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Arno Gisinger im Braunschweiger Museum für Photographie

Der 1964 in Dornbirn geborene und in Paris lebende Fotokünstler Arno Gisinger ist momentan mit seiner ersten Station der Ausstellungsserie „Topoï“ im Museum für Photographie in Braunschweig zugegen. Seine Arbeiten versteht er selbst als Historienbilder, die sowohl die Vergangenheit belegen, als auch zum Teil auf die Zukunft hinweisen. Somit versucht er eine Analogie von Fotografie und Geschichtsschreibung zu schaffen. Um den Lauf der Geschichte zu dokumentieren, lichtet er sowohl Orte als auch Menschen ab und widmet sich ferner immer wieder der Dingwelt. In dem er den Bestand vorhandener Gegenstände aufnimmt, weist er gleichzeitig auf abwesende Objekte und die dadurch entstehende Leere hin. Insgesamt zielt Gisinger darauf ab, durch seine Fotografie eine andere, neue Art der historischen Erzählung zu ermöglichen.

1994 fotografierte Arno Gisinger die Serie „Oradour“ in der französischen Gemeinde Oradour-sur-Glane, nordöstlich von Bordeaux. 1944 wurde das Dorf durch die Waffen-SS in Schutt und Asche gelegt. Seither dient die künstlich erhaltene Ruine als Gedenkstätte und hält somit das Geschehen von damals präsent. In den Fotografien Gisingers scheint die Zeit wie angehalten, wodurch er dem Betrachter die Ausmaße der damaligen Geschehnisse vor Augen führt. 2007 entstand die Serie „Cù Chi“ im Rahmen einer Künstlerresidenz in Ho Chi Minh-Stadt, dem ehemaligen Saigon, in Vietnam. Eine der Arbeiten zeigt, wo dem Widerstand der Vietcong gegen die amerikanischen Truppen gedacht wird. Wie in einer Schule sind Schautafel und Vitrinen leicht erhöht vor mehreren Reihen von Sitzbänken aufgestellt. Dieser offene Gedenk- und Schauraum stellt einen harten Kontrast zu den spärlichen, unterirdischen Behausungen der damaligen Widerstandskämpfer dar.

Mit „Hotel Europa, San Remo“ aus seiner Serie „Konstellation Benjamin“, die Arno Grisinger zu Exilorten Walter Benjamins führt, weist er mehrdeutig sowohl auf Vergangenes als auch auf Bevorstehendes hin. Den roten Reklameschriftzug „Europa“ auf einem Hoteldach in San Remo erblickt der Betrachter von hinten. Dadurch ist die Metallkonstruktion deutlich zu erkennen, die benötigt wird, um die großen Blockbuchstaben in Position zu halten. Die Aufnahme entstand schon 2007, gewinnt aber gerade in der jetzigen Zeit noch mehr an Bedeutung, da die ganze Welt auf Europa blickt, dessen stützende Konstruktion auf die Probe gestellt wird. Den historischen Kontext holt Grisinger mit einer Bildlegende ein, die auf den 6. Januar 1938 datiert ist. Die Szenerie, die sich als eine Aufnahme aus unseren Tagen zu erkennen gibt, setzt er somit in Relation zu einer Zeit, in der Südeuropa noch Zufluchtsort für deutsche Emigranten und Flüchtlinge war.

Die Ausstellung „Arno Gisinger – Topoï“ ist bis zum 6. Januar 2013 zu sehen. Das Museum für Photographie hat dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, ermäßigt 1 Euro.

Museum für Photographie
Helmstedter Straße 1
D-38102 Braunschweig

Telefon: +49 (0)531 – 750 00
Telefax: +49 (0)531 – 750 36

Quelle: Kunstmarkt.com/Kira Graser

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


09.11.2012, Arno Gisinger – Topoï

Bei:


Museum für Photographie e.V.

Künstler:

Arno Gisinger








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