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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München

Man gähnt und schminkt sich



Eine fröhliche Ausgelassenheit prägt das bunte Treiben im „Tanzsaal in St. Pauli“, das Otto Dix um 1924/25 in einem Aquarell auf Papier festhielt. Man blickt in die lächelnden Gesichter einander umschlingender Paare, darunter das eines etwas derben Matrosen, der – die Pfeife noch im Mund – seine Partnerin energisch an sich zieht. Dass manche Miene verzerrt wirkt, eine sogar die aufgerissenen Züge einer Totenmaske trägt, sich hier und da unvorteilhafte Körperpartien in den Vordergrund schieben wie die Pobacken einer etwas korpulenten Dame, sind Begleiterscheinungen einer Beobachtungsgabe, um deren schonungslose Herausarbeitung Dix wohl einer grundsätzlichen Haltung entsprechend nicht umhinkann: Jedes Vergnügen hat eben seine ästhetischen Schattenseiten. Unmittelbar nach seinem Umzug 1925 von Düsseldorf nach Berlin gab der Künstler die Zeichnung zur dortigen Frühjahrsausstellung der Secession her. Bei Karl & Faber bildet sie nun einen Höhepunkt der Frühjahrsauktion moderner und zeitgenössischer Kunst am 24. Mai: Auf 200.000 bis 300.000 Euro ist das aus einer deutschösterreichischen Privatsammlung eingelieferte Blatt geschätzt. Die gleiche Provenienz hat die weiß gehöhte und gouachierte Kreidezeichnung „Liebespaar mit Kapuzinerkresse“, die 1929/30 als Vorzeichnung zum gleichnamigen und fast formatgleichen Ölgemälde entstand. Hier stehen 170.000 bis 250.000 Euro auf dem Etikett.


Annähernd zweihundert Losnummern hat das Münchner Auktionshaus zu einer beachtlichen Suite ausgewählter Werke zusammengestellt, mit einem Schwerpunkt auf dem deutschen Expressionismus. Neben Dix das bedeutendste Stück ist Felix Nussbaums 1930 datiertes Ölbild „Tanz an der Mauer (Sargträger)“, ein entsetzliches Szenario, das vor dem Hintergrund von Nussbaums KZ-Tod 1944 eine besonders grausige Wirkung entfaltet. Die bereits 2000 für 690.000 D-Mark bei Grisebach in Berlin versteigerte Leinwand aus der Sammlung Janet und Marvin Fishman hatte Karl & Faber bereits in seiner Fishman-Auktion im Oktober 2010 für 350.000 bis 400.000 Euro erfolglos angeboten. Nun ist der Preis auf 250.000 bis 300.000 Euro gesenkt. 60.000 bis 80.000 Euro soll ein Selbstbildnis kosten, das Paul Kleinschmidt 1932 mit dem für ihn charakteristischen raschen Pinselstrich und in heller, buttriger Farbpalette auf die hochformatige Leinwand strich. Bereits in Richtung Neue Sachlichkeit tendiert Max Burchartz’ nüchternes „Stillleben am Fenster mit Krug“ aus dem Jahr 1920, einst über die berühmte Düsseldorfer Galerie Flechtheim vermittelt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Der ungeschönten Wiedergabe menschlicher Verhaltensweisen im „Tanzsaal“ von Dix ähnlich und 1926 in zeitlicher Nähe entstanden ist George Grosz’ Aquarell „Nach dem Theater“: Auf den gähnenden Herrn und seine aufgetaktelte, mit ihrer Schminke beschäftigte Gattin, die da an einem Tisch sitzen und sich vom Kellner gerade die Sektgläser füllen lassen, scheint der Theaterbesuch nicht gerade inspirierend gewirkt zu haben (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Drei weitere ausgezeichnete Blätter stammen von Emil Nolde, wobei der markante Mädchenkopf mit stechend blauen Augen und rotblondem Haar um 1919/20 für 50.000 bis 70.000 Euro, das dichte, fast ein wenig rembrandtsche Selbstportrait von circa 1910/12 für 60.000 bis 80.000 Euro und die aquarellierte Tuschezeichnung „Jesus und die Schriftgelehrten“ in zackiger Expressivität 1931/32 für 120.000 bis 140.000 Euro trotz unterschiedlicher Schätzung wertmäßig einander kaum nachstehen. Alle drei kommen aus verschiedenen Privatsammlungen in Ost-, West- und Süddeutschland.

Von Ernst Ludwig Kirchners liegen vier Blätter bereit, darunter für jeweils 20.000 bis 25.000 Euro die aquarellierte Kreidezeichnung „Stillleben mit Enzian und Türkenbund“ aus der Zeit um 1920 und die etwas jüngere Farbkreide „Rastende Bauern“, die mit ihren kräftigen monochromen Farbflächen bereits das Spätwerk des Künstlers ankündigt. Avantgardistische Tendenzen, die nach einem neuen Ausdruck vor allem in der Form strebten, nehmen Lyonel Feiningers aquarellierte und humorvolle Tuschezeichnung „Regen“ von 1918 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR) und Robert Michels hübsches, leicht surreal angehauchtes Ölbild „Fische“ von 1922 für 12.000 bis 14.000 Euro auf. Den Schritt in die völlige Abstraktion geht Rudolf Jahns’ wohlkalkulierte Farbflächenkomposition „Die Rote Säule (Xerxes)“, die bereits im Entstehungsjahr 1925 den Besuchern einer Ausstellung der Gesellschaft der Freunde junger Kunst in Braunschweig vorgestellt wurde (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Hauptwerk des Impressionismus auf der Auktion ist Max Liebermanns skizzenhafte und doch bis in die Tiefen hinein deutlich ausformulierte Leinwand „Zwei Reiter im Tiergarten“ von 1919, die, bislang unbekannt, jetzt aus Hamburger Privatbesitz ans Licht der Öffentlichkeit gelangte (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Vom französischen Neoimpressionismus eines Paul Signac ist Ivo Hauptmanns „Blick auf den Hamburger Hafen“ von 1912 inspiriert, sowohl motivisch als auch stilistisch. Die Kraft und Präsenz eines echten Signac erreicht das Bild allerdings nicht, weswegen es nur mit 12.000 bis 14.000 Euro bewertet ist. Dem Dadaismus der frühen 1920er Jahre ist Gert Heinrich Wollheims Collage „Die kleine Finn“ zuzuordnen, auf der sich neben Zeichnungen und figuralen Illustriertenschnipseln auch ein Stempel der „Polizei-Verwaltung Düsseldorf“ findet (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR).

Zur Gegenwartskunst vermitteln zeitlich einige Spätwerke älterer Meister, von denen besonders Karl Schmidt-Rottluffs in ihrer haptischen Qualität fast erotische „Calla-Blumen“ auf einem Tuscheaquarell von 1962 Aufmerksamkeit verdienen (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR). Die jüngeren Künstler, die sich vor der Nazi-Zeit nicht mehr richtig entfalten konnten, befreiten sich nach dem Krieg umso selbstbewusster von ihren Fesseln, etwa Franz Luby mit seinem bunten Ölbild „Colosseo ministeriale (Der Amtsschimmel)“ von 1947 (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR) oder Heinz Trökes mit einigen surrealen, wohl von Max Ernst inspirierten Visionen wie „Urlandschaft“ von 1948 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder „Flugversuche“ von 1949 (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Gelegentlich wird es hier auch international, etwa mit Fernand Légers formstrenger Gouache „Bewegte Formen“, 1953 als Vorstudie zu einem Glasfenster für eine Kirche in der Schweiz entworfen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), und einem der insgesamt 420 Exemplare von Pablo Picassos 66 Radierungen zu Ferdinando de Rojas’ Theaterstück „La Célestine“ in der Pariser Ausgabe von 1971 (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR).

Stark vertreten ist die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit etwa mit Theodor Werners träumerisch in sphärischen Formen verspieltem „Kristallgarten“ von 1950 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), Rupprecht Geigers großer schwarzer Fläche auf blauweißem Grund „111 E“ ebenfalls von 1950 (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR) und zwei unverwechselbaren Kompositionen Adolf Fleischmanns von 1964 für bis zu 12.000 Euro. Besonders formalistisch wird es mit Günter Fruhtrunks „Komposition in Rot, Grün und Schwarz“ von 1971, die in ihrer vollkommen ungestörten Horizontalität ewig so weiterlaufen könnte (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Für die wilde Seite steht eine gestische Arbeit in Rot-Schwarz von dem Dänen K.R.H. Sonderborg aus dem Jahr 1959, die sich im Titel wie immer auf eine komplizierte Werknummer beschränkt und ansonsten in geheimnisvolles Schweigen hüllt (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Der Folgen einer Farbtopfexplosion, die Sam Francis 1991 mit Acryl und Wachs auf Velin herbeigeführt zu haben scheint, kann man sich für 14.000 bis 16.000 Euro bemächtigen.

Norbert Biskys zwei Meter breite blonde Jungmännerfantasie „ducken und durchhalten“ von 2002 ist das Toplos der jungen Figuralmalerei (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), der sich etwa noch einige Italiener der postmodernen Transavantguardia mit einigen kleineren, symbolhaften Verschlüsselungen anschließen, etwa Mimmo Paladino mit der collagierten Zeichnung „Jäger und Beute“ von 1982, Sandro Chia mit einer Mischtechnik samt zentral platziertem Menschen (Taxen je 5.000 bis 6.000 EUR) oder Francesco Clemente mit dem Aquarell „Pensiun Chastè“ von 1983, in dem er den Geist des oberengadinischen Gasthauses humorvoll einfängt (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Deutliche Kritik an der gesellschaftlichen und politischen Verfassung der 1960er Jahren hat Uwe Lausen in seinen aufrüttelnden Bildern geübt, so auch in der Buntstiftzeichnung „Jesus ist langweilig“ von 1967 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Überwiegend figural ist ferner die Skulpturenofferte. Emil Orlik, heute vor allem als Grafiker bekannt, tat sich im Zeitraum um 1905/15 mit der Bronze eines knienden weiblichen Aktes hervor, die an ähnliche Arbeiten seiner Zeitgenossen Fritz Klimsch oder Georg Kolbe erinnert (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). In der Tradition klassischer Tierskulpturen wie August Gauls Bronze eines sich wälzenden Esels von 1911 (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) steht Diego Giacomettis filigrane Bronzespielerei „L’autruche“ von 1977 mit echtem Straußenei für 40.000 bis 45.000 Euro. Freunde gepflegter Abstraktion werden sich dagegen über Alf Lechners einen halben Meter hohe Edelstahlplastik „Zwei Halbkreise“ (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und Fritz Koenigs runde, blütenhafte „Kleine Landschaft“ auf 27 Zentimetern Durchmesser von 1971 für 6.000 bis 8.000 Euro freuen.

Die Auktion beginnt am 24. Mai um 16 Uhr. Die Besichtigung ist von 17. bis zum 22. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, am 23 von 10 bis 14 Uhr möglich.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



20.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 25.000,- EURO

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Taxe: 7.000 - 8.000 EURO

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

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Taxe: 14.000 - 16.000 EURO

Losnummer: 506




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