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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mies van der Rohe erfolgreich auf Auktion von klassischer und zeitgenössischer Fotokunst bei Grisebach in Berlin

Sinnbild moderner Architektur



Mit seinem Pavillon für die Weltausstellung 1929 in Barcelona setzte Ludwig Mies van der Rohe neue Maßstäbe in der Architektur. Gemäß dem Konzept des freien Grundrisses entlastete er die Wände von ihrer Tragfunktion. Mit den vielen Glasfronten, den filigranen Stahlstützen und den transparent wirkenden Mauern schuf er einen fließenden Raumeindruck, der auch den Innen- und Außenraum ineinander übergehen ließ. Die Offenheit des Gebäudes, die nötige technische und kulturelle Innovation und die Leistungsbereitschaft des Architekten sollten auch für die Weimarer Republik stehen, die den Pavillon in Auftrag gegeben hatte. Zunächst abgebaut, würdigte man Mies van der Rohes Bedeutung für die Architekturgeschichte, als sein Werk 1986 an Ort und Stelle originalgetreu wieder errichtet wurde. Als verlässlicher Zeitzeuge des ursprünglichen Zustandes gilt ein Vintage von 1929, der eine Innenansicht mit beleuchteter Glas- und Onyxwand zeigt. Als Agentur nennt ein Stempel auf der Rückseite den „Berliner Bild Bericht“ und macht damit eine Zuschreibung an Sasha Stone möglich. Ein italienischer Privatsammler konnte nach einem heißen Bietgefecht das auf 1.500 bis 2.500 Euro geschätzte Bild erst bei der Verzwanzigfachung des Werts auf 52.000 Euro sein Eigen nennen.


Die Auktion klassischer und zeitgenössischer Fotografie lief für Grisebach am 30. Mai in Berlin mit einer losbezogenen Verkaufsquote von 71,5 Prozent erfolgreich. Alle 14 Vintages mit Bauwerken Mies van der Rohes wanderten über das Auktionspult, der Großteil über dem oberen Taxwert. Damit trug der deutsche Architekt wesentlich zum Bruttogesamtumsatz von 756.100 Euro bei. Die anderen Ansichten des Barcelona-Pavillons rangierten zwischen 1.500 und 7.000 Euro (Taxe jeweils 1.500 bis 2.500 EUR). Sein „Modell der Weissenhof-Siedlung wie gebaut (1927), Ansicht von Südosten“ von 1927 schlug Grisebach bei 19.000 Euro zu, wobei die Schätzung nur bei 300 bis 500 Euro gelegen hatte. Auch die Ansichten auf die Stuttgarter Siedlung von Osten und von Westen lagen in diesem Taxbereich und konnten sich bei 700 Euro bis 4.000 gut behaupten.

Man Ray erreichte mit seinen Vintage-Portraits von Wanda Vangen aus dem Jahr 1929 und Pablo Picasso aus dem Jahr 1933 jeweils die untere Taxe. Für das Bild der schottisch-norwegischen Schauspielerin in üppigem Pelzkragen und durchdringendem Blick wurden 10.000 Euro geboten, für den nachdenklichen spanischen Maler in Mantel 15.000 Euro. Die deutsche Fotografin Else Neuländer, bekannt unter dem Namen Yva, tat sich vor allem in der Mode- und Aktfotografie hervor. In graziler Haltung mit übereinandergeschlagenen Beinen hat sie um 1932 eine „Dame bei der Lektüre der Rennsport-Zeitung“ aufgenommen. Hier regte sich dann wieder eifrig die Kauflaune, bis ein amerikanischer Sammler bei 16.500 Euro die Oberhand behielt (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Ebenfalls in den 1930er Jahren portraitierte Alfred Stieglitz viele Male seine 40 Jahre jüngere Schülerin und Geliebte Dorothy Norman. Die beiden hatten sich 1927 in der „Intimate Gallery“ in New York kennengelernt. Ein Zeugnis von Zusammenarbeit und Liebesbeziehung ist das kleinformatige Bild Dorothys mit Hut, hochgeschlossenem Kragen und aufgerissenen, großen Augen, das für die untere Schätzung von 15.000 Euro wegging. In weiblicher Schönheit fängt Jacques Henri Lartigue seine Geliebte der frühen 1930er Jahre, das rumänische Modell „Renée Perle“, auf seinem Vintage für 2.500 Euro ein (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Erschwinglicher war der Vintage „Tokio. Dame“ von Robert Lebeck aus dem Jahr 1961. Das Portrait einer älteren Asiatin, die sehnsuchtsvoll durch eine Fensterscheibe blickt, fand zur oberen Taxe von 700 Euro einen Abnehmer.

Die Nachfrage an Aufnahmen von Horst P. Horst war diesmal nicht so hoch. Von vier offerierten Losen konnten nur der spätere Silbergelatineabzug „Marlene Dietrich“ um 1945 in katzenhafter Haltung auf einem Sofa für 3.600 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und der männliche Rückenakt von 1952 für 3.000 Euro vergeben werden (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Weibliche Akte standen da mehr im Interesse der Kunden bei Grisebach, so etwa Sam Haskins’ klare Sicht auf die unschuldig blickende „Elizabeth removing jeans“ aus den 1970er Jahren bei 2.000 Euro (Taxe 800 bis 1.200 EUR) oder Josef Breitenbachs schummriges Interieur vor 1933 mit einer verschatteten Frau, deren Brüste durch helle Lichtpartien betont sind. Hier kamen 4.500 Euro zusammen (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Wie gemütlich es früher in Buchhandlungen zuging, macht das Gespräch von „James Joyce mit Adrienne Monnier und Sylvia Beach in der Buchhandlung Shakespeare & Co., Paris 1938“ von 1938 deutlich. Gisèle Freund zog das literarische Dokument später noch einmal ab und wurde mit 4.200 Euro belohnt (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Alfred Eisenstaedts frontale sicht auf „Marilyn Monroe“ von 1953 erhielt in einem späteren Abzug von 1979 bei 10.500 Euro den Zuschlag (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Wie der Titel „Corset“ schon sagt, stellt Jeanloup Sieff mehr das Kleidungsstück in den Vordergrund als die Frau. Er wählt den Ausschnitt dementsprechend, dass die Schultern, Hals und Kopf sowie die Unterbeine nicht mehr zu sehen sind. Der spätere Abzug motivierte nicht viele Bieter, denn noch vor dem unteren Schätzwert blieb er bei 7.500 Euro stehen.

Der Kunstgriff von Henri Cartier-Bresson, einen schlafenden Gemüsehändler vor der Karikatur seines eigenen Gesichts mit weitaufgerissenen Augen zu fotografieren, gefiel den Kunden bei 7.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Vor allem der große, aufgeklappte Deckel eines Flügels nimmt Arnold Newmans späteren Silbergelatineabzug der Originalaufnahme von 1946 ein und wird damit Attribut des in der linken Ecke positionierten Komponisten „Igor Stravinsky“. Allerdings blieb die Arbeit mit 5.000 Euro hinter der unteren Erwartung zurück. Das lässige Portrait von Mick Jagger, das Leni Riefenstahl in den 1970er Jahren machte und hier in einem späteren Abzug für 3.000 bis 4.000 Euro offeriert wurde, erreichte gerade den unteren Taxwert. Die Erwartungen an Martin Munkácsis Vintage „Spanish Dancers, Seville, Spain“ von 1930 lagen mit 12.000 bis 18.000 Euro zu hoch, es musste an den Einlieferer zurückgehen.

Ebenso erging es Germaine Krulls „Mann am Ufer der Seine, Paris“ 1927/28 für 9.000 bis 11.000 Euro und Jaromír Funkes intimer, noch piktoralistischer Schilderung zweier Kinder auf einer Treppe in einem sonnigen Hof aus den frühen 1920er Jahren für 12.000 bis 15.000 Euro. Sein etwas jüngeres, diagonal eingepasstes Fensterband eines Wohnheimzimmers im Stil des „Neuen Sehens“ kam bei den erwarteten 7.000 Euro ans Ziel. Ganz in die Ungegenständlichkeit wechselte Hannes Meyer im Jahr 1926. Sein Vintage „co-op.construction“ ist ein treffliches Beispiel für die konstruktivistischen Studien plastischer Art in verschiedener Beleuchtung des Bauhäuslers. Dafür gab es hervorragende 7.500 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Edouard Boubat hielt 1955 den ersten Schnee im Pariser Jardin du Luxembourg fest. Das quirlige Treiben der begeisterten Kinder war einem Sammler 5.000 Euro wert (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Für das doppelte der Erwartung konnte Alfred Ehrhardts Vintage „Steilseite einer Nehrungsdüne, Kurische Nehrung“ von 1936 mit 1.800 Euro an den Mann gebracht werden. Albert Renger-Patzsch erfüllte mit seinem späteren Abzug der „Hyazinthe“ um 1955 die anvisierten 10.000 bis 15.000 Euro nicht, obwohl das Stillleben zur Schenkung des Fotografen ans Museum of Modern Art in New York im Jahr 1961 gehörte. Trotz dieser Provenienz standen nur 9.000 Euro auf der Rechnung. Otto Steinerts Fotogramm „Verspielter Punkt“ von 1948 fuhr die erwarteten 15.000 Euro ein. Umbos Arrangements von Damenstrümpfen waren mit 12.000 bis 15.000 Euro bemessen. Vielleicht erkennt der neue Besitzer darin ja auch für 12.000 Euro einen fantasievoll versteckten, angedeuteten weiblichen Körper.

Der US-amerikanische Fotograf Peter Beard stellte mit 62.000 Euro die teuerste Arbeit in der Rubrik „Zeitgenössische Fotografie“ und der gesamten Auktion. In dem Werk aus Beards berühmter Afrikabilderserie, in der er unter anderem das Sterben der Elefanten durch weiße Jäger anprangert, vereinen sich mehrere Zeitebenen. Denn das kleine aufgezogene Bild am linken unteren Rand ist ein Abzug eines historischen Portraits des Ehepaars Blixen zwischen Affenbrotbäumen in Tsavo von 1921, die große Aufnahme zeigt einen Elefantenbullen im Jahr 1965. Zudem versieht Beard den schwarzen Rahmen des Fotos mit einem Gedicht von William Faulkner in weißen Lettern. Ein österreichischer Kunde musste den Schätzpreis von 8.000 bis 10.000 Euro gegen die Konkurrenz ordentlich in die Höhe schrauben.

Auch Pieter Hugo fotografierte in Afrika. Protagonist seines C-Prints von 2007 ist ein Hyänen-Mann des fahrenden Volkes der Gadawan Kura in Nigeria. Den Lebensunterhalt bestreitet das Volk durch den Verkauf der traditionellen Medizin. Grisebach erzielte mit dem Exemplar, das eines von neun nummerierten ist, 12.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Die Kassette „The Last Resort“ spielt dagegen in Europa. Mit der nötigen ironischen Kraft hat Martin Parr hier wieder seine Finger in die kleinen gesellschaftlichen Schieflagen gelegt. So sind auf einem Bild zwei Kinder Eis essend und mit verschmierten Gesichtern am Straßenrand zu sehen. Die 15 C-Prints von 1982/85, zusammengestellt für die Rocket Gallery in London, schlug Grisebach bei 18.000 Euro los (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Eine Preissteigerung gegenüber dem letzten Verkauf bei Christie’s in New York konnten Bernd und Hilla Becher für ihre Kassette mit typenhaften „Industriebauten“ von 1968 verzeichnen. Waren die zehn Silbergelatineabzüge 2003 noch für 20.000 Dollar verkauft worden, so ging das Bietgefecht diesmal in Berlin zugunsten eines französischen Sammlers erst bei 31.000 Euro sein Ende (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Andres Serrano richtet in „The church (San Stefano II, Venice)“ die Kamera aus der Perspektive eines Gläubigen auf das Gemälde des Gekreuzigten. Der Betrachter hat das Gefühl, demütig selbst in der Kirche zu sein. Für den Cibachrome-Abzug von 1991 gab es 10.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Von den drei Fotos Thomas Struths überschritt nur eines den unteren Taxwert. Der „North Garland Court, Chicago“ 1992 ist einer von zehn nummerierten Abzügen des verwaisten Straßenzuges und ging für 6.500 Euro weg (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). An Massimo Vitalis „Les Menuires grande“ von 2000 knüpften sich im Vorhinein mit 20.000 bis 25.000 Euro die höchsten Erwartungen der Versteigerung. Doch der Blick auf das bunte Treiben der Menschen im französischen Skiparadies konnte niemanden überzeugen, er musste an den Einlieferer zurück.

Den Fokus auf den Menschen legt der japanische Modefotograf Yasuhiro Wakabayashi, der seit 1954 in New York lebt. Er setzt Martha Graham gekonnt in Szene, indem er das Bildnis aus dem Jahr 1984 von dem hellen strengen Gesicht der Choreografin bestimmen lässt, das im Gegensatz zu dem schwarzen Mantel und dem schwarzen Haarknoten steht. Der Zuschlag von 3.000 Euro bedeutet genau die untere Taxe. Das Schaffen der Iranerin Shirin Neshat dreht sich um die Lage und das Rollenbild der Frau in muslimischen Ländern. In ihrem C-Print „I am its secret“ von 1993 übermalt sie das verschleierte Gesicht einer Frau mit schwarzen und roten arabischen Buchstaben. Mit 7.500 Euro konnte das Bild seinen oberen Schätzwert um 500 Euro verbessern. Thomas Ruffs „Portrait S. Kewer“ aus dem Jahr 1989 legte um 2.000 Euro zu. Die Frau mit lockigen brauen Haaren und roten Lippen landete bei 22.000 Euro.

Gleich fünf schöne Frauen lichtete Peter Lindbergh 1989 für das Cover der britischen Vogue ab. Die Aufnahme von Naomi Campbell, Tatjana Patitz, Christy Turlington, Linda Evangelista und Cindy Crawford brachte 11.000 Euro ein (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Der spätere Abzug der erotischen „Malibu Nude“ aus der Serie „Days at Sea“ von Ralph Gibson aus dem Jahr 1974 wurde mit 5.000 Euro entsprechend der Preisvorstellungen bedacht (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Die Serie „Murder Mystery“ von 1976 von Cindy Sherman erreichte in einem Abzug von 2000 die untere Taxe von 9.000 Euro. Der Käufer kann sich nun auf die Suche nach Indizien begeben, denn die Fotografin inszeniert sich selbst auf den Bildern als Personen aus einem Kriminalroman, hier als Sohn im Schlafanzug und Bademantel.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



15.07.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte

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Zuschlag: 7.000,- EURO

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