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Konzentration und Zerstreuung, Einheit und Fragment, Politik und Poesie in Kassel. Ein erster Rundgang durch den zentralen Ausstellungsort, das Museum Fridericianum

Documenta 13



Routinierte Documenta-Besucher wissen es: Der Auftakt im Erdgeschoss des Museums Fridericianum vermittelt bereits die Grundstimmung – neudeutsch könnte man sagen: den „Mood“ – der nach wie vor wichtigsten Weltkunstausstellung. Auf der Documenta IX beispielsweise – wir schreiben das Jahr 1992 und der Kurator hieß Jan Hoet – mussten sich die Besucher zwischen aufeinandergestapelten Videomonitoren hindurchquetschen, auf denen der Amerikaner Bruce Nauman einen kahlköpfigen Darsteller zeigte, der unablässig darum bat, ihn zu füttern, ihm zu helfen, ihn zu verletzen oder gar ihn zu verspeisen. Derlei harte Kost hebt sich Documenta 13-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev für andere Ausstellungsorte auf. Im Erdgeschoss des Fridericianums jedoch geht es ihr ganz offenbar um Reduktion und Klarheit. Wendet sich der Besucher nach links, so betritt er einen verschwenderisch großen Saal, in dem sich nur eine winzig kleine Vitrine befindet. Darin liegt ein handgeschriebener Absagebrief des Kölner Künstlers Kai Althoff, der sich den Luxus leistet, der Einladung zur Teilnahme zu widerstehen, und so doch ins Zentrum der Aufmerksamkeit gespült wird.


Gleich nebenan beteuert die britische Konzeptkünstlerin Ceal Floyer in einer minimalistischen, auf Wiederholung angelegten Soundinstallation, sie werde sich so lange bemühen, bis sie „es“ vernünftig hinkriege. Die Angst des Künstlers, an den eigenen Ansprüchen oder denen des Publikums zu scheitern, verbindet beide Positionen. Wendet man sich nach rechts, so landet man in einem fast ebenso leeren Saal. Carolyn Christov-Bakargiev ruft hier noch einmal die zweite Documenta von 1959 ins Gedächtnis. Zu sehen sind ebenfalls in einer Vitrine drei kleine Metallskulpturen des Spaniers Julio González (1876-1942), die den menschlichen Körper in all seiner Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit zum Thema haben. Dazu ein Foto mit Besuchern von damals. Wer aufmerksam durch die Räume geht, wird zudem eine leicht irritierende Windbrise verspüren. Ihr Urheber, der Brite Ryan Gander beherrscht die Kunst der kaum wahrnehmbaren, immateriellen Interventionen wie kaum ein anderer.

Das Feld wäre also abgesteckt: Die individuellen Befindlichkeiten von Künstlern, das bedrängte Individuum und damit das weite Feld von Politik und Gesellschaft, die auf die Probe gestellte Sensibilität des Betrachters, die Geschichte der Documenta, aber auch eine gewisse Vorliebe der Documenta-Leiterin für subtile und poetische, mitunter auch versponnen künstlerische Interventionen werden dem Besucher auf dem idealerweise mehrtägigen Rundgang durch diese an etablierten, aber auch ungewöhnlichen neuen Ausstellungsorten nicht eben arme Schau immer wieder begegnen. 32 über die gesamte Kasseler Innenstadt verteilte Adressen verzeichnet der Lageplan der Documenta 13.

Die anfängliche Leere konterkariert Christov-Bakargiev in der Rotunde des Fridericianums mit jeder Menge künstlerischem und nicht-künstlerischem Anschauungsmaterial aus nahezu allen Epochen und Weltkulturen. „Brain“ nennt sie ein für ihre kuratorische Handschrift programmatisches Kabinett voller assoziativ aufgeladener Objekte: Durch Kriegseinwirkung zusammengeschmolzene Artefakte aus dem Nationalmuseum von Beirut treffen da auf die während des Vietnamkrieges entstandene Zeichnung einer Vietcong-Frau und persönliche Gegenstände, die Lee Miller, die Lebensgefährtin des Surrealisten Man Ray, unmittelbar nach Kriegsende in Adolf Hitlers Münchner Privatwohnung an sich nahm. Was Christov-Bakargiev daran interessiert, ist die symbolische Aufladung von Objekten und die Emotionen, die sie beim Betrachter auslösen. Welche Gefühle überkommen uns, wenn wir ein authentisches Frotteehandtuch mit den Initialen „A.H.“ oder einen Parfümflakon, den einst Eva Braun benutzt hat, vor uns sehen? Wie reagieren wir auf die sogenannten „Baktrischen Prinzessinnen“, fast 4000 Jahre alte, feingliedrige und überaus anmutige Artefakte aus dem Gebiet des heutigen Kriegsschauplatzes Afghanistan? Graben sich Schuld, Trauma und Verstörung ihrer einstigen Besitzer in die Aura von Objekten ein?

Ganz oben im Fridericianum hat der algerisch-französische Künstler Kader Attia seinen überwältigenden, gleichsam verstörenden Auftritt. Attias raumfüllende multimediale Installation „The Repair“ besteht aus Hunderten in Vitrinen ausgestellten historischen Artefakten afrikanischer Provenienz, einer Diaprojektion, chirurgischen Schautafeln und afrikanischen Masken. Attia, der in Berlin lebt, hat zeitgenössische afrikanische Maskenschnitzer beauftragt, nach Fotovorlagen aus dem Ersten Weltkrieg zu arbeiten. Die von damaligen Chirurgen notdürftig zusammengeflickten Gesichter erfahren ihren monströsen Widerhall nun in einem theatralisch ausgeleuchteten Labyrinth aus Stahlregalen. Genau wie Bruce Nauman 20 Jahre zuvor schafft auch Kader Attia eine Arbeit, die das gesamte absurde Gefüge des menschlichen Daseins, die Angst, Ekel, Verletzung und Tod spürbar und erfahrbar macht. Wie es auf den ersten Eindruck scheint, ist die dreizehnte Documenta eine Documenta der unbequemen Wahrheiten. Sehenswert ist sie auf jeden Fall.

Die Documenta 13 läuft vom 9. Juni bis zum 16. September. Sie findet im Museum Fridericianum, in der Documenta-Halle, dem Hauptbahnhof, der Karlsaue und an zahlreichen über die gesamte Innenstadt verteilten weiteren Ausstellungsorten statt. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 20 Uhr. Als Publikationen liegen im Hatje Cantz Verlag das 792seitige „Buch der Bücher“ für 68 Euro und das 536seitige „Begleitbuch“ für 24 Euro vor; im Juli erscheint dann noch das 304seitige „Logbuch“ für 30 Euro.

Kontakt:

Documenta und Museum Fridericianum gGmbH

Friedrichsplatz 18

DE-34117 Kassel

Telefon:+49 (0561) 70 72 720

Telefax:+49 (0561) 70 72 775

E-Mail: info@fridericianum.org

www.documenta.de



08.06.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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