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Eine hochkarätige Gemäldeschau wiederholt auszugsweise im Kölner Wallraf-Richartz-Museum die epochale Sonderbundausstellung vor einhundert Jahren

Motor für moderne Kräfte



Vincent van Gogh, Allee bei Arles, 1888

Vincent van Gogh, Allee bei Arles, 1888

Die Vernissage fand am Freitag, den 24. Mai 1912, gegen zwölf Uhr mittags statt, als „fein gekleidete Damen und Herren der hiesigen Gesellschaftskreise“, wie es im Kölner Stadtanzeiger hieß, ihr Stelldichein gaben. Das Ereignis vor genau einhundert Jahren war in der Tat bedeutend: Die zu eröffnende Ausstellung ist als erste umfangreiche Präsentation international moderner Kunst in die Kunstgeschichte eingegangen. Kölns Stadtväter hatten sich nicht gescheut, das Stahlgerüst einer Halle der Brüsseler Weltausstellung des Jahres 1910 aufzukaufen und es auf dem ehemaligen Exzerzierplatz vor dem Aachener Tor an der Stelle des heutigen Aachener Weihers wieder aufzubauen, um der aus Düsseldorf vertriebenen vierten Schau des Sonderbundes eine neue Heimstatt zu bieten. 25.000 Goldmark sponserte die Ratsversammlung und überließ obendrein die 30 Oberlichtsäle auf zusammen 5.000 Quadratmetern den Veranstaltern kostenlos. Bis zum 30. September 1912 zählte man rund 60.000 Besucher.


Was war zu sehen und so erregend neu? Anders als gewohnt gab sich zunächst einmal die Präsentation als solche. Die Schausäle waren aufs äußerste reduziert. Weiße Wände, akzentuiert von schwarzen Eckleisten und Türrahmen, boten den starkfarbigen Gemälden einen neutralen Hintergrund. Die Bilder selbst waren ein-, höchstens zweireihig an den Wänden platziert und meist nach Ländern geordnet. Auf historischen Grundlagen gestattete die international ausgerichtete Zusammenstellung einen systematischen „Blick aufs Ganze“. Die Verantwortlichen stellten die Neuerer der Kunst in historische Zusammenhänge und regten dadurch zum vergleichenden Sehen an. Professionell war die Begleitung durch einen Kurzführer samt Katalog mit Einführungstexten und Geschäftsanzeigen. Mit diesem Konzept setzte man neue Maßstäbe, die den Abschied von bisherigen planlosen Sammel- und Verkaufsschauen einläuteten.

Und was war konkret zu sehen? „Hier ist das wildeste versammelt, das in Europa gemalt wird. Ich bin nichts als ein verblichener Klassiker“, berichtete der Norweger Edvard Munch 1912 einem Freund. Den Überblick über den Stand der jüngsten Strömungen in der Malerei, seinerzeit überwiegend als „Expressionismus“ bezeichnet, leiteten Werkgruppen dreier damals schon verstorbener, als „letzte Klassiker“ gefeierter Maler ein: Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin. Insgesamt führte der Parcours vorbei an 634 katalogisierten Werken plus neun, möglicherweise auch elf außer Katalog zusätzlich gezeigten Gemälden Vincent van Goghs. 57 über die Säle verteilte Skulpturen waren darunter. Hinzu kamen noch in einem gesonderten Ausstellungsbereich 350 Werke aus dem Kunstgewerbesektor, die mangels Identifizierung im Kölner Comeback weggelassen wurden.

Rund ein Fünftel, 115 Originale der einstigen 634 Stücke von über 170 Künstlern aus zehn europäischen Ländern, sind nun zum einhundertsten Geburtstag im Kölner Wallraf-Richartz-Museum abermals versammelt. Damals wie heute steht van Gogh im Zentrum. Von den seinerzeit 125 Arbeiten des Niederländers sind nun 15 in Köln zu bewundern. Darunter dominiert sein im Frühjahr 1887 mehr getupft als gemaltes Selbstbildnis. Das einst vom Kaufhausbesitzer Leonhard Tietz entliehene, heute im Art Institute of Chicago beheimatete Porträt besticht durch das Zusammenspiel komplementärer Kontraste. Heute blickt der Künstler vom Cover des Katalogs und sämtlichen Werbematerialien. Strahlende, schon fast grelle Farben und eigenwillige, gewirbelte Pinselstriche zeichnet das von gelb-blauen, kontrastierenden Tönen bestimmte Arrangement der „Allee bei Arles“ aus dem Jahr 1888 aus. Dagegen haben sich van Goghs aus dem selben Jahr stammende „Fischerboote am Strand von Saintes-Maries-de-la-Mer“ schon fast ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Auf dem Postkartenbild erzeugen am Strand liegende Fischerboote und eine Reihe gleitender Segelschiffe ein Gegengewicht zur weiten See.

Von den 16 Bildern des jungen Spaniers Pablo Picasso, die einst in einem eigenen Saal hingen, sind zwei nun im selben Raum mit van Gogh ausgestellt, darunter ein „Sitzender Harlekin“, den er als Zwanzigjähriger 1901 nachdenklich malte. Auch Paul Cézannes nach räumlicher Tiefe strebenden, strukturierten Gefüge, die langsam den Kubismus erwachen lassen, sind zu bewundern, begleitet vom kräftigen Kolorit der Südseeszenen des gesellschaftlichen Aussteigers Paul Gauguin. Zudem beherrschend ist damals wie heute die in der Rundgangmitte gelegene Kapelle, in der die für den Chor der Neusser Dreikönigskirche entworfenen Fenster Jan Thorn Prikkers eingebaut waren. Beim Revival als einzige Werke rekonstruiert, scheint heute ein Raum für religiöse Kunst überraschend; um 1912 waren derartige Grenzüberschreitungen üblicher. Neben den erst nach langen Querelen ausgeführten Glasfenstern, die heute zu den Meilensteinen rheinischer Sakralkunst zählen, konnten auch die Expressionisten Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner ihre Visionen in der Form von Malereien auf der Jute-Bespannung an Wänden und Decke präsentieren. Ansonsten blieb den Vertretern der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ der Auftritt als Gruppe verwehrt. Zu deren Enttäuschung stellte man sie als Einzelkünstler vor.

Eigentlicher Ausgangspunkt ist die Kunst des Neoimpressionismus, vertreten durch die Pointillisten Henri Edmond Cross und vor allem Paul Signac. Eine Auswahl seiner Gemälde besticht durch die mittels Farbzerlegungen erzielte Steigerung der Leuchtkraft. Entscheidende Impulse bei der Befreiung der Farbe von der Form wird seiner Kunst zugeschrieben. Meer und Strandleben beherrschen auch den 1911 von Maurice Denis gemalten „Septemberabend“, eine stimmungsvolle, von den Künsten der Nabis angeregte Traumlandschaft in rosafarbenem Abendlicht und türkisfarbenem Meer. Er steht in Verbindung mit flächig-dekorativ sowie linear gefassten gegenständlichen Sujets, ein Gegensatz zu den progressiven Tendenzen der Zeit.

Egon Schiele und Oskar Kokoschka bilden die Eckpfeiler der österreichischen Sektion. Markant verstehen sie es, innere Seelenzustände durch Verzerrrungen, Verrenkungen und Deformationen auszudrücken. Im Schweizer Abschnitt sticht vor allem die Diskrepanz hinsichtlich der künstlerischen Entwicklung zwischen den Werken Giovanni Giacomettis und den Beiträgen Cuno Amiets sowie Ferdinand Hodlers hervor; denn die älteren Gemälde Giacomettis entsprachen nicht mehr dem aktuellsten Stand. Der den Norwegern im Wallraf-Richartz-Museum zugestandene Saal dominiert die bemerkenswerte Kraft des Übervaters Edvard Munch, dem 1912 ein „Ehrensaal“ zuteilt wurde. Großfotos führen die Hängung vor einhundert Jahren vor Augen, die nun in Teilen wieder zu erleben ist. Nicht vergessen werden sollte ein Blick auf die Skulpturen von George Minne, Ernst Barlach und dem als größten Nachwuchstalent angesehenen Wilhelm Lehmbruck, deren gemeinsame Tendenz im Hang zu starken Vereinfachungen lag.

Am Ende verfällt die aktuelle Ausstellung etwas in lokale Kleinigkeiten. „Urteilen Sie selbst: Welchen Eindruck haben Sie heute von der Innovationskraft der Düsseldorfer Maler?“, heißt es im Wandtext zur Erläuterung von Werken der Düsseldorfer Maler Max Clarenbach und August Deusser. Ob das den Organisatoren der Schau des Jahres 1912 gefallen hätte? Der damalige Direktor des Wallraf-Richartz-Museums, Alfred Hagelstange, der zu vierköpfigen Sonderbund-Jury gehörte, Karl Ernst Osthaus, Begründer des Museums Folkwang , und der Galerist Alfred Flechtheim waren da doch mehr auf Internationalität bedacht.

Der aus Düsseldorfer Künstlervereinigungen hervorgegangene „Sonderbund westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ etablierte sich während der ersten Gruppenschau im Mai 1909 ebendort als Vereinigung von Künstlern, Sammlern, Kritikern unter dem Vorsitz des Hagener Sammlers und Mäzens Karl Ernst Osthaus. Auch die zweite Ausstellung 1910 und die dritte 1911 fanden in Düsseldorf statt. Der vehemente Proteste auslösende, 30.000 Mark teuere Ankauf von van Goghs „Mohnfeld“ für die Kunsthalle Bremen ließ die Düsseldorfer 1911 aber kalte Füße bekommen. Für 1912 wurde die Genehmigung einer abermaligen Ausstellung untersagt. Mutig und weit blickend, engagierte sich nun Köln für eine umstrittene Sache, fernab von Berlin, dem in seiner Kunstauffassung konservativ-reaktionären Kaiserhaus noch weiter entrückt und auch nicht mehr im Windschatten einer schwerfälligen Kunstakademie mit den ihr angegliederten Künstlergruppen.

Das liberale Köln nahm den Angriff auf gängige Kunstauffassungen und daraus erwachsene, fast ausnahmslos negative öffentliche Kritiken in Kauf und legte den Grundstein für seinen Ruf als Kunststadt. Die nachhaltige Wirkung blieb nicht aus: Nur wenig später lehnte sich die erste „International Exhibition of Modern Art“, auch bekannt als „Armory Show“, stark an die Sonderbundausstellung an. Struktur, sogar Titel und Typografie wurden vom Vorbild direkt übernommen. Nichts verdeutlicht mehr das Sendungsbewusstsein der Kölner Schau, die den Amerikanern den Weg in die Moderne wies. Kunsthistoriker ziehen sogar weitere Entwicklungslinien bis hin zur Documenta. Die Organisation, die der zeitgenössischen Kunst zum Durchbruch verhalf und den Prototyp heutiger Kunstausstellungen aus der Taufe hob, löste sich nahezu unbemerkt auf. Durch interne Streitigkeiten gelähmt, ist für den 31. Juli 1915 die Liquidierung der Vereinigung offiziell dokumentiert.

Die Ausstellung „1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundes“ ist noch bis zum 30. Dezember zu sehen. Das Wallraf-Richartz-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, für Familien 24 Euro. Zur Ausstellung ist ein umgangreicher, auf intensiver Forschungsarbeit basierender Katalog erschienen, der die Ausstellung von 1912 umfassend dokumentiert und alle seinerzeit vorhandenen Exponate auflistet. Er kostet an der Museumskasse 39,90 Euro. im Buchhandel 49,90 Euro. Ferner gibt es hier ein Begleitheft für 12 Euro.

Kontakt:

Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud

Obenmarspforten 40

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 221 211 19

Telefax:+49 (0221) 221 226 29



15.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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31.08.2012, 1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundes

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