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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Eine Ausstellung in der Neuen Pinakothek München erweckt Johann Christian Reinhart zu neuem Leben

Wesentlich auch in unserer Zeit



Johann Christian Reinhart, Ansicht des Tibers an der Quelle von Acqua Acetosa, 1808

Johann Christian Reinhart, Ansicht des Tibers an der Quelle von Acqua Acetosa, 1808

Dieser Reinhart konnte ganz schön bissig sein: „Der Doctor allhier sich preparirt, Daß er fein kritische Blätter schmiert“ schrieb der Maler und Zeichner gegen 1829/33 unter eine Zeichnung, auf der breitbeinig ein Mann mit Riesenbrille und Riesenlupe vor einer gemalten Landschaft steht, um auf ebendieser auch ja jeden Fehler genauestens nachweisen zu können. Dass dieser Mann ein Esel ist, wird überdeutlich durch den buschigen Schwanz, der sich zwischen seinen Rockschößen hervorschlängelt. Gemeint war mit dieser Karikatur Ludwig Schorn, ein früher Vertreter der Kunsthistorikerzunft, durchaus anerkannt in seiner Zeit und mit Größen wie dem Sammler Sulpiz Boisserée oder dem Verleger Johann Friedrich Cotta bekannt. Als Kritiker aber zog er sich die Feindschaften Münchner Künstlergrößen wie Peter Cornelius derart heftig zu, dass er 1833 nach Weimar auswich, um dort als Nachfolger Johann Heinrich Meyers, des „Goethemeyers“, Direktor der Kunstanstalten zu werden.


Schöpfer des gehässigen Bildes war aber eben nicht Peter Cornelius oder ein anderer Vertreter der sogenannten Nazarenermalerei, die unter König Ludwig I. von Bayern so groß geworden war, sondern Johann Christian Reinhart, von dem man sich eine solche Schärfe eigentlich kaum erwartet hätte. Doch diese Facette gehört ebenso zum Gesamtbild des klassizistischen Malers, der sich auch aus der Ferne, von Rom aus, aktiv an den Kunstdiskussionen seiner Zeit beteiligte. In die Kunstgeschichte des späten 18ten und frühen 19ten Jahrhunderts eingegangen aber ist Reinhart als der wohlsortierte Landschafter, als der er zu Beginn seiner künstlerischen Karriere in den 1780er Jahren begann und als der er auch, nach einem langen, weitgehend erfüllten Leben, 1847 in Rom starb. Mit ihm erreichte die von Jakob Philipp Hackert begründete und vom frühen Joseph Anton Koch weitergeführte Landschaftsmalerei der Deutschrömer um 1800 einen ihrer großen Höhepunkte.

In der umfangreichen Ausstellung in der Neuen Pinakothek München hängen derzeit rund 35 Gemälde, vierzig Radierungen und neunzig Zeichnungen Johann Christian Reinharts, der zwar nicht – wie von den Ausstellungsmachern vielleicht doch etwas zu drastisch ausgedrückt – zu den weitgehend Vergessenen seiner Generation gehört, jedoch wohl auch nicht zu denjenigen, deren Name als erstes fällt, wenn es um die Kunst auf der Schwelle zwischen früher Neuzeit und Vormoderne geht. Dieses Schicksal ist indes vielen „Deutschrömern“ beschieden, die mit erstaunlicher Unempfindlichkeit gegenüber den gewaltigen historischen Umbrüchen im Zeitalter von Französischer Revolution, Säkularisierung, Ende des Alten Reiches und Napoleonischen Kriegen in ihrem künstlerischen Schaffen einen ganz eigenen, von allen Wirren der Zeit fast mönchisch abgeschlossenen Weg verfolgten.

Politische Stellungnahmen lagen Reinhart fern. Er war durch und durch Künstler, und als solcher sah er seine Aufgaben auf anderem Gebiet. Die Wiedererweckung der Antike, die Beseelung der eigenen Zeit mit dem Geist der Vorväter, die die Höhen auf allen wesentlichen kulturellen Feldern wie Bildhauerei, Architektur, Malerei, Literatur und Philosophie bereits erklommen hatten, war seine Berufung, seine Mission. Neben Koch wurde er zum Begründer der Gattung der „heroischen Landschaft“, zumindest in neuerer Zeit; denn im luftleeren Raum schwammen sie nicht: Zweihundert Jahre vorher hatten schon Maler wie Nicolas Poussin oder Gaspard Dughet ihre im Wortsinne großartigen, den Betrachter regelrecht erhebenden Landschaften geschaffen. Der Mensch, mitunter kaum sichtbar eingefügt, übernimmt darin lediglich die Rolle einer Staffage, wenn auch stets mythologisch angereichert und somit immerhin doch Berechtigung für den Hochsinn des landschaftlichen Prospekts.

In die Wiege gelegt war Johann Christian Reinhart eine Laufbahn als Maler nicht. Geboren 1761 im oberfränkischen Hof, trat er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und begann 1778 ein Theologiestudium in Leipzig, bevor er sich dem Studium der Zeichenkunst an der dortigen Akademie zuwandte. 1783 nach Dresden gezogen, 1785 nach Leipzig zurückgekehrt, wo er Schiller traf und eine lebenslange Freundschaft mit ihm knüpfte, erhielt er seine erste Festanstellung 1786 bis 1789 beim Herzog von Sachsen-Meiningen. Doch das Dasein als Hofmaler eines eher unbedeutenden Duodezfürstentums in der mitteldeutschen Provinz befriedigte den ehrgeizigen Künstler nicht. „Nach Rom!“ – das war sein Ziel, und er verfolgte es 1789 mit dem Ergebnis, dass er Italien bis zu seinem Lebensende nie mehr dauerhaft verlassen sollte. In Rom wurde er zum Mittelpunkt eines teils bohèmeartigen Kreises von Künstlern, die sich im Caffè Greco und in der Villa Malta trafen und – wie eingangs erwähnte Karikatur Reinharts belegt – das Kunstleben auch im fernen Deutschland aktiv begleiteten.

Die Ausstellung in München, entstanden in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle, ist trotz dieser Bedeutung Reinharts im Kunstleben seiner Zeit die erste große Retrospektive auf sein Werk. Dass eine solche nicht früher kam, liegt wohl auch an der schlechten Überlieferung: Nur rund vierzig Gemälde Reinharts haben überlebt, von denen einige in den großen Sammlungen wie der Alten Nationalgalerie in Berlin, dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt oder eben in der Neuen Pinakothek hängen. Der vierteilige Zyklus „Ansichten von der Villa Malta auf Rom“, 1829/35 für Ludwig I. entstanden, belegt eindrucksvoll Reinharts Rang als (Stadt-)Landschaftsmaler. Ganz neue Facetten lassen sich diesem Künstler freilich auch in einer solch umfangreichen Ausstellung nicht abgewinnen, doch vielleicht ist seine betont klassische, heiter-ernste, trotz ihrer Beschränkung nie langweilige und sicher zeitlos-absolute Malerei ja gerade in unserer Zeit eine passende Antwort auf die Frage, ob es jenseits von Krisen, Krieg und Kommerz noch etwas Wesentlicheres gibt auf dieser Welt.

Die Ausstellung „Nach Rom! Der Landschaftsmaler Johann Christian Reinhart“ läuft noch bis zum 26. Mai. Die Neue Pinakothek hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt am 1. Mai. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Kontakt:

Neue Pinakothek

Barer Straße 29

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 80 52 21

Telefon:+49 (089) 23 80 51 95

E-Mail: info@pinakothek.de



07.04.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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21.02.2013, Johann Christian Reinhart (1761–1847) - Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom

Bei:


Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Bericht:


Das Ideale und das Gesehene

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Johann Christian Reinhart, Gewitterlandschaft mit Gebirgsfluss und
 Wasserfall (Der Jäger und der eingeschlafene Fischer), 1831
Johann Christian Reinhart, Gewitterlandschaft mit Gebirgsfluss und Wasserfall (Der Jäger und der eingeschlafene Fischer), 1831

Variabilder:

Johann Christian
 Reinhart, Blick von der Villa Malta in Rom nach Westen auf den Vatikan und St. Peter, 1835
Johann Christian Reinhart, Blick von der Villa Malta in Rom nach Westen auf den Vatikan und St. Peter, 1835

Variabilder:

Johann Christian Reinhart, Partie im Garten der
 Villa Borghese mit Steineichen, um 1793
Johann Christian Reinhart, Partie im Garten der Villa Borghese mit Steineichen, um 1793

Variabilder:

Johann Christian Reinhart, Blick auf die Torre delle Milizie in Rom mit einem Mann unter einem Torbogen, um 1785
Johann Christian Reinhart, Blick auf die Torre delle Milizie in Rom mit einem Mann unter einem Torbogen, um 1785

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Johann Christian
 Reinhart, Sturmlandschaft mit zwei Reitern (Friedrich Schiller gewidmet), 1800
Johann Christian Reinhart, Sturmlandschaft mit zwei Reitern (Friedrich Schiller gewidmet), 1800

Variabilder:

Johann Christian Reinhart, Landschaft mit badenden Nymphen, 1783
Johann Christian Reinhart, Landschaft mit badenden Nymphen, 1783







Johann Christian Reinhart, Gewitterlandschaft mit Gebirgsfluss und Wasserfall (Der Jäger und der eingeschlafene Fischer), 1831

Johann Christian Reinhart, Gewitterlandschaft mit Gebirgsfluss und Wasserfall (Der Jäger und der eingeschlafene Fischer), 1831

Johann Christian Reinhart, Blick von der Villa Malta in Rom nach Westen auf den Vatikan und St. Peter, 1835

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Johann Christian Reinhart, Partie im Garten der Villa Borghese mit Steineichen, um 1793

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Johann Christian Reinhart, Blick auf die Torre delle Milizie in Rom mit einem Mann unter einem Torbogen, um 1785

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Johann Christian Reinhart, Sturmlandschaft mit zwei Reitern (Friedrich Schiller gewidmet), 1800

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Johann Christian Reinhart, Landschaft mit badenden Nymphen, 1783

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Johann Christian Reinhart, Straße unterhalb des Meißener Doms, um 1784

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Johann Christian Reinhart, Ansicht von Mainz mit den Schiffsmühlen, 1787

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Johann Christian Reinhart, Selbstbildnis im Halbprofil, 1786/89

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Johann Christian Reinhart, Karikatur auf Dr. Ludwig Schorn in München!, 1829/33

Johann Christian Reinhart, Karikatur auf Dr. Ludwig Schorn in München!, 1829/33

Johann Christian Reinhart, Landschaft mit antiken Denkmälern (Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos), 1846

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