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Catherine David kuratiert in der Wiener Secession die Ausstellung „Mutatis Mutandis“ und verwebt Geschichte mit Gegenwart, Reales mit Fiktionalem

Feine Modulationen



Wenn eine einstige Documenta-Leiterin eine Gruppenausstellung kuratiert, wird ihr eine neugierige Aufmerksamkeit gewiss sein. Wenn diese Leiterin Catherine David heißt, setzt selbst eine Kulturinstitution wie die Wiener Secession auf den renommierten Namen und nennt ihn vor den der beteiligten Kunstschaffenden. „Mutatis Mutandis“ – „Das zu Ändernde geändert“ – heißt die von der Documenta X-Chefin verantwortete Schau. Für die aus dem Juristenjargon bekannte Phrase entschied sich bereits 1992 der amerikanische Musiker Bill Laswell bei der Betitelung seines ersten Albums. „Mutatis mutandis“, so lautet auch der Titel eines gleichnamigen Computerspiels ist. Eine multimediale Kunstinstallation an der Universität in Kansas, die 2011 Musik und Bilder mit Daten und Fakten des Klimawandels verknüpfte, trägt ebenfalls diesen Namen.


Die klangvolle und zugleich geheimnisumwobene Bezeichnung, wird häufig Zitaten beigefügt, um zu verdeutlichen, dass beim Lesen der Quelle auf Änderungen oder Anpassungen Bedacht zu nehmen ist. Catherine David bedient sich des lateinischen Titels, um in ihrer Schau Werke insgesamt acht Künstlerinnen und Künstlern vorzustellen, deren Werke unter mehreren einander überlagernden Aspekten zu lesen sind: historisch, politisch und ästhetisch. Sämtliche Arbeiten loten auf individuelle Weise die vielfältigen Beziehungen zwischen Geschichte und Erinnerung, aktuellen Ereignissen und Materialität aus und schreiben einmal mehr die uralte künstlerische Methode fort, etwas anzunehmen oder es zu verändern.

Im großen Hauptraum des Secession empfängt die Besucher eine mehrteilige Installation des Architekten und Designers Andrea Branzi, dem Catherine David bereits auf ihrer Documenta von 1997 einen Aufsehen erregenden Auftritt ermöglicht hat. In Wien präsentiert Branzi mehrere Assemblagen seiner Werkgruppe „Grandi Legni“ von 2009. In der Tradition der Arte Povera fügt Branzi alltagskulturelle, literarische und kunsthistorische Fundstücke zu teils rollbaren Materialcollagen zusammen. Farbig gefasste Holzbalken sowie bedruckte und bemalte Pappkartons bieten sich als Träger an für gesammelte Objekte wie Bücher, eine Voliere mit zwei kleinen Singvögeln, eine Plastikflasche, leere Konservendosen und hinter Hasendraht gesicherte chinesische Holzkisten. Abermals beschäftigt sich Andrea Branzi mit jenen Archetypen, die uns umgeben. Das Alltägliche erscheint in seiner Assemblage als die ewige Variation des Immer-Schon–Dagewesenen. Der goldene chinesische Drache wird dabei ebenso Teil eines sich wiederholenden Musters kultureller Identitätsbehauptung wie der zerknüllte Pappbecher.

Flankiert werden Branzis Objekte von den Zeichnungszyklen „Alchemy“, „Hexen“ und „War Artists“ der 1958 in London geborenen Künstlerin Suzanne Treister. Die Künstlerin überträgt Texte und Fotos der Titelblätter von Tageszeitungen in großformatige und mit Tusche, Bleistift oder Wasserfarben gezeichnete Diagramme. Treister verknüpft in ihren Zeichnungen militärische Forschung, Okkultismus, jüdische Kabbala-Lehre, psychologische Experimente, Rituale der Schwarzen Magie und Science Fiction zu detailreichen Szenarien, akkumuliert Informationen, so dass Fakt und Fiktion, Fantasie und Verschwörung, historische Dokumentation und Paranoia nicht mehr zu unterscheiden sind.

Der 1972 in Los Angeles geborene Edgar Arceneaux, laut Catherine David einer der wichtigsten Künstler aus den USA, hat inmitten seiner großen Rauminstallation aus Lichtobjekten, Malerei und Collagen eine Reihe von Büchern aufgestellt, die äußerst reizvoll von Zuckerkristallen verkrustet sind. Arceneaux thematisiert in seiner Installation die Straßenkämpfe in Detroit der 1960er Jahre. Dabei bedient er sich einer raffinierten Technik: mit Hilfe von Zeichnungen, Collagen, Installationen, Video- und Filmarbeiten konstruiert er ein komplexes Geflecht aus Assoziationen, Konnotationen und veränderten Bedeutungsebenen, um eine konventionelle und lineare Narration zu untergraben und gewohnte Wahrnehmungsmuster zu stören. Arceneaux’ Interesse gilt der bewussten wie der unbewussten persönlichen und sozial-gesellschaftlichen Erinnerung, die er als sich kreuzende Stränge von Dauerhaftem und Vergänglichem in seinen Werken aufeinandertreffen lässt. „Das Schaffen von Verbindungen“, erklärte er anlässlich seiner Arbeit in der Secession, „und die Darstellung von Affinitäten zwischen augenscheinlich unterschiedlichen Geschichten, zeigen die Wirklichkeit der modernen Realität auf und sind Beweis für unsere flüchtige Gegenwart ebenso, wie für unsere primitive Vergangenheit.“

Das Verhältnis von Geschichte und Heutigem, Fiktionalem und Überliefertem thematisiert auch die 1966 geborene Italienerin Elisabetta Benassi, die in ihrer Installation „Memorie di un Cieco – Erinnerung eines Blindes“ mithilfe eines alten, umgebauten Microfichegeräts die Rückseiten alter Pressefotos herunterspulen lässt. Von dem 1969 in Teheran geborenen Babak Afrassiabi stammt der Film „Thicker Than Paint Thinner“, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Film erzählt von einem ehemaligen Drogenabhängigen namens Hossein, der zum Revolutionär geworden ist und wenige Monate vor der islamischen Revolution 1979 ein Kino im iranischen Abadan in Brand steckte; fast 400 Menschen kamen dabei ums Leben. Afrassiabi nimmt in seiner Arbeit ebenso Bezug auf Seyyed, die Hauptfigur in dem Film „Gavaznha“, welcher zu Zeit des Vorfalls im Kino lief.

Der 1978 in Glasgow geborene Luke Fowler, einer der Nominierten für den diesjährigen Turner Prize, kombiniert gefundenes Filmmaterial über den Psychiater Ronald D. Laing mit eigenen Aufnahmen, und Louidgi Beltrame untersucht die Utopien der Moderne anhand der „Casa de Canoas“, eines Wohnsitzes von Oscar Niemeyer, den der Architekt jedoch bereits nach wenigen Jahren wieder leer stehen ließ. Die Bilder dieses wunderbaren Glaspalastes der brasilianischen Moderne überlagert Beltrame mit einem weiteren Zeugnis des Scheiterns; eine Stimme aus dem Off liest Auszüge aus „Tecnicamente Dolce“ vor, einem nie verfilmten Drehbuch von Michelangelo Antonioni aus den 1970er Jahren.

Sinnbild für Davids Konzept ist schließlich auch die Installation von Hany Armanious. Der 1962 im ägyptischen Ismailia geborene Künstler, der Australien bei der letzten Biennale vertrat, stellt Kopien von Alltagsobjekten aus ungewöhnlichen Materialien her. Seine Polyurethanharzabgüsse bilden sogar den Verschleiß der ursprünglichen Objekte ab. Indem er das Prozesshafte und Haptische ästhetischen Gesichtpunkten vorzieht, wird der Abguss für ihn zu einer Methode, einzigartige Gegenstände zu kopieren, während die Originale oft zerstört werden. Mit ihrer Schau „Mutatis Mutandis“ wirft Catherine David ein Schlaglicht auf die Werke von acht Kunstschaffenden, für die nicht die großen Wendungen, sondern die feinen, kaum spürbaren Modulationen zwischen Vorherigem und Jetzigem zählen.

Die Ausstellung „Mutatis Mutandis“ ist bis zum 2. September zu sehen. Die Secession hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am ersten Weihnachtsfeiertag bleibt das haus geschlossen. Der Eintritt samt Besichtigung des Beethovenfrieses beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at



22.07.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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29.06.2012, Mutatis Mutandis

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Secession wehrt sich gegen Vereinnahmung durch die Politik

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Andrea Branzi

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Hany Armanious

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Louidgi Beltrame

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Luke Fowler

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Babak Afrassiabi

Künstler:

Elisabetta Benassi










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