischli und David Weiss aus dem Jahr 1986 entsprechen sich formal in den geschwungen Bögen und Spiralen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Schweizerisch bleibt es mit Urs Lüthis „Selbstportrait Anaheim“, das er hintergründig und humorvoll um ein weibliches Aktfoto zu einer dualen Geschlechtlichkeit erweitert hat (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Als Hauptlos der Skulpturen tritt Joannis Avramidis’ „Figur II“ an, die 1959 in gut eineinhalb Meter hohe Bronze gegossen wurde und mit ihrem fließenden Schwung typisch für den griechischstämmigen Österreicher ist (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Dem Bezug zum Menschen bleibt auch Stephan Balkenhol in seinen beiden kleinen Kopfsäulen mit entindividualisiertem Frauen- und Männerhaupt treu (Taxe je 20.000 bis 30.000 EUR). Für bis zu 22.000 Euro kann man sich an den filigranen Messing- und Bronzegebilden des Kinetisten Günter Haese erfreuen. Sie heißen „Satow“ und „Mirow“, stammen von 1987 und 1992 und sehen mit ihren gitterartigen Zellen wie große mehrteilige Vogelkäfige aus, in denen exotische Tiere hausen. Für das Wohnhaus des amerikanischen Architekturhistorikers und Sammlers W. Hawkins Ferry in Detroit schuf Harry Bertoia um 1963/64 eine große Metallskulptur, die mit ihren zahllosen, scheinbar willkürlich ineinander gesteckten Stäben an die informelle Malerei dieser Jahre erinnert. Das Modell dazu steht jetzt für 30.000 bis 40.000 Euro bereit.

Für ein ausgesägtes weißes Wandstück mit Fußleiste und einer organisch anmutenden Öffnung ist Gregor Schneider zuständig. „Der deutsche Beitrag Muschel“ ist eine 20 Mal vervielfältige Reminiszenz an deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig des Jahres 2001, für den Schneider damals den Goldenen Löwen erhielt (Taxe 20.000 EUR). Eine sexuelle Anspielung gelingt ebenfalls Heribert C. Ottersbach mit seiner schrundigen Phallus-Bronze von 1994 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Zu den spektakulärsten Projekten der Kunst im vergangenen halben Jahrhundert gehörten wohl stets die Aktionen des Verhüllungskünstlers Christo. Im August 1972 beispielsweise wurde zwischen zwei Berghänge in Colorado ein rund vierhundert Meter langer orangefarbener Vorhang gespannt. Wegen eines aufziehenden Sturmes musste er allerdings nach nur 28 Stunden wieder abgebaut werden. Eine Skizze zu diesem „Valley Curtain“ wird aus deutschem Privatbesitz für 50.000 bis 60.000 Euro angeboten.

Die Auktion beginnt am 24. Mai um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 23. Mai täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



21.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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24.05.2013, Zeitgenössische Kunst

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