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Ina Loitzl in der Wiener Galerie Kro Art Contemporary

Geschichten vom Haar



„Ich ist ein Anderer“, erkannte schon der französische Dichter und Abenteurer Arthur Rimbaud. Wir alle schlüpfen in Rollen, sind Schauspieler, Darsteller unterschiedlichster kultureller, sozialer und biologischer Haupt- und Nebenrollen. Wir alle spielen Theater, um den gesellschaftlichen Normen und Erwartungen zu entsprechen oder zu entfliehen. Identitätsprobleme und -entwürfe waren spätestens seit den 1990er Jahren immer wieder Gegenstand der zeitgenössischen Kunst. Sie wurden in unterschiedlichsten Formen, Ausstellungen und Darbietungen, die häufig die weibliche Rolle und deren Findung ins Zentrum stellten, aufgegriffen.


Auch die 1972 in Klagenfurt geborene und heute in Wien lebende Künstlerin Ina Loitzl experimentiert in ihren Arbeiten seit Jahren mit unterschiedlichen weiblichen Rollen, hinterfragt Klischeebilder und Zuschreibungen und sucht das fiktionale Bild eines individuellen Lebensstils als Identitätsaussage aufzubereiten. Ironisch spielt sie dabei mit gängigen Klischees und Plattitüden. „Hairytales“ lautet der Titel einer jüngst entstandenen Serie, die derzeit in der Wiener Kro Art Galerie zu sehen ist. In diesen Arbeiten nähert sich Ina Loitzl der österreichischen Kaiserin Sisi, deren selbst auferlegtem oder zugeschriebenem Schönheitskult und ihrer mehrfach kodierter Rolle als Frau. Mit ihrem ausgeprägten Gespür für Selbstdarstellungen thematisiert Ina Loitzl die problematischen Reibungsflächen und Bruchstellen zwischen zugeschriebener Rolle und Akteurin, mittels derer sich die Künstlerin Rückbezüge auf eigene Befindlichkeiten erschließt.

Die primäre Wirkung der Arbeiten von Ina Loitzl beruht auf dem Materialreiz und den ambivalent als anziehend und abstoßend empfundenen Formen, die den Betrachter mehr oder weniger explizit auf seinen eigenen Körper zurückverweisen. Prägnant ist ihr spielerischer Umgang mit unterschiedlichsten Techniken. Loitzls Eigensinn mag daher rühren, dass sie nicht einfach Zeichnungen, Scherenschnitte, Collagen, Videoarbeiten und große Stoffobjekte macht, sondern fantastische Objekte, die zum einen Ausformungen einer überbordenden Fantasie und zum anderen immer ein wenig anlehnungsbedürftig sind. Für das Ausstellungsplakat beispielsweise manipulierte Ina Loitzl das bekannte Bildnis von Franz Xaver Winterhalter, der die selbstbewusste Kaiserin mit wallendem, lockigem Haar im Morgenlicht malte, durch ihr eigenes Konterfei.

In den schwarz-weißen Scherenschnitten wiederum spielt die Künstlerin mit den unterschiedlichen Konnotationen der überlangen Zöpfe, die zwischen den Zwangsritualen strangulierender Haarbändigung und fühlerhaft sich verselbständigenden Wucherungen angesiedelt sind. In ihnen verschlüsselt sich gleichermaßen erotische Fantasie mit der Doppelbödigkeit der Parodie. In den Objekten schließlich haben die Zöpfe ein Eigenleben angenommen. Als Rahmen umkränzen sie Arabesken gleich Zeichnungen, Collagen und Spiegel oder machen dem Betrachter als bewegliche Teile aleatorische Angebote. Ein organisch-leibliches Element, ein latenter Bezug zum Körper, vor allem dem weiblichen und psychosexuelle Bezüge sind bei aller Vielfalt der Medien stets präsent.

Mit vitaler Neugier sucht Ina Loitzl nach dem Fremden, um eine innovative Einkreisung der eigenen Identität zu leisten. Nur auf den ersten Blick ist die thematische Kluft groß, die sich zwischen derartig parodistischen Anverwandlungen von Pop Art-Strategien und den Kinder- und Mädchenportraits auftut, die im Souterrain der Galerie zu sehen sind. Loitzls Paraphrasen zu Diego Velázquez’ berühmtem Gemälde „Las Meninas“ sind ein Destillat aus eigener Erfahrung, Vorstellungskraft, Erinnerung und Auseinandersetzung mit der malerischen Tradition. Aus den irrlichternden Kontrasten der grellen, kitschig anmutenden Hinterglasbildfarben, die an unbearbeiteten Stellen die Wandstruktur durchscheinen lassen, schafft Ina Loitzl doppelbödige Illusionsbilder, die in die Hautoberfläche der inszenierten Rollenportraits auch deren subkutane Ansicht hineinmischen.

Ina Loitzl verleiht den kindlichen Gesichtern eine laszive Sinnlichkeit, die den Dargestellten nicht angemessen erscheint. Die Mädchen haben ihre Naivität verloren, tragen die Gesichtszüge und den melancholischen Ausdruck eines Erwachsenen. In einem Statement bekennt Ina Loitzl: „Wir sind Teil einer Umwelt, in der Minderjährige tagtäglich misshandelt werden, ohne dass es von uns bemerkt wird.“ Eine kreative Unruhe, Neugierde und Energie treibt sie an, die durch Wut, Zweifel und Humor gebrochen wird. In ihren malerischen Fakes spielt die Künstlerin mit den Gefühlen von Voyeurismus, Provokation und Irritation und hält den Betrachter im Ungewissen, im „Dazwischen der Gefühle“.

Die Ausstellung „Hairytales - Ina Loitzl“ ist noch bis zum 10. Mai zu sehen. Die Galerie Kro Art Contemporary hat täglich außer montags von 14 bis 19 Uhr, samstags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Die Scherenschnitte aus dem Zyklus „Hairytales“ kosten 1.050 Euro, die Stickcollagen aus der Serie „Monarchie“ 650 Euro und die Hinterglasbilder von „Las Meninas“ 1.200 Euro.

Kontakt:

Kro Art contemporary

Getreidemarkt 15

AT-1060 Wien

Telefon:+43 (01) 585 71 43

Telefax:+43 (01) 587 20 98



05.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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