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Zum ersten Mal ist in einem Museum Hiroshi Sugimotos Fotoserie „Revolution“ zu sehen. Im Prinzip bleibt der japanisch-amerikanische Fotograf seinem Konzept der grau-schwarzen Abstraktion treu. Im Museum Brandhorst in München hat er allerdings die Koordinaten verschoben

Der vertikale Horizont



Meister der Grautöne, Erfinder des fotografischen Minimalismus, Apologet einer Klarheit der Leere – mit all diesen Synonymen hat man Hiroshi Sugimoto und seiner Kunst einen Namen geben wollen. Ganz gleich welchem Titel man letztlich den Vorzug gibt, Sugimoto steht in der ersten Reihe der zeitgenössischen Fotografie. Seine Bilder sind von einer beruhigenden Schönheit, ihr Abstraktionsgrad ist hoch und ihre philosophische Dimension tief. Seit mehr als 30 Jahren fotografiert der 1948 in Tokio geborene Japaner mit Wohnsitz in New York das Meer. Zu allen Jahreszeiten und zu allen Tageszeiten. Nicht dass es sein einziges Sujet ist, aber die „Seascapes“ machten ihn berühmt und beschäftigen ihn bis heute. 2011 und 2012 hat er eine Folge von 15 nächtlichen Seebildern, die bereits in den 1990er Jahren aufgenommen wurden, vergrößert und sie unter dem stürmischen Titel „Revolution“ zusammengefasst. Diese neue Serie präsentiert das Museum Brandhorst in München nun erstmals der Öffentlichkeit.


Hier hat Sugimoto am starren System von Oben und Unten, von Himmel und Erde gerüttelt. Der große Fotokünstler, der bislang auf seinen Seebildern und auch in anderen Folgen mit einem mehr oder weniger sichtbaren Horizont dem Betrachter den Standpunkt vorgibt und das Auge und die Sinne hinter eine Linie führt, wo die Unendlichkeit beginnt, hat diese imaginäre Grenze, die in Wirklichkeit ja nicht mehr ist als eine optische Täuschung, verschwinden lassen. Diese Querlinie, die schnurgerade das Bild strukturiert, scheint dem international gefeierten Fotografen keine neuen Antworten mehr zu geben. Hiroshi Sugimoto drehte seine Seascape-Bilder kurzerhand um 90 Grad in Uhrzeigerrichtung. Der Horizont verläuft jetzt vertikal.

Doch so schnell lässt sich die Kunst nicht revolutionieren, auch wenn Sugimoto mit dieser Serie neue Ufer erreichen möchte. Es bleibt ein Experiment, ein Spiel, ein Zauberstück. Er hat ausgetestet, welche ästhetischen Potenzen in seinen Abstraktionen liegen, wenn die Koordinaten verschoben werden. Man kann das Konzeptkunst nennen, und Armin Zweite, Direktor des Museums Brandhorst, findet im Katalogvorwort denn auch die passenden, respektvollen Worte: „Ohne die materielle Substanz oder das motivische Ensemble zu verändern, werden naheliegende Bedeutungen ausgeblendet bzw. um ihre Evidenz gebracht. An ihre Stelle tritt gleichsam eine abstrakte Konfiguration von großer Eigenständigkeit.“

Vor allem einen Eindruck kann man nicht unterdrücken. Es scheint, als wolle Hiroshi Sugimoto mit der Neuausrichtung jeden Rest an Gegenständlichkeit und Abbildhaftem in diesen Fotografien verbannen. Die Unergründlichkeit wirkt jetzt malerisch, der Abstraktionsgehalt ist durch das Ausblenden jeglicher illusionistischer Assoziationen noch um weiteres Moment gestiegen. Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ oder die schwarzen Bilder von Ad Reinhardt kommen einem in den Sinn. Wenn Reinhardt als Urgestein der abstrakten Malerei behauptet, dass das einzige Anliegen abstrakter Kunst darin bestehe, die „Kunst als Kunst und als sonst nichts zu präsentieren“, dann ist der Fotograf Sugimoto mit „Revolution“ dem Maler so nahe wie nie zuvor, aber auch wieder an einen Punkt angekommen, den die Fotografie des frühen 20sten Jahrhunderts mit Mühe überwand – nämlich die Nachahmung der Malerei.

Aber bringt die Negation eines vorherigen Konzeptes immer auch neue Kunst hervor? Sugimotos „Revolution“-Schau ist auch Zündstoff für die schwelende Debatte, dass sich die zeitgenössische Kunst direkt und indirekt gern um sich selbst dreht, zumal „Revolution“ auch von der Beliebigkeit des Bildes und der Kunst erzählt. Denn an Suggestivität und an der konzentrierten Schönheit haben die gekippten Seebilder gar nicht so viel verloren. Doch was verloren gegangen ist, ist die Kodierung der legendären „Seascapes“, die Abbild und Abstraktion auf eine Ebene heben. Wie einst Caspar David Friedrich mit seinem auf Unverständnis gestoßenen Gemälde „Mönch am Meer“, so reflektierte ursprünglich auch Sugimoto in seinen staffagebefreiten, auf jedes narrative Element verzichtenden Meeresbildern über die ins Uferlose reichenden Fragen des Daseins: Über Werden und Vergehen, über Imagination und Realität. Das Romantische der horizontalen Nachtbilder hat sich nun aufgelöst. An ihre Stelle tritt, so Armin Zweite, „die Präsenz des Ästhetischen, die Sugimoto mit den neuen Werken nachdrücklich zur Erscheinung bringt“.

Die Ausstellung „Hiroshi Sugimoto. Revolution“ ist bis zum 10. Februar zu sehen. Das Museum Brandhorst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro und sonntags 1 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der Katalog mit Texten von Hiroshi Sugimoto und Armin Zweite ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 48 Euro.

Kontakt:

Museum Brandhorst

Theresienstraße 35 a

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 238 05 13 25

Telefax:+49 (089) 238 05 13 04



16.01.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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