Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 22.10.2019 Sonderauktion: Sammlung Rudolf Neumeister

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Emil Schumacher wird 100. Das ist Anlass für das Emil Schumacher Museum in Hagen, den Künstler und seinen internationalen Rang zu würdigen

Malerei ist gesteigertes Leben



Zum hundertsten Geburtstag eines Künstlers gibt es üblicherweise eine große Retrospektive. Doch das Emil Schumacher Museum in Hagen hat sich für einen anderen Weg entschieden. Zum Jubeljahr zeigt das im August 2009 eröffnete Haus die Ausstellung „Malerei ist gesteigertes Leben“ und würdigt darin den internationalen Rang des berühmten Ehrenbürgers der Ruhrgebietsstadt. Mit großem Aufwand um die Suche nach den geeigneten Kunstwerken ist es dem wissenschaftlichen Leiter des Museums Rouven Lotz, Ulrich Schumacher, dem Sohn des Künstlers, Stifter und Vorsitzenden der Emil Schumacher Stiftung, und dem Gastkurator Erich Franz gelungen, eine Ausstellung zu arrangieren, die das Verbindende in Schumachers Werk zu internationalen Strömungen der 1930er bis 1990er Jahre, aber auch dessen Einzigartigkeit herausstellt. Die Schau vermeidet Kausalitäten, sondern stellt die Bilder nebeneinander und gegenüber. Im Zusammenhang mit internationalen Namen wie Jean Dubuffet, Willem de Kooning und Robert Motherwell wird die Qualität Emil Schumachers deutlich. Schließlich war der Hagener der erste deutsche Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg, der in den 1950er Jahren seinen weltweiten Durchbruch feiern konnte und bei einer New Yorker Galerie unter Vertrag genommen wurde.


Am Anfang seines künstlerischen Schaffens steht das Ringen um den eigenen Stil, um die individuellen Ausdrucksmittel und die Auseinandersetzung mit den Vorgängern. Emil Schumacher wächst als Sohn eines Schlossers in der Industriestadt Hagen mit den Geschichten um den großen Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus auf. So lernt er auch Christian Rohlfs kennen, dessen Werke im ersten Raum der Ausstellung unter der Überschrift „Aufbrechen des Expressionismus 1935 bis 1950“ neben den eigenen präsentiert werden. Wie Rohlfs bei dem Holzschnitt „Bergpredigt“ von 1916 gräbt auch der junge Schumacher tiefe Furchen in die Druckplatte. Diese großen negativen Flächen bilden auf dem Papier des Linolschnitts „Die Vielen“ von 1935 den weißen bewegungslosen Hintergrund des Himmels und sind als Zwischenräume zugleich formgebendes Element für die unruhigen Figuren.

Schumachers „Blühender Magnolien-Zweig“ von 1947 zeugt zwar ebenfalls von Inspiration durch Rohlfs, doch ist er mit seinen Formen weiter in Richtung Abstraktion gegangen. Was sich später als typisch für den Künstler herausstellen sollte, erkennt der Betrachter schon in der „Flusslandschaft“ von 1947. Zwar lässt sich Schumacher durch die Umrandungen der 1910 von Emil Nolde gemalten „Windmühlen“ anregen, doch sind seine Linien nicht mehr cloisonnéartig dem Objekt als Fassung verpflichtet. Indem das Weiß über die Umrandung der Wolkenformation hinausspielt, lässt sich schon die Wichtigkeit der Materialität der Farbe erkennen, die für das spätere Werk bestimmend wird.

Inspiration aus der französischen Moderne erreicht Schumacher zunächst indirekt über die berühmte Zeitschrift Cahiers d’Art und erst spät durch eigene Anschauung. So kann Schumacher, dessen Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Dortmund 1932 bis 1935 von der Naziherrschaft unterbrochen wurde, erst 1948 in Düsseldorf Werke von Henri Matisse im Original bewundern. In seinem „Strandbild“ von 1950 tauchen jetzt Kompositionsprinzipien des Franzosen auf. Darauf sind zwar noch der Vorder-, Mittel- und Hintergrund zu erkennen, doch einige Elemente haben sich von ihrer objekthaften Darstellung entfernt. Hier treten jetzt freie Linien, offene Farbflächen, zackige Pinselstriche und strukturierende Einritzungen in den Farbschichten auf. Der aufmerksame Besucher wird die einer Sandburg ähnlichen Bögen am Ende der Ausstellung wiederentdecken.

Der zweite Raum der Schau steht im Zeichen der „Überwindung der Form – Informel“. Als Mitglied der 1947 gegründeten Künstlergruppe „Junger Westen“ hat Emil Schumacher die Möglichkeit zum regen Austausch mit seinen Kollegen. Wieder geht es hier um die Linie, die allerdings nicht mehr als Umrandung von objekthaften Elementen dient, sondern zum Bildgegenstand selbst wird. Besonders präsent trägt Pierre Soulages, ein Freund Schumachers aus Frankreich, die schwarzen Linienbalken schwer auf die Leinwand seiner „Peinture 92 x 65,5“ von 1952 auf. Tritt der Besucher ganz nah an das Bild, erkennt er die einzelnen Borsten des Pinsels und die Stellen, an denen der Maler den Quast von der Leinwand abgehoben hat. Hier hebt sich die Farbe vom Grund, und die Streifen erhalten dadurch eine Bewegungsrichtung. Auch Fritz Winter gibt der schwarzen Linie in „Unruhe zwischen Schwarz“ von 1953 eine Richtung. Emil Schumacher dagegen lässt seine Linien in „Lavaloh“ von 1955 in wilde auseinander gehende Richtungen streben. Über diese dunklen Bahnen legt er einen beunruhigenden roten Farbwirbel, der das Bild belebt und die Zielstrebigkeit der schwarzen Linien unterbricht.

Dann sind da noch die quirligen Bilder von Alfred Otto Wolfgang Schulze, besser bekannt unter dem Künstlernamen Wols. In freien schnellen Gesten wirft er auf seinem titellosen Gemälde von 1946/47 seine zerfaserten und verletzten Formen auf den Malgrund. Dabei lassen sich die Pinselbewegungen nachvollziehen, die Striche, Kringel und Farbflächen haben noch eine Richtung und Dynamik. Ganz anders malt Schumacher seine Werke. Bei seiner Mischtechnik „Für Berlin“ von 1957 steht – wie später so typisch für Schumacher – der Farbauftrag in vielen unterschiedlichen pastosen und bröckeligen Schichten im Fokus der Betrachtung. Die Striche, Kreise, Punkte und Flächen wirken primär in ihrer Materialität und ihrer gegenseitigen Durchdringung.

Dann verwundert es auch nicht, wenn „Malerei und Materie“ eine eigene Sektion gewidmet sind. Im Juli 1956 geht Emil Schumacher den radikalen Schritt zu seinen Tastobjekten. Zwar dürfen die Besucher diese Objekte nicht betasten, doch der haptische Eindruck und die Dreidimensionalität lassen sich auch mit bloßem Auge erfassen. Bei seinem „Tastobjekt 16/1957“ malt Schumacher in Öl auf einer Weichfaserplatte; doch der Farbauftrag war ihm hier nicht genug. Er drückt rundliche Löcher in die Platte und tut dadurch klaffende Gruben im Malgrund auf. Damit durchformt er den gesamten Bildträger und schafft eine Zwischendimension von Bild, Raum und Körper. In seinem „Tastobjekt 17/1957“ integriert er Nägel, die nichts mit Malerei zu tun haben, in sein Bild und erweitert es damit zum Relief. Das erinnert an Günther Ueckers „Nagelbaum“ von 1962, der ein Stadium zwischen offenem Raum und geschlossenem Objekt bildet.

Mit von der Partie ist auch Lucio Fontana, der sich ebenfalls mit der räumlichen Durchdringung der Bildfläche beschäftigt. Bei seinem „Concetto spaziale 51 B 11“ setzt der Italiener rhythmische Perforierungen auf die ungrundierte Leinwand. Bei Schumacher entstehen solche Bilder mir durchbohrtem Bildgrund auch manchmal zufällig. So hat ihm sein New Yorker Galerist Samuel Kootz nahe gelegt, ein Material zu finden, das sich bei dem feuchten Klima der Metropole nicht verzieht. So stieß der Hagener irgendwann auf einen Werkstoff, wie er für Türen verwendet wird: zwei dünne Holzplatten, die durch Verstrebungen miteinander verleimt sind, allerdings auch viele Hohlräume ausbilden. Was Schumacher damit anstellt, erfährt der Besucher bei „Bing“ von 1966. Er zerhaut die Oberfläche und kokelt Löcher hinein, die dann schwarz wie dunkle Augen aus dem gelben Hintergrund herausschauen.

Warum diese Ausstellung nach dem Ausspruch des Künstlers von 1960 benannt ist, wird beim Betreten der zweiten Etage klar. Denn die Kunstwerke kommen in ihrer Direktheit und visuellen Wucht auf den Betrachter zu, ohne abgeschlossene Kompositionen mit eigenem Tiefenraum zu sein. Die Bandbreite an Gefühlen im Leben und beim Malen lässt sich körperlich nachempfinden. Wer vor den Bildern steht, weiß, was Emil Schumacher mit „Malerei ist gesteigertes Leben“ meint. Er sprengt die formalen Grenzen und drückt sich selbst in einer farblich und materiell überwältigenden Malweise aus. Dazu gesellt das Museum Arbeiten von Jean Dubuffet. Sowohl bei dem Franzosen als auch bei Schumacher erinnert der Aufbau des Bildes noch an eine Landschaft mit Land- und Himmelszone. Dubuffet setzt bei „Paysage d’arain“ von 1952 dicke Farbschichten aufeinander, so dass Farbwülste entstehen. Deren Erhebungen bemalt er hell und umrandet sie mit schwarzen Linien. Dadurch entsteht eine unruhige und zergliederte Struktur.

Auch bei Schumachers „Barbaros I“ von 1958/59 nimmt ein breiter brauner Streifen den größten Teil des Bildes ein. Pastos und auf unterschiedliche Weise trägt Schumacher die Farben auf, kratzt Partien und ganze Farblappen weg und übermalt sie wieder. Auch die übrigen Bilder in der zweiten Etage des Museums sind gewaltige Großformate. Als erster Deutscher widmet sich Schumacher diesem „all over“, dem körperüberschreitenden, nicht an die Grenzen des Malgrundes gebundenen Format, wie es in Amerika Jackson Pollock verwendete.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird dem aufmerksamen Besucher der „Weiße Bogen“ von 1969 und „B-3/1969“ auffallen. Der Bogen als umfassende, aber auch trennende Linie scheidet das Innere vom Äußeren. Schumacher vermag, ihn in einer großen, umspannenden Armbewegung, einem langen Atemzug gleich, auf die Leinwand bringen. Im Gegensatz zu Antoni Tàpies’ „Grauer Tür auf schwarzem Grund“ von 1961 kommt es Schumacher nicht auf die Bildsujet an. Denn bei Tàpies gibt schon der Titel eine Interpretation des Bogens als Tür vor. Bei Schumacher zählen allein die Materialität der Farbe und die Form des Bogens fernab jedweder festgelegten Bedeutung. Deswegen gibt Schumacher seinen Bildern auch Fantasienamen wie „Temun“ oder „Styrax“, die allein mit ihrer Monumentalität in Format und Kolorit wirken.

Und am Ende ist die Ausstellung doch irgendwie eine Retrospektive, aber keine, die die Werke des Künstlers in chronologisch monotoner Folge aneinanderreiht. Sie zeigt stattdessen erfrischend und vielfältig den Rang des Hagener Künstlers im internationalen Kontext und damit auch einen kleinen, aber feinen Überblick über wichtige Strömungen der Kunst im 20sten Jahrhundert.

Die Ausstellung „Malerei ist gesteigertes Leben – Emil Schumacher im internationalen Kontext“ läuft noch bis zum 20. Januar 2013. Das Emil Schumacher Museum hat dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 13 bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein 160seitiger Katalog für 29,90 Euro erschienen.

Kontakt:

Emil Schumacher Museum Hagen

Museumsplatz 1

DE-58095 Hagen

Telefon:+49 (02331) 3060 066

Telefax:+49 (02331) 3060 240

E-Mail: info@esmh.de



02.01.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


29.08.2012, „Malerei ist gesteigertes Leben“ - Emil Schumacher im internationalen Kontext

Bei:


Emil Schumacher Museum Hagen

Bericht:


Schwarze Gouachen Emil Schumachers in Hagen

Bericht:


Emil Schumacher und Norbert Kricke in Hagen

Bericht:


Malerei als Ereignis

Bericht:


K.R.H. Sonderborg in Hagen

Künstler:


Emil Schumacher










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce