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Nach 46 Jahren meldet sich der weltbekannte Architekt Helmut Jahn mit einer Ausstellung in seiner Heimatstadt Nürnberg zurück

Ästhetik der Notwendigkeiten



Helmut Jahn, Highlight Towers, München 2002-2004

Helmut Jahn, Highlight Towers, München 2002-2004

Bestechend klar vermitteln seine Zeichnungen, worauf es ankommt und worum es sich handelt. Perspektivisch exakt setzt Helmut Jahn kräftige Linien auf das Papier und akzentuiert mit ihnen essentielle Strukturen seiner Gebäude. Sparsame farbliche Pointierungen betonen verspielt wie ausdrucksvoll wichtige Charakteristika seiner Entwürfe. Oft mehrere Varianten halten Umgebung, Ansichten von verschiedenen Standpunkten als auch innere Dispositionen fest; Menschen, Straßenverkehr, Bepflanzungen fließen mit ein. Letztendlich bringt Jahn durch Stichworte zeichnerisch nicht Artikulierbares ins Spiel, darunter Maße, Richtungen, Nutzungen und Materialien. Nicht zu vernachlässigen sind die ungemein ästhetischen Reize seiner Blätter. Hier ist ein talentierter Zeichenprofi am Werk, der erste Ideen und Visionen bis heute mit dem Zeichenstift auf Papier oder auf dem iPad festhält.


Weit über 100.000 solcher Zeichnungen, zumeist im Format 21 mal 21 Zentimeter, sind vom fast unermüdlich Tag und Nacht skizzierenden Architekten bis heute überliefert. Helmut Jahn ist bodenständig geblieben. Handwerkliche Könnerschaft und Gründlichkeit waren bei seinem Aufstieg zu einem der gefragtesten Architekten der Welt unablässig. Doch wie so häufig gilt der Prophet im eigenen Lande wenig. Nach 46 Jahren kommt Jahn wieder zu Hause an. Eine Werkschau im Neuen Museum Nürnberg stellt nun das Œuvre des Stars der Architekturszene erstmals in Deutschland vor. Den Besucher erwartet eine ebenso umfangreiche wie inhaltlich tiefgehende Auswahl aus über 100 realisierten Bauvorhaben seit 1970 sowie einige von 700 unrealisierten Visionen des Ungebauten und Zukünftigen.

Geboren wurde Helmut Jahn am 4. Januar 1940 in Zirndorf bei Nürnberg. Nach dem Abitur studierte er ab 1960 an der Technischen Universität München Architektur; 1965 besteht er das Diplom. In den Ferien jobbt er im Hochbauamt, will aber weit mehr. 1966 geht er in die USA, um am Illinois Institute of Technology in Chicago zu studieren, eben dort, wo damals die aus Deutschland vertriebenen Protagonisten des internationalen Stils leben und lehren. Eigentlich will er nur ein bis zwei Jahre hier bleiben. 1967 heuert er für einen Halbtagsjob in Ludwig Mies van der Rohes Architekturbüro C.F. Murphy & Associates an. Rasch fällt der junge Mann mit dem offenen Blick und den blauen Augen als derart begnadeter Zeichner auf, dass man ihn dort nicht mehr gehen lassen will. 1973 avanciert der gerade 33jährige Jahn zum Chefarchitekten und Executive Präsident der Firma, sechs Jahre später ist sein Name Bestandteil der Firmenbezeichnung, 1983 steigt er zum Inhaber und Präsidenten der Firma auf. Nebenbei nimmt er über viele Jahre zahlreiche Professuren und seit 2012 heißt sein Büro ausschließlich Jahn.

Die intelligent konzipierte Präsentation im Neuen Museum stellt in spannenden Verknüpfungen Jahns Bauten als auch dessen zu Grunde liegende Denkweisen vor. Augenfälligster Bestandteil des Rundgangs durch 40 Jahre Baugeschichte ist die dichte Folge schmaler Großfotos des Münchener Fotografen Rainer Viertlböck. Sie nehmen komplett sämtliche Wände der Ausstellungshalle in voller Höhe in Beschlag, so dass sich der Eintretende auf einer Platzfläche umgeben von Hochhäusern wähnt. Den magischen Impetus gewinnen die Fotos durch eine klassische, vom Größenmittelpunkt ausgehende Perspektive. Je Wand sind realisierte Projekte in Chicago und den USA, Europa und weiteren Kontinenten zusammengefasst. Korrespondierend vorgelagert ist ein Kranz aus ein Dutzend Modulen bedruckter zweischaliger Glaswände, die neben Modellen auch Mappen mit Skizzenblättern sowie vertiefende Filme darbieten, in denen Jahn seine Projekte erläutert.

Schon die 1974 errichtete Kemper Arena in Kansas City wird ein vielfach publizierter und prämierter Erfolg für Helmut Jahn. Ein nächster Meilenstein folgt 1980: Das Xerox Center in seiner amerikanischen Heimatstadt Chicago, ein feminin anmutendes Hochhaus mit eleganter Rundung, in dessen Verglasung sich der Himmel spiegelt. Einem geschliffenen Diamanten gleich, baut er ab 1981 mitten in einem Slum am Rande Johannesburgs ein komplett verglastes Verwaltungsgebäude als lakonischen Spiegel sozialer Gegensätze sowie als Zeichen der Hoffung und politischer Zuversicht. Völlig neue Maßstäbe setzt Jahn mit dem zeitgleich konzipierten James R. Thompson Center, ehemals Illinois Center, in seiner Wirkungsstätte am Michigansee. Mittlerweise gilt die offene sowie gekurvte Stahl-Glaskonstruktion mit den kaskadenartig gebauchten Horizontalzonen als Klassiker der Postmoderne und Markenzeichen des Architekturbüros. Rotunde und Kuppel, die Markenzeichen amerikanischer Regierungsbauten, erfahren hier eine moderne Interpretation. Stets den Menschen im Fokus, beeindruckt das für 50 Behörden und 3.000 Mitarbeiter konzipierte Zentrum durch Transparenz und öffentliche Zugänglichkeit.

Gebogene Glassgewölbe, gehalten von perforierten Stahlträgern, erinnern dezidiert beim O’Hare International Airport in Chicago an Glaspaläste vergangener Epochen. Strukturen offenlegende Glas- und Stahlfronten entwickelten sich zum Firmensignet von Murphy und Jahn. „Glas gehört zu den wenigen Materialien, womit man noch Fortschritte erzielen kann“, meint Helmut Jahn. Besonderes Gewicht kommt zudem dem Ortsbezug zu. Vor der Planung wird die Umgebung genau analysiert. In den Jahren 1985 bis 1989 wird unmittelbar neben dem Chrysler Building in New York der „425 Lexington Tower“ realisiert. Eine Spitze als oberer Abschluss kam daher nicht in Frage, so formt Jahn ein Kapitell. Tanzende Türme setzen Las Vegas baulich in Schwingung, seit die Silhouette der Spielerstadt 2010 durch die geneigten und gelb akzentuierten „Veer Towers“ bereichert werden.

Nach zahlreichen Projekten überwiegend in den Vereinigten Staaten, darunter auch Bibliotheken, Sportstätten und Verkehrsbauten, weitet sich Jahns Schaffenskreis nach Europa, insbesondere nach Deutschland aus. Den Anfang bestreitet der Frankfurter Messeturm, ausgeführt zwischen 1985 bis 1991. Das 257 Meter hohe „Tor zur Messe“, seinerzeit höchstes Gebäude in Europa, vereint ästhetische Modi amerikanischer Wolkenkratzer mit europäischen Gegebenheiten. Aber: „Höhe ist nicht so entscheidend, sondern das, was repräsentiert wird“, merkt Jahn an. Weniger abstrakt, eher figurativ konzipiert, gegliedert und geometrisch aufgeteilt, nimmt Helmut Jahn mit einer roten Granitsteinverkleidung Bezug auf das Rot des traditionell in der Stadt verwendeten Mainsandsteins. Allein 40 Meter Höhe misst die markante aufgesetzte Glaspyramide. In Rhythmus und Struktur greift Jahn auf vergangene Stilphasen zurück, eine gelungene Symbiose aus Hightech und modernisiertem Art Déco.

Neben Frankfurt erhalten auch Bonn mit dem Post Tower, Bremen mit dem Weser Tower, Singen mit dem Hegau Tower, der Düsseldorfer Medienhafen mit dem schuppenförmig strukturierten „Sign!“, München mit den „Highlight Towers“ ihre Markenzeichen, von den Flughafenerweiterungen in München und Köln-Bonn einmal angesehen. Neben dem mehreren Geschäftsbauten am Ku’damm in Berlin, allem voran dem neuen Kranzler Eck, erweist sich insbesondere Jahns 2000 vollendetes Sony Center am Potsdamer Platz als Vorzeigeprojekt. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erleben sind in dem differenziert um ein Forum gruppierten dreieckigen Ensemble vereint, quasi eine autarke, wenn auch zugegebener Weise gewöhnungsbedürftige, höchst moderne eigene Stadtauslegung als Weiterentwicklung des James R. Thompson Centers. „Wenn man auf die Bauten gegenüber des Sony Centers blickt, hat man nicht das Gefühl, architektonisch im 21. Jahrhundert angekommen zu sein“, äußert sich der Baumeister zu Recht kritisch.

Alle Entwürfe verdeutlichen: Anbiedern ist nicht Jahns Sache. Effekthascherei scheint dem erfrischend Uneitlen fremd. Die ihm eigene, lässige Kreativität ist weniger auf Stil und Effekt als auf einer Strategie ausgerichtet. Ort, Technik, Nachhaltigkeit, allem voran aber ein großes Maß an Inhaltlichkeit bestimmt sein tun. „Intelligentes Design bringt Licht, Luft, Wasser und Erde zusammen“, umschreibt er sein Bestreben. Vor allem Licht versteht er als Material, nicht als Dekoration, Effektmittel oder Kulisse und geißelt dessen große kommerzielle Missverwertung. Und vor allem die Frage „Wie sieht es innen in den Gebäuden aus?“ beschäftigt ihn. Verantwortung für die hier lebenden und arbeitenden Menschen stehen im Fokus aller Überlegungen.

Aber auch von Kollegen gering geschätzte Aspekte, wie ein kleiner Wartungsaufwand oder die Frage nach dem Aussehen in Jahrzehnten“ spielen bei Helmut Jahn eine Rolle. „Gebäude muss länger funktionieren als ein Auto. Je besser sie dies tun, je besser sehen sie aus.“ Ein Dorn im Auge ist für Jahn vor allem der Verfall in Ideologien. Er will einfach immer nur in der Zukunft leben. „Wir haben oft das gebaut, wozu wir eigentlich nicht fähig waren“, begründet er das Wegweisende seiner Bauten. Und was plant der fast 73jährige, der Segeln als Ausgleich betreibt? „Man muss immer in die Zukunft schauen. Wann man sich auf Erreichtem ausruht, liegt man schon falsch. The future is never wrong“, lautet sein Leitspruch. Wer weiß, was wir noch alles von ihm zu erwarten haben. „Der Grund, warum ich mich jeden Tag mit Architektur beschäftige, ist – weil ich vielleicht noch immer nicht das erreicht habe – das zu machen, was ich kann.“

Die Ausstellung „Helmut Jahn – Process Progress“ ist bis zum 24. Februar 2013 zu besichtigen. Das Neue Museum Nürnberg hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24 Euro kostet, ferner ein Begleitbuch zu 89,95 Euro.

Kontakt:

Neues Museum Nürnberg - Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg

Luitpoldstraße 5

DE-90402 Nürnberg

Telefax:+49 (0911) 240 20 29

Telefon:+49 (0911) 240 200

E-Mail: NeuesMuseumNuernberg@t-online.de



05.12.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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30.11.2012, Helmut Jahn. Process / Progress

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Neues Museum

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Helmut Jahn, Terminal 1, O’Hare International Airport,
 Chicago 1985-1988
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Helmut Jahn, Veer Towers, Las Vegas 2006-2010
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Helmut Jahn, Sony Center, Berlin 1995-2000
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Helmut Jahn erläutert seine Ausstellung in Nürnberg
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Helmut Jahn, Messeturm, Frankfurt am Main 1988-1991
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Helmut Jahn, Mansueto Library, Chicago 2005-2011
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Helmut Jahn, State of Illinois Center (Thompson Center),
 Chicago, 1979-1983
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Helmut Jahn, Terminal 1, O’Hare International Airport, Chicago 1985-1988

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Helmut Jahn, Veer Towers, Las Vegas 2006-2010

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Helmut Jahn, Sony Center, Berlin 1995-2000

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Helmut Jahn erläutert seine Ausstellung in Nürnberg

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Helmut Jahn, Messeturm, Frankfurt am Main 1988-1991

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Helmut Jahn, Mansueto Library, Chicago 2005-2011

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Helmut Jahn, State of Illinois Center (Thompson Center), Chicago, 1979-1983

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in der Ausstellung „Helmut Jahn – Process Progress“

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Helmut Jahn, Post-Tower, Bonn 2000-2002

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Helmut Jahn, Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi, Thailand 2002-2005

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