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Das Deutsche Architektur Museum in Frankfurt hinterfragt Entwicklungen, Typologien, Rollen und den künstlerischen Stellenwert von Architekturmodellen des 20sten und 21sten Jahrhunderts

Zwischen Realität und Fiktion



Ludwig Mies van der Rohe ließ sich nur allzu gerne vor Modellen seiner Bauten ablichten und nötigte damit dem Betrachter einigen Respekt ab. Derartige Sujets finden sich in nahezu jeder Publikation über den Nestor moderner deutscher Baukunst. Stolz präsentiert der Schurke „Goldfinger“ im gleichnamigen James Bond-Film die opulenten Modelle des Schatzhauses Fort Knox. Selbstüberhebend ernst zeigte sich Adolf Hitler vor fein ausgearbeiteten Riesenmodellen seiner baulichen Wahnvorstellungen. Dagegen eher zum Schmunzeln sind Fotos von Politikern vor Modellen etwa der Bonner oder Berliner Parlamentsneubauten, wobei das laienhafte Getue an infantile Spielereien mit Baukästen für Kinder erinnert.


Lügen, Spielzeug, Propaganda – bis heute müssen dafür die kaum erforschten Stellvertreter von Bauwerken herhalten. Das Architekturmodell birgt als komplexes Entwurfs- und Kommunikationsmedium eigene künstlerische Aussagen und Qualitäten. Es ist eine Darstellungsart von Bauwerken mit deutlichen Korrelationen zu bildenden Künsten. Besonders deutlich wird dieser Bezug am Modell von Otto Bartnings nicht realisierter Sternkirche. Sperrig und schwer zählt die quasi expressionistische Plastik aus dem Jahr 1922 zu den wichtigsten Entwürfen für den Kirchenbau der Moderne und als wohl schlüssigstes Konzept der reformatorischen protestantischen Ausrichtung. Zwar sind die Originale verschollen, doch ließ Bartning in den 1950er Jahren eine Neufassung herstellen, die derzeit ein Glanzstück der Schau „Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt ist.

Eigentlich kann man Architektur ja nicht ausstellen, es sein denn der Bau ist selbst das Objekt, oder es handelt sich eben um Modelle. So zählt der Fundus des DAM mit 1240 Modellen von 419 Architekten aus 25 Ländern zu den größten Architekturmodellsammlungen weltweit. 102 davon fügen sich in die insgesamt rund 300 Miniaturbauten der aktuellen Ausstellung ein. Wie schwer sich der Aufbau der Sammlung gestaltete und welch wertvolle Entdeckungen noch immer möglich sind, erwiesen die Vorbereitungen dieser Schau. Bei einem Besuch des Gründungsdirektors Heinrich Klotz im Büro Mies van der Rohes 1969 erbat sich dieser ein Modell, das kurze Zeit später, als es abgeholt werden sollte, schon auf dem Abfall gelandet und verloren war. Kurz nach der Einweihung der von Charles Willard Moore in New Orleans geplanten „Piazza d’Italia“ besuchte Klotz Moores Architekturbüro und konnte den Entwurf der postmodernen Platzanlage gerade noch vom Müllberg retten. Als Jahre später die Platzanlage weltweite Berühmtheit erlangte, bot Moores Büro 40.000 Dollar für einen Rückkauf; heute zählt das Modell zu den Prachtstücken der Sammlung des DAM.

Bis in jüngste Zeit hinein kämpfen Kuratoren gegen mangelnde Wertschätzung von Architekturmodellen. Nach 24 Jahren gelangte aus den abgeschotteten Räumen einer Berliner Spedition eines der wohl originellsten Exponate ins öffentliche Licht, das 1963/64 entstandene Modell eines 120geschossigen Spiralhochhauses mit projektierten 440 Metern Höhe. Der 1934 in München geborene Architekt Conrad Roland, Schüler und Mitarbeiter Mies van der Rohes in den USA bis 1961, schuf danach in Berlin zudem eine Reihe von Modellstudien für Hängehäuser, bei denen leichte stählerne Seilkonstruktionen die Lasten aufnehmen. Nach seiner Emigration nach Hawaii 1974 geriet Rolands Wirken in Vergessenheit.

Auch Merete Mattern (1930-2007), Tochter des berühmten Landschaftsarchitekten Hermann Mattern und Schülerin von Hans Scharoun, entschwand nach ihrem krankheitsbedingten Rückzug in esoterische Gefilde um 1970 aus der öffentlichen Wahrnehmung. Ihre unvergleichlich expressiv geprägten Entwürfe für Bratislava oder Ratingen um 1967 erinnern an utopische „fliegende Städte“. Auf einem Dachboden in der Nähe des Chiemsees fanden sich nun ihre zu Unrecht vergessenen Arbeiten. Aber auch Ernüchterung stellte sich bei den Forschungen zur Ausstellung ein, so etwa als das Gipsmodell von Erich Mendelsohns Einsteinturm nach umfangreichen Untersuchungen inklusive Computertomografie nicht mehr als Original des Jahres 1919, sondern als nach 1950 entstanden eingestuft werden musste, oder sich der Entwurf des Düsseldorfer Drei-Scheiben-Hochhauses von Helmut Hentrich ebenfalls als Nachbau erwies.

Beim Rundgang durch die über sämtliche Ausstellungsetagen verteilten Exponate von den 1920er Jahren bis heute offenbaren sich markant die Wandlungen im Modellbau. Modellierte Gipskreationen sowie aus ungeschmeidig zusammengefügten Holzteilen und Drähten erstellte Konstrukte weichen in den 1930er Jahren – Propaganda bedingt – einer durchgreifender Professionalisierung. Die Modelle werden auf ganze Ensembles ausgeweitet, um umfassende Stadtplanungen der Nationalsozialisten besser visualisieren zu können.

Nach weiteren Perfektionierungen der Modellbautechniken in den Nachkriegsjahren gelangen in den 1960er Jahren zunehmend visionäre Planungen zur Darstellung. Menschliche Maßstäbe kehren in den 1970er Jahren zurück. Zugleich werden die dreidimensionalen Entwürfe zu Objekten des Kunst- und Ausstellungsmarktes, aber auch zum wichtigen Mittel der Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen. Neue Technologieschübe kennzeichnen den Modellbau ab den 1990er Jahren. Computergesteuerte Fräsmaschinen und die Technologie des 3D-Drucks, also des aus Kunstharzschichten aufgebauten Modells, kommen zur Anwendung.

Dabei entwickeln diverse Baumeister individuelle Methoden. Axel Schultes und Charlotte Frank beispielsweise erstellen ihre Modelle mit einer speziell entwickelten Heißdraht-Schneidemaschine, die aus blauem Styrodur, einem Hartschaumstoff, mittels heißer, aber luftgekühlter Drähte präzise Schnittkanten erzielt. Schultes’ Modelle mit ihrer singulären Charakteristik bestechen durch eine tiefschwarze Durchtränkung mit mystischen Raumstimmungen. Starke Scheinwerfer sorgen für ein dramatisches Licht- und Schattenspiel und lassen das Material selbst von innen erleuchten. Auf diese Weise entsteht ein der Realität nahekommender Raumeindruck. Höhepunkte unter den Modellen von Axel Schultes sind die Planungen für die Berliner Parlaments- und Regierungsbauten.

Ganz anders gestalten sich die Architekturmodelle von Wolfgang Döring aus den 1960er Jahren mit ausgeprägten Korrespondenzen zur bildenden Kunst jener Zeit. Von 1969 entstammt seine Vorlage für Kapselhäuser, deren serielle Bestandteile ähnlich einem Steckspiel um- wie ausbaufähige Strukturen beinhalten und wie im Minimalismus das Bausystem auf eine einzige Grundform reduzieren. Dörings 1963 entworfenes Modell für ein variables Raum-Musik-Theater mit blasenförmiger Innenhaut beschreibt die dynamische experimentelle Kunst ohne Gattungsgrenzen. Es wurde 1964 auf der Antwerpener Kunstausstellung „Integratie“ neben Arbeiten der ZERO-Gruppe, Yves Kleins und Lucio Fontanas präsentiert.

Eine Gruppe von „Formfindungsmodellen“ Frei Ottos demonstriert, wie er bei seinen Zelt- und Seilnetzbauten entscheidend auf die Modellstatik angewiesen ist und wie experimentelle Entwurfsstücke bei ihrer Entwicklung und Optimierung zur Formfindung maßgeblich beitragen können. Ottos Modelle gehören wie jene etwa von Friedensreich Hundertwasser oder Sergius Ruegenberg zur Minderheit derer, die sich nicht auf die Funktion abstrahierter Elemente reduzieren und jede Form der Niedlichkeit vermeiden. Ganz im Gegenteil fokussieren sie eindeutig den Gebrauchscharakter.

Die Frankfurter Ausstellung nimmt auch die Fotografie in den Blick. Um 1905 setzt sprunghaft das Ablichten von Modellbauten ein. Die „Darstellungen von Darstellungen“, die doppelte Interpretationen von Gebäuden, bilden ein eigenes Kapitel von Illusionen. Ludwig Mies van der Rohe, in der Exponatauswahl mit bedeutenden Hochhausprojekten präsent, kombinierte seine Präsentationen mit Zeichnungen, Modellen und Fotografien, um die Wirkung des Modells unter Einbindung des Gewichtes seiner Person zu untermauern. Er ist der wohl am häufigsten vor oder neben einem Modell fotografierte Architekt.

Das medizinische Instrument der Endoskopie nimmt in den 1960er Jahren zunehmend den Modellbau in Beschlag, um Raumsimulationen zu erstellen. Norman Foster allerdings verzichtet aus ästhetischen Aspekten in seinem 1981 geschaffenen Modell für eine Leichtathletikhalle in Frankfurt am Main auf Teile wie der wetterabweisenden Dachhülle, so dass die Miniaturkamera nichts als Lügen evoziert. Erbauungszwecke, Materialien, Urheber von Modellen, deren Tricks und Vorlieben – all diese Hintergründe autonomer Modellrealitäten, deren greifbare Präsenz eigentlich nur das ausgeführte Original vermitteln kann, versucht die informative Zusammenstellung bemerkenswerter Projekte von 93 Architekten und Büros zu hinterfragen. So individuell und kreativ wie ihre Erschaffer gestaltet sich auch der Rundgang durch die Modellwelt, die so manch spannende Einsichten bereithält.

Die Ausstellung „Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie“ ist bis zum 16. September zu sehen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr und sonntags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog für 49 Euro an der Museumskasse erschienen.

Kontakt:

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 21 23 88 44

Telefax:+49 (069) 21 23 63 86



19.08.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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