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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Bisher größte Retrospektive zum Schaffen August Wallas im Museum Gugging

Weltallende



1986 malte August Walla mit Acryl auf Leinwand sein querformatiges Bild „Zwei Engel“. Dem flüchtigen Blick auf das große, bunte Gemälde mit dem aperspektivisch konzipierten Raum, den beiden jeweils eine Bildhälfte dominierenden Gestalten und der spielerischen Anordnung von Farbflächen, wird eine heitere Märchenwelt suggeriert. Doch der Eindruck des Vordergründigen und Naiven täuscht. In den neben- und übereinander gesetzten, gestrichelten und gepunkteten Farbflächen irritieren den unwissenden Betrachter die Anspielungen auf den Nationalsozialismus, auch Hammer und Sichel, die Embleme des Kommunismus, Bezeichnungen wie „WALLA“, „ADOLFE“, „ALLENDE.!“ und die Parteinamen „KPÖ.!“ und „ÖVP.!“


In seinen Werken entwarf August Walla eine hintergründige Gegenwelt, ein Labyrinth, erwachsen aus Erinnerungen an Träumen, Erfahrungen und Begebenheiten. Wahrhaft teuflische Wesen unserer Welt – sie konnten für Walla zu engelsgleichen Gestalten werden. Adolf Hitler etwa fantasierte er sich als prägende Identifikationsfigur und leiblichen Vater. Seinen eigenen Vater lernte Walla, der bei seiner Mutter aufwuchs und sich gerne „Adolfe“ nannte, niemals kennen. Erst die russischen Besatzer, behauptete Walla, hätten ihn zu einem Knaben „umoperiert“. Seither sind Hakenkreuze weibliches, Hammer und Sichel männliches Ornament in seinem skurrilen Kosmos.

August Wallas Schaffensdrang und seine überbordende künstlerische Freiheit stehen beispielhaft für eine Kunst, die man gemeinhin mit Art Brut beschreibt. Gemeint ist jene Kunstrichtung, die unbeeinflusst vom offiziellen Kunstgeschehen und damit auch außerhalb des Kunstmarktes, im Verborgenen entsteht. Im Klosterneuburger Museum Gugging wird das reiche künstlerische Werk von August Walla in der beeindruckenden Präsentation „Weltallende“ derzeit in all seinen Facetten gewürdigt. Im Gegensatz zu den meisten seiner Art Brut-Kollegen malte und zeichnete Walla bereits von frühester Jugend an. Er bearbeitete Kieselsteine, Schachteln, Bäume, bemalte Ofenschirme, Blechtafeln und Kochtöpfe, beschrieb Fahrbahnen und Flächen aller Art.

Der 1936 in Klosterneuburg geborene August Walla lebte mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer kleinen Wohnung einmal im Siechenheim, dann in einer Hütte in den Donauauen und schließlich in einer abbruchreifen Kaserne. Er galt als schwieriges Kind und belästigte angeblich Gleichaltrige. Seine Mutter kleidete ihn oft in Mädchenkleider, um ihrem Sohn den späteren Kriegseinsatz zu ersparen. Bereits als Fünfjähriger kam Walla in das Erziehungsheim „Am Spiegelgrund“ und besuchte anschließend die Sonderschule. Von 1943 bis 1944 wurde er an die Städtische Nervenklinik überwiesen, um später in die Erziehungsanstalt Biedermannsdorf überstellt zu werden. Er überlebte die Institution, die von jenem Dr. Ernst Illing geleitet wurde, der nach Kriegsende wegen der Ermordung vieler Kinder vor Gericht kam und zum Tode verurteilt wurde. Diese einschneidenden Erlebnisse setzten sich in Wallas Erinnerung ebenso fest wie das Stift Klosterneuburg, in dem er Teile seiner Kindheit, Jugend und seines Erwachsenendaseins verbrachte oder die wiedererstandenen politischen Parteien SPÖ und ÖVP und die geliebte Schrebergartenhütte an der Donau.

Nach 1945 lebte er abwechselnd zu Haus bei seiner Mutter und in verschiedenen Heimen. Als der Psychiater Leo Navratil 1970 August Walla in dessen Garten in der Klosterneuburger Au besuchte, fand er nicht nur ein Sammelsurium von Sperrmüll und scheinbar nutzlosen Gegenständen, sondern auch einen privaten Kosmos von rätselhaften Schriften, Worten und Symbolen. Alle Gegenstände hatten durch die Bezeichnungen einen neuen Sinn erhalten. Für Walla war das geschriebene Wort für lange Zeit der einzige Weg der Kommunikation; außer mit seiner Mutter sprach er kaum mit jemand anderem, solange diese lebte. 1983 lud Leo Navratil die beiden Außenseiter ein, ein Zimmer im „Zentrum für Kunst-Psychotherapie“, dem späteren „Haus der Künstler“ in Gugging zu beziehen.

Bis zu seinem Tod 2001 fertigte August Walla mehrere tausend hand- und maschinengeschriebene Schriften, etwa 3000 Zeichnungen und 100 große Leinwände sowie zahlreiche Radierungen an. Etwa 400 Exponate aus allen Schaffensphasen sind in der Klosterneuburger Ausstellung zu sehen. Sie dokumentieren Wallas bunte, fantasievolle, auch obsessive Bildwelt. Alles was er unter die Finger bekam, Straßen, Zäune, Mauern, Türen, Garagentore, Bäume oder Steine, bemalte und beschriftete er und verlieh seinen Aussagen mit Punkt und Ausrufezeichen doppeltes Gewicht. In der Ausstellung sieht man Fotos, die das dokumentieren. Neben Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Briefen und Schriften zeugen viele überarbeitete Gebrauchsgegenstände, wie bemalte Plastikeimer, Blechdosen, Schachteln, Paravents, Tische, Koffer, Lampen, Taschen oder die bemalte Arbeitsplatte einer Waschmaschine von seinem manischen Schaffensdrang.

Das für viele Besucher wohl eindruckvollste Erlebnis ist das Betreten seines Zimmers. August Walla hat dort über eineinhalb Jahrzehnte seine eigenen und in einem fort wandelnden „Erinnerungs-, Phantasie-, Halluzinations- und Tagtraum-Universen“ (Gerhard Roth) geschaffen, mit all den verschiedenen Fantasiegestalten und für ihn wichtigen Personen. Das Walla-Zimmer im Haus der Künstler in Gugging steht den Besuchern im Rahmen von Führungen offen.

Die Ausstellung „August Walla.! Weltallende“ ist bis zum 28. Oktober zu sehen. Das Museum Gugging hat dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 7 Euro, ermäßigt 5,50 Euro, 5 Euro oder 2,50 Euro. Im Rahmen der bemerkenswerten Ausstellung ist eine von Johann Feilacher herausgegebene vierbändige Monografie zu August Walla erschienen. Die ausgesprochen schöne Publikation beinhaltet Reproduktionen seiner Werke, Texte und Dokumente zu seinem Leben, Faksimiles seiner Schriften sowie Texte von Gisela Steinlechner, Gerhard Roth, Nina Katschnig, Margit Zuckriegl, Silvie Aigner und Helmut Zambo. Die 750seitige Publikation aus dem Residenz Verlag kostet 149 Euro.

Kontakt:

Museum Gugging

Am Campus 2

AT-3400 Maria Gugging

Telefon:+43 (02243) 87 087

Telefax:+43 (02243) 87 087 372



07.10.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


29.03.2012, august walla.! weltallende

Bei:


Museum Gugging

Künstler:

August Walla










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