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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Labyrinth mit Duftstationen: In den komplett umgebauten Räumen des Hamburger Kunstvereins entführt der Berliner Aktions- und Installationskünstler John Bock in ein alle Sinne herausforderndes Environment

Großes Theater für kleine Nasen



Klaustrophobiker, Geruchsempfindliche und Rationalisten aufgepasst: In dem stark aromatisierten Gängelabyrinth, das der 1965 im schleswig-holsteinischen Gribbohm geborene Berliner Aktions- und Installationskünstler John Bock jetzt in den Räumen des Hamburger Kunstvereins aufgebaut hat, gibt es kein Entkommen vor merkwürdigen Gerüchen, engen Korridoren, kaltem Neonlicht und absurden Arrangements aus banalen Alltagsgegenständen. „Der Pappenheimer“ nennt Bock, der vielen noch als dauerperformender Bühnenberserker während der Documenta 11 im Jahr 2002 in Erinnerung geblieben sein dürfte, seine begehbare Installation mit Einbahnstraßencharakter. Die Anspielung auf den berühmten Ausspruch „Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“ aus Schillers Drama „Wallensteins Tod“ ist dabei nicht allzu wörtlich zu nehmen. Bock, ein Meister der absurden Wort- und Bedeutungsverdrehungen, nimmt gängige Ausdrücke und Redewendungen gern wörtlich und überführt sie in groteske, bühnenartige Settings.


Sein „Pappenheimer“, das ist die unvollendete Steinskulptur eines anonym bleibenden anderen Künstlers, die John Bock, der seit 2004 an der Karlsruher Kunstakademie eine Bildhauerklasse leitet, in einer Abstellkammer der Hochschule entdeckte. Zum „Pappenheimer“ wird er durch einen simplen Kunstgriff: Bock steckt den Kopf der Figur ganz einfach in einen gebrauchten Pappkarton. Der wiederum ist ausgestattet mit bunt leuchtenden Miniaturtheaterscheinwerfern und einer Videokamera, die technisch eher bescheidene Live-Bilder auf einen im späteren Verlauf des Parcours aufgebauten Monitor überträgt.

Doch der Reihe nach: Erst nachdem er einen juristisch hieb- und stichfesten Haftungssauschluss unterzeichnet hat, darf sich der Ausstellungsbesucher zusammen mit maximal neun anderen in den Aufzug begeben und in den ersten Stock des Kunstvereins fahren. Oben angekommen, wird er in einen achtzig Zentimeter breiten, weißen Tunnel mit aseptischer Neonbeleuchtung geleitet. Durch sogenannte Metzgervorhänge aus transparenten PVC-Lamellen hindurch betritt er die einzelnen Räume der Installation. Den Auftakt bildet ein Duftraum. Bock konfrontiert den Betrachter mit zwei blauen Chemiefässern hinter einer Plexiglasscheibe. Über ein einfaches Schlauchsystem strömen die Gerüche von Maissilage und Weichspüler in den leeren Raum. Die Aromen von Massentierhaltung und übertriebener Wäschepflege – beide ökologisch eher bedenklich – verschmelzen zu einem unangenehmen Amalgam, das den Besucher rasch zum Weitergehen animiert. Auf dem rund siebzig Meter langen Parcours, der das gesamte Obergeschoss umfasst, gibt es schließlich noch mehr zu entdecken.

Nachdem man den nächsten Tunnelgang passiert hat, gelangt man in einen Raum voller kleiner technischer Wunder: Da gibt es eine Plastiktüte, die ein- und ausatmet, einen rotierenden Topflappen, einen schwebenden Coffee-to-go-Plastikdeckel, einen Kugelschreiber, dessen Mine unablässig rein- und rausspringt und Omas alte Brille, deren Bügel leise gegen die Wand klackt. Simpelste Analogtechnik macht es möglich. „Kleinodtotsods“ nennt Bock diese haushaltsüblichen Soundobjekte. Auf ihre tiefere Bedeutung geht er nicht ein. „Ich will keine Logik in diese Welt setzen“, so der Großmeister der absurden Anordnungen aus Alltagsobjekten, pseudowissenschaftlichen, autobiografischen, filmgeschichtlichen und kunsthistorischen Anspielungen.

In der Hamburger Installation begegnet der Ausstellungsbesucher noch Federico Fellini, Frankensteins Monster, zweckentfremdeten Tennissocken und vielen weiteren Merkwürdigkeiten. Und ganz am Ende gibt es dann so etwas wie eine synästhetische Auflösung dieses für John Bocks Verhältnisse fast schon minimalistischen Parcours. Notorische Sinnsucher und Alles-Verstehen-Woller sollten ihre Erwartungen aber vorsichtshalber etwas herunterschrauben. Denn so John Bock: „Das Unfertige ist doch näher dran als das Fertige. Da hat der Mensch noch die Chance, sich daran abzuarbeiten.“

Die Ausstellung „John Bock – Der Pappenheimer“ ist noch bis zum 30. Juni zu sehen. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr sowie Pfingstmontag und Fronleichnam geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Für Mitglieder, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Letztere dürfen die Ausstellung aber nur in Begleitung eines Erwachsenen betreten. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König ist als Kartonbox mit vier unterschiedlichen Gerüchen in Reagenzgläsern und einer Zeichnung von John Bock gestaltet und kostet 38 Euro.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



23.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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