Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Nicht nur für Bibliophile: Die Hypo-Kunsthalle in München zeigt sensationelle Schätze der Buchmalerei von 780 bis 1180. Die weltweit einmaligen Codices aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek wird man in den nächsten hundert Jahren wohl nicht mehr zu sehen bekommen

Mit goldener Tinte auf purpurnem Grund



Sakramentar Heinrichs II. – Kaiser Heinrich II. thronend, Regensburg, bald nach 1002?

Sakramentar Heinrichs II. – Kaiser Heinrich II. thronend, Regensburg, bald nach 1002?

Wahrscheinlich gäbe es heute keine zeitgenössischen bildlichen Überlieferungen über die Krönung Heinrichs II. zum König des ostfränkischen Reiches im Jahre 1002, wäre nicht kurz darauf das Sakramentar dieses ottonischen Herrschers entstanden. Diese tausend Jahre alte Gebetssammlung, deren Entstehung man im Regensburger Kloster St. Emmeram vermutet, enthält ein mit reichlich Personage und Ornament ausgestattetes Thronbild und ein gleichermaßen edel ausgestattetes Krönungsbild. Auf einem sitzt Heinrich auf einem mächtigen Thron inmitten einer byzantinisch anmutenden Säulenarchitektur, dünnbärtig und mit gewaltiger Krone, umgeben von Untergebenen, die ihm Gaben reichen. Auf dem anderen tritt er mit erhobenen Händen vor den Thron Gottes, von Heiligen und Engeln die Reichslanze und ein Schwert empfangend, vom Höchsten selbst die Krone. Manche Wissenschaftler interpretieren diese Miniatur als Krönung Heinrichs zum deutsch-römischen Kaiser im Jahr 1014. Doch wie es auch sei, diese Darstellungen offenbaren, mit welcher Kunstfertigkeit man zu einem Zeitpunkt, als die Tafelmalerei und die Porträtmalerei noch gar nicht erfunden waren, Irdisches und Biblisches, Dokumentarisches und Religiöses mit Ornament, Architektur und Schrift zu Weltbildern formte. Denn die Verflechtung von Kirche, Staat und Glauben ist in den theologischen und religiösen Handschriften ein unumstößliches Thema.


Das Sakramentar Heinrich II. ist nur eine der 75 fantastisch illustrierten Handschriften aus der Zeit von 780 bis 1180, die bis Mitte Januar in der Ausstellung „Pracht auf Pergament“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München gezeigt werden. Mehr als 95 Prozent der Exponate stammt aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek, die heute neben dem Vatikan und den Nationalbibliotheken Frankreichs und Großbritanniens die wertvollsten Schätze auf diesem Gebiet beherbergt, wie das Salzburger Perikopenbuch von etwa 1020 mit seinen malerischen, sanft anmutigen, goldgrundigen Miniaturen der Szenen aus dem Leben Mariens, wie das kleine Gebetbuch Königs Otto III., das in Mainz kurz nach 984 entstand und eines von weltweit zwei erhaltenen privaten Herrschergebetbüchern des frühen Mittelalters ist, oder wie das Gebetbuch der Hildegard von Bingen, das wohl um 1175-1180 entstand und das die byzantinische Ikonografie der Darstellungen bereits weit hinter sich gelassen hat.

Bilder sind immer ein Spiegel ihrer Epoche. Und diese Evangeliare, wissenschaftlichen Schriften und Gebetbücher aus karolingischer und ottonischer Zeit sind wie ein Fenster in eine Epoche, deren Zeugnisse heute hauptsächlich als steinerne Architekturfragmente oder als Schatzkammerobjekt im Bewusstsein sind. Die Miniaturen aber, deren Aufbau noch wenig von Hinter- und Vordergrund kennt und meist das Geschehen im Bild flächig anordnen, führen uns eine Kunst zwischen Repetition und Schöpfertum aber auch die geistigen und wissenschaftlichen Exkurse dieser sehr, sehr fernen Jahrhunderte vor Augen. Hergestellt von einem ausgewählten Kreis von Mönchen für eine gesellschaftliche Elite, sind viele Handschriften Prachtwerke, in denen mit goldener Tinte auf purpurnem Grund geschrieben und gemalt wurde. Im süddeutschen Raum waren Regensburg, Tegernsee und Reichenau bedeutende Zentren, in denen selbst der Papst Codices orderte.

Eine der schönsten und von traditioneller liturgischer wie höfisch-ritueller Bildsprache befreiten Handschriften ist zweifellos der Codex der „Bamberger Apokalypse“ von der Insel Reichenau. Dem Bösen Gestalt und Gesicht zu geben, um es zu überwinden – das ist eben keine Erfindung eines Hieronymus Bosch aus dem 15ten Jahrhundert. Mit ihren goldgrundigen Miniaturen, die die Bilder von Raum und Zeit lösen, und mit ihren phantasiereichen Darstellungen von siebenköpfigen Drachen etwa, stellt dieser Codex nicht nur eine der grandiosesten Leistungen der Reichenauer Buchkunst dar, sondern ist auch die berühmteste Handschrift der Bamberger Staatsbibliothek.

Aber nicht nur biblische Themen wurden bebildert. Klöster waren bis zur Gründung der frühesten Universitäten im elften Jahrhundert letztlich auch Orte der Wissenschaft. Philosophische Abhandlungen wie Boethius’ „Über den Trost der Philosophie“ aus dem Rom des fünften Jahrhunderts, waren Gebrauchshandschriften und Schullektüre. Mit einem nüchternen Illustrationsstil entfernte man sich von der Visualisierung der gelehrten Theologie, wie sie in den luxuriösen Prachtbänden praktiziert wurde, und widmete sich ganz der Metaphorik des Textes: Auf einem Diwan ruhend, schreibt der Gelehrte Boethius einen Text. Zu seinen Füßen hockt die Personifizierung der Philosophia, die, wie man auf dem Bild ebenfalls erkennen kann, zugleich die Musen aus dem Raum des Schreibers verdrängt hat.

Mit Beginn der Romanik traten denn auch neue Texte und neue Bildfindungen auf. Astronomische, medizinische und nicht zuletzt juristische Schriften wurden nun in den Skriptorien der Klöster vervielfältigt. Durch manche Buchseiten zieht sich freilich ein Hauch von Mystik, so auch durch die wie Bilderrätsel aufgebauten Sternzeichen der im zwölften Jahrhundert entstandenen „Astronomischen und komputistischen Sammelhandschrift“. In den nächsten hundert Jahren, so hieß es bei der Pressekonferenz, werden diese Schätze mittelalterlicher europäischer Hochkultur wohl aus konservatorischen Gründen nicht mehr ausgeliehen.

Die Ausstellung „Pracht auf Pergament. Schätze der Buchmalerei von 780 bis 1180“ ist bis zum 13. Januar 2013 zu sehen. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. An Heiligabend ist geschlossen, an Silvester nur bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der reich bebilderte Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet während der Ausstellung 29 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 22 44 12

Telefax:+49 (089) 29 16 09 81



02.01.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 15

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Variabilder (13)

Veranstaltung vom:


19.10.2012, Pracht auf Pergament. Schätze der Buchmalerei von 780 bis 1180

Bei:


Kunsthalle der Hypokulturstiftung

Variabilder:

Sakramentar Heinrichs II. – Rückdeckel
Sakramentar Heinrichs II. – Rückdeckel

Variabilder:

Reichenauer Evangeliar – Christus als Herrscher des Kosmos und
 Quell des Lebens, Reichenau, Anfang 11. Jahrhundert
Reichenauer Evangeliar – Christus als Herrscher des Kosmos und Quell des Lebens, Reichenau, Anfang 11. Jahrhundert

Variabilder:

Perikopenbuch Heinrichs II. – Vorderdeckel
Perikopenbuch Heinrichs II. – Vorderdeckel

Variabilder:

Perikopenbuch Heinrichs II. – Pfingsten,
 Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012
Perikopenbuch Heinrichs II. – Pfingsten, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Variabilder:

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der
 Engel am Grab, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012
Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Engel am Grab, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Variabilder:

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Evangelist Matthäus, Reichenau, wohl
 zwischen 1007 und 1012
Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Evangelist Matthäus, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Variabilder:

Perikopenbuch von St. Erentrud – Geburt Johannes des Täufers und Bad des
 Kindes, Salzburg, um oder nach 1150
Perikopenbuch von St. Erentrud – Geburt Johannes des Täufers und Bad des Kindes, Salzburg, um oder nach 1150







Sakramentar Heinrichs II. – Rückdeckel

Sakramentar Heinrichs II. – Rückdeckel

Reichenauer Evangeliar – Christus als Herrscher des Kosmos und Quell des Lebens, Reichenau, Anfang 11. Jahrhundert

Reichenauer Evangeliar – Christus als Herrscher des Kosmos und Quell des Lebens, Reichenau, Anfang 11. Jahrhundert

Perikopenbuch Heinrichs II. – Vorderdeckel

Perikopenbuch Heinrichs II. – Vorderdeckel

Perikopenbuch Heinrichs II. – Pfingsten, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch Heinrichs II. – Pfingsten, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Engel am Grab, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Engel am Grab, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Evangelist Matthäus, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch Heinrichs II. – Der Evangelist Matthäus, Reichenau, wohl zwischen 1007 und 1012

Perikopenbuch von St. Erentrud – Geburt Johannes des Täufers und Bad des Kindes, Salzburg, um oder nach 1150

Perikopenbuch von St. Erentrud – Geburt Johannes des Täufers und Bad des Kindes, Salzburg, um oder nach 1150

Evangeliar Ottos III. – Vorderdeckel

Evangeliar Ottos III. – Vorderdeckel

Evangeliar Ottos III. – Bild Kaiser Ottos III., Reichenau, um 1000

Evangeliar Ottos III. – Bild Kaiser Ottos III., Reichenau, um 1000

Evangeliar Ottos III. – Der Evangelist Lukas, Reichenau, um 1000

Evangeliar Ottos III. – Der Evangelist Lukas, Reichenau, um 1000

Bamberger Apokalypse – Flucht der Apokalyptischen Frau, Reichenau, um 1010

Bamberger Apokalypse – Flucht der Apokalyptischen Frau, Reichenau, um 1010

Uta-Codex, Buchkasten

Uta-Codex, Buchkasten




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce