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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

In einer teils gruselig-geisterhaft anmutenden Ausstellung widmet sich die Bundeskunsthalle exzentrischen Außenseiterpositionen

Bizarre Grenzgänger



Maske mit schiefem Mund, Graubünden, um 1900

Maske mit schiefem Mund, Graubünden, um 1900

Führende Geistesgrößen kritisieren bereits seit längerem, dass die Egalität zum beherrschenden Diktat der Jetztzeit ausartet. Dabei geraten all jene, die Neues wagen, sich abseits ausgetretener Pfade bewegen oder kompromisslos unberechenbaren Dingen nachgehen, rasch in den Ruf, abseits der Normalität zu stehen. Erfindern, Wissenschaftlern, insbesondere zeitgenössischen Kunstschaffenden haftet die Rolle des Exzentrikers an. Die Bundeskunsthalle in Bonn bietet derzeit eine Ausstellung, die im Kern dieses Phänomen griffig auf den Punkt bringt und zu verdeutlichen versucht, warum dies so ist, worin sich dies äußert und weshalb auch solche Außenseiter einen Platz in der Gesellschaft besitzen. Rund 200 Werke teils in ihren eigenen Sphären wandelnder Grenzgänger unterschiedlichster Disziplinen, ethnologischer Provenienzen und Epochen versammelt die von „Narren, Künstlern und Heiligen“ erzählende Schau.


Eher ernst bewegt sich der Besucher auf einem gespensterhaften, dunklen Parcours, dessen zehn Abschnitte thematische Schwerpunkte setzen. So geht es einleitend um die „Nacht“, die optimale Bedingungen für alles Wilde, Heilige und Dunkle bildet, gefolgt von den Ausstellungsteilen „Mächte der Unordnung“, „Vermittler als Mächte der Kommunikation“, „Heilige Clowns“, „Kosmische Reisen und Hilfsgeister“, „Metamorphosen“, „Worte der Eingeweihten“, „Magie und Krankheit“, „Feste der Unordnung“ und „Profane Beschwörungen“. Diese Gruppierung soll eine Struktur in das grelle, verwirrende Crossover bringen. Zu den Arbeiten 40 namentlich bekannter Künstler versammeln sich solche zahlreicher anonyme Schöpfer und Kunsthandwerker. Fetische, Geisterpuppen aus Sibirien, Figuren von Priestern und Schamanen und immer wieder Masken aus Tibet, den USA, Bali oder der Schweiz gehören ebenso zu den Exponaten wie Ritualgefäße, außergewöhnlich anmutende Kostüme asiatischer Völker, Orakelsäcke, Zauberfiguren sowie rot- und schwarzfigurige Amphoren aus der Antike mit der Darstellung des Gottes Dionysos, der dem disziplinierten Verhalten rebellisch seine Lüsternheit entgegensetzt.

Parallel dazu bringt die Schau Künste der Gegenwart ins Spiel. Jean-Michel Basquiat beispielsweise offenbart in einem Ölgemälde von 1988 seine Sichtweisen, die er mit Exu, einem mächtigen Gott der Voodoo-Religion, verbindet. Von Joseph Beuys ist ein Videoausschnitt einer gefilmten Aktion vom 26. November 1965 in der Düsseldorfer Galerie Schmela zu sehen. „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“, heißt der Titel der Performance. Mittels einer meditativen Unterhaltung mit dem toten Tier, das in Verbindung zur unterirdischen Welt steht, lässt Beuys die auf Vernunft basierenden Kommunikationssysteme hinter sich und will das Individuum mit verlorenen spirituellen Sphären versöhnen. Annette Messagers Installation „En Balance“ von 1998 kombiniert aufgeribbelte herabhängende Wollschnüre mit kleinen Fotografien. Schreckliches und Zartes, Gutes und Böses, Düsteres und Wundersames zugleich suggerierend, erinnern ihre Strukturen an den Blutkreislauf eines gespenstischen Körpers.

Zu den größten Werken gehört das blutrote, wandfüllende „Schüttbild Sevilla 92“ von Hermann Nitsch aus dem Jahr 1992. Von 2005 stammt eine überlebensgroße Bronzefigur von Jonathan Meese. „Der Propagandist“ zeichnet sich durch amorphe, verwesende Konturen aus, aus denen speziell das männliche Glied überaus weit hervorragt. Paul McCarthy bereichert die Auswahl mit dem 1995 entstandenen Video „Painter“, während von dem 1946 geborenen Belgier Jacques Lizène eine 2009 vollendete Assemblage skurriler Plastiken aus Holz, Gips, Metall und Kautschuk präsentiert wird. Eher zum Schmunzeln regt die Styroporplastik des jüngsten, erst 31 Jahre alten Benjamin Blaquart an. „La Chose“ ist ein etwas zu ungelenk geformtes, entfernt an einen Konzertflügel erinnerndes Behältnis, das auf einer Seite auf zwei menschlichen Beinen aufgeständert ist. Natürlich passt auch Altmeister Pablo Picasso gut ins Konzept, von dem acht mit Masken und Clowns gestaltete Titelblätter der Zeitschrift „Le Patriote“ aus den Jahren zwischen 1958 bis 1967 zu sehen sind. Gerade in Bonn tun sich besonders an dieser Stelle Verbindungen zum rheinischen Karneval auf.

Trotz aller Verschiedenheit des künstlerischen Ausdrucks eröffnen sich oft überraschende Korrespondenzen und Kontinuitäten. Die Schöpfer und Benutzer der Objekte leben in besonderen Wirkungsbereichen, bringen Menschliches mit Übermenschlichem in Verbindung und erfüllen eine essentielle Rolle. So wie es ohne Tod kein Leben gibt, kann es auch ohne Chaos und Exzess, ohne Unverständliches, Mystisches und Außergewöhnliches weder Ordnung noch Normalität geben. Der Lauf der Zeit wäre in einer Notlage, wenn es keine Leuchten der Anarchie, keine Hexenmeister, keine exzentrischen Schöpfergeister und keine Göttlichen gäbe, wenn nicht der Karneval die Verhältnisse von Zeit zu Zeit auf den Kopf stellen oder wenn uns die Narren nicht den Spiegel vorhalten würden. Die Ausstellung weist in der noch „narrenfreien“ Zeit darauf hin, dass für das Funktionieren des alltäglichen Miteinanders das Anderssein eine Notwendigkeit ist.

Die Ausstellung „Narren. Künstler. Heilige. – Lob der Torheit“ ist noch bis zum 2. Dezember zu besichtigen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



05.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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31.08.2012, Lob der Torheit - Narren. Künstler. Heilige

Bei:


Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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Die heiligen Narren in Christo Prokopij und Ioann von
 Ustjug, Russland, um 1660/1700
Die heiligen Narren in Christo Prokopij und Ioann von Ustjug, Russland, um 1660/1700

Variabilder:

Maske der balinesischen Hexenkönigin Rangda, Indonesien,
 1900/50
Maske der balinesischen Hexenkönigin Rangda, Indonesien, 1900/50

Variabilder:

Hilfsgeist
 eines Schamanen „keryupte“, Telengiten (Altai), Sibirien Anfang 20. Jahrhundert
Hilfsgeist eines Schamanen „keryupte“, Telengiten (Altai), Sibirien Anfang 20. Jahrhundert

Variabilder:

Jaguar-Mann (Schamane in
 Verwandlung), La-Tolita-Kultur, Ecuador 400 v. bis 700 n. Chr.
Jaguar-Mann (Schamane in Verwandlung), La-Tolita-Kultur, Ecuador 400 v. bis 700 n. Chr.

Variabilder:

Gewand eines „gurtum“, Mongolei, 19./20. Jahrhundert
Gewand eines „gurtum“, Mongolei, 19./20. Jahrhundert

Variabilder:

Fetisch „bo“, Fon, Benin 20. Jahrhundert
Fetisch „bo“, Fon, Benin 20. Jahrhundert

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Silen stützt Dionysos, Kleinasien, 1. Jahrhundert v. Chr.
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Die heiligen Narren in Christo Prokopij und Ioann von Ustjug, Russland, um 1660/1700

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Maske der balinesischen Hexenkönigin Rangda, Indonesien, 1900/50

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Hilfsgeist eines Schamanen „keryupte“, Telengiten (Altai), Sibirien Anfang 20. Jahrhundert

Hilfsgeist eines Schamanen „keryupte“, Telengiten (Altai), Sibirien Anfang 20. Jahrhundert

Jaguar-Mann (Schamane in Verwandlung), La-Tolita-Kultur, Ecuador 400 v. bis 700 n. Chr.

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Gewand eines „gurtum“, Mongolei, 19./20. Jahrhundert

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Fetisch „bo“, Fon, Benin 20. Jahrhundert

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Silen stützt Dionysos, Kleinasien, 1. Jahrhundert v. Chr.

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in der Ausstellung Narren. Künstler. Heilige. – Lob der Torheit“

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