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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Um die „Nackten Männer“ in Wien und Linz gab es schon vor Ausstellungsstart manchen Trubel und Zwist. Nun präsentieren das Leopold Museum und das Lentos Kunstmuseum die Entwicklung und Vielfalt der männlichen Nacktheit mit rund 600 Exponaten

Mr. Big ist da



Pierre et Gilles, Vive la France, 2006

Pierre et Gilles, Vive la France, 2006

Jahrelang war er ein wöchentlicher Gast in den Wohnzimmern erwartungsvoller Frauen: „Mr. Big“, ein Fernsehheld aus der Erfolgsserie „Sex in the City“. Der bindungsunfähige Macho, ein Klischeebild des begehrenswerten, narzisstischen, aber unerreichbaren Mannes, stand Pate für eine Arbeit der Salzburger Künstlerin Ilse Haider, die derzeit im Hof des Wiener Museumsquartiers zu sehen ist. Lässig liegt er da, der überlegensgroße, smarte Typ, in cooler Erwartung all derer, die ihn besteigen. Nebenbei heißt der unbekleidete „Empfangsherr“ all jene willkommen, die die Ausstellung „Nackte Männer“ besuchen, eine Schau, die im Leopold Museum präsentiert wird. Konzipiert wurde die Ausstellung zu „Vielfalt und Wandel in der Darstellung nackter Männer von 1800 bis heute“ von Tobias Natter, dem neuen museologischen Direktor des Museums, und von Elisabeth Leopold, der Gattin des 2010 verstorbenen Stifters.


Angesichts der Tradition des Themas in der Kunst und der Allgegenwart männlicher Bildnisse ist die Schau „Nackte Männer – von 1800 bis heute“ eine Ausstellung, die längst überfällig war. Denn überraschender Weise gab es bisher kaum zusammenhängende Konzepte zu dem Thema, die den Weg in Kunstausstellungen gefunden hätten. Diesem Manko begegnet nun nicht nur das Leopold-Museum, sondern zeitgleich – und ohne dass man eine Kooperation eingegangen wäre – auch das Kunstmuseum Lentos in Linz, das mit der Schau „Der nackte Mann“ ebendies Thema fokussiert, wenn gleich mit einer etwas anderen Gewichtung.

Während man in Linz großzügig thematisch ausholt, spannt die Wiener Schau einen zeitlich weiteren Bogen und verfolgt das Thema vom späten 18ten Jahrhundert bis heute. Vorangestellt ist ein Prolog: fünf Skulpturen der europäischen Kunstgeschichte, unter anderem der vorchristliche Hofbeamte Snofrunefer, eine unterlebensgroße Standfigur aus dem alten Ägypten um 2400 v. Chr., Auguste Rodins „Ehernes Zeitalter“ von 1875/76 und Heimo Zobernigs als Selbstbildnis umgearbeitete Schaufensterpuppe, wurden eindrucksvoll nebeneinander platziert und erlauben dem Betrachter einen schnellen Spaziergang durch fünf Jahrtausende.

Der sich anschließende Ausstellungsparcours ordnet sich in drei thematische Schwerpunkte. Unter dem Titel „Klassizismus und die Kraft der Vernunft“ werden jene künstlerischen Innovationen vorgeführt, die im späten 18ten Jahrhundert, ausgehend von Frankreich zu einer Neuverhandlung von Männlichkeitskonzepten führten. Vor dem Hintergrund einer aufkeimenden bürgerlichen Emanzipation machten sich viele Künstler auf die Suche nach noch nie da gewesenen „Verkörperungen“ der leitenden Gedanken und damit auch zu einer ästhetischen-gesellschaftlichen Infragestellung von überkommenen Männlichkeitskonzepten. François-Léon Benouville Bildnis des zürnenden Achill von 1847 oder der lasziv ausgestreckte, tote Körper des Hippolytos aus dem Jahr 1828 von Joseph-Désiré Court führen eindringlich vor Augen, in welchem Maße der nackte männliche Held als kulturelles Muster neu gedeutet wurde.

Den zweiten konzeptionellen Schwerpunkt entlang der Zeitachse setzten die Kuratoren mit der Kunst der Klassischen Moderne. Zahlreiche Darstellungen von nackten, badenden Männern in freier Natur etwa von Paul Cézanne und Giovanni Giacometti unterstreichen die Entwicklung einer neuen eigenständigen Bildwelt. Andere Künstler schlugen kulturkritische Töne an, wenn Nacktheit als Ausdruck des Unbehagens an der Stadt verstanden wurde, etwa bei den in der Ausstellung zahlreich vertretenen skandinavischen Malern rund um den Norweger Edvard Munch. Motivische Nähe demonstrieren so unterschiedlichen Arbeiten, wie die des Engländers Henry Scott, von Max Liebermann und Ernst Ludwig Kirchner. Sie alle geben ganz neue Sichtweisen zum Thema in einer Zeit, als FKK und öffentliches Nacktbaden in zahlreichen europäischen Ländern rechtlich verboten war. Gleichzeitig kam aus Wien um 1900 mit Sigmund Freud und der Psychoanalyse einer der weitreichenden Beiträge zum Thema Nacktheit. Mit der Wiener Moderne wurde der männliche Akt als Kunstobjekt abseits von Helden- und Märtyrerdarstellungen zum Ort der Selbstbefragung, der Inszenierung eines völlig bloßgelegten Ichs. Die radikalen Selbstbesiegelungen von Richard Gerstl und Egon Schiele zählen zu den Glanzpunkten der Ausstellung.

Nach 1945 mehreren sich die künstlerischen Selbstbefragungen. Mit der Öffnung staatlicher Ausbildungsinstitutionen schauten nun auch Künstlerinnen auf nackte, männliche Körper. Vor dem Hintergrund existierender gesellschaftlicher Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nutzten viele feministische Künstlerinnen das Sujet des nackten Mannes zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Körper als Projektionsfläche der Geschlechterrollen. Die Grand Dame der österreichischen Kunst, Maria Lassnig, steht hier stellvertretend mit ihrem Selbstbildnis als „Lakoon“ von 1976, genauso wie Louise Bourgeois’ Werk „Fillette (Sweeter Version)“ von 1999. Neben zahlreichen bekannten Namen, wie dem von Francis Bacon, aus dessen Hand das zwei Jahre vor seinem Tod entstandene Rückenbild eines unbekleideten Mannes stammt, Urs Lüthis „Selbstportrait aus der Serie der großen Gefühle“ von 1987 oder Thomas Ruffs C-Print aus der Serie „Nudes“ von 2000, wartet die Ausstellung auch mit einigen kleinen, sehenswerten Fotoserien auf, an denen man keineswegs zu schnell vorbeischauen sollte. Hierzu gehört zum Beispiel die Fotostrecke „Men’s Talk des Jahres 2011 von Boris Mikhailov, mittels der der russische Fotograf Homosexualität im postkommunistischen Russland thematisiert.

Ein Manko der Wiener Ausstellung ist, dass man sich, anders als in Linz, beim Thema des von Ideologien missbrauchten männlichen Körpers im Nationalsozialismus, allein auf den Katalog beschränkt hat. Der längst überfälligen Schau sei weiter zugebilligt, dass sie trotz zahlreicher Glanzlichter, wichtige künstlerische Positionen vermissen lässt. Die findet man aber zum Teil im Lentos. Den Besuchern beider Institutionen eröffnet sich daher vor allem in der Zusammenschau beider Ausstellungen ein breit gefächertes Panorama, von dem die beiden Veranstalter und vor allem die Betrachter nur profitieren können.

Die Ausstellung „Nackte Männer. Von 1800 bis heute“ läuft bis zum 28. Januar 2013. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, 8 Euro oder 7 Euro.

Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 525 700
Telefax: +43 (0)1 – 525 70 150

Das Lentos Kunstmuseum präsentiert seine Schau „Der nackte Mann“ bis zum 17. Februar 2013 täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr. An Heiligabend, am ersten Weihnachtsfeiertag und an Silvester bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Katalog kostet im Museum 35 Euro.

Kontakt:

Lentos Kunstmuseum Linz

Ernst-Koref-Promenade 1

AT-4020 Linz

Telefon:+43 (0732) 70 70 36 00

Telefax:+43 (0732) 70 70 36 04



27.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Pierre et Gilles, Vive la France, 2006
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Ilse Haider, Mr.
 Big, 2006
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Egon Schiele, Prediger (Selbstakt mit blaugrünem Hemd), 1913
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Ilse Haider, Mr. Big, 2006

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Egon Schiele, Prediger (Selbstakt mit blaugrünem Hemd), 1913

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Richard Gerstl, Selbstakt mit Palette, 1908

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Joseph-Désiré Court, Tod des Hippolytos, 1828

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