Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Museum Moderner Kunst in Wien hat die erste posthume Schau zum Schaffen Franz Wests allzu museal gestaltet

Wo ist mein Achter?



Wohl kaum jemand verkörperte die Spezies des „Künstler-Künstlers“ so überzeugend wie Franz West. Abgesehen davon, dass er seit Mitte der 1980er Jahre zu den herausragendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene zählte, Ausstellungen in den großen Museen der Welt hatte und seine Werke bis zu einer halben Million Euro kosten, waren es vor allem „die Kollegen“, durch die seine Arbeiten besondere Anerkennung erfuhren. Denn in Wests Schaffen verband sich das Potenzial zu einer Abschottung gegenüber dem Marktgeschehen nonchalant mit den Voraussetzungen für ihren kommerziellen Erfolg.


Mit 23 Jahren begann West als Autodidakt künstlerisch zu arbeiten, bevor er zwischen 1977 und 1982 Student von Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien war. Zunächst wurde sein Schaffen nur im Freundeskreis wahrgenommen. Zögernd, mit zunehmender Ausstellungstätigkeit, war Franz West aber wachsende Aufmerksam gewiss. In den 1990er Jahren war er mit seinen Arbeiten zweimal auf der Documenta in Kassel vertreten und gestaltete 1990 den österreichischen Beitrag für die Biennale in Venedig. 2011 wurde er dort für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen, der höchsten Auszeichnung für einen lebenden Künstler, bedacht. Als er ein Jahr später, im Alter von nur 65 Jahren verstarb, kam im Wiener Akademietheater eine große Anhängerschaft, darunter zahlreiche Künstler, zusammen, um dem geschätzten Kollegen in einem „Tribute to Franz West“ ihren Respekt zu zollen.

Kurz vor seinem Tod im Juli 2012 war Franz West noch mit der Idee zu einer großen Ausstellung an das Wiener Museum Moderner Kunst herangetreten. Die aktuelle Schau, deren anfängliche Planungen noch gemeinsam mit dem Künstler begonnen wurden, mutierte nun zur ersten posthumen Ausstellung, die nach der Station in Wien weiter ins Museum für Moderne Kunst nach Frankfurt wandern wird. Die Schau versteht sich sowohl als thematischer Überblick als auch als Retrospektive und gibt mit rund 30 mehrteiligen Werken einen Einblick in die komplexe und vielschichtige Kunstpraxis des österreichischen Eigenbrötlers.

Erwin Wurm beschrieb Franz West kurz nach dessen Tode: „Er war Wahnsinn! Extrem intensiv und er hat natürlich einen ordentlichen Vogel gehabt.“ Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern war für West Lebenselixier. Folgerichtig stehen im Fokus der Wiener Ausstellung die sogenannten „Kombi-Werke“, überwiegend installative Arbeiten, in denen West verschiedene Einzelstücke jeweils neu arrangierte oder mit Werken anderer Künstler vereinte, immer mit dem Hintergedanken, die autonome Einzelschöpfung zu relativieren. Die Tendenz zu dieser Vorgehensweise war in seinem Schaffen von Anfang an gegeben, erfuhr im Laufe der Zeit aber noch eine Intensivierung, unter anderem durch die Wiederbegegnung mit eigenen früher entstandenen und aus den Augen verlorenen Werken.

So traf West 1988 anlässlich einer Ausstellung im Frankfurter Portikus den Künstler und Galeristen Jürgen Wegner, in dessen Galerie er 1979 seine erste Ausstellung außerhalb Österreichs gehabt hatte, und begegnete dabei Arbeiten, die er damals bei ihm zurückgelassen hatte. Spontan installierte Franz West diese zusammen mit neuen Arbeiten in einem Nebenraum des Portikus. Davon ausgehend, entwarf er in der Folge insgesamt sechs „Wegener Räume“, in denen er jeweils ältere und aktuelle Stücke kombinierte. Die „Wegener Räume“ oder auch das dreiteilige „Redundanz“ von 1986 sind prominente Arbeiten dieser ab den späten 1980er Jahren häufiger werdenden Praxis des Kombinierens und Rekombinierens.

Frühe Werke, von denen Franz West kokett gehofft hatte, „sie nie und nimmermehr zu sehen“, wurden nun vermehrt Teil von vielschichtigen Objektkonstellationen. Immer jedoch begriff West diese Installationen in ihrer Gesamtheit als ein Werk und gab ihnen in vielen Fällen eigene Titel. Ebenso entstanden betret- und benutzbare Environments, oft als Kombinationen von Bilderwänden und Möbeln, wie beispielweise die in Wien präsentierten Arbeiten „Kasseler Rippchen“ von 1996, für die West Werke aus seiner eigenen Kunstsammlung, unter anderem von Heimo Zobernig, Martin Kippenberger und Herbert Brandl zusammenstellte, „Viennoiserie“ von 1998 oder „Phänomen“ von 2001. Auch der von West gewählte Titel der Ausstellung „Wo ist mein Achter?“ ist ein weiteres Beispiel seiner Praxis der Neuzusammenfügung: Auslöser war eine Gouache aus dem Jahr 2004 mit dem Motiv einer Frau, die nach einer Abmagerungskur ihre viel zu große Hose zeigt. Durch Auslassung des „W“ transformierte West den Titel „Lost Weight“ zu „Lost Eight“, um schließlich die titelgebende Frage abzuleiten.

Durch die Kombination und Rekombination verschiedener Werktypen wie Möbel, Skulpturen, Passstücke, Videos oder Arbeiten auf Papier gibt die Wiener Ausstellung auch einen Überblick über die große Bandbreite des Œuvres von Franz West. Die Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden zeigen die Vielseitigkeit von Wests Werk und verweisen auf Wurzeln und Anregungen, die im Wiener Aktionsmus, bei Ludwig Wittgenstein bis hin zu Cy Twombly zu finden sind.

Die frühesten Arbeiten entstanden Mitte der 1970er Jahre, meist Mischtechniken und Collagen, die West zu mehrteiligen „Variablen“ zusammenstellte. Zeitgleich entstand 1974 der erste Prototyp der sogenannten „Passstücke“. Der von West grundsätzlich in all seinen Werken intendierte Dialog mit dem Rezipienten, kann am ehesten mittels dieser abstrakten, plastischen, meist in Weiß aber auch farbig bemalten Körperverlängerungen zum Umhängen und Umschnallen nachempfunden werden. Eingedenk der möglichen Verunsicherung, die die Objekte beim Betrachter hervorrufen, verfasste West präzise Handlungsanweisungen zu möglichen Aktionen, die Freiräume verhandeln und ermöglichen, eine Vorgehensweise, von der der Künstler Erwin Wurm in seinen One-Minute-Sculptures ebenfalls Gebrauch machte.

Nur leider: in der Wiener Ausstellung ist der spielerische, lustvolle, selbstbewusste oder leicht verschämte Gebrauch der Passstücke und Möbel von Franz West kaum möglich. Zahlreiche Verbote auf den Hinweistafeln untersagen die von Künstler ursprünglich intendierte Benutzung und reduzieren die Objekte zu rein musealen Anschauungsstücken. Solch konservatorischer Rücksichtsmaßnahme begegnet die Ausstellung mit einer Vielzahl von Filmen und Dokumentationen, die man entspannt auf bunten West-Sofas sitzend, betrachten kann. Spätestens hier wird nach einem Rundgang durch die recht cleane Ausstellung endlich spürbar, welch subversive Ironie Wests Objekte durch die Interaktion mit dem jeweiligen „Benutzer“ zu entfalten imstande waren. Die spannenden Tücken, die das Verlassen des Sicherheitsabstandes zwischen Werk und Betrachter mit sich brachten, sind in der Wiener Schau verschwunden. Doch das ist in einer posthumen Retrospektive wohl auch nicht anders zu erwarten.

Die Ausstellung „Franz West – Wo ist mein Achter?“ ist bis zum 26. Mai zu sehen. Das Museum Moderner Kunst hat täglich von 10 bis 19 Uhr, montags erst ab 14 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro bzw. 7 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König kostet im Museum 34 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



21.04.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


23.02.2013, Franz West. Wo ist mein Achter?

Bei:


Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Bericht:


Goldener Löwe für Schlingensief-Pavillon

Bericht:


Franz West verstorben

Bericht:


Franz West in Frankfurt

Bericht:


Tactophilia goes tactophobia

Bericht:


Ein Schauspiel von Umformungen, Übermalungen, Wucherungen

Künstler:

Franz West










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce