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Das Würzburger Museum im Kulturspeicher stellt sich seiner Vergangenheit und macht im Rahmen der Ausstellung „Tradition & Propaganda“ Kunstwerke aus der NS-Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich

Nazi-Kunst für alle?



Darf die propagandistische Kunst der Nationalsozialisten aus den Depots geholt werden? Diese häufig diskutierte Frage ist nicht einfach zu beantworten. In den Beständen vieler Museen verbergen sich Kunstwerke aus der Zeit der Nazi-Herrschaft. Jedoch nur eine Hand voll Einrichtungen in Deutschland wagte es bisher, ihr „braunes Erbe“ aufzuarbeiten und es auch auszustellen. Sicherlich spielt dabei die befürchtete Reaktion der Öffentlichkeit auf die bisher wenig bekannten Schöpfer der propagandistischen Kunst eine große Rolle. Nicht alle Arbeiten transportieren das nationalsozialistische Gedankengut aber auf direktem Weg, es gibt auch übersehbare, unterschwellig politische Kunst.


Das Museum im Kulturspeicher Würzburg hat nun den Entschluss gefasst, sich durch die Aufarbeitung seiner Sammlung aus den 1940er Jahren der Vergangenheit zu stellen und Verantwortung zu tragen. Nach jahrelangen Fragen und Spekulationen zu dem städtischen Kulturerbe aus der NS-Zeit bot sich im Zuge des 2010 ins Leben gerufenen Projekts „Dialog Erinnerungskultur“ des Kulturreferats der Main-Metropole die Gelegenheit, eine Auswahl des zum Teil nie gezeigten Museumsbestandes ans Licht zu holen.

Die 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg gegründete Städtische Galerie als Sammlung „mainfränkischer Kunst“ des 19ten und 20sten Jahrhunderts erwarb besonders in den ersten Jahren unter ihrem ersten Direktor, dem Künstler und Kunstlehrer Heiner Dikreiter, viele zeitgenössische Werke. Fast 100 Arbeiten kaufte Oberbürgermeister Theo Memmel auf den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ in München für die Städtische Galerie an. So standen Dikreiter schon im Gründungsjahr 170.000 Reichsmark für den Ankauf von Kunst zur Verfügung, 1942 wurde der Etat deutlich auf 450.000 Reichsmark aufgestockt. Würzburg erstand somit mehr Werke als alle anderen deutschen Städte auf den wichtigsten nationalsozialistischen Kunstschauen. Durch weitere Ankäufe, Schenkungen oder Nachlässe vergrößerte sich die Zahl der Kunstwerke aus der NS-Zeit auch nach 1945.

Für die Schau „Tradition & Propaganda“ wählte die Projektleiterin und Kuratorin Bettina Keß aus den 1300 Werken, die zwischen 1933 und 1945 entstanden, rund 90 repräsentative Exemplare von 60 Künstlerinnen und Künstlern aus. Die Ausstellungsstücke sind geprägt von einer nationalsozialistischen Kunstauffassung, die einerseits auf traditionelle und naturalistische Malerei, andererseits auf propagandistische und auch kriegsverherrlichende Darstellungen setzte. So sind neben unspektakulären und wenig aussagekräftigen fränkischen Landschaften in der Tradition des 19ten Jahrhunderts, etwa von Hermann Gradl, auch Heimatmotive, Momentaufnahmen aus dem bäuerlichen Leben, Portraits, Aktdarstellungen und Kriegsszenen vertreten. Nicht alle diese Kunstwerke sind auf den ersten Blick als Instrumente des NS-Regimes zu enttarnen, bei einigen sind Informationen über den Urheber oder den Entstehungszusammenhang von Nöten, um sie zu kategorisieren.

Einer der Schöpfer von Propagandazeichnungen war Otto Flechtner, dessen Illustrationen für das nationalsozialistische Satireblatt „Die Brennessel“ auszugsweise in Würzburg präsentiert werden. „Die Brennessel“ veröffentlichte offenkundig antisemitische und antikommunistische Karikaturen. Ebenfalls zu den Propagandabildern zählt Ferdinand Spiegels Gemälde „Arbeitskameraden“, das einen alpenländisch gekleideten Bauern mit seinem Pferd darstellt. Auf der Rückseite des Bildes ist noch die durchgestrichene Titelvariante „Arbeits-Gemeinschaft“ zu erkennen. Die Inszenierung der beiden „Arbeitskameraden“ und der Hinweis auf den verworfenen Titel überhöhen das gemeinschaftliche Streben von Tier und Mensch. Spiegel war ein angesehener Künstler im Nationalsozialismus und stand auf Hitlers „Gottbegnadetenliste“.

Diese zweifelhafte Ehre wurde auch Georg Ehmig zuteil, dessen Gemälde „Weinbergsarbeiterin“ als ein klassisches Heimatmotiv zu deuten ist. Im Fokus der naturalistischen, ein wenig neusachlichen Malerei steht eine zufrieden schauende Weinbäuerin, die als Vorbild für eine gute Arbeitsmoral und weitere rechtschaffene Tugenden gelten soll. Diese bieder-bürgerliche Idylle lässt keinen Raum für Zweifel an der vorgeschriebenen nationalsozialistischen Ordnung. Noch 1962 erwarb die Stadt Würzburg dieses Gemälde, das 1939 unter dem Titel „Im Weinberg“ im Kunstbildband „Das bäuerliche Jahr. Ein Buch vom Bauerntum in Bildern deutscher Maler“ Aufnahme fand, aus Anlass des 70sten Geburtstags von Georg Ehmig, der 1968 in Würzburg verstarb. Auch die Schöpfungen von Hans Haffenrichter, Oskar Martin-Amorbach, Ivo Saliger, Richard Rother, Willi Greiner, Fried Heuler, Julius Paul Junghanns zeugen von handwerklichem Bemühen, können aber das Durchsichtige ihrer Aussage nicht verbergen.

Öffnet man durch solche Ausstellungen rechter Ideologie die Pforten? Fördern diese Kunstwerke nationalsozialistisches Gedankengut? Die Veranstalter haben sich natürlich auch die Frage gestellt, in wie fern die Schau Einfluss auf den heutigen Rechtsradikalismus ausüben könnte. Aber es wäre falsch, aus Furcht vor unangemessenen Reaktionen eine Ausstellung wie die im Würzburger Kulturspeicher zu verhindern. Um die Vergangenheit zu verarbeiten, müssen wir uns diesen Überresten stellen und verantwortungsvoll mit ihnen umgehen. Es ist schließlich nicht nur von antisemitischen und gewaltverherrlichenden Arbeiten, die nur einen kleinen Teil der nationalsozialistischen Kunst darstellen, die Rede, sondern auch von vielen biederen und unscheinbaren Werken nachrangiger Künstler.

Die Exponate sind nicht alle „leichte Kost“, denn sie erzählen von den Ereignissen einer verbrecherischen Zeit, die in Deutschland ein heikles Thema ist. Die stellvertretende Leiterin des Museums im Kulturspeicher, Henrike Holsing, und Bettina Keß sind mit „Tradition & Propaganda“ ein Wagnis eingegangen, das sich gelohnt hat. Sie ermöglichen die sachliche, wissenschaftliche und kritische Auseinandersetzung mit dem NS-Erbe des Museums zu einer Zeit, in der die offensive Aufarbeitung historischer Vermächtnisse im Bereich der Kunst verstärkt ein Thema ist. Die Ausstellung kann für andere Museen, die bisher vor diesem Schritt zurück gescheut sind, als Beispiel dienen.

Die Ausstellung „Tradition & Propaganda. Eine Bestandsaufnahme – Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus in der städtischen Sammlung Würzburg“ ist noch bis zum 12. Mai zu sehen. Das Museum im Kulturspeicher hat dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro. Das ausführliche Begleitbuch dokumentiert die Würzburger Sammlung aus dieser Epoche und stellt Zusammenhänge zur regionalen wie überregionalen Geschichte her. Es kostet 19,80 Euro. Als Gegenpol präsentiert der Kulturspeicher bis zum 20. Mai die Schau „Der Berliner Skulpturenfund. Entartete Kunst im Bombenschutt“.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



05.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jasmin Kleinschroth

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Veranstaltung vom:


28.02.2013, Tradition und Propaganda. Eine Bestandsaufnahme. Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Städtischen Sammlung Würzburg

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