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Die Duisburger Küppersmühle zeigt eine Retrospektive des deutschen Informel-Gründers Bernard Schultze

Gegenwelten aus dämonischen Seelenlandschaften



Leuchtend bizarre Gespinste durchzucken die Ausstellungsetage der Duisburger Küppersmühle. Zu sehen sind Bilder mit einer signifikant sonderbaren, daher unverwechselbaren und von hohem Wiedererkennungswert geprägten Bildsprache. Sie zeichnet sich durch groteske Kontraste, Schichtungen, Verwebungen und Zersplitterungen aus, hervorgerufen durch einen Dschungel aus Farbströmen mit wechselnden Tönungen. Man sieht sich verstummten Psychopanoramen gegenüber. Ihr Schöpfer Bernard Schultze, dessen Werkschaffen sich die rund 70 Exponate umfassende Retrospektive widmet, gehört zu den prägenden Gestalten deutscher Nachkriegskunst.


Zur Welt kam Schultze 1915 im westpreußischen Schneidemühl, dem heutigen Pila. 1921 zieht er mit der Familie nach Berlin, wo er nach dem Abitur 1934 mit dem Studium an der Hochschule für Kunsterziehung beginnt, das er an der Kunstakademie Düsseldorf fortsetzt. Bei einem Bombenangriff auf Berlin 1944 wird sein Frühwerk vernichtet. Nach Flüchtlingsjahren in Flensburg lebt er von 1947 bis zu seinem Umzug nach Köln 1968 in Frankfurt am Main. Hier verbringt Bernard Schultze seine wichtigsten Lebensjahre, mit denen die chronologische Schau einsetzt. „Sonja“, gemalt 1945/46, zeigt eine Stadt im Feuersturm, aus der sich ähnlich einem Phönix ein nackter Frauenleib als Sinnbild der Hoffnung auf eine bessere Zeit erhebt.

Vielerlei Anleihen an diverse Richtungen und Künstler wie Pablo Picasso oder Willi Baumeister prägen Schultzes Schaffen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Deutlich wird insbesondere seine Orientierung an Vincent van Gogh, Oskar Kokoschka, ausdrücklich aber auch an James Ensor, dessen surreal-traumhafte Bildsprache sich immer stärker herausfiltert. Rasch malt Schultze nur noch abstrakt; Seine Fleckenmalerei wird als avantgardistischer Schock empfunden. Als ein Kritiker im Dezember 1952 eine Ausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie als „Sturmritt einer Quadriga Malbesessener“ bezeichnet, sind die vier ausstellenden Künstler Karl Otto Götz, Heinz Kreutz, Otto Greis und eben Bernard Schultze als Gründer der Künstler- und Ausstellungsgemeinschaft „Quadriga“ schlagartig im Bewusstsein der Kunstöffentlichkeit. Es ist die erste avantgardistische Künstlergruppe im Nachkriegsdeutschland überhaupt, die in ihren Werken zudem den internationalen Anschluss an Actionpainting und Tachismus sucht. Seitdem gilt Schultze als Mitbegründer des deutschen Informel.

Seine Bilder sind Erzählungen in der Form rätselhafter Strukturen, die zumindest über den Bildtitel Assoziationen vermitteln. Um 1956 fügen sich reliefartige Einarbeitungen in die Bildlandschaften. Überlappende Verdichtungen fließender Farbströme beherrschen die labyrinthartigen Bildräume. Langsam brechen hügelige Oberflächen auf, Fühler und Beulen erwachsen aus ihr, Organisches hängt herab, Stoffe und andere Materialien werden angeklebt. Filigrane Gewächse zeichnen seine Reliefbilder um 1956 aus, beginnend mit so genannten „Zungen-Collagen“, deren Efeublättern analoge Strukturen in die dritte Dimension vorstoßen.

1961 kreiert Bernard Schultze sein erstes vollplastisches Objekt. Die so genannten „Migofs“ sind fantastisch anmutende Gebilde, Geschöpfe zwischen Pflanze, Tier und Mensch, blühende Kadaver, Zwitterwesen, Kreaturen zwischen Wachsen und Verwesen, zwischen Lebendigem und Künstlichem. Diese beunruhigenden, schockierenden Objekte sind Schwellenexistenzen fantastischer Gegenwelten. Bei seiner nach 1959 zweiten Teilnahme an der Documenta im Jahr 1964 sorgt Schultze mit einer mehrteiligen Installation und seinen dem Surrealismus nahen Ausdrucksformen für großes Aufsehen. Es wird einer der Höhepunkte der Kasseler Schau.

Mit dem Ortswechsel nach Köln 1968 folgen farblose Hell-Dunkel-Malereien, schwarz-weiß-graue Grisaille-Bilder, die den Grenzbereich zwischen Zeichnerischem und Malerischem ausloten, innerbildliche Räume erschließen und erobern. In den 1980er Jahren ist Schultzes intensivste Schaffenszeit festzustellen. Lichtdurchflutete, riesige Gemälde prägen die Zeit. Das größte von ihm je gemalte Bild, „E.T.A. Hoffmanns Eskapaden“ aus dem Jahr 1988, ist das zentrale Werk in der Küppersmühle, zwei Meter hoch und fast acht Meter lang. An barocke Malerei erinnernd, unbewussten Läufen der Farben und Pinsel folgend, dabei aber auch kontrollierend und taktisch planend tätig, erschafft Schultze Bildwelten ohne ein Zentrum, in denen die Blicke des Betrachters schwerelos wandeln. In den 1990er Jahren bricht die bislang geschlossene, flächendeckende Malerei auf. Offene, scheinbar unvollendete Farbinseln sind zu beobachten; zerrissene Liniengeflechte, Kritzeleien und netzartige Strukturen treten in den Vordergrund. In seinen letzten Schaffensjahren – Schultze stirbt am 14. April 2005 in Köln im Alter von 89 Jahren – kehrt er dann zu kleineren Formaten und zur Zeichnung zurück.

Der Besucher wandelt durch ein differenziertes, dabei stringent fortentwickeltes Œuvre aus unterschiedlichen Werkgruppen, dessen Hang zum Erzählerischen und Widersprüchlichen in jeder Phase deutlich wird. Tanz und Tod, Schönheit und Vergänglichkeit vereinend, fliegende wilde Vögel oder Hexengesichter suggerierend, baut das gesamte Werkschaffen Schultzes auf den traumatischen Soldatenerlebnissen des Künstlers auf. Hinzu kommt das Vibrieren zwischen Absicht und Kontrolle, Spontaneität und gezieltem Eingreifen und bewussten Fließenlassen. Es sind Werke, die so viel Zufall wie möglich und absichtliche Eingriffe wie nötig offenbaren. Es sind tiefe Ausflüge in die Seelenlandschaften eines Zeitgenossen, wuchernde, ungehemmt ausbrechende innere Monologe.

Die Ausstellung „Bernard Schultze. Gegenwelten“ ist noch bis zum 20. Januar zu sehen. Das Museum Küppersmühle hat mittwochs von 14 bis 18 Uhr, donnerstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29,80 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Küppersmühle

Philosophenweg 55

DE-47051 Duisburg

Telefax:+49 (0203) 30 19 48 21

Telefon:+49 (0203) 30 19 48 11

E-Mail: office@museum-kueppersmuehle.de



03.01.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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