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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Fotografie in der Villa Grisebach

Das Auge von Paris



Eugène Atget, Château Rouge, Rue Galande (Démoli), 1899

Eugène Atget, Château Rouge, Rue Galande (Démoli), 1899

Eugène Atget ist das Auge des „Alten Paris“. Der 1857 in Libourne in Aquitanien geborene Fotograf hielt mit unermüdlichem Eifer die Stadt an der Seine mit seiner Kamera fest. Dabei waren es nicht nur die Prachtbauten, die er für die Nachwelt dokumentierte, sondern vor allem auch die Hinterhöfe, die schummrigen Treppenaufgänge, die Sackgassen, das Ufer der Seine, die Parks, das staubige Trottoir, die Schaufenster oder die Schlupfwinkel von Paris; ja sogar Türklinken waren vor seiner Linse nicht sicher. Tagein, tagaus durchstreifte Atget die Stadt mit einer sperrigen Großformatkamera und lichtete auch Lumpensammler, Kräuterhändler, Schausteller, Clochards und Prostituierte ab. Als sich Institutionen wie die Bibliothèque Nationale oder die École nationale supérieure des beaux-arts für seine realistischen Aufnahmen zu interessieren begannen, arbeitete er immer systematischer. Seine fotografische Bestandssicherung wurde so zu dem Inventar des „Alten Paris“, das durch die radikale Abbruchpolitik des Städteplaners Baron Haussmann in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts weitgehend verschwand.


1899 fand Eugène Atget so eine Hinterhofatmosphäre an der Rue Galande und hob das „Château Rouge“, eine der verruchten Stätten des Alten Paris, ins Bild. Dieser Vintage gehört nun zu den Highlights der Auktion „Photographie“ in der Berliner Villa Grisebach und ist mit 10.000 bis 15.000 Euro ausgezeichnet. Paris war die Geburtsstadt der Fotografie und für viele Fotografen Heimstatt und Fundgrube ihrer Bilder, etwa auch für Robert Doisneau, der 1951 die attraktive „Mademoiselle Anita, Octobre“ in einem Bistro traf (Taxe 3.200 bis 3.800 EUR), Gisèle Freund, die 1964 Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir bei der Arbeit in ihrer existenziell reduzierten Wohnung am Boulevard Raspail aufsuchte (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR), oder für André Kertész, der sich um 1929 in das experimentelle Marionettentheater „Arc-en-ciel“ des Ungarn Géza Blattner begab und dort das Stück „Têtes lumineuses“ der mit ihm befreundeten russischen Künstler Marie Vassilieff fotografierte. Seine vor schwarzem Hintergrund wandelnden, lustigen Lichtköpfe sind mit 12.000 bis 15.000 Euro veranschlagt.

Die Fotografie des 19ten Jahrhunderts ist fast vollständig aus dem Programm bei Grisebach verschwunden. Die ältesten Stücke der Auktion sind zwei nächtliche Sternenhimmel von Paul-Pierre Henry und seines Bruders Prosper-Mathieu Henry, die als Astronomen am Observatorium von Paris arbeiteten und zu Beginn der 1880er Jahre fotografische Teleskope von hoher Leistungsfähigkeit konstruierten. Damit fingen sie am 6. November 1886 „Cassiopée“ und am 14. März 1887 „Gémeaux“ ein. Beide Vintages, die den Sternenhimmeln Thomas Ruffs recht ähnlich sind, liegen bei jeweils 4.000 bis 6.000 Euro. Ein sonniges Panorama über den Lustgarten, den Dom und das Stadtschloss in Berlin entwarf im Jahr 1900 der dort ansässige Fotograf Waldemar Titzenthaler vom Dach der Kommandantur aus (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). In die Jahre zwischen 1900 und 1910 datiert dann noch Karl Blossfeldts detailreiche und stark vergrößerte Pflanzenstudie des Winterschachtelhalms, die er für sein Anschauungsmaterial „Urformen der Kunst“ verwendete. Der Silbergelatinekontaktabzug von 1915/25 soll 18.000 bis 22.000 Euro einspielen.

Die „Neue Fotografie“ suchte in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts einen sachlichen und nüchternen Zugang zu den Dingen. Neuerungen gab es auf formaler Ebene. Mit Licht-, Spiegel- und Schatteneffekten gestaltete Hans Finsler 1929 ein Stillleben aus drei Eiern auf einem Spiegel (Taxe 5.500 bis 7.500 EUR), das eine bemerkenswerte Parallele in Jaroslav Rösslers Vintage mit einem Ei aus den 1930er Jahren zieht (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). In beiden Aufnahmen ist die Diagonale ein bestimmendes Kompositionselement, die sich auch auf der ausschnitthaft aufgenommenen Cottonmaschine der Ingolstädter Strumpffabrik Schubert & Salzer von Albert Renger-Patzsch aus den 1950er Jahren (Taxe 1.200 bis 1.800 EUR), bei Margaret Bourke-Whites feinem Liniengespinst der „A.T. & T. long line towers“ von 1938 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder im elegant dargebotenen Bein von Marlene Dietrich auf einem Vintage von Milton H. Greene aus dem Jahr 1952 findet (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Harold Edgerton entwickelte um 1934 am Massachusetts Institute of Technologie eine Vorrichtung zur Hochgeschwindigkeitsfotografie, die nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch überzeugende Bilder lieferte, etwa 1939 einen wirbelnden Tennisspieler mit Schläger (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Friedrich Vordemberge-Gildewart war nicht nur als Maler und Grafiker tätig, er experimentierte auch mit fotografischen Mitteln und schuf 1928 seine „Photo-montage No. 7“, die trotz figurativer Elemente seine Vorliebe für den Konstruktivismus zeigt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Ein Arrangement aus Früchten, Nüssen, Insekten und Federn stellte Irving Penn 1976 zum schwarzweißen „Still Life with Grape and Moth“ zusammen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Herbert List schon 1952 eine bauchige Flasche und ein Windlicht in Phaleron in seinem Sehnsuchtsland Griechenland (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Für die Portraitkunst stehen diesmal prominent Arnold Newmans charaktervolle Sicht auf Alberto Giacometti aus dem Jahr 1954 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), Alexander Rodtschenkos „Museum Series Portfolio 2: Portraits“, eine Wiederauflage von Bildnissen der 1920er und 1930er Jahre von 1997 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), oder die 225 kleinen Bilder unbekannter Personen auf Walker Evans’ „Penny Picture Display, Savannah“ von 1936 (Taxe 5.500 bis 7.500 EUR).

Eine einen subjektiven Ansatz in der Fotografie suchte Otto Steinert in den 1950er Jahren. So löst er in einer Bewegungsstudie die Person fast vollständig auf; nur ein Standbein bleibt für den Betrachter greifbar (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Ihm zur Seite steht der Tscheche Josef Sudek, der 1953 einen verschwommenen „Steinernen Traum“ für seinen Zyklus „Erinnerungen“ schuf (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Das sanfte und teils auch harte Spiel von Licht und Schatten bestimmt Edward Westons grandiose Sandformen der „Dunes. Oceano“. Die mit 18.000 bis 22.000 Euro bewertete Aufnahme von 1936 leitet zu der Abteilung „Zeitgenössische Photographie“ über und findet ihre Entsprechung etwa in Axel Hüttes unprätentiösen Aufnahmen der weiten Steppe von Akbota in Kasachstan aus dem Jahr 1998 (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR).

In ferne, oft menschenleere Gegenden Afrika zog es immer wieder Peter Beard, der sich mit seinen Bildern für den Schutz der dortigen Tierwelt einsetzte. 1968 fotografierte er zwei neugierige Gepardenjungen in „Cheetah Cubs at Natl Park Hdqtr Mweiga nr. Nyeri (Kenya)“, die mit ihrem Kindchenschema sicherlich für Schlüsselreize sorgen werden (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auf der anderen Seite steht das hektische Leben der Großstadt, wie es Philip-Lorca diCorcia etwa 1996 auf einer Straße der Metropole „Hong Kong“ einfing (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Fernöstlich bleibt es mit Andreas Gurskys rotem Lampionregen in der konstruierten Aufnahme „Singapore II“ von 1997 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Wie bieder wirken dagegen doch die Interieurs, die Thomas Ruff zwischen 1979 und 1983 in seinem Elternhaus in Zell am Harmersbach sachlich und auf die Ausstattung konzentriert einfing. Die 13 C-Prints liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro.

Immer wieder steht auch der Mensch im Mittelpunkt der künstlerischen Befragung, etwa in Form eines klassischen Portraits von Großvater und Enkelin in den amerikanischen Weiten bei Sally Manns „Tobacco Spit“ von 1987 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder als Standortbestimmung der eigenen Person in Robert Mapplethorpes „Self Portrait (with Make-up)“ von 1980 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Jürgen Klauke benutzt den Körper als Ausdrucksmittel, um Grenzen des menschlichen Daseins zu überschreiten, so auch 2003/2006 in seiner „ästhetischen Paranoia“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Als Akt tritt er uns selbstbewusst in Helmut Newtons „2 Playmates with Lemon Tree, Los Angeles“ von 1986 gegenüber, verschleiert auch in Daido Moriyamas im selben Jahr entstandenen Köperrundungen „How to create a beautiful picture 6“ (Taxen je 10.000 bis 15.000 EUR).

Der Japaner, der seine Motive gerne im Rotlichtmilieu suchte, ist auch für einen roten Siebdruck von 2007 zuständig, der groß die aufgeworfenen Lippen, einige Zähne und die Nasenlöcher eines Frauengesichts präsentiert (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Auch hier gibt es treffende Parallele zu einer Aufnahme aus Andres Serranos Serie „The Morgue“, für die er im Leichenhaus durch Krankheit oder Gewalteinwirkung Verstorbene fotografierte und damit den Blick auf den Tod lenkte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Völlig bildlos geworden sind die Leinwände der amerikanischen Autokinos, die Hiroshi Sugimoto in seiner Serie „Theaters“ durch Langezeitbelichtung zu einem weißen Nichts auslöschte. „Orange Drive-In, Orange“ und „Los Altos Drive-In, Lakewood“ stehen für jeweils 15.000 bis 20.000 Euro zu Gebot.

Die Auktion beginnt am 28. November um 17 Uhr. Die Besichtigung der Kunstwerke ist bis zum 27. November täglich von 10 bis 18:30 Uhr, dienstags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Villa Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@villa-grisebach.de



27.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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