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Zwischen Lakonik und Redseligkeit: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen in der Sammlung Falckenberg das fotografische Werk des Filmemachers Wim Wenders

Die Einsamkeit des Bildersuchers



Manchmal muss man eben etwas aufräumen, bevor man zur Kamera greift. Das behauptet zumindest Wim Wenders. Die Straßenecke zum Beispiel, die er 2003 im kleinen Ort Butte in Montana entdeckte, verströmte das Flair eines Gemäldes von Edward Hopper. Stahlblauer Himmel, eine menschenleere Straße, zwei einsame Laternenmasten, ein roter Hydrant und ein mit Trödel angefülltes Schaufenster. Ein Klick auf den Auslöser, und die fotografische Zeitreise in Edward Hoppers Amerika der 1930er oder 1940er Jahre wäre gelungen. Doch einige moderne Details erschwerten die Angelegenheit. Blumenkübel aus den 1960er Jahren und einen allzu zeitgenössischen Papierkorb entfernte Wenders kurzerhand. Erst als dann auch die Straße frisch gefegt war, drückte er auf den Auslöser. Der Regisseur Wim Wenders, Jahrgang 1945, dessen relativ unbekanntem fotografischen Werk die Hamburger Deichtorhallen jetzt in der Sammlung Falckenberg eine umfangreiche Ausstellung mit über 60 meist großformatigen Bildern widmen, sieht sich, auch wenn er mit dem Fotoapparat agiert, in erster Linie als Bildermacher. Da darf man der Wirklichkeit auch schon mal auf die Sprünge helfen. Andere bearbeiten ihr Rohmaterial am Computer. Der Fotograf Wenders, der mit einiger Vehemenz jegliche digitale Technik ablehnt, schleppt dann lieber Störendes persönlich zur Seite. Seine Assistenten lässt er zu Hause. Seine weltweiten Fotostreifzüge unternimmt er ganz allein.


Mit dem für den Oscar nominierten 3D-Dokumentarfilm „Pina“ über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch betrat Wenders 2011 digitales Neuland. Als Fotograf allerdings arbeitet er bis heute ausschließlich analog, je nach Aufnahmesituation mit drei verschiedenen Kameras. Und er „optimiert“ seine Negative, ganz im Gegensatz zu Fotokünstlern wie Andreas Gursky oder Thomas Ruff, auch nicht nachträglich mit Bildbearbeitungssoftware. Wim Wenders hat zu Beginn seiner Karriere ein Jahr lang Malerei studiert. Seinen Filmen ebenso wie seinen Fotografien sieht man das an. „In weiter Ferne, so nah!“, „Bis ans Ende der Welt“, „Der Stand der Dinge“ oder „Der Himmel über Berlin“: Wenders Filmtitel eignen sich perfekt, um auch die weltentrückte und melancholische Atmosphäre seiner Fotografien zu beschreiben.

Er sei Landschaftsfotograf, sagt er. Menschen interessierten ihn als Regisseur, nicht als Fotografen. Sobald eine menschliche Figur auf dem Bild sei, ziehe sie alle Aufmerksamkeit auf sich. „Ich sehe mich als so eine Art Dolmetscher zwischen Orten, die etwas erzählen wollen und Menschen, die in der Lage sind, das zu sehen“, so Wim Wenders. Seine Neugier auf narrativ aufgeladene Orte treibt ihn in die abgelegensten Winkel dieser Erde. Ein verrostendes Riesenrad irgendwo in Armenien fesselt seinen Blick ebenso wie ein kleiner Friedhof, eingequetscht zwischen den Straßenschluchten Tokios, ein Schrottplatz voller ausgedienter VW-Käfer im australischen Outback oder ein von neongrünen Algen überwucherter Wasserbehälter auf einem Wolkenkratzer in São Paulo. Roadmovie-Ästhetik trifft in diesen Aufnahmen auf die ambivalente Attraktion verfallender und morbider Orte.

So weit, so gut. Wim Wenders aber scheint der visuellen Kraft seiner Aufnahmen nicht vollständig zu vertrauen. In seinen Filmen und augenscheinlich auch in seiner Fotografie beständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der Seele der Orte, strapaziert Wenders den Betrachter mit einer Überdosis gutmeinender Fürsorglichkeit: Fast jede Fotografie wird von einem poetischen, mal anekdotenhaften, mal rührseligen Wandtext flankiert. Von sanft flatternden Fledermäusen ist da ebenso die Rede wie von verlorenen Paradiesen und einer Mauer, die trotz langer Betrachtung, am Ende alle Geheimnisse für sich behielt. Wenders sehr subjektive, allzu redselige und manchmal ins Esoterische abdriftende Kommentierungen engen den Betrachterblick unnötig ein. „Places, strange and quiet“, lautet der Titel der Schau. Die Fremdheit und die Stille der aufgesuchten Orte sind auf den Aufnahmen vortrefflich eingefangen. Der vielen Worte hätte es da gar nicht mehr bedurft.

Die Ausstellung „Wim Wenders – Places, strange and quiet“ ist bis zum 5. August zu sehen. Die Sammlung Falckenberg kann nur nach vorheriger Anmeldung in Hamburg-Harburg besucht werden. Öffentliche Führungen finden mittwochs und donnerstags um 18 Uhr, freitags um 17 Uhr sowie samstags und sonntags um 11 und 15 Uhr statt. Anmeldung unter 040 – 3250 6762 oder www.sammlung-falckenberg.de. Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen, umfasst 124 Seiten, 37 Farbabbildungen und 8 Klapptafeln und kostet 24,80 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg

Wilstorfer Straße 71

DE-21073 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 50 67 62

Telefax:+49 (040) 32 50 67 63

E-Mail: besuch@sammlung-falckenberg.de



19.06.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


15.04.2012, Wim Wenders. Places, Strange and Quiet

Bei:


Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg

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Künstler:

Wim Wenders










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