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Die Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel und die Museumslandschaft Hessen Kassel versuchen, mit einer groß angelegten Ausstellung zum Werk von Jacob Jordaens bislang verengte Sichtweisen zu revidieren

Lustvoll-erotisches Schwelgen



Jacob Jordaens und Frans Snyders, Allegorie der Fruchtbarkeit des Landes, um 1623/25

Jacob Jordaens und Frans Snyders, Allegorie der Fruchtbarkeit des Landes, um 1623/25

In den Rahmen eines Fensters gesetzt, präsentiert sich vor blau-rotem Abendhimmel der Maler, schwarz gewandet und bekrönt von einem auffallend breitkrempigen Hut. Anstatt mit Pinsel und Palette stellt sich Jacob Jordaens mit einer kleinen antiken Statue vor. In den Händen hält er die Doppelfigur aus Venus und Cupido. In vornehmer Pose und weicher Modulation unterstreicht er so seinen Status als edler Gentleman in einer Reihe bedeutender Gestalten der Zeit. Bezüge zu Peter Paul Rubens lassen sich leicht herstellen. Die Analogien kommen nicht von ungefähr. Denn der am 19. Mai 1593 in Antwerpen geborene Jordaens arbeitete zwischen 1616 und 1620 als Gehilfe in der Werkstatt seines 16 Jahre älteren Malerkollegen. Aber nicht nur dies: Neue Forschungen belegen, dass sogar verwandtschaftliche Bande zwischen Rubens und Jordaens existierten.


Komplettiert wird das Trio der bedeutendsten flämischen Barockmaler durch Anthonis van Dyck. Von den dreien wurde Jacob Jordaens bislang als derber, volkstümlicher Epigone Rubens’ ohne anspruchsvollen Intellekt angesehen, dessen von bürgerlicher Gemütlichkeit geprägten Werke mit starker Betonung kraftvoller, lebensgenießerischer Züge sich an ein weniger gebildetes Publikum richteten. Bislang wurde Jordaens stark aus dem Blickwinkel nationaler Wahrnehmung ergründet und der urwüchsige Charakter der Flamen in seinem Werk besonders betont. Diesen Vorstellungen möchte eine Ausstellung in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel nun entgegentreten und hebt dazu spezifische visuelle Strategien hervor. Im Mittelpunkt stehen dabei mit der Antike verbundene Sujets, die Jordaens prononciert zu Rubens und van Dyck neu positionieren sollen.

Jacob Jordaens, ältester Sohn eines Tuchhändlers, ging ab 1607 bei seinem Schwiegervater Adam van Noort in die Lehre. Schon 1615, als er seine Ausbildung beendet hatte, wurde er Mitglied der Antwerpener Malergilde St. Lukas, 1621 sogar deren Dekan. Um 1659 wurde er zu den 400 vermögendsten Bürgern Antwerpens gezählt, unterhielt eine Werkstatt und arbeitete für den Adel, Bankiers sowie kirchliche Auftraggeber. Nach dem Tod von Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck zu Begin der 1640er Jahre erhielt Jordaens alle bedeutenden Aufträge für Adel und Kirche. Auch der Übertritt zum Calvinismus im Jahr 1655 beeinflusste die Auftragsvergaben der katholischen Kirche nicht.

In der Ausstellung durchschreitet der Besucher einen Parcours vorbei an großformatigen Szenen mit biblischen, mythologischen und allegorischen Sujets, aber auch Porträts. Unter die 114 Exponate mischen sich dialogisch einige Werke von bedeutenden Zeitgenossen, darunter allein sieben Gemälde von Peter Paul Rubens. Wie klar teilweise Komposition und Figuren dem Duktus seines Lehrmeisters verpflichtet sind, demonstriert das 1617 angefertigte Gemälde „Die Töchter des Kekrops finden den kleinen Erichthonios“. Doch Jacob Jordaens findet einen eigenen Erzählstil, hebt auf den Schluss der Geschichte ab und bringt zusätzliche Elemente ein, wie den auf Neid anspielenden, knurrenden Hund, den Truthahn als Sinnbild des Zornes, einen für Torheit stehenden Papagei oder einen die Geldgier verkörpernden ziselierten Krug. Jordaens’ Version erscheint zu der drei Jahre zuvor entstandenen Rubensschen Fassung heller und weniger starr. Daneben basieren viele visuelle Dialoge antiker Motive auf Stücke einer prunkvollen Antikensammlung, die Rubens in seinem Anwesen zusammengetragen hatte und die Jordaens gut kannte.

Ab Mitte der 1630er Jahre wandte sich Jordaens wieder mehr Themen zu, die eher seinen Vorlieben entgegen kamen. Zeitgenössische Figuren bevölkern Genreszenen. „Monumentale Kabinettstücke“ gehören denn auch zu den Highlights der Schau: Jacob Jordaens arbeitete selten kleinformatig und übertrug für Kabinettgemälde typische Themen ins Großformat. Im Vergleich zur Bildfläche eher klein wirkende Figuren durchschwirren atmosphärische Landschaften. „Das Fest der Venus“ aus dem Jahr 1640 orientiert sich zweifellos an Rubens’ Kopie nach Tizians „Anbetung der Venus“ von 1630, doch Jordaens verwandelt das Sujet in eine Triumphprozession, über der ein Kranz umherschwirrender Putten als Zeichen der Fruchtbarkeit schwebt. Klein, aber kraftvoll sind die übrigen Figuren: Der Hochzeitsgott Hymenaios führt mit einer Fackel den illustren Zug völlig entblößter Gestalten zum Venusaltar an. Reizende Cupidos zwicken nackten Frauen in die Brust oder kneifen ihnen liebevoll ins Gesäß.

Vorbei an Allegorien des Überflusses und der Fruchtbarkeit, die zunächst noch von Anlehnungen an Rubens’ Vokabular zehren und später auf der Basis antiker Quellen weiter zu individuelleren Figurenreigen entwickelt werden, führt der Weg zu den Triumphen des Bacchus. Der Gott des Weines samt Zechgesellen war ein populäres Thema unter den Künstlern des 16ten und 17ten Jahrhunderts, dem sich Jordaens nicht verschloss. Meist blieb der für seine wilden Genreszenen berühmte Maler innerhalb der Grenzen des Anstandes. Doch eine Ausnahme bildet einen Höhepunkt der Ausstellung: Um 1645/50 entstand auf einem Großformat von über zweieinhalb Metern Breite ein Bacchanal mit dem Gott inmitten seines zahlreichen Gefolges. Aus der Furcht heraus, dass die vielen nackten Leiber die Besucher abschrecken könnten, blieb das Gemälde über Jahrzehnte im Depot des Brüsseler Kunstmuseums verborgen. Die erotischen Szenen übermäßiger Genusssüchte bilden einen Rausch dicht an dicht gedrängter Figuren, die an römische Sarkophage erinnert.

Ab den 1640er Jahren mildert Jordaens mittels weicher Schichtungen zu stark sinnliche Fleischfülle in einer Weise ab, die einer Hommage an Tizian und Veronese gleichkommt. Die archäologische Intensität früherer Jahre schwindet, und die Antike bildet eher einen atmosphärischen Rahmen als antiquarisches Detail. Nach wie vor aber steigert das Gegeneinanderwirken von Licht und Schatten die Dramatik, eine von Caravaggio entlehnte Methode. Von 1655 bis zum seinem Tod am 18. Oktober 1678 in Antwerpen wird Jordaens’ Malstil nüchterner und ruhiger.

Neben Gemälden bietet die Schau auch Zeichnungen, die im Laufe der Jahre an Format zulegen, da sie als Vorlagen für Mitarbeiter der Werkstatt dienten. Diese war zunehmend das Zentrum der kommerziellen Aktivitäten Jordaens’, vor allem nach dem Tod seiner Kollegen Rubens und Dyck, als besonders königliche Auftraggeber aus England, Schweden oder Oranien an den Meister herantraten. Neben dem Ruf als erstrangiger Historienmaler erwarb er sich zudem eine Reputation als Teppichgestalter. Nicht weniger als acht Tapisserien entwarf er. Produziert wurden sie in darauf spezialisierte Webereien in Brüssel, dem damals wichtigsten Herstellungszentrum in Europa. Auch hier gibt sich Jordaens als aufmerksamer, origineller Interpret antiker Quellen und entwickelt durch eigene Lesarten neue Sichtweisen auf die mythologischen Helden.

Trotz „Mittelklasse-Image“ und eher zweitklassiger Reputation bei Kritikern war Jacob Jordaens bei adeligen Sammlern stets beliebt. Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel erwarb nicht weniger als zehn Werke von Jordaens, von denen fünf antike Szenen darstellen. Heute verwahrt die Kasseler Museumslandschaft dreizehn Gemälde von ihm und seiner Werkstatt, Jordaens’ umfangreichster Fundus in Deutschland. Daher ist in der Gemäldegalerie auf Schloss Wilhelmshöhe ständig ein Saal seinen Werken gewidmet, und die Brüsseler Ausstellung wird ab März 2013 auch hier zu sehen sein.

Die Ausstellung „Jordaens und die Antike“ ist bis zum 27. Januar 2013 zu sehen. Das Musée d’Art ancien der Königlich-Belgischen Kunstmuseen hat täglich außer montags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, für Senioren und Gruppen 6,50 Euro für Schüler und Studenten 2,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog kostet 39 Euro. In Kassel läuft die Ausstellung vom 1. März bis zum 16. Juni 2013.

Kontakt:

Musée d’Art ancien

3 rue de la Régence

BE-1000 Bruxelles

Telefax:+32 (02) 508 32 32

Telefon:+32 (02) 508 32 11

www.expo-jordaens.be



19.10.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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12.10.2012, Jordaens und die Antike

Bei:


Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique

Bericht:


Jacob Jordaens in Kassel

Variabilder:

Geraert van der Strecken und
 Jan van Leefdael, Wandteppich „Odysseus droht Circe“, um 1628/30
Geraert van der Strecken und Jan van Leefdael, Wandteppich „Odysseus droht Circe“, um 1628/30

Variabilder:

Jacob Jordaens, Vertumnus und Pomona, 1638
Jacob Jordaens, Vertumnus und Pomona, 1638

Variabilder:

Venus. Typus halbbekleidete Pudica, römische Kopie, um 150/60 n.
 Chr.
Venus. Typus halbbekleidete Pudica, römische Kopie, um 150/60 n. Chr.

Variabilder:

Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1645/50
Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1645/50

Variabilder:

Jacob Jordaens, Selbstbildnis, um 1648/50
Jacob Jordaens, Selbstbildnis, um 1648/50

Variabilder:

Jacob Jordaens, Satyr und Bauer, um 1620/21
Jacob Jordaens, Satyr und Bauer, um 1620/21







Geraert van der Strecken und Jan van Leefdael, Wandteppich „Odysseus droht Circe“, um 1628/30

Geraert van der Strecken und Jan van Leefdael, Wandteppich „Odysseus droht Circe“, um 1628/30

Jacob Jordaens, Vertumnus und Pomona, 1638

Jacob Jordaens, Vertumnus und Pomona, 1638

Venus. Typus halbbekleidete Pudica, römische Kopie, um 150/60 n. Chr.

Venus. Typus halbbekleidete Pudica, römische Kopie, um 150/60 n. Chr.

Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1645/50

Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1645/50

Jacob Jordaens, Selbstbildnis, um 1648/50

Jacob Jordaens, Selbstbildnis, um 1648/50

Jacob Jordaens, Satyr und Bauer, um 1620/21

Jacob Jordaens, Satyr und Bauer, um 1620/21

Vorderseite eines bacchischen Jahreszeitensarkophags, um 240/50 n. Chr.

Vorderseite eines bacchischen Jahreszeitensarkophags, um 240/50 n. Chr.

Meleager. Fragment eines Sarkophages, nachgallienisch, 270-280 n. Chr.

Meleager. Fragment eines Sarkophages, nachgallienisch, 270-280 n. Chr.

Jacob Jordaens, Meleager und Atalante, um 1617/18

Jacob Jordaens, Meleager und Atalante, um 1617/18

Giovanni Battista Franco, Antikes Basrelief in zwei Registern mit mythologischen Figuren, um 1530/61

Giovanni Battista Franco, Antikes Basrelief in zwei Registern mit mythologischen Figuren, um 1530/61

Jacob Jordaens, Huldigung der Ceres, um 1624/25

Jacob Jordaens, Huldigung der Ceres, um 1624/25

Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1640/45

Jacob Jordaens, Der Triumph des Bacchus, um 1640/45




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