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Die kraftvolle Rolle der Farbe bei der Erneuerung der Kunst vor 100 Jahren beleuchtet nun eine groß angelegte Schau in Essen

Das Folkwang schwebt im Farbenrausch



Noch bestimmt weitgehend sattes Grün die Natur. Doch schon vereinzelt nimmt das Laub subtil herbstliche Töne an. Nicht so im Essener Museum Folkwang. Hier hat im Gegensatz zur Natur schon überschwänglicher Farbenrausch Einzug gehalten. Somit ergibt sich eine Kongruenz zwischen den momentan jahreszeitlichen Umbrüchen und jenen vor einhundert Jahren in der Malerei. Auch hier war die Natur im Spiel: Im Jahr 1905 verbringen Henri Matisse und André Derain den Sommer im südfranzösischen Fischerdorf Collioure. Inspiriert vom südlichen Licht malen sie Hafen- oder Dorfansichten mit breiten, locker gesetzten Pinselzügen in leuchtenden, ungemischten Farben. In Pariser Vororten gestaltet Maurice de Vlaminck gleichzeitig Dorfszenen, Hügelgruppen oder Dampfer auf der Seine in ähnlichem Duktus.


Die Malerschar eint das Bestreben, weg vom Impressionismus mit seiner Flüchtigkeit und dem der Natur verhafteten Kolorit zu kommen. Über einen neuartigen Farbeinsatz befreien sie die Malerei von reiner Abbildung der Realität, lassen sich spontan von subjektiven Empfindungen leiten, anstatt an Details verhaftet zu sein. Die Missachtung von Lokalfarben empfindet das Publikum als Affront gegenüber malerischen Traditionen. „Orgie der reinen Farbtöne“ beschreibt der Kunstkritiker Louis Vauxcelles die Werke, als sie 1905 auf dem Pariser Salon d’Automne ausgestellt werden, und tituliert die innovativen Maler abschätzig als „Fauves“, also wilde Tiere.

Neben dem herausragenden Matisse setzt der Norweger Edvard Munch nachhaltige Akzente. Nach längeren Aufenthalten in Frankreich und Paris lebt er zwischen 1893 und 1908 vorwiegend in Deutschland, hauptsächlich in Berlin. Abgesehen von schwermütigen persönlichen Gefühlen prägen vielerlei Einflüsse seine Kunst. Seine dezidiert als Träger eines inneren Ausdrucks angelegte flächig-melancholische Farbmalereien dienen neben Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Paul Cézanne vor allem den Malern der deutschen Künstlergemeinschaft „Brücke“ als Vorbild, die sich ebenfalls 1905 in Dresden gründet. Die Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl sind geleitet vom Bestreben, mittels effektvoll und stark übersteigerten Farbakzenten in zackigen Großformen den Ausdruck eines Bildes weiter zu steigern. Sie missachten die Proportionen und behandeln alle Kompositionselemente gleichwertig mit einer zunehmenden Abstraktion. Später stoßen Hermann Max Pechstein und Emil Nolde sowie der Niederländer Kees van Dongen zur „Brücke“.

Farbe war eigentlich immer Diskussionsgegenstand der Malerei. Das Museum Folkwang unternimmt nun mit der Ausstellung „Farbenrausch“ den Versuch, die Phase im revolutionären Umgang mit der Farbe zwischen 1905 bis 1911 am Beispiel von 146 Gemälden von 26 Künstlern inklusive einer kleiner Auswahl von Skulpturen vorzustellen. Nukleus der Inszenierung bildet die Gegenüberstellung von Vertretern der französischen Fauves unter Hinzunahme des eine Sonderrolle spielenden Edvard Munch mit den deutschen Expressionisten.

Am Beginn der Schau stehen zunächst unterschiedliche malerische Ansätze von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin oder die pointillistische Malweise Paul Signacs. Danach breitet sich ein abwechslungsreicher Reigen über das Kunstgeschehen der Jahre 1905 bis 1911 aus, arrangiert in elf saalweise chronologisch, thematisch oder nach Künstlern zusammengestellten Kapiteln. „Das geöffnete Fenster“ von Henri Matisse gehört zu den maßgeblichen Werken, die schon auf dem Pariser Salon d’Automne 1905 zu sehen waren. Auch André Derains „Reiter auf einem weißen Pferd“ ist mit seinem Entstehungsdatum 1905 eines der frühen Bilder der Essener Ausstellung und aus der australischen „National Gallery“ angereist.

Verdienst des Museums Folkwang ist es, einige Werke akquiriert zu haben, die höchst selten oder in Deutschland noch nie zu sehen waren. Neben dem Derain gilt dies beispielsweise auch für ein Gemälde Pechsteins aus seiner Pariser Zeit oder zwei noch nie öffentlich gezeigte Bilder von Kirchner. Bei allen unterschiedlichen Facetten und persönlichen Handschriften eint sämtliche Werke explosionsartige, oft schreiende Flächigkeit der Farben bei undeutlich formulierten Räumen und Hintergründen. Höchst individuell gestaltet sich die Wahl der Sujets: van Dongen bevorzugt Portraits, Georges Braque, Henri Manguin oder Vlaminck Landschaften, die Dresdener Brücke-Maler zeigen neben Landschaften viele nackte Modelle in Wohnräumen. Ein Höhepunkt des von Farben getragenen Flächenstils stellt Karl Schmidt-Rottluffs „Parkweg“ von 1911 dar. Naturformen verselbständigen sich hier zu grellen, abstrakten Zonen.

Die Landschaft ist auch zentrales Thema einer ab Herbst 1908 um Murnau tätigen Malergruppe aus Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, zu der noch August Macke und Franz Marc stoßen. 1911 geben sie ihrem Publikationsorgan den Titel „Der Blaue Reiter“. Badende findet man hier vergeblich. Trotz der Abgeschiedenheit fließt hier zeitgleich ein neues Farb- und Formgefühl in eine frische Bildsprache ein, die jener der Fauves ähnlich ist. Häuser, Berge, Seen, Bäume erscheinen als homogen gestrichene Flächen, die Landschaftseindrücke interpretieren, sie ordnen und zum Erlebnis erhöhen. An keiner Stelle der Ausstellung wird die Homogenität in den Werken einer Künstlergruppe so offensichtlich wie hier.

Die Auswahl vieler bekannter Gemälde unter Beifügung bisher weniger im Blickfeld stehender, aber qualitativ nicht minderer Werke erlaubt es im Rahmen intensiven vergleichenden Sehens, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden einer damals in der Luft liegenden künstlerischen Entwicklung auf den Grund zu gehen. So erweisen sich beispielsweise Akte von Edvard Munch völlig anders atmosphärisch aufgeladen als etwa jene von Erich Heckel. Intention der Schau ist es, neue Erkenntnisse und Einsichten durch Aufspüren eben jener Aspekte zu erschließen.

Allein 25 aus dem Bestand des Museums Folkwang beigesteuerte Gemälde rufen in Erinnerung, dass es Karl Ernst Osthaus war, der 1902 in Hagen das erste Museum für moderne Kunst überhaupt etablierte und schon 1907 erstmals eine Expressionistenschau ausrichtete. Seine Kollektion mit zahlreichen Werken Cézannes, van Goghs, Gauguins verkauften die Erben 1922 an die Stadt Essen. Nach Rückerwerbungen schmerzlicher Verluste bei der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ verfügt das Essener Haus ständig über einen Farbenrausch, wenn auch kleineren Maßstabs. Aus diesem Bestand heraus wurde nun die Schau entwickelt. Zusammen mit dem derzeitigen Wiederaufleben der 1912 in Köln veranstalteten Sonderbund-Schau und der Jubiläumsausstellung des Neusser Clemens-Sels-Museums zum Symbolismus Ende des 19ten Jahrhunderts bietet das Rheinland momentan ein einzigartiges Panorama zur Kunst am Beginn der Moderne.

Die Ausstellung „Im Farbenrausch. Munch, Matisse und die Expressionisten“ ist bis zum 13. Januar 2013 zu sehen. Das Museum Folkwang hat täglich außer montags von 10 Uhr bis 20 Uhr, freitags bis 22:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 35 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

DE-45128 Essen

Telefon:+49 (0201) 88 45 444

Telefax:+49 (0201) 88 45 330



07.10.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Franz Marc, Pferd in Landschaft, 1910

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Ernst Ludwig Kirchner, Mädchen unter Japanschirm, um 1909

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