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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die moderne und zeitgenössische Kunst bei Neumeister in München wird von Werken aus der Siemens-Sammlung geprägt

Meditationen



Die Siemens-Sammlung in München will sie nicht mehr, sammelfreudige Freunde Per Kirkebys werden sich also vielleicht freuen: Eine Folge von zehn zusammengehörigen Gemälden des dänischen Malers bietet das Münchner Auktionshaus Neumeister in seiner kommenden Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst an. Jeweils 160 mal 100 Zentimeter messen die in Öl bemalten Leinwände, die den Betrachter vor landschaftlich anmutende Abstraktionen in passend zur Jahreszeit überwiegend herbstlichen Farben stellt. Schwer sind die gesteinsartigen Farbflächen auf den Hochformaten gegeneinander gesetzt, teils strukturiert durch Liniengespinste. Bei Siemens hing die Folge in der Hauptverwaltung am Wittelsbacherplatz in München. Hier wird nun umgebaut, und Kirkeby muss der Neustrukturierung weichen. Für seine Gemäldefolge wollen Siemens und Neumeister 280.000 bis 320.000 Euro sehen.


Kirkebys Bildfolge ist Teil der 48 ausgewählten Werke, die Neumeister am 14. November seiner insgesamt rund 160 Losnummern umfassenden Offerte vorangestellt hat. Gewohnt heterogen, findet sich hier Hochkarätiges wie zwei der durch Farbbalken strukturierten Aquarelle Sean Scullys aus dem Jahr 1992 für jeweils 20.000 bis 25.000 Euro neben Geschmäcklerischem wie zwei fotografischen Werken des im vergangenen Jahr verstorbenen Playboys Gunter Sachs: „Ascot“ von 1995 mit einer 16fachen Wiederholung derselben barbusigen Frau in verschiedenen Ausschau haltenden Posen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und „Conquest of Paradise“ von 1997 mit Anleihen an der surrealistischen Malerei etwa Salvador Dalís (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Am meisten beeindruckt die klassische Moderne der Zwischenkriegsjahre mit der neusachlichen, ruhigen Winterlandschaft „Bayrischer Wald“ samt einigen Bauernhäusern von Albert Birkle um 1930 (Taxe 110.000 bis 120.000 EUR) oder die beiden Aquarelle „Blumenstillleben mit langen kahlen Zweigen“ von circa 1920/25 (Taxe 95.000 bis 100.000 EUR) und „Winterlandschaft in Sils Maria“ von Emil Nolde für 100.000 bis 120.000 Euro. Auf französischer Seite ragt Albert Marquets 1896 entstandenes Frühwerk einer nackten „Femme assise“ vor dem Ofen in gemäßigt avantgardistischen Formen für 40.000 bis 50.000 Euro heraus. Noch dem Impressionismus verhaftet sind Leo Putz’ zwei Frauenakte „Am Ufer“ von 1911 (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR) und Otto Pippels sonnendurchflutete Bäume in der ersten Frühlingswärme, unter die sich laut Bildtitel „Die Künstler“ niedergelassen haben (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Zu den weniger bekannten Meistern gehört der 1945 im thüringischen Bad Langensalza gestorbene Expressionist Hans Thuar. Besonders in der kleinen Leinwand „Kalköfen“ von 1924 wird sein gestalterisches Potential sichtbar (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), während das „Stillleben mit Zierkürbissen auf Steintisch“ von 1935 vor allem von einer guten Beobachtungsgabe zeugt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Schon einmal zugegen waren Erich Heckels Frauenakt „Sommer“ von 1949 im Dezember 2009 bei Van Ham für 40.000 bis 50.000 Euro und Alexander Kanoldts keines Gelegenheits-„Stillleben mit Büchern“ von 1916 im vergangenen Mai bei Neumeister für 30.000 bis 40.000 Euro. Beide sind jetzt um etwa 10.000 Euro reduziert. Stärker sind bei Heckel denn auch die beiden Neuzugänge: die mit wenigen Strichen 1911 erschaffene Kohlezeichnung „Junges Mädchen“, das sich gerade das Auge reibt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und das Aquarell „Frau mit Kind am Strand“ von 1929 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Dreimal ist zudem Otto Dix vertreten, wobei der aufreizende Frauenakt „Erwartung I“ in Kreide auf ockerfarbenem Tonpapier 1914 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und das frühe Nachkriegsbild „Vier Masken“ von 1948 für 60.000 bis 70.000 Euro zwei ganz unterschiedliche Schaffensphasen des expressionistischen Meisters repräsentieren.

Aus der Reihe der Abstrakten ragen Willi Baumeisters 1942 trotz Malverbots geschaffene, zeichenhafte Figuren „Im Gespräch“ (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR), Serge Poliakoffs rot-blau-schwarz-weiße „Composition diptyche“ von 1964/65 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR) und Rupprecht Geigers siebeneinhalb Meter breites, aber nur 120 Zentimeter hohes „845/91 (Pink moduliert)“ von 1991. Es befand sich ebenfalls bislang im Besitz der Siemens-Sammlung, zierte das Betriebsrestaurant der Hauptverwaltung am Wittelsbacherplatz und muss nun ebenfalls dem Neubau der Konzernzentrale von Henning Larsen weichen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Eine der unverwechselbaren „Meditationen“ Alexej von Jawlenskys, ein in „Grün – Gelb – Orange“ abstrahiertes Gesicht von 1936, ist für 30.000 bis 40.000 Euro zu haben. Recht günstige 6.000 bis 8.000 Euro hat Neumeister für das mittelgroße Ölbild fließender Farbflächen „Phenomena Blue Ascription“ aus dem Jahr 1965 von Paul Jenkins angesetzt.

Irgendwo zwischen Konkretion und Abstraktion sind Konrad Klaphecks „Vier Herzen am Abend“ von 1961 angesiedelt, deren hohen Wiedererkennungswert das Auktionshaus mit anspruchsvollen 100.000 bis 150.000 Euro vergütet haben möchte. Als eine der interessantesten Offerten kann Uwe Lausens „Das stille Glück der Natur (Der Schreihals)“ von 1965 gelten, das Werk eines 24jährigen, der sich nach einem höchst exzessiven Leben bereits 1970 selbst tötete. In seiner räumlichen Haltlosigkeit und der Figurenzeichnung erinnert das 140 mal 180 Zentimeter große Ölbild ein wenig an Francis Bacon, eine andere tragische Künstlergestalt des 20sten Jahrhunderts. 75.000 bis 80.000 Euro bedeuten vielleicht einen neuen Auktionshöchstpreis für Uwe Lausen.

Klassiker der älteren Gegenständler sind Andy Warhols rasche Tuschfederzeichnung „Unidentified Male-Flower Power Thinker“ von 1954, die einmal sogar bei Larry Gagosian in New York über den Tresen ging (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR), und Surreales lässt Johann Georg Müller in sein Bildnis einer liegenden Frau unter dem Titel „Die Blume“ von 1960 einfließen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Jim Dines Kohle- und Kreidezeichnung eines schmalen, stehenden Frauenakts unter dem Titel „The bird mask“ von 1978, Rainer Fettings tondoförmige Hommage „N. Y. star night“ von 1992 für jeweils Taxe 10.000 bis 15.000 Euro und Andreas Schulzes graue Farbschlinge vor gelb-rot-blauem Hintergrund von 1986 für 5.000 bis 7.000 Euro repräsentieren unterschiedliche Konzepte gegenständlicher Malerei der Gegenwart. Unter den Fotokünstlern ragt Thomas Ruff mit einem großformatigen, fast altmeisterlich statisch inszenierten „Porträt (A. Roters)“ aus dem Jahr 2001 hervor (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Auch in der nachfolgenden Abteilung mit den kleineren Preisen verdienen einige Kunstwerke die Aufmerksamkeit der Sammler. Hier findet sich beispielweise Max Slevogts als rote Farbsymphonie gestaltetes Damenportrait nach links von 1897 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), genauso wie Robin Pages feine Ironie „Corrected Magritte“, eine Collage mit zurechtgerücktem Kopf von 1972 für 600 bis 800 Euro. Die klassische Moderne steuert etwa noch Marc Chagalls frühe Kaltnadelradierung „Haus in Peskowatik“ von 1922 aus der bei Paul Cassirer erschienenen Folge „Mein Leben“ (Taxe 2.800 bis 3.000 EUR), die beiden bewegten und farbintensiven Aquarelle „Am Golf von Salerno“ und „Stadt am Fluss“ aus dem Jahr 1930 von Josef Eberz (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR) sowie die dagegen farblich reduzierte und grafisch aufgefasste winterliche Bergwelt „Gestöber“ von Erich Erler-Samaden bei (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Eine der ungewöhnlichsten Schöpfungen ist die wogende Welle einer „Frauendemonstration“, mit der die kaum bekannte Victoria Zimmermann wohl in den 1920er Jahren künstlerisch für die Rechte der Frauen stritt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Abstrakt ungestüm tritt eine kleinere unbetitelte Mischtechnik Walter Stöhrers in dominierendem Rot von 1980 auf (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Den Wandel Berlins dokumentiert der Fotokünstler Frank Thiel schon seit längerem. 1990 fand er im Ostteil der Stadt noch die Heroen des Kommunismus Marx, Engels und Lenin als strenge und mahnende Wächter über die treue Gesinnung vor. Heute sind die Denkmale weggeräumt, die Thiel in seinem Diptychon „M.E.L.“ verewigte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Wie schon im vergangenen Herbst bildet eine kleine Auswahl von gut zwei Dutzend dreidimensionalen Arbeiten unter dem Titel „shape“ den Abschluss der Auktion. Sie reicht von Klassikern der beginnenden Moderne wie August Gauls seit 1902 mehrmals ausgestellter Bronze eines schreitenden Straußes (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR) bis hin zu brandneuen Arbeiten wie Christian Colins farbig gefasstem, mangaartigem Fiberglaskopf „Glowgirl #II“ von 2010 für 18.000 bis 20.000 Euro. Dazwischen gibt es viel vor allem aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten wie Lothar Fischers „Altertümlichen Krieger I“ von 1959 (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) oder Otto Herbert Hajeks noch an die menschliche Figur erinnernde Bronze „Raumdurchdringung (der unbekannte politische Gefangene, durchwachsene Form)“ von 1952 für 18.000 bis 20.000 Euro.

Weitere Arbeiten bekannter jüngerer Künstler sind Karl Horst Hödickes knapp anderthalb Meter hohe Standfigur „Der Geist des Dirigenten“ von 1990 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), Karl Prantls schwarzer Granitblock „Stein zur Mediation“ von 1985/91 aus österreichischem Privatbesitz (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Jonathan Meeses skurrile, tonartig patinierte Bronze „Dr Werwolf. Sei lieb“ von 2007 für 30.000 bis 35.000 Euro. Spitzenreiter ist mir einer Schätzung von 50.000 bis 60.000 Euro allerdings Gerhard Marcks’ „Kleine Barbara“, deren Entstehungsjahr 1934 bereits wieder auf die klassische Moderne verweist. Die beiden anderen nachweisbaren Güsse der unterlebensgroßen Bronzefigur gelten als verschollen.

Die Auktion beginnt am 14. November um 15 Uhr. Die Besichtigung der Kunstwerke ist noch bis zum 12. November täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



11.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Leo Putz, Am Ufer,
 1911
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Alexej von Jawlensky, Meditation: Grün – Gelb – Orange, 1936

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 14

Josef Eberz, Am Golf von Salerno – Stadt am Fluss, 1930

Josef Eberz, Am Golf von Salerno – Stadt am Fluss, 1930

Taxe: 1.500 - 2.000 EURO

Zuschlag: 2.600,- EURO

Losnummer: 62

August Gaul, Schreitender Strauß

August Gaul, Schreitender Strauß

Taxe: 13.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 176

Max Slevogt, Damenporträt, 1897

Max Slevogt, Damenporträt, 1897

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 89

Leo Putz, Am Ufer, 1911

Leo Putz, Am Ufer, 1911

Taxe: 22.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 46.000,- EURO

Losnummer: 35

Alexander Kanoldt, Stillleben mit Büchern, 1916

Alexander Kanoldt, Stillleben mit Büchern, 1916

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 16




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