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Mit der 42jährigen Bettina Steinbrügge erhält der Kunstverein in Hamburg erstmals in seiner fast 200jährigen Geschichte einen weiblichen Direktor

Frischer Wind für den Hamburger Kunstverein



Bettina Steinbrügge wird neue Direktorin des Hamburger Kunstvereins

Bettina Steinbrügge wird neue Direktorin des Hamburger Kunstvereins

Die Stimmung war schon lange nicht mehr gut. Viele Mitglieder kamen nicht mehr zu den Eröffnungen. Mit monographischen Ausstellungen zu bereits reichlich etablierten Künstlern wie Tal R, Gert und Uwe Tobias und zur Zeit John Bock verwandelte Florian Waldvogel den Kunstverein zunehmend in einen Showroom Berliner Groß-Galerien. Innovative, den öffentlichen Diskurs anregende Formate blieben dabei auf der Strecke. Und auch die Kommunikationsfähigkeit des Noch-Direktors ließ zuletzt arg zu wünschen übrig. So kündigte er 2011 auf der Homepage des Kunstvereins fälschlicherweise die baldige Pleite der Institution an, was ihm gehörigen Ärger mit der Kulturbehörde und dem Vorsitzenden des Vereins, dem einflussreichen Hamburger Privatsammler Harald Falckenberg, einbrachte. Ende 2012 hat der Vorstand des Kunstvereins in Hamburg daher beschlossen, die Stelle von Florian Waldvogel, der seit Januar 2009 Direktor war, nicht zu verlängern und stattdessen neu auszuschreiben.


Der Job ist offenbar begehrt. Aus insgesamt 69 Bewerbern ist jetzt die 42jährige Kuratorin, Dozentin und Kunstkritikerin Bettina Steinbrügge zur neuen Direktorin des Kunstvereins in Hamburg gewählt worden. Mit Steinbrügge hat man sich für eine profilierte Ausstellungsmacherin entschieden, der der Ruf einer mit den aktuellen Kunstdiskursen bestens vertrauten Intellektuellen vorauseilt. Sie wird die neue Stelle zum 1. Januar 2014 antreten. Bettina Steinbrügge hat in Kassel Kunstgeschichte, Englische Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert. Es folgten Studienaufenthalte an The School of the Art Institute of Chicago und an der Alliance Français de Paris. Als Direktorin der Halle für Kunst e.V. in Lüneburg hat sie zwischen 2001 und 2007 bereits zahlreiche Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst kuratiert. Darunter das viel beachtete Ausstellungsprojekt „Cooling Out - On the Paradox of Feminism“. Es folgten Stationen als Gastdozentin in Genf und als Kuratorin an der Kunsthalle im elsässischen Mulhouse. Zur Zeit ist Bettina Steinbrügge noch als Senior Curator am „21er Haus“, einer Dependance der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien, tätig. Sie begleitete hier die Gründungsphase und die programmatische Ausrichtung der im November 2011 neu eröffneten Institution.

Steinbrügge gilt vor allem als ausgewiesene Expertin für die Medien Film und Video. Was sie darüber hinaus auszeichnet, ist ihre immer wieder unter Beweis gestellte Bereitschaft zu Kooperationen und Kollaborationen mit anderen Kuratoren und Ausstellungsinstitutionen sowie ihr dezidiertes Interesse an Kunst als Indikator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse. So zeigte sie 2010 in Mulhouse die Schau „The End of the World as We Know it“, in der Künstler wie Cyprien Gaillard, Marc Bijl oder die Künstlergruppe Clairefontaine mit kritischen, aber auch utopischen Arbeiten auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ästhetischen Umwälzungen im Spätkapitalismus reagierten.

Mit Lehraufträgen, regelmäßigen kunstkritischen Veröffentlichungen und monographischen Texten über Künstlerinnen und Künstler wie Jeanne Faust, Mark Wallinger oder zuletzt Hans Schabus hat sich Bettina Steinbrügge prägnant im internationalen Kunstdiskurs verortet. Mit der im Januar zu Ende gegangenen Gruppenausstellung „Keine Zeit/Erschöptes Selbst/Entgrenztes Können“ im 21er Haus legte sie zuletzt den Finger in die Wunde der zwischen Leistungsdruck und Burnout-Syndrom hin- und hergerissenen Informationsgesellschaft. Bleibt zu hoffen, dass sie den Kunstverein in Hamburg wieder stärker für jüngere, spannende und weniger bekannte Positionen und vor allem brisante, fundiert erarbeitete Themenausstellungen öffnet.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



06.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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