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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Bassenge in Berlin

Drogen, Schnaps, Versöhnung



Auf der kommenden Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst kehrt das Berliner Auktionshaus Bassenge weitgehend in seine ureigenste Domäne zurück: die Grafik. Einige herausragende Losnummern sind zwar mit Gemälden besetzt – Karl Hofers weit in die Ferne blickendes „Mädchen mit grüner Fahne“ aus dem Jahr 1943 etwa für 30.000 Euro oder Paul Kleinschmidts 1936 datiertes, buttriges Stillleben „Rosen und Dahlien“ für 12.000 Euro –, doch das Gros des Angebots bestreiten Arbeiten auf Papier. Auch einige Topstücke finden sich hier, so allein vier Positionen von Pablo Picasso. Hauptlos ist seine schwere, fast düstere Kreidelithografie „Françoise sur fond gris“ von 1950, in der sich Bassenge mit 50.000 Euro exakt an den Zuschlagswert bei Hauswedell & Nolte vom Dezember 2010 hält, gefolgt von der bukolischen Radierung „Scène bachique au Minotaure“ von 1933 aus der Suite Vollard für 30.000 Euro. Zwei weitere Frauendarstellungen, die Lithografie „L’Italienne“, für die sich Picasso 1953 einer spätklassizistischen Vorlage des Malers Victor Orsel bediente, und der braunschwarze Linolschnitt einer deformierten „Femme à la source“ von 1962, sind für 22.000 Euro und 24.000 Euro zu haben.


Reiche Auswahl besteht am 2. Juni insbesondere unter den Drucken des deutschen Expressionismus: Peter August Böckstiegels kraftvoll rot-orange eingefärbte Lithografie „Sonja und Hanna“ von 1920 sowie Heinrich Campendonks teils kantiger, teils gerundeter Holzschnitt „Liegender weiblicher Akt mit Kuh und Ziege“ von 1918 rangieren trotz ihrer Seltenheit mit 2.000 Euro und 1.800 Euro preislich im unteren Segment. Etwas teurer wird es mit Erich Heckels Kaltnadelradierung dreier nackter „Frauen am Strand“ von 1912 (Taxe 7.500 EUR), Ernst Ludwig Kirchners schemenhafter Lithografie „Drei Tänzerinnen“ von 1912 (Taxe 25.000 EUR) und einer der rund zehn Radierungen von Paul Klees dichtem, lyrischem „Garten der Leidenschaft“ von 1913 für 8.000 Euro. Max Beckmann stellt mit dem expressiven Holzschnitt „Toilette“ von 1923 (Taxe 10.000 EUR) und der figurenreichen, karikierenden Barszene „Hier ist Geist“ in Kaltnadel von 1921 gleich mehrere hochkarätige Arbeiten (Taxe 15.000 EUR). Als Rarität tritt Beckmanns nicht gerade schmeichelhafte Kaltnadelradierung seiner Frankfurter Sammlerin und Freundin Käthe Carl um 1916 an (Taxe 7.500 EUR).

Auf österreichischer Seite beeindruckt zur gleichen Zeit Egon Schiele mit seiner feinsinnigen Momentaufnahme „Bildnis Arthur Roessler“ in einer Kaltnadelradierung auf bläulichem Kupferdruckpapier von 1914 (Taxe 4.000 EUR). Als sein zu bewahrendes Hauptwerk charakterisierte Willy Jaeckel die vierteilige Illustrationsfolge zur Bibel „Mensch – Gott – Gottmensch“ von 1920. Den ersten Teil daraus, die 60 Radierungen zur „Schöpfung“, listet der Katalog für 2.500 Euro. Die ältesten Drucke der Auktion liefert noch der französische Impressionismus samt Nachfolge in Form von Paul Signacs Farblithografie „Les Bateaux à Flessingue“ wohl von 1897/98 (Taxe 11.000 EUR) und Henri de Toulouse-Lautrecs olivgrüner Lithografie „Miss May Belfort saluant“ von 1895 für 6.000 Euro. Weitere Offerten aus dem französischen Raum sind Henri Matisses zeichnerisch aufgefasste Lithografie „Nu assis, bras gauche sur la tête“ von 1926 (Taxe 11.000 EUR) sowie eine umfangreiche Suite des Informellen Jean Fautrier mehrheitlich im dreistelligen Preisbereich.

Bei den unikaten Papierarbeiten deutscher Expressionisten steht Emil Noldes Ende der 1940er Jahre verfasstes Aquarell „Astern, Sonnenblumen und Dahlien“ für 50.000 Euro preislich ganz oben. Lyonel Feiningers zart aquarellierte Kreidezeichnung „Hafenszene mit Booten“ von 1946 soll 30.000 Euro kosten, ebenso wie George Grosz schon recht gemäldehafter, aber doch weitgehend rasch skizzierter Frauenakt „Im Boudoir“ von circa 1940. Von letzterem Meister gibt es ferner eine seiner halb karikaturistischen Milieustudien, die Kreidezeichnung „Vergebung“ mit einem bärtigen Mann, der seine am Boden kauernde Geliebte mit den Worten „Ick vazeih dia allet“ tröstet. Zigaretten, Alkohol und – eine auf dem Tisch liegenden Spritze nach zu urteilen – auch Drogen scheinen wesentlich zum zwiespältigen Gemütszustand der beiden Figuren beigetragen zu haben (Taxe 7.000 EUR).

Bernhard Kretzschmars aquarellierte Momentaufnahme „Das Konzert (In der Loge)“ aus der Zeit um 1920 lässt sich gleichfalls in diese großstädtischen Milieustudien einordnen (Taxe 10.000 EUR), in das Zirkusmilieu Willy Robert Huths mit lockerem Strich um 1923 ausgeführte Gouache mit zwei Clowns in der Manege (Taxe 1.500 EUR). Auf die Berliner Straßen entführt Max Liebermann den Betrachter in seiner gekonnten Kohleskizze „Unter den Linden im Regen“ wohl um 1930 (Taxe 3.500 EUR). In frontaler, selbstbewusster Haltung hat Conrad Felixmüller 1922 ein „Mädchen im offenen Haar“ als schwarze Federzeichnung charakterisiert (Taxe 6.000 EUR), während Fritz Huhnen 1920 auf seinem dichten Kohleblatt drei sitzende alte Männer drastisch als Schreckgespenster darstellt (Taxe 2.400 EUR).

Fragt man noch einmal nach den Gemälden, so wird man unter den älteren Werken vor allem bei weniger bekannten Künstlern fündig. August Wilhelm Dresslers neusachliches Stillleben mit Krug, Wein- und Bierflasche, Früchten und Fisch von 1931 kann sich aber durchaus sehen lassen (Taxe 6.000 EUR), ebenso Willibald Krains traurige Straßenszene „Die Obdachlosen“ wohl aus der Krisenzeit der mittleren 1920er Jahre für 9.000 Euro oder der gleich hoch taxierte Akt „Stunde der Dämmerung“ von Eberhard Viegener aus dem Jahr 1939. Besondere Aufmerksamkeit beanspruchen die stilisierte Figurenkomposition „Im Kampf (Lanzenträger, Lanzenfechter)“ von 1912 und die fast ganz in zackige kantige Formen zerlegte Farbenvision „Ach Rausch“ von circa 1920, beides hervorragende Schöpfungen des expressionistischen Malers Moriz Melzer (Taxen je 10.000 EUR). Emil Orlik, der nebenbei für eine Reihe von Zeichnungen und Druckgrafiken verantwortlich zeichnet, steuert außerdem die schöne romantische Abendstimmung „Schoss vor hügeliger Landschaft“ für 3.000 Euro bei.

Keine Probleme mit dem Bekanntheitsgrad dürfte Lovis Corinth haben. Umso strenger wird man angesichts der Schätzung von 25.000 Euro allerdings sein 1924 rasch auf die Sperrholzplatte geworfenes Bildnis der Schriftstellerin Alice Berend beurteilen müssen. Als weitere Berliner Impressionistin tritt Maria Slavona mit ihrem recht realistischen Blick auf einige Häuser am Montmartre um 1900 auf (Taxe 4.000 EUR). Eine der wenigen Künstlerinnen der Auktion ist zudem Lou Albert-Lasard mit ihrer expressiv gestalteten Messfeier in „St. Marco, Venise“ um 1935 (Taxe 4.000 EUR). Die wohl originellste malerische Arbeit der Auktion ist eine ornamental regelrecht verzückte Landschaft Fernand Légers, bei der sich die Stämme zweier Bäume im Vordergrund vertikal über die horizontalen Wellen der rückwärtigen Feldlandschaft schlängeln. Allerdings handelt es sich dabei wieder um ein Aquarell auf Bütten aus dem Jahr 1921. 30.000 Euro lassen etwas Luft nach oben erwarten. Ein seltener Gast in Deutschland ist der Niederländer Bram van Velde. Internationalem Vergleich zufolge dürfte sein spätestens 1924 entstandenes, gemäßigt expressionistisches Ölbild „Atelier van de Schilder“ jedoch leicht 15.000 Euro erreichen.

Aus der jüngeren Zeit stehen einerseits ungegenständliche Malereien zur Verfügung wie zwei hübsche Kompositionen Fritz Winters aus den 1950er Jahren für bis zu 15.000 Euro oder eine unbetitelte, ornamentale Acrylmalerei des Brasilianers Roberto Burle Marx in düsterem Grau-Schwarz von 1990 für 7.000 Euro. Als Gegenständler erweist sich anderseits Ernst Schumacher mit einer bewusst stillen, menschenleeren Front von „Häusern“ aus dem Jahr 1953 (Taxe 3.500 EUR). Unverwechselbar ist eine Feuergouache Otto Pienes von 1974 auf einem relativ großen Format von fast einem Meter Höhe: Wie eine Explosion scheint von hinten ein großer Schwall grüner Farbe durch den roten Grund zu brechen (Taxe 6.000 EUR). Unter den zeitgenössischen Künstlern dominieren wieder gegenständliche Motive. Großstadttristesse verbreitet Holger Friedrichs Blick in die U-Bahn-Station „Senefelder Platz“ in Berlin aus dem Jahr 1999, während seine jüngeren Arbeiten „Der Schatten“ von 2003 und „Narziss“ von 2010 eher an den Surrealismus anknüpfen (Taxen zwischen 1.500 und 3.000 EUR).

Die heute weitgehend vergessene neosurrealistische Malerei der 1970er Jahre in Deutschland repräsentieren die beiden Ölbilder „Fels des Tarik“ und „Nasrin“ Joachim Lüdckes von 1977 und 1978. Nur jeweils 900 Euro stehen hier auf den Etiketten. Thomas Häfner tritt mit seiner „Phantastischen Waldszene“ von 1971 für 2.000 Euro hinzu, aus Österreich Ernst Fuchs mit seiner zehnteiligen Radierfolge „Esther“ von 1971/72 für 2.800 Euro. Bekannt für seine Aquarelle und Pastelle ist der Landschafts- und Stilllebenmaler Klaus Fußmann, in seiner „Landschaft Dänemark“ von 1990 betätigt er sich ausnahmsweise in großformatigem Öl (Taxe 10.000 EUR). Als Beispiel der wilden 1980er Jahre mit ihren neoexpressionistischen Trümmermalereien wartet ein „Chicago Kopf“ der Karl Horst Hödicke-Schülerin Barbara Quandt von 1988 bei 3.500 Euro auf Kundschaft. Neo Rauchs zeichnerisches Frühwerk „Saul Ascher“ von 1991 auf Goldlack soll 25.000 Euro einspielen.

Figürliches steht im Mittelpunkt der Skulpturenofferte wie ein posthumer, etwas teigiger Guss von Wilhelm Lehmbrucks goldbrauner Bronze „Kleine stehende, weibliche Figur“ von 1908 (Taxe 10.000 EUR), Bernhard Hoetgers kleines „Mädchen mit Reif“ von circa 1901, Waldemar Grzimeks goldbraune Bronze „Reitender II“ von 1967 (Taxen je 4.000 EUR) oder Renée Sintenis’ Darstellung eines laufenden Elefanten im Miniaturformat von 1954 für 15.000 Euro. Waldemar Ottos „Großer weiblicher Torso XII“ aus dem Jahr 1995 lässt von dem menschlichen Körper dagegen nicht viel übrig (Taxe 4.000 EUR). Noch etwas unkonventioneller wird es mit Wolf Vostell, dessen jeweils rund vierzig Zentimeter hohe Bronzen „Diskobol I“ von 1989/90 und „Aphrodite“ von 1991 antike Motive surreal interpretieren und verfremden (Taxen je 3.000 EUR). Als Meister der Fotografie tritt Sigmar Polke auf, wie gewohnt experimentell und witzig in Form seiner drei Offsetdrucke „Weekend I-III“ mit Nackerten von 1971/72 für 7.500 Euro.

Die Auktion beginnt am 2. Juni um 15 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 31. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, am 1. Juni bis 16 Uhr nur für auswärtige Besucher in der Rankestraße 24, 10789 Berlin, möglich. Der Katalog im Internet listet alle Objekte unter www.bassenge.com.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



29.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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