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Psychogeografie eines Weltreisenden: Der Kunstverein in Hamburg versammelt in der Ausstellung „Blind Man’s Faith“ rund 30 Gemälde sowie zahlreiche Skizzenbücher des Bremer Malers Norbert Schwontkowski

Reisender in Sachen Weltschmerz



„Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“, so lautet der Refrain eines populären Seemannsliedes von Hans Albers. Mit auf die Reise in die ferne und weite Welt hinaus nimmt jetzt auch der Bremer Maler Norbert Schwontkowski, Jahrgang 1949, die Besucher seiner Einzelausstellung im Hamburger Kunstverein. Unter dem Titel „Blind Man’s Faith“ zeigt Schwontkowski rund 30 meist großformatige Gemälde aus der Zeit zwischen 1999 und 2013. Die meisten davon stammen aus Privatsammlungen zwischen Hamburg und der Schweiz, London und Amerika. Außerdem zu sehen ist ein anderer, keineswegs weniger interessanter Werkaspekt: In zwei großen Glasvitrinen präsentiert der vielgereiste Bremer mit Zweitwohnsitz in Berlin Skizzenblöcke aus der Zeit zwischen 1977 und 2013, in denen er die großen Leinwandarbeiten teilweise vorformuliert, aber auch zu einer ganz eigenen, teils humorvollen, teils melancholischen Bildsprache findet. Eingerichtet hat die konzentrierte Schau der Maler selbst. „Mir kam es darauf an, beim Hängen ein Zusammenspiel entstehen zu lassen, so dass die einzelnen Arbeiten miteinander korrespondieren können“, so Schwontkowski. Der Betrachter solle Freude und Gelassenheit erfahren, wenn er da durch flaniere.


Das atelierfrische Gemälde „Unser kosmisches Leben“ von 2013 zeigt eine locker und flächig komponierte, farbenfrohe Straßenszene irgendwo zwischen Manhattan und Metropolis, der Gegenwart und der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind die Leuchtschriften von Kinos, Bars, Cafés, Hotels und anderen Orten menschlicher Zusammenkünfte, Freizeitvergnügungen und Ausschweifungen. Schwontkowski, der auf vielen seiner Bilder auch mit sprachlicher Meisterschaft brilliert, hat hier ausschließlich Namen ausgewählt, die mit dem Weltall, dem Himmel, der Raumfahrt oder entsprechenden literarischen oder filmischen Adaptionen assoziiert werden können. Dicht an dicht buhlen da „Orion“, „Pulsar“, „Solaris“ und „Apollo“ um Aufmerksamkeit. Über allem thronen die Schriftzüge „Lux“ und „Heaven“, und direkt neben der „Venus Bar“ weist ein „Subway“-Schild mit Pfeil in den Untergrund. Ein modernes Sittenbild zwischen Sündenbabel und himmlischer Erlösung, göttlichem Licht und ewiger Verdammnis im Höllenschlund. Das ist großes Welttheater, allerdings ohne jegliche moralisierende Botschaft oder belehrende Attitüde.

Auf anderen Bildern wendet sich Norbert Schwontkowski auch den kleineren Erzählungen zu. Seiner malerischen Fantasie und dem virtuosen Spiel mit Realität, Unbewusstem und surrealem Erfindungsreichtum sind da keine Grenzen gesetzt. Da lässt er einen grübelnden Vincent van Gogh, allein in einem ultramodernen Speisewagen sitzend, im Interzonenzug fahren. Oder er nimmt die Bezeichnung der Kreuzberger „Oberbaumbrücke“ einfach mal ganz wörtlich und vergrößert sie zu einem gigantischen Viadukt voller Schwerlaster, das über eine arkadische Flusslandschaft mit weidenden Pferden hinwegführt. „Das Geheimnis eines guten Bildes ist, dass man einen scharfen Gedanken hat, also präzise malt, und trotzdem muss das Bild größtmögliche Elemente von Freiheit haben. Sonst funktioniert es nicht“, beschreibt Norbert Schwontkowski das richtige Mischungsverhältnis zwischen den Polen Realitätsverhaftung und Fantasie, die er wie kaum ein anderer zeitgenössischer deutscher Maler in ein schwingendes Gleichgewicht zu versetzen vermag.

Über ihre inhaltlich-erzählerischen Aspekte hinaus faszinieren Schwontkowskis Bilder aber auch aufgrund des unorthodoxen Malprozesses. Mit alchemistischer Experimentierfreude lässt der bevorzugt in Nass-in-Nass-Technik arbeitende Maler Ölfarbe und Kreide, Wasser und Pigmente, aber auch kunstferne Werkstoffe wie Metalloxyde auf der Leinwand miteinander reagieren. Unvorhersehbare Farbveränderungen und andere Überraschungseffekte sind nicht so nicht mehr kontrollierbar, aber durchaus gewollt. Melancholie und Weltschmerz, Selbstironie und Humor, Fernweh und die Sehnsucht nach zumindest geistiger Heimat in abendländischer Philosophie und Literatur charakterisieren das Werk dieses voller Neugier durch die Welt reisenden Künstlers. Erstmals nach der großen Einzelausstellung „Kino“ in der Kunsthalle Bremen 2004 kann Schwontkowskis Weltfantasie jetzt wieder in einer größeren institutionellen Ausstellung besichtigt werden.

Die Ausstellung „Norbert Schwontkowski – Blind Man’s Faith“ ist bis zum 14. April zu sehen. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr sowie an Karfreitag und Ostermontag geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Für Mitglieder, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der Katalog ist im Snoeck Verlag erschienen und kostet 27 Euro.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



14.02.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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 Schwontkowski, 2013
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Norbert Schwontkowski







Norbert Schwontkowski, 2013

Norbert Schwontkowski, 2013




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