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Aus den Archiven einer Seherin: Die Hamburger Kunsthalle präsentiert in einer atmosphärisch dichten Ausstellung das ebenso faszinierende wie rätselhafte Spätwerk der 2010 verstorbenen Jahrhundertkünstlerin Louise Bourgeois

Im Netz der Spinnenfrau



Vor der Hamburger Kunsthalle hat sich eine gigantische Spinne breit gemacht. Das Ungetüm, das an Horrorfilme der 1950er und 1960er Jahre erinnert, stammt von Louise Bourgeois. Bereits vier Wochen für Ausstellungsbeginn wurde die 1999 entstandene, neun Meter hohe, bronzene Spinnenskulptur „Maman“ der Grande Dame der Bildhauerzunft des ausgehenden 20. Jahrhunderts auf dem Sockel zwischen dem Altbau der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart aufgestellt. Seitdem ist der achtbeinige Gliederfüßer, in dessen vergittertem Bauch sich geheimnisvolle Eier aus Marmor befinden, zum vielfotografierten Hingucker in der Hamburger Innenstadt geworden. „Wenn wir Aufmerksamkeit erregen wollen, wollen wir das mit großer Qualität tun“, kommentiert Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner die von seinem Haus eher selten praktizierte Aufstellung einer Großskulptur im Außenraum. Als reinen Eyecatcher möchte er die Spinne nicht verstanden wissen.


Wer jetzt Appetit auf mehr bekommen hat, den lädt das Museum bis Mitte Juni ein, das faszinierende Spätwerk einer Künstlerin zu entdecken, die erst mit 71 Jahren – das New Yorker Museum of Modern Art widmete ihr 1982 als erster Frau überhaupt eine Retrospektive – ans Licht einer breiteren Öffentlichkeit trat. Die von Brigitte Kölle, der neuen Co-Leiterin der Galerie der Gegenwart, kuratierte Schau „Passage dangereux“ versammelt eine überschaubare, aber um so wirkungsvoller inszenierte Auswahl von Arbeiten aus den letzten 15 Lebensjahren der 1911 bei Paris geborenen und 2010 in ihrer Wahlheimat New York verstorbenen Jahrhundertkünstlerin.

Die titelgebende, 1997 entstandene Arbeit „Passage dangereux“ wird, von Punktstrahlern sparsam beleuchtet, im Zentrum der Schau präsentiert: In einem großen Drahtkäfig, den der Betrachter umrunden, nicht aber betreten kann, inszeniert Louise Bourgeois anhand zahlreicher, überwiegend autobiografisch aufgeladener Objekte das menschliche Leben ganz allgemein, insbesondere aber ihr eigenes, als eine Exkursion voller Fallstricke und Gefahren, Versuchungen und Enttäuschungen. In kleinen Seitenkäfigen sind unterschiedliche, oft abgenutzte oder beschädigte Gegenstände arrangiert. Zum Beispiel eine altmodische Kinderschaukel, die vor einem zerschlissenen Gobelin baumelt. Bourgeois’ Eltern besaßen einen Reparaturbetrieb für beschädigte Tapisserien. Der souveräne Umgang der Künstlerin mit jeder Art von Textilien lässt sich eindeutig aus ihrer Biografie heraus erklären.

Ferner sind in „Passage dangereux“ kaputte Stühle jeglicher Art und Größe zu sehen. Ein schwerer Holzsessel mit Lederriemen zum Fixieren der Hände wirkt wie ein elektrischer Stuhl. Vier an dunklen Stangen montierte Abformungen menschlicher Füße auf einem Eisenbett erinnern an ein kopulierendes Paar. Schwere Glaskugeln sind mit Knochen- und Wirbelfragmenten gefüllt, und geschickt positionierte Spiegel akzentuieren bestimmte Schlüsselobjekte noch einmal auf besonders eindringliche Weise, etwa ein kleines, gläsernes Likörfläschchen in Form eines Pferdes mit abgeschlagenem Kopf. Ursprünglich ein Geschenk des befreundeten Architekten Le Corbusier, verwandelt es Bourgeois zu einem gläsernen Sarg für eine tote Stubenfliege.

Kindheit, Vanitas und Tod, Sexualität und Gewalt, Erinnerungen positiver wie negativer Art, Nostalgie und Traumabewältigung fließen in diese aus familiären Erinnerungsstücken „recycelte“, existenzielle Käfiginstallation mit ein. Daneben sind in der klar gegliederten Hamburger Schau etliche weitere Installationen und Skulpturen, Stoffarbeiten und, exklusiv aus dem Museum of Modern Art, der großformatige 14teilige Radierungszyklus „À l’infini“ zu sehen. Louise Bourgeois entwickelt hier aus einer wiederkehrenden Grundform heraus durch Übermalungen eine metamorphoseartige Exploration organischer menschlicher Formen, die in der Darstellung eines ineinander verschlungenen Liebespaares gipfelt.

Und was hat es mit der Spinne auf sich? Für Louise Bourgeois verkörpert das von vielen Menschen mit Angstvorstellungen konnotierte Tier etwas durchaus Positives, eine Art weiblichen Schutzgeist. Louise Bourgeois: „Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Genau wie Spinnen war auch meine Mutter sehr klug. Spinnen sind sehr freundliche Wesen, sie fressen Moskitos. Und die, das wissen wir doch alle, verbreiten Krankheiten und sind daher unerwünscht.“

Die Ausstellung „Louise Bourgeois – Passage dangereux“ ist bis zum bis 17. Juni im Hubertus-Wald-Forum zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der 96seitige Katalog mit Abbildungen kostet 17,90 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



29.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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