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Die Albertina in Wien feiert in einer großen Werkschau erstmals in Österreich den Surrealisten Max Ernst

Der vielseitige Bilder-Erfinder



Gut ein Jahr ist es her, dass die Albertina mit René Magritte den Auftakt zu einer großen Surrealismus-Trilogie setzte. Derzeit erfährt das ehrgeizige Projekt mit einer Ausstellung über Max Ernst seine Fortführung. Das renommierte Haus widmet dem Bilder-Erfinder eine Retrospektive. Erstaunlicher Weise ist es die erste große Präsentation mit Werken von Max Ernst in Österreich überhaupt. Mit einer repräsentativen Auswahl von Gemälden, Collagen, Skulpturen und illustrierten Büchern vereint die Schau alle Werkphasen, Entdeckungen und Techniken des Künstlers und stellt sein Leben und Schaffen im biografischen wie zeitgeschichtlichen Kontext vor.


Kuratiert wird die Ausstellung von Julia Drost, Gisela Fischer, Raphaël Bouvier und von Werner Spies. 1966 lernte der damals 29 Jahre alte Kunsthistoriker und in Paris lebende Kulturkorrespondenz der FAZ Max Ernst kennen und war ihm bis zu dessen Tod im Jahr 1978 freundschaftlich verbunden. Von 1997 bis 2000 war Spies Direktor des Centre Beaubourg, des heutigen Centre Georges Pompidou in Paris. Er promovierte über die Collagen von Max Ernst und ist verantwortlich für den insgesamt acht Bände umfassenden Œuvrekatalog des Künstlers. Bereits 2006 war Spies in Wien zuständig für die Ausstellung „Picasso – Malen gegen die Zeit“. Zwei Jahre später kuratierte er, ebenfalls für die Albertina, die Ausstellung „Max Ernst – Une semaine de bonté“ und präsentierte erstmals seit 1936 alle 182 Originalcollagen des surrealistischen Bilderromans. Im Zusammenhang mit dem größten Fälscherskandal in der Geschichte des europäischen Kunstmarktes im Jahre 2010, die Affäre um Wolfgang Beltracchi, litt seine Reputation allerdings erheblich.

Die Albertina verfügt, dank der Dauerleihgaben der Sammlungen Batliner und Forberg, über mehrere Werke von Max Ernst, darunter „Blumen auf gelbem Grund“ von 1929, sowie mehrere Gemälde und Objektmontagen aus den 1960er Jahren. Dass für die Wiener Schau rund 180 Exponate von insgesamt 64 Leihgebern zusammengetragen werden konnten, spricht für das Vertrauen, das Werner Spies bei den Sammlern weiterhin erfährt, trotz des Vorwurfs, sieben gefälschte Bilder von Max Ernst aus der fingierten Kunstsammlung Jägers für echt befunden und zudem an deren späteren Verkauf partizipiert zu haben. Im Einvernehmen mit dem Kurator werden in der Wiener Ausstellung, die anschließend und in leicht veränderter Form in der Fondation Beyeler zu sehen sein wird, jedoch nur Arbeiten gezeigt, die bereits im ersten Werkverzeichnis von 1987 erfasst wurden.

Die Schau setzt mit einer kleinen Suite von Gemälden ein, darunter „Familienausflug“ um 1913 und „Hut in der Hand, Hut auf dem Kopf“ von 1919. In diesen frühen Werken verarbeitet Max Ernst, der durch seinen Vater zur Malerei geführt wurde und nie eine Kunstakademie besuchte, persönliche Erlebnisse und orientiert sich an der Malerei von Henri Rousseau, den Kubisten und der Naturmystik von Franz Marc. Die Erlebnisse, die er als Soldat während des Ersten Weltkriegs in Frankreich und in Polen erfährt, prägen nach Kriegsende seine ablehnende Haltung gegenüber den Wertmaßstäben einer bildungsbürgerlichen Gesellschaft. 1919 gründet er unter dem selbst erfundenen Beinamen „minimax dadamax“ gemeinsam mit Johannes Theodor Baargeld, dem „Zentrodada“, und Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe, an der auch seine erste Ehefrau Luise Straus-Ernst beteiligt ist. Dada versteht sich als Angriff auf den „gesunden Menschenverstand“ und eine Gesellschaft, die den Krieg herbeigeführt hat.

Im selben Jahr reist Max Ernst nach München, besucht Paul Klee und sieht in einer Buchhandlung eine Publikation mit Werken von Giorgio de Chirico, die ihn sehr beeindrucken. Unter diesem Einfluss bringt Ernst seine erste Grafikmappe heraus: „Fiat modes-pereat ars“, die in Wien neben einer Reihe von Mischtechniken mit lautmalerischen Titel wie „chilisalpeterlein“ von 1920 und „Hypertrophe Trophäe“ von 1919/20 zu sehen ist. Ab 1919 widmet sich Max Ernst erstmals und fast ausschließlich der Collage. Er verwendet Ausschnitte aus Zeitungen, Illustrierten und wissenschaftlichen Publikationen und fügt sie zu fantastischen, neuen und intakten Bildkompositionen zusammen, die er mit Bildunterschriften voller Wortspielerei und Witz ergänzt.

Bereits drei Jahre später verlässt Max Ernst seine erste Frau und seinen zweijährigen Sohn und zieht von Köln nach Paris, wo er Anschluss an den Kreis der Surrealisten findet. Er wohnt bei Paul Éluard und dessen Frau Gala und schließt sich den Künstlern um André Breton an, die sich 1924 zur Gruppe der Surrealisten vereinen. In Paris beginnt Ernst Prinzipien der Collage auf seine Malerei zu übertragen. In Gemälden wie „Oedipus Rex“ von 1922 und „Ubu Imperator“ von 1923 experimentiert er mit irrationalen Zusammenstößen einander wesensfremder Dinge. Wichtige Werke von Max Ernst aus seiner frühen Pariser Zeit sind in der Albertina besonders zahlreich vertreten.

Von großem Einfluss auf sein Werk ist in jenen Jahren neben der Collage die Entdeckung der Frottage, eines Abreibverfahrens, zu dem Max Ernst durch die Maserung eines Holzbodens angeregt wird. Dieses halbautomatische Verfahren, das der Surrealist unter anderem in seiner „Histoire Naturelle“ anwendet, erscheint ihm besonders geeignet, um die spontane, zufällige Bildgestaltung mit einem kontrollierenden Eingriff zu verbinden.

Die Albertina-Schau folgt der Biografie von Max Ernst weiter nach New York, wohin er 1941 nach seiner Inhaftierung als „feindlicher Ausländer“ durch die französischen Behörden und später durch seine Verfolgung durch die Gestapo flieht. Sie folgt seinen Spuren nach Arizona, wo er sich nach seiner Trennung von Peggy Guggenheim mit der Malerin Dorothea Tanning niederlässt und verweilt bei den vielfältigen Techniken und Methoden, die Max Ernst nutzt, um den Zufall bei der Erfindung von Bildern immer wieder auf Neue einzubinden. Zu den in den USA entwickelten halbautomatischen Techniken zählen die Décalcomanie, bei der die Ölfarbe wie bei „Die faszinierende Zypresse“ von 1949 mithilfe einer glatten Fläche auf den Malgrund aufgepresst wird, und das Malen mit farbgefüllten, durchlöcherten und in Bewegung gesetzten Konservendosen wie bei „Der verwirrte Planet“ von 1942 – ein Verfahren, das später von Jackson Pollock aufgenommen und weiterentwickelt wird.

Erst 1953 kehrt Max Ernst mit Dorthea Tanning nach Frankreich zurück. Ein neuer Lebens- und Werkabschnitt beginnt. Im Paris der Nachkriegszeit wird Max Ernst nicht erwartet. Ganz im Gegenteil: Informel und Tachismus sind en vogue und der Surrealismus wird als zu literarisch abgelehnt. Internationale Anerkennung erlangt Max Ernst überraschend im darauffolgenden Jahr, als er 1954 auf der Biennale von Venedig den „Großen Preis für Malerei“ erhält. Sein langjähriger Weggefährte André Breton zeigt sich jedoch kritisch gegenüber diesem Publikumserfolg und reagiert mit Max Ernsts Ausschluss aus der Surrealistengruppe.

1955 verlässt Ernst wieder Paris und die „terribles simplificateurs“, wie er jene bezeichnet, die die abstrakte Kunst hochloben, und zieht auf ein Gehöft in Huismes im Tal der Loire. „Il fait beau et doux et calme ici“, schreibt er nach dem Umzug an Patrick Waldberg, der 1958 die erste Monografie über ihn veröffentlicht. In Huismes schließt Max Ernst mit den düsteren Dekalkomanien des amerikanischen Exils ab und wendet sich neuen Inhalten zu. Noch erscheinen die Erinnerungen an Landschaften, vor allem Arizona, Vogelgeister und Vogelgesichter, Blüten, Wälder und Sonnen. Eine großartige Hommage an die neue Wahlheimat gelingt Max Ernst 1962 mit „Der Garten Frankreichs“. Mit verspielten Materialcollagen wie „Sanctuarium“ von 1965 und „Das Mimosenfest“ von 1968 lässt er in den folgenden Jahren alte Techniken wieder aufleben.

Während seiner letzten Lebensjahre setzt seine er seine Ausdrucksmittel immer sparsamer ein. Meist begnügt er sich mit Andeutungen und richtet seinen Blick wie in „Geburt einer Galaxie“ von 1969, dem letzten Bild in der Ausstellung, in nicht fassbare kosmische Räume. Seinem Erfolg, der nach den Retrospektiven im Museum of Modern Art in New York und in der Londoner Tate Gallery 1962 einsetzte, stand Max Ernst bis zuletzt skeptisch gegenüber. „Eine einzige wilde Erdbeere“, bemerkte er, „sei ihm lieber als aller Lorbeer dieser Welt.“

Fazit: Die Retrospektive zu Max Ernst in Wien ist nicht allein eine großartige Ausstellung, sondern auch der Versuch, den angeschlagenen Ruf von Werner Spies zu rehabilitieren. Ohne den Kurator, so betonte Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der Eröffnung der Schau, wäre es nicht möglich gewesen, an derart viele bedeutende Leihgaben aus Privatbesitz zu gelangen. Im Falle von Max Ernst kommt der Vermittlerrolle eine besondere Bedeutung zu. Denn dessen Ruhm beruht auf einer überschaubaren Zahl von Werken, die immer wieder ausgestellt und abgebildet wurden, im Ganzen aber nur einen kleinen Teil des auf gut 4500 Arbeiten zu schätzenden Gesamtœuvres ausmachen. Das heißt: In Wien gibt es ist ungeheuer viel zu entdecken. Um jedoch manch weiteres wichtiges Werk aus Privatbesitz, wie „Oedipus Rex“ von 1922, „Die Natur im Morgenlied/Abendlied“ von 1938 oder „Der Hausengel/Der Triumph des Surrealismus“ von 1937 sehen zu können, wird man im Sommer nach Basel reisen müssen.

Die Ausstellung „Max Ernst. Retrospektive“ ist bis zum 5. Mai zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt regulär 11 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet in der Ausstellung 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



22.02.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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