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„Frauenkunst – Kunst von Frauen“ – eine Ausstellung der Galerie Joseph Fach in Frankfurt widmet sich einem ebenso spannenden wie unbekannten Kapitel der europäischen Kunstgeschichte

Couragiert, vergessen, wiederentdeckt



Johanna Luise Groppe, Büste einer Frau mit dunklem hochgestecktem Haar im Profil nach links

Johanna Luise Groppe, Büste einer Frau mit dunklem hochgestecktem Haar im Profil nach links

Käthe Kollwitz, Ida Kerkovius, Hannah Höch, Renée Sintenis – die Künstlerinnen, die mit ihrem Werk auch einem größeren Publikum ein fester Begriff geworden sind, lassen sich beinahe an einer Hand abzählen, und überwiegend datiert ihr Schaffen in das 20ste Jahrhundert. Alice Sommer, Mila von Luttich, Margarete Havemann und ihre unzähligen Kolleginnen verschwinden schon mehr oder weniger in den hinteren Reihen – allzu oft zu Unrecht, wie jetzt die Frankfurter Galerie Joseph Fach mit großem Nachdruck betont: In einer beeindruckenden Ausstellung mit mehr als 350 grafischen Arbeiten, Aquarellen, Drucken und Handzeichnungen, widmet sich die Galerie derzeit ausschließlich „Frauenkunst – Kunst von Frauen“, so der Titel der bis Mitte Januar laufenden Ausstellung. Bis ins 17te Jahrhundert reichen die Arbeiten zurück, und sie belegen eindrucksvoll, welch große Anzahl an Künstlerinnen trotz aller Hindernisse wertvolle Arbeiten hinterlassen hat und welche Schätze wegen der Widerstände in einer von Männern dominierten Kunstwelt wohl nie gehoben worden sind.


Weit später als die Künstler sind die Künstlerinnen überhaupt nur namentlich in die Kunstgeschichte eingegangen. Sofonisba Anguissola, in der italienischen Spätrenaissance mit herrlichen Bildnissen hervorgetreten, die Barockmalerin Artemisia Gentileschi oder Judith Leyster, deren Arbeiten man lange Zeit für Frans Hals hielt, stehen dann stellvertretend für die Schar großer Künstlerinnen des 17ten Jahrhunderts. Rosalba Carriera und Angelika Kauffmann markieren auch über die Kunst ihrer Geschlechtsgenossinnen hinaus Höhepunkte der Malerei des Rokoko und Klassizismus, und mit letzterer wird erstmals auch dokumentarisch jener Typ einer Künstlerin fassbar, die sich vollkommen gleichberechtigt in einer Männerwelt behaupten kann. Eine herrliche Bleistiftzeichnung der schweizerisch-italienischen Künstlerin hängt bei Joseph Fach, und es ist sicher kein Zufall, dass Kauffmann sich eine Verbildlichung der Lukretia zum Thema genommen hat, jener römischen Tugendheldin, die lieber in den Tod ging, als ihre Ehre zu verlieren – heroisch, aber auch einem Ideal huldigend, das Männer erfunden hatten.

Starke Frauen bestimmten das intellektuelle Geschehen um 1800 auch in der Literatur, Caroline Schelling etwa, Bettina von Arnim oder Dorothea Schlegel. Barbara Krafft war eine, die in der Malerei das gewandelte Selbstbild der Frau pflegte: Ausbrechend aus den üblichen Schemata von ehelichem Dienst und Ergebenheit in ihr Schicksal, lebte sie lange getrennt von ihrem Mann einzig ihrer Kunst, schuf zahlreiche Portraits – darunter auch das posthume Bildnis des Komponisten Mozart –, aber auch empfindsame Szenen wie die bei Fach ausgestellte Ganzfigur einer jungen Dame, die sich gedankenvoll an einen Felsvorsprung in einer bewegten Waldlandschaft lehnt und dabei den Betrachter anblickt. Seit sich Erzherzogin Maria Anna von Österreich 1767 kurzerhand selbst zum Mitglied der Wiener Kupferstecher-Akademie gemacht hatte und kein Mann dem zu widersprechen wagte, drängten Frauen auch zunehmend an die staatlichen Kunstschulen. Kleinen Schritten beherzter Damen wie diesem verdankt man es, dass Talente wie Caroline Bardua, Louise Seidler, Marie Ellenrieder oder Elise Crola überhaupt eine ihren Fähigkeiten angemessene fundierte Ausbildung erhielten.

Erst der Generation Kollwitz im frühen 20sten Jahrhunderts war es jedoch beschieden, die Früchte des langen Kampfes um Anerkennung ihres künstlerischen Wirkens allmählich zu ernten. Herausragende Beispiele „weiblicher“ Kunst vor allem der Zeit zwischen den Weltkriegen haben Bärbel und Martin Fach zusammengetragen: die kraftvollen Holzschnitte der 1887 geborenen Emma Bormann mit verschiedenen Stadtansichten etwa, Mela Muters radikalen liegenden Frauenakt in frontaler Ansicht auf die gespreizten Beine oder Johanna Luise Groppe, deren Profilbildnis einer Frau mit hochgestecktem Haar ebenso wie die Landschaftsdarstellungen von Margarete Gerhardt und Eva Langkammer der Kunst des Jugendstil alle Ehre machen. Den besten Expressionisten lässt sich Dorothea Maetzel-Johannsen an die Seite stellen, allen voran ihr „Weiblicher Akt im Profil nach links beim Bade“ wohl um 1925. Für die abstrakte Malerei in den Niederlanden spielte Jacoba van Heemskerck van Beest eine wichtige Rolle. Ihr Holzschnitt „Mühle“, der 1915 sogar in der Zeitschrift „Der Sturm“ veröffentlicht wurde, beweist das enorme Potential der Künstlerin.

Wie viele aber dieser Künstlerinnen sind durch die schwierigen Umstände, unter denen sie zu leben und zu schaffen hatten, unverdient der Vergessenheit anheimgefallen! Cornelia Gurlitt legte, von Selbstzweifeln gepeinigt und durch ausbleibenden Erfolg entmutigt, nicht einmal dreißigjährig schon 1919 Hand an sich an, die mit einer Reihe gezeichneter Frauenakte hervorgetretene Ida Teichmann verschwindet 1911 aus der Kunstgeschichte, die Jugendstilkünstlerinnen Käthe Kunze und Charlotte Naumann 1930. Dora Bromberger, die unter anderem von Maurice Denis in Paris ihre handwerkliches Rüstzeug vermittelt bekam und mit einem herrlichen Landschaftsaquarell vertreten ist, wurde 1942 von den Nationalsozialisten in Minsk hingemordet, Hedwig Dülberg-Arnheim, deren Aktzeichnung von 1915 in ihrer zerbrechlichen Schlankheit die existentialistischen Bronzen Alberto Giacomettis vorwegzunehmen scheint, starb zwei Jahre später in Auschwitz.

Eine wahrlich beeindruckende, mitunter berührende Ausstellung ist der engagierten Seniorchefin Bärbel Fach hier gelungen. Es ist diese Summe ihres Wissens und ihrer Erfahrung als Kunsthändlerin, die sich in dieser Zusammenstellung der 346 Werke von 163 Künstlerinnen spiegelt und von einem fundiert gearbeiteten Katalog begleitet wird. Mit Arbeiten von Gertrude Degenhardt oder der Spanierin Maria Olvido Rodriguez Solar wird gelegentlich bis in die Gegenwart ausgegriffen. Preislich bewegen sich die allesamt nicht nur zur Ansicht, sondern auch zum Kauf dargebotenen Blätter im drei- oder vierstelligen Bereich. Für Angelika Kauffmanns Lukretia etwa wird man 8.500 Euro mitbringen müssen, für zwei duftige Landschaftsaquarelle der Niederländerin Susanne-Elisabeth Eynard-Châtelain aus der Zeit um 1810 jeweils 9.500 Euro. An der Preisspitze aber steht die Arbeit einer derjenigen, die die Generation der Pioniere repräsentiert: 12.000 Euro hat Fach für die Pinselzeichnung „Joseph mit dem Christusknaben und zwei Engeln“ von der Bologneser Künstlerin Elisabetta Sirani veranschlagt. Ihr allerdings war das Glück der Anerkennung schon zu Lebzeiten vergönnt, obwohl sie 1665 mit erst 27 Jahren starb.

Die Ausstellung „Frauenkunst – Kunst von Frauen“ bei Joseph Fach in Frankfurt läuft bis zum 19. Januar 2013. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr. Der Katalog kostet 24,95 Euro.

Kontakt:

Galerie und Kunstantiquariat Joseph Fach GmbH

Feinbergweg 7

DE-61440 Oberursel

Telefon:+49 (06171) 20 74 92

Telefax:+49 (06171) 20 74 93



02.01.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Emma Bormann, Frankfurt a. M., beim Dom

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Käthe Kuntze, Sonnenflecken (Haus in sommerlicher Landschaft), 1910

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Ida Teichmann, Gruppe von vier Mädchenakten in einer Landschaft

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Dora Bromberger, Landschaft am Mittelländischen Meer

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Hedwig Dülberg-Arnheim, Auf dem Boden sitzender männlicher Akt im Profil nach links mit einem ausgestreckten und einem angewinkelten Bein, 1915

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Barbara Krafft, Ganzfigur einer jungen Dame mit Blumenkorb, an einem Felsvorsprung in bewaldeter Landschaft lehnend, im Vordergrund links Ausblick auf ein Gewässer mit kleinem Wasserfall

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Dorothea Maetzel-Johannsen, Nahezu in Frontalansicht ein mit gespreizten Beinen auf dem Boden sitzender Frauenakt, der linke Arm ist zum Kopf erhoben, 1919

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Suzanne-Elisabeth Eynard-Châtelain, Landschaft mit großen Bäumen und einem links angeschnittenen Gutshaus im Waadtland in der Schweiz, um 1810

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