Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 29.11.2018 Nachverkauf Auktion 69

© Galerie Auktionshaus Hassfurther

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

„Der frühe Dürer“ in Nürnberg – einer der Höhepunkte im diesjährigen Ausstellungsreigen

Bleibender Eindruck



Albrecht Dürer, Selbstbildnis als Dreizehnjähriger, 1484

Albrecht Dürer, Selbstbildnis als Dreizehnjähriger, 1484

Was hat es doch für einen Streit gegeben zu Beginn dieses Jahres, als es um Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ ging, jenes christusgleiche, ikonenhafte Portrait eines der größten Künstler aller Zeiten: War es eine böse, aus dem alten bayerisch-fränkischen Gegensatz gespeiste Absicht, dass die Münchner es nicht für die große Dürer-Retrospektive im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hergeben wollten, oder waren tatsächlich die Erhaltungsmängel für den abschlägigen Bescheid der Leihanfrage ausschlaggebend? Nun, heute lässt sich sagen: Vergessen und – sollte es notwendig sein – auch vergeben ist Alles, wenn man durch diese Ausstellung mit ihren unermesslichen Reichtümern spaziert. Schön wäre es natürlich gewesen, auch dieses Bild in Nürnberg zu sehen, und die formatgleiche Fotografie an seiner Stelle ist nur ein schwacher Ersatz. Doch im besten Sinne täuscht das, was den Besucher sonst erwartet, über diesen Mangel rasch hinweg.


„Ich – Dürers Selbstbildnisse und schriftliche Selbstzeugnisse“ ist die erste Sektion der Ausstellung betitelt, und sie ist wohl auch der treffendste Einstieg, den man in diesen gigantischen künstlerischen Kosmos wählen kann. Denn das ist wohl eine der größten Taten dieses Mannes, der mit seinen Lebensdaten 1471 bis 1528 zwischen den Welten von Mittelalter und Neuzeit vermittelt: Dass er den Künstler mit einem schier atemberaubenden Selbstbewusstsein befreite aus seiner anonymen Handwerklichkeit, die ihm das aus den vorangegangenen Jahrhunderten überkommene Weltbild diktierte – nördlich der Alpen, wohlgemerkt. Denn diesen Schritt hatten zweihundert Jahre zuvor die Italiener, Giotto an der Spitze, bereits vollzogen. Schon der dreizehnjährige Knabe rückt sich mit einer Verve in den Mittelpunkt einer Silberstiftzeichnung, die schlicht begeistert. Das berühmte „Selbstbildnis im Pelzrock“, im Jahr 1500 entstanden, war nur Gipfel- und Schlusspunkt einer Entwicklung, die in einem ungewöhnlich frühreifen Kind schon seinen Anfang nahm.

Die Italiener hatten es vorgemacht – das ist die zweite künstlerische Großtat des angehenden Meisters: Dass er den Anschluss an die künstlerischen Strömungen seiner Zeit suchte und fand. Sicher, die Bedeutung der nordalpinen Malerei für die Entwicklung der europäischen Kunst ist nicht zu unterschätzen: Die Brüder van Eyck und ihre Schule hatten denen in Florenz und Venedig die Landschaftsmalerei vermittelt. Doch die Errungenschaften der Südeuropäer, der Maler Domenico Ghirlandaio, Piero della Francesca, Antonio del Pollaiuolo, Giovanni Bellini und dieser ganzen großartigen Riege quattrocentesker Genialität, ihre fulminante Körperbeherrschung, ihre Monumentalität und zugleich Menschlichkeit, ihre Lebendigkeit und Natürlichkeit, ihr enormer Farbsinn – all das schwappte erst mit Albrecht Dürer so richtig über die Alpen und prägte die deutsche Malerei nachhaltig.

Da mutet es fast wie ein Treppenwitz der Geschichte an, dass die angebliche erste Venedig-Reise des Meisters im Jahr 1494/95 wohl gar nie stattgefunden hat und Dürer erst 1505 wirklich italienischen Boden betrat. Doch auch das lässt sich auf der Haben-Seite verbuchen: Dass Dürer die zeitgenössischen Reproduktionsmöglichkeiten als Rezipient nutzte und selbst über sie gebot – übrigens nicht nur als Künstler, sondern auch als Kunsttheoretiker. Dass er, wie man heute sagen würde, in der internationalen Kunstszene hervorragend vernetzt war, obwohl die Wege weit waren und Dürer die deutschen Lande wohl nur zweimal, 1505/06 in Richtung Süden und 1520/21 nach den Niederlanden, verließ. Nur auf diese Weise sind die ungeheure Wirkung zu erklären, die Dürer auf seine Zeitgenossen ausübte, und auch die Tatsache, warum er wie nur wenige Künstler seiner Generation auch die kommenden dreihundert Jahre Kunstgeschichtsschreibung unbeschadet überstehen konnte.

All dies und weit mehr noch vermag die Nürnberger Ausstellung in einer Weise zu veranschaulichen, die weder dürftig erscheint noch ermüdet, weder enttäuscht noch überfordert. Sie bettet, nachdem das persönliche, familiäre und städtische Umfeld anhand zahlreicher Portraits und Zeichnungen geschildert ist, den Künstler anhand konzentriert ausgewählter Vergleichsbeispiele in das reiche künstlerische Umfeld ein. Sie zeigt die Vorläufer, neben seinem Lehrer Michael Wolgemut vor allem Hans Pleydenwurff, der die Niederländer, allen voran Rogier van der Weyden, in Nürnberg heimisch machte. Unstreitig einer der besten Maler seiner Generation nördlich der Alpen, wird anhand seiner und seiner vielen Nachfolger Werke deutlich, dass Dürer wiederum keineswegs vom Himmel gefallen ist, sondern langsam sich erst loslöste von den anfangs schier übermächtigen Vorbildern, zu denen etwa auch Martin Schongauer zählte.

Es war eine „Politik“ der kleinen Schritte, die Dürers tastendes Frühwerk kennzeichnet. Eine rund zwanzig Jahre ältere Vorlage Andrea Mantegnas, den Kupferstich „Bacchanal mit Silen“, modifizierte der junge Nürnberger um 1495 lediglich, machte ihn lebendiger, nutzte die fortgeschrittene Technik zu feinster Nuancierung des regelrecht überbordenden Dekorationsapparats, behielt die Figurenkomposition aber fast unverändert bei. Aus seiner berühmten „Haller-Madonna“ von circa 1498, einem der Prunkstücke der Ausstellung, spricht unverkennbar die Vorbildhaftigkeit des Venezianers Bellini: in der Haltung der jungen Frau mit dem Kind, in der räumlichen Umgebung mit dem Landschaftsausschnitt aus einem Fenster, insbesondere in der Farbigkeit. Auch wenn also die Leistungen Dürers, seine ungeheuren technischen Qualitäten, seine – auf das künstlerische Umfeld bezogen – enorme Innovationskraft unbestritten bleiben, räumt die Ausstellung – und das ist nicht ihr geringstes Anliegen – mit allzu panegyrischen Legenden doch auch ein wenig auf.

Davon bleiben sogar die berühmten Landschaftsaquarelle nicht verschont. Schon vor Dürer haben sich Künstler mit der reinen Landschaft beschäftigt, wie ein Blatt des anonymen Meisters LCz um 1485 beweist. In den großen Tafeln hatte die Naturschilderung während des gesamten 15ten Jahrhunderts hindurch eine immer größere Bedeutung fast bis zur völligen Selbständigkeit erlangt. Was bei Albrecht Dürer jedoch – auch dies wieder ein kleiner, aber entscheidender Schritt – hinzukommt, ist die unmittelbare topografische Identifizierbarkeit, die ungeschönte, fast nüchterne Sachlichkeit, mit der er die Drahtziehmühle bei Nürnberg, das türmereiche Innsbruck oder den Hof des dortigen Schlosses aufnahm. Und dass er das, was er dort und wie er es festhielt, offenbar als mehr ansah denn als bloße Studie: Ein ganz anderes, viel größeres Gewicht erhalten diese feinen Blätter, eben weil Dürer – darin ganz moderner Künstler – selbst ihnen eine eigenwertige Bedeutung beimisst.

Die ganzen Qualitäten Dürers offenbaren sich dann in einem der letzten Räume in Form einer Tafel, die das Thema der Ausstellung, das Frühwerk, eigentlich schon abschließt: Die „Anbetung der Könige“, 1504 entstanden und auch in den überreichen Uffizien zu Florenz als eines der Herzstücke gehütet. Eine Farbenpracht entfaltet der Künstler hier, ein Talent fürs Erzählerische und eine Bewegtheit der Figuren, die das teils fast zaghafte Tasten des früheren Meisters leicht vergessen macht. Als sei auch der Betrachter integraler Bestandteil dieser Szene, ist der Raum unmittelbar an ihn herangeführt. Von großer Festlichkeit ist das Geschehen und doch so unmittelbar und natürlich, wie es vor ihm kein Maler in Deutschland verbildlicht hat – und man wagt fast zu sagen, auch nach Dürer hat es wenige gegeben, die dieses heilige Geschehen so unmittelbar dem Menschen präsent gemacht haben.

Als großen Kupferstecher von schier unversiegbarer Produktivität, als Entwerfer von köstlichem Geschmeide und bunten Glasfenstern sowie als tief denkenden Theoretiker präsentieren die letzten Räume den Meister. Es ist ein weites Panorama, das diese Ausstellung über Albrecht Dürer entwirft, die erste seit vierzig Jahren – auch damals schon im Germanischen Nationalmuseum – und wohl auch die letzte für lange Zeit. Denn das Gerangel ums „Selbstportrait im Pelzrock“ hatte es gezeigt: Einen Dürer zu bekommen ist fast unmöglich, und nach dieser Ausstellung werden die Werke wieder in alle Winde zerstreut. Absolute Ruhe, so steht im umfangreichen Katalog zu lesen, brauche etwa die „Heilige Familie“ mit dem Selbstportrait auf der Rückseite, das den etwa Zwanzigjährigen mit halb verdecktem Gesicht zeigt. Bleiben wird aber der kolossale Eindruck, einem der größten Künstler in einer der großartigsten Ausstellungen nahegetreten zu sein, die in diesem Jahr stattgefunden haben.

Die Ausstellung „Der frühe Dürer“ läuft noch bis zum 2. September. Das Germanische Nationalmuseum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, für Familien und Kleingruppen 10 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Museumsshop 34,50 Euro, im Buchhandel und Versand 46 Euro.

Kontakt:

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

DE-90402 Nürnberg

Telefon:+49 (0911) 13 310

Telefax:+49 (0911) 13 31 200



19.08.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 27

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Berichte (10)Variabilder (14)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


24.05.2012, Der frühe Dürer

Bei:


Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Bericht:


100.000ster Besucher bei Dürer-Ausstellung

Bericht:


Dürers Druckgrafik in Augsburg

Bericht:


Dürer-Ausstellung war Besuchermagnet

Bericht:


Die transalpine Note der Renaissance

Bericht:


Sündenfälle, nackte Frauen und garstige Alte

Bericht:


Dürer kommt nicht nach Nürnberg

Bericht:


Dürer in Nürnberg







Erstmals seit über 400 Jahren sind die Bildnisse von Dürers Eltern wieder vereint

Erstmals seit über 400 Jahren sind die Bildnisse von Dürers Eltern wieder vereint

Die Nürnberger Ausstellung bettet das Frühwerk Albrecht Dürers in seinen zeitgenössischen Kontext ein

Die Nürnberger Ausstellung bettet das Frühwerk Albrecht Dürers in seinen zeitgenössischen Kontext ein

Albrecht Dürer, Turnierhelme in drei Ansichten, um 1500

Albrecht Dürer, Turnierhelme in drei Ansichten, um 1500

Albrecht Dürer, Ansicht von Trient („Tryt“), um 1495/1500

Albrecht Dürer, Ansicht von Trient („Tryt“), um 1495/1500

Albrecht Dürer, Die vier apokalyptischen Reiter, 1497/98

Albrecht Dürer, Die vier apokalyptischen Reiter, 1497/98

Albrecht Dürer, Konstruktion eines idealen Kopfes, um 1500

Albrecht Dürer, Konstruktion eines idealen Kopfes, um 1500

Albrecht Dürer, Hiob auf dem Misthaufen, um 1503/1505

Albrecht Dürer, Hiob auf dem Misthaufen, um 1503/1505

Albrecht Dürer, Drahtziehmühle, um 1490/95

Albrecht Dürer, Drahtziehmühle, um 1490/95

Albrecht Dürer, Haller Madonna, um 1498

Albrecht Dürer, Haller Madonna, um 1498

Albrecht Dürer, Die Anbetung der Könige, 1504

Albrecht Dürer, Die Anbetung der Könige, 1504

Albrecht Dürer, Adam und Eva, 1504

Albrecht Dürer, Adam und Eva, 1504

Albrecht Dürer, Bildnis von Dürers Mutter Barbara, geb. Holper, um 1490

Albrecht Dürer, Bildnis von Dürers Mutter Barbara, geb. Holper, um 1490

Albrecht Dürer, Christus als Schmerzensmann, um 1493/1494

Albrecht Dürer, Christus als Schmerzensmann, um 1493/1494




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce