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Eine prachtvolle Gemäldeschau zu Peter Paul Rubens im Wuppertaler Von der Heydt-Museum beleuchtet Verbindungen zu geschichtlichen Vorgängen

Verschmelzung von Kunst und Politik



Peter Paul Rubens, Abraham und Melchisedek, um 1615/18

Peter Paul Rubens, Abraham und Melchisedek, um 1615/18

Politische Wirren können Lebensläufe gewaltig in Unordnung bringen. So erging es auch dem großen flämischen Barockmaler Peter Paul Rubens. Wegen des protestantischen Glaubens musste sein Vater Jan Rubens, ein angesehener Antwerpener Jurist und Schöffe, seine Heimatstadt verlassen. Samt Familie floh er 1568 ins rheinische Köln. Familiären Umständen geschuldet war ein von 1573 bis 1578 andauernder Aufenthalt in der nassauischen Hauptstadt Siegen, wo am 28. Juni 1577 sein Sohn Peter Paul das Licht der Welt erblickte. Zurück in Köln, trat die Familie Rubens um 1582 der Zukunftssicherung wegen zum katholischen Glauben über. In Köln wuchs Peter Paul bis zu seinem elften Lebensjahr auf und zog dann nach dem Tod des Vaters im Frühjahr 1589 mit Mutter und Geschwistern wieder nach Antwerpen. Es ist die Zeitspanne der unheilvollen Glaubensspaltung, die den Maler zeitlebens prägen sollte.


In den zu Spanien gehörenden Vereinigten Niederlanden führte die dezidiert katholische Religionspolitik der spanischen Herrscher zu massiven Aufständen. In dessen Folge teilte sich das Land in einen protestantischen Norden, die heutigen Niederlande, und einen katholischen Süden, das heutige Belgien. Erbitterte religiöse und politische Konflikte um eine Wiedervereinigung bestimmten lange das Leben der Menschen. Kriegsmüde nach 80 Jahren erzürnter Auseinandersetzungen kam es 1609 zu einem befristeten Waffenstillstand. Schon 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Dessen Ende, den für Europa wichtigen Westfälischen Frieden am 30. Januar 1648 in Münster, sollte Rubens nicht mehr erleben. Nach Jahren immer schwererer Gichtanfälle und Lähmungserscheinungen verstarb er am 30. Mai 1640 in seinem Antwerpener Haus.

Mit 40 eigenhändigen Werken Rubens’ stellt das Von der Heydt-Museum in Wuppertal nun das Schaffen des großen Antwerpener Meister vor dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklungen seiner Zeit dar. Die Ausstellung bietet zudem 60 Arbeiten aus seiner Werkstatt sowie rund 20 von anderen Zeitgenossen. In Rubens’ Atelier bewerkstelligte eine Schar von bis zu einhundert Assistenten und Schülern oft die detaillierten Ausarbeitungen der Motive, um die sich der Meister selbst nicht kümmerte. Er gab die groben Züge vor und befasste sich dann wieder mit der Schlussretusche. Teilweise wurden auch Bilder quasi außer Haus zu renommierten Kollegen zwecks Anfertigung von Details vergeben.

Rubens’ gesamtes Leben war geprägt von einem Zustand permanenten Krieges. Doch verstand er es, Positives daraus zu entwickeln. Schon bald nach seiner humanistischen Schulbildung wandte er sich der Malerei zu. Ab 1591 lernte er beim Landschaftsmaler Tobias Verhaecht; dann absolvierte er eine zweijährige Lehrzeit beim Historienmaler Adam van Noort, der sich eine vierjährige Schulung beim Historienmaler Otto van Veen in Antwerpen anschloss. Zwei weitere Jahre als „Feimeister“ folgten. Am 9. Mai 1600 verließ er seine Heimat für Studien- und Wanderjahre in Richtung Italien. Erst 1608 kehrte er wegen der Erkrankung seiner Mutter nach Antwerpen zurück, auch motiviert durch Friedensverhandlungen und der Waffenruhe zwischen den nördlichen und südlichen Niederlanden.

Schon im Folgejahr erhielt er von seiner Heimatstadt einen ersten Auftrag zu Ausmalungen für den Ständesaal des Rathauses. Nun ging es Schlag auf Schlag: Das Stadthalter- und Erzherzogspaar Albrecht und Isabella von Spanien ernannte Peter Paul Rubens zum Hofmaler bei Befreiung von der Brüsseler Residenzpflicht. Der Künstler baute sich daraufhin an vornehmer Stelle der Stadt Antwerpen ein prächtiges Wohnhaus samt großer Werkstatt. Professionelle, arbeitsteilige Organisation zeichnete sein leistungsstarkes Atelier aus. Aus drei Bereichen rekrutierten sich die Auftraggeber. Für die großen europäischen Königshäuser und den Hochadel entstanden in engen Zusammenhang mit Rubens’ Diplomatie für einen Frieden umfangreiche Gemäldezyklen. Deren bekanntester dürfte der Medici-Zyklus im Pariser Louvre sein. Ferner realisierte er im Londoner Banqueting House die Bilder der Deckenfüllungen, die in Wuppertal als hinterleuchtete Kopie zu sehen sind. Hinzu kommen Entwürfe für das Schloss Torre de la Parada und weitere Projekte in England und Spanien.

Auch das wohlhabende Bürgertum Antwerpens bedachte ihn mit Aufträgen. Hier standen profane Themen wie die Wildschweinjagd und Bilder mythologischen und religiösen Inhalts im Vordergrund. Daneben war die katholische Kirche der größte Auftraggeber Rubens’, wenn der hoch gebildete, sechs Sprachen fließend beherrschende Künstler nicht gerade für diplomatische Aktivitäten in Anspruch genommen wurde. Rubens wurde zum unermüdlichen Schilderer der Triumphe der katholischen Kirche in einer Zeit unheilvoller Glaubensspaltung. Seine Intention bestand in der Hinwirkung auf friedliche Koexistenz beider Konfessionen. Auch vor dem Hintergrund seines eigenen Familienschicksals äußerte er sich bildlich keineswegs als blindwütiger Verfechter katholischer Lehren. Maß und Ordnung, Bemühen um optisches Gleichgewicht, Überwindung manieristischer Überlängen und Verstreckungen und damit die Rückkehr zur klassischen Antike bestimmen seine Werke.

Acht an Rubens’ Biografie orientierte Blöcke gliedern die Zusammenstellung der Exponate in Wuppertal. Rubens’ Ende 1610 bezogenes Antwerpener Stadtdomizil, ein Ensemble aus Wohn-, Repräsentations- und Arbeitsräumen, war ein mit Gemälden und Skulpturen ausgestattetes, der italienischen Renaissance verpflichtetes, vornehmes Anwesen mit markanten Portikus und einem dem Pantheon nachempfundenen Kunstkabinett. Stiche und Gemälde dokumentieren das ursprüngliche Aussehen. Bildnisse seines bis 1608 währenden Italienaufenthaltes schließen sich an, denen im Dienste des Brüsseler Hofes entstandene Porträts und Kirchenausstattungen folgen.

Opulent mit Exponaten bedacht, gibt sich das vierte, „Rubens und die Kirche“ überschriebene Kapitel. Die katholische Reformbewegung vergab aufgrund etlicher Neubauten und -ausstattungen zahlreiche Aufträge für Altarbilder. Klar aufgebaut und in anschaulicher Weise sollten sie nun die Gläubigen zur Frömmigkeit bewegen. Gefühlsvolle Ausformulierung und Konzentration auf das Wesentliche war angesagt. Highlight in diesem Abschnitt ist das um 1615/18 gemalte, zu den farblich wie vom Arrangement her großartigsten Gemälden der Ausstellung zählende Werk „Abraham und Melchisedek“, eine schon im Mittelalter beliebte Szene aus dem Alten Testament. Thema ist die Überbringung von Brot und Wein als Vorausdeutung des Abendmahls und der Eucharistiefeier.

Die Rolle des Adels und der Bürgerschaft bei Auftragsvergaben wird anschließend am Beispiel einer vortrefflichen Werkauswahl verdeutlicht, darunter das um 1616 entstandene, heute in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beheimatete Gemälde „Dianas Heimkehr von der Jagd“. Drei begehrlich dreinschauende Satyrn warten in der linken Hälfte mit Obst, während rechts Diana samt Gefährtinnen und Jagdbeute mit einem trennenden Speer die Grenzen markiert. Nach Gemäldezyklen für den französischen Hof stehen in Zusammenhang mit Friedensmissionen in London entstandene Werke sowie abschließend Auftragsarbeiten für den spanischen König Philipp IV. aus den späten Schaffensjahren im Fokus.

Die konzentrierte Auswahl des Von der Heydt-Museums ermöglicht tiefe Einblicke in Leben und politische Ambitionen des Malers. Kein weiterer Künstler vor oder nach ihm wirkte mit seiner Kunst so direkt auf politische Prozesse seiner Epoche ein, in keinem anderen Œuvre kumulieren sich Kunst und Politik so unmittelbar wie bei Rubens. Die spannende und innovative Schau in Wuppertal zeigt bewegend, wie Botschaften einprägsam in Bildern vermittelt werden können und damit die Brisanz einer Epoche reflektieren.

Die Ausstellung „Peter Paul Rubens“ ist bis zum 28. Februar zu besichtigen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 Uhr bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr, samstags und sonntags ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 25 Euro kostet, ein eigens produzierter Film auf DVD 15 Euro.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

www.rubens-ausstellung.de



02.02.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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