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Das Museum moderner Kunst in Wien beleuchtet die Beziehungen zwischen bildender Kunst und Mode im 20sten Jahrhundert

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„Ist Mode Kunst?“ Beim Anblick von Elsa Schiaparellis „Skelett-Kleid“, einer schwarzen, bodenlangen Robe, die mit ihren in den Stoff eingenähten Watteapplikationen die Knochen eines weiblichen Oberkörpers imitiert, wird man die Frage zweifelsohne mit „Ja“ beantworten. Dem mondänen Abendkleid haftet etwas von der Aura eines Kunstwerks an; doch es wurde von der Modeschöpferin ursprünglich einzig zu dem Zweck hergestellt, getragen zu werden. Verändert die Ausstellung im Museum seine Bedeutung? Wer entscheidet, ob es sich bei Mode um Kunst handelt?


Die 1976 geborene Genfer Künstlerin Mai-Thu Perret hat für die Ausstellung „Reflecting Fashion“ eine Replik von Schiaparellis Kleid anfertigen lassen und sie auf eine Mannequinpuppe mit Glaskopf drapiert. „Flow My Tears“ heißt ihr Werk aus dem Jahr 2011, das derzeit in der großen Sommerschau des Wiener Museum moderner Kunst (MUMOK) zu sehen ist. Mit über 300 Gemälden, Zeichnungen, Skizzen, Textilien, Videos und Fotografien weist die Ausstellung beispielhaft auf die vielfältigen Verflechtungen von Mode und Kunst von der Moderne bis zur Gegenwart hin. In der historisch angelegten Präsentation spannt sich der Bogen mit Giacomo Balla, Sonia Delaunay-Terk, Ljubow Popowa, Warwara Stepanowa oder Salvador Dalí von den Künstlerinnen und Künstlern der Moderne über Protagonisten der Avantgarde seit den 1950er Jahren mit Andy Warhol, Daniel Buren, Joseph Beuys oder Niki de Saint Phalle bis zu den Akteuren der Gegenwart, zu denen etwa Cindy Sherman, Stephen Willats, Cosima von Bonin oder Markus Schinwald gehören.

Zentrales Thema der Ausstellung, die einen chronologischen Überblick bietet und sich in drei Themenblöcke gliedert, ist Mode als essentieller Bestandteil von Kunst. Der erste Teil ist dem Thema „Mode als Moderne“ gewidmet. Im zweiten Teil veranschaulicht der Surrealismus, wie sich Mode und Kunst einander angenähert haben, und der dritte Teil geht vom Anzug aus, der als Schnitt, Gewebe und schließlich als Textur die künstlerische Produktion der Moderne bestimmte und Wesentliches zum Bild des Künstlers beitrug.

Beginnend mit der Baudelaireschen Modernité, die das Flüchtige, Neue und Vorübergehende als Inbegriff des Modernen aufwertet, nimmt die Schau im Wien des Fin de Siècle ihren Ausgang und beleuchtet jene Verknüpfungen, die Mode und Kunst bereits vor 100 Jahren erfuhren. Während in Deutschland der belgische Universalkünstler Henry van de Velde in Fragen der Kleiderentwicklung das Wort führte, propagierte in Wien die Modeschöpferin Emilie Flöge, Gustav Klimts Lebensgefährtin, die sogenannten Reformkleider. Ihre innovativen Entwürfe, die die Modeschöpferin selbst vorführte, dokumentiert die Ausstellung mit zahlreichen Fotografien. Flöges schlichte, bequeme Reformkleider galten als Ausdruck einer inneren Gesinnung und äußeres Zeichen der modeunabhängigen, künstlerisch interessierten oder tätigen Frau.

1914 formulierte der Futurist Giacomo Balla seine radikale Forderung nach einem modischen Wandel. Bekleidung, Architektur und bildende Kunst sollten in der futuristischen Utopie gleichgestellt sein. Ballas Aufmerksamkeit richtete sich dabei vor allem auf den bürgerlichen, schwarzen Herrenanzug. Seine mit Aquarell auf Papier gefertigten Entwürfe für Anzüge zeigen asymmetrische Schnitte, spitzwinklige Konturen und farbige Stoffmuster. Zusätzlich entwarf er sogenannten „Modifikationen“, variable an der Kleidung anzubringende Dekorelemente aus besticktem Stoff, die je nach Stimmungslage kombiniert werden sollten. Mit seinen futuristischen Anzügen wollte Balla die traditionellen bürgerlichen Werte des Anzugs, die mit Seriosität und zur Schau getragener Schlichtheit verbunden waren, infrage stellen.

Kleidung als Ausdruck bürgerlicher Werte sollte in der Folge nicht nur durch Eingriffe verändert, sondern nach den Vorstellungen der russischen Avantgardistinnen wie Ljubow Popowa durch einfach herzustellende Uniformen ersetzt werden. Für Popowa stand nicht mehr der künstlerischer Selbstausdruck im Vordergrund, sondern die Rationalität produktionstechnischer Aspekte und die Vorstellung der Nützlichkeit.

Eine besondere Extravaganz kennzeichnet die diversen künstlerischen Szenen und Zirkel im Paris der Zwischenkriegszeit. In diesem Umfeld stellten Künstler wie Max Ernst, Man Ray, Marcel Duchamp oder Salvador Dalí nicht nur traditionelle Vorstellungen der Repräsentation, des Kunstmachens und Ausstellens, sondern auch die Rolle des Künstlers infrage. Die Avantgarde präsentierte sich theatralisch und körperbezogen. Eine Interaktion von Kunst und Mode ergab sich dabei fast zwangsläufig: René Magritte machte Entwürfe für belgische Modehäuser, Man Ray arbeitete in Paris als Modefotograf, Coco Chanel war mit Jean Cocteau und Dalí befreundet.

Die scheinbare Lebendigkeit von Puppen war ein zentraler Bezugspunkt. 1919 stellte Max Ernst in seiner achtteiligen Lithografieserie „Fiat modes pereat ars“ – Es lebe die Mode, nieder mit der Kunst – eine Kleiderpuppe als genormte Vereinfachung des menschlichen Körpers dar. Auch Hans Bellmer und Wols interpretierten den weiblichen Körper als Schaufensterpuppe und zeigten in ihren Werken den fetischistischen Glanz ebenso wie die alltägliche Trivialität der Konsumwelt.

Zahlreiche Ausstellungsexponate belegen, dass das Thema „Schuh“ als Motiv durch das Jahrhundert hindurch immer wieder besondere Aufmerksamkeit erfuhr. Salvador Dalí entwarf schon 1937/38 für Elsa Schiaparelli extravagante Damenhüte in Form von Stöckelschuhen. In den 1960er Jahren verarbeitete die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ihre traumatischen Kindheitserinnerungen und bestückte einen goldenen Schuh über und über mit Penissen aus Stoff. Birgit Jürgenssen veränderte 1974 für ihr Objekt „Schuhsessel“ einen Schuh in surrealistischer Übersteigerung zu einer Hybride aus Möbel und Kleidungsstück, das den Gegensatz von Sitzen und Vorwärtsgehen in einer paradoxen, unlösbaren Situation zusammenführt.

Schlüssig dokumentiert die Wiener Ausstellung, wie vielseitig die Kunstschaffenden seit Beginn der Moderne mit Designerinnen und Designern zusammenwirkten. Ein besonders Augenmerk gilt der seit den 1980er Jahren einsetzenden und immer engeren Vernetzung zwischen den Genres. Sylvie Fleury inszenierte 1999 mit ihrem „Formula 1 Dress“, produziert von Hugo Boss, einen Rennanzug von Mika Häkkinen als Kultobjekt. Der österreichische Künstler Erwin Wurm kooperierte mit der französischen Luxusmarke Hermès, und Elfie Semotan, deren Modefotos Martin Kippenberger zu Bildern inspirierten, verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Helmut Lang.

Den eigenen Körper in Relation zu Kleidung und zu daraus resultierenden Fragen nach Identitäts- und Rollenbildern untersucht die Fotografin Cindy Sherman. Auf ihren Fotos und in ihren Filmen ist es immer sie selbst, die sich in unterschiedlichen Charakteren und gesellschaftlichen Rollen inszeniert. Dabei hat Sherman schon früh mit bekannten Modehäusern zusammengearbeitet, darunter Comme des Garçons oder Issey Miyake. Für die Videoarbeit „Doll Clothes“ von 1975 hat sich Sherman als Ausschneidefigur in der Art einer Anziehpuppe dargestellt, die als filmische Animation in einem altmodischen Kinderbuch mit Papierkleidung agiert. Sobald der Deckel sich öffnet, erwacht die Figur und beginnt, erschrocken über ihre Nacktheit, Kleider auszuwählen, bis sie unfreiwillig wieder entkleidet und zurück in ihren Beutel gesteckt wird.

Neben all den klingenden Namen, den schrillen Inszenierungen und zum Teil auch äußerst humorvollen Exponaten sollten jene Arbeiten nicht übersehen werden, die sich der Allianz zwischen Mode und Kunst explizit politisch nähern. Hierzu gehören Valie Exports Aktionshose „Genitalpanik“, die Videoarbeit des 1965 in Ankara geborenen Künstlers Ferhat Özgür, der die Rolle der Kopftuch tragenden Frau in der modernen islamischen Gesellschaft thematisiert, oder eine „Martha Roslers reads Vogue“ betitelte Performance von 1982, für die die amerikanische Foto- und Videokünstlerin Martha Rosler eine Ausgabe der Vogue Seite für Seite verbal dekonstruiert und auf die Ausbeutungsmechanismen der Modeindustrie verweist.

Die Ausstellung „Reflecting Fashion – Kunst und Mode seit der Moderne“ ist bis zum 23. September zu sehen. Das MUMOK hat täglich von 10 bis 19 Uhr, montags erst ab 14 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



11.09.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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